{"id":11122,"date":"2021-02-07T19:48:53","date_gmt":"2021-02-07T19:48:53","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11122"},"modified":"2023-02-26T13:20:50","modified_gmt":"2023-02-26T12:20:50","slug":"1-petrus-5-1-4-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-petrus-5-1-4-3\/","title":{"rendered":"1. Petrus 5, 1-4"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Miserikordias Domini, 30. April 2006<br \/>\nPredigt zu 1. Petrus 5, 1-4, verfasst von Anne T\u00f6pfer<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p><strong>1. Verantwortliche F\u00fchrung<br \/>\n<\/strong>In unserem Alltag geht es oft genug um Verantwortung und um Macht. Die Politik in Europa und hier in Kenia ist ein Beispiel daf\u00fcr, auch wenn es bei weitem nicht immer ein Gutes ist. In diesem Umfeld von Verantwortung und Macht wird \u2013 aus leider immer wieder gegebenem Anlass \u2013 auf den F\u00fchrungsstil geachtet. Und es gibt Grund genug zur Kritik: Korruption und Vorteilnahme sind trotz vielf\u00e4ltiger Bem\u00fchungen der KACC (Kenya Anti Corruption Commission) leider noch nicht so erfolgreich wie es w\u00fcnschenswert und notwendig w\u00e4re.<\/p>\n<p>Solche Erfahrungen, die in Europa genauso gegenw\u00e4rtig sind wie in Kenia, lassen uns fragen:<br \/>\nWer ist geeignet eine verantwortliche F\u00fchrungsposition zu \u00fcbernehmen?<br \/>\nWen k\u00f6nnen wir w\u00e4hlen?<br \/>\nWas erwarten wir von denen, denen wir Verantwortung anvertrauen?<br \/>\nSo gab und gibt es vor Wahlen immer wieder so genannte Wahlpr\u00fcfsteine. Kriterien werden aufgestellt, deren Erf\u00fcllung erwartet wird. Kandidatinnen und Kandidaten werden daraufhin befragt oder ihre schriftliche Stellungnahme wird eingeholt.<\/p>\n<p>Auch wir als Gemeinde stehen kurz vor einer Wahl, der Wahl neuer Mitglieder f\u00fcr den Gemeindevorstand. Es geht darum, Verantwortung f\u00fcr die Gemeinde zu \u00fcbernehmen \u2026 f\u00fcr die Verwaltung der Gemeinde ebenso wie f\u00fcr das geistliche Leben.<br \/>\nGibt es auch hierf\u00fcr Kriterien, die abgefragt werden k\u00f6nnten von denen, die bereit sind zu kandidieren? Dazu der Predigttext f\u00fcr heute:<\/p>\n<p><strong>2. 1. Petrus 5,1-4<\/strong><br \/>\n1 Die <strong>\u00c4ltesten<\/strong> unter euch <strong>ermahne<\/strong> ich, der Mit\u00e4lteste und Zeuge der Leiden Christi, der ich auch teilhabe an der Herrlichkeit, die offenbart werden soll:<br \/>\n2 <strong>Weidet<\/strong> die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist; <strong>achtet<\/strong> auf sie, nicht gezwungen, sondern <strong>freiwillig<\/strong>, wie es Gott gef\u00e4llt; <strong>nicht<\/strong> um sch\u00e4ndlichen <strong>Gewinns<\/strong> willen, sondern von <strong>Herzensgrund<\/strong>;<br \/>\n3 nicht als Herren \u00fcber die Gemeinde, sondern als <strong>Vorbilder<\/strong> der Herde.<br \/>\n4 So werdet ihr, wenn erscheinen wird der <strong>Erzhirte<\/strong>, die unverg\u00e4ngliche Krone der Herrlichkeit empfangen.<\/p>\n<p><strong>3. Die Adressaten<br \/>\n<\/strong>Die Adressaten dieser Worte sind die Menschen in der Leitung einer christlichen Gemeinde. Die \u00c4ltesten\/die Presbyter \u2013 und damit sind keineswegs nur die an Jahren Alten gemeint \u2013 das sind bei uns heute die Mitglieder des Gemeinde- oder Kirchenvorstands.<br \/>\nSie werden mit einem Bild beschrieben. Sie sollen die Herde Gottes weiden. Sie sollen Hirten sein. Lateinisch: Pastoren, Kiswahili: Mchungaji<br \/>\nBeide Worte haben eben diese doppelte Bedeutung \u2026 der Hirte, einer Herde, seien es Schafe oder andere Tiere \u2026 der Geistliche, als Pastor einer Gemeinde.<br \/>\nMit den \u00c4ltesten in unserem Predigttext sind aber keineswegs nur die Pastoren und Pastorinnen gemeint. Es geht nicht um eine\/n, die\/der einer Gruppe sagt, wo es lang gehen soll. Es geht um eine Leitungsgruppe, in der die Pastorin (in unserem Fall hier in Nairobi) eine ist. So wie nach biblischem Verst\u00e4ndnis auch der Pastor einer aus der Gemeindeleitung mit einem besonderen Dienst ist.<\/p>\n<p>Das Bild des Hirten und der Herde st\u00f6\u00dft aber auch auf Widerspruch: \u201eWir sind doch keine \u201adummen\u2019 Schafe\u201c sagen berechtigterweise viele. Und ich bin \u00fcberzeugt, dass das sich nur wenige Leitende so verstehen.<br \/>\nAber das Bild bietet auch noch mehr: Gruppen von Menschen, sei es in den Kommunen, L\u00e4ndern, Staaten und auch in christlichen Gemeinden brauchen F\u00fchrung. Und es muss Menschen geben, die bereit sind F\u00fchrungsaufgaben zu \u00fcbernehmen. Und auch das gilt: Nicht jeder eignet sich dazu \u2026 aber doch mehr als es sich selbst zutrauen!<\/p>\n<p><strong>4. Verantwortung<\/strong><br \/>\nEs werden Menschen angesprochen, die sich bereit erkl\u00e4rt haben, Verantwortung zu \u00fcbernehmen. Das ist leichter gesagt als getan. Mit Verantwortung ist auch Macht verbunden. Ich komme hinein in eine Struktur, die ich nicht geschaffen habe. Ich kann \u2013 trotz aller guten Absichten \u2013 Fehler machen und den \u00fcbernommenen Aufgaben nicht gewachsen sein. Es ist m\u00f6glich, dass es mir dabei nicht anders geht als so manchem Politiker, der mit guten Vors\u00e4tzen sein Amt angetreten hat und mit der Zeit entdeckt, dass sein Handlungsspielraum begrenzt ist.<\/p>\n<p><strong>5. Profil<\/strong><br \/>\nIn diesemBedeutungsrahmen von verantwortlicher F\u00fchrung bietet der heutige Predigttext Hinweise auf Kriterien im Sinne von Wahlpr\u00fcfsteinen. Er beschreibt das Profil von Menschen, die Verantwortung \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p><strong>a) weidet sie \u2026 achtet auf sie<br \/>\n<\/strong>Die Aufgabe, die diesen Leitenden \u00fcbertragen ist lautet:<br \/>\nSie sollen die Herde weiden und auf sie achten. Sie sollen Verantwortung \u00fcbernehmen.<br \/>\nIm Bild bleibend: Die Herde braucht eine Lebensgrundlage. Sie brauchen etwas zu essen und etwas zu trinken, eben die grundlegende Dinge des Lebens.<\/p>\n<p>Das kann f\u00fcr eine christliche Gemeinde hei\u00dfen: Verantwortung f\u00fcr die Gemeinschaft der Verschiedenen \u00fcbernehmen. Sich einbringen mit den eigenen F\u00e4higkeiten \u2026 sei es in der Verwaltung, beim Bau, in Projekten und bei den Finanzen, im sozialen Engagement und auch in der Gestaltung von Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen. Das kann hei\u00dfen: die Lebensgrundlage f\u00fcr eine christliche Gemeinde bereiten.<\/p>\n<p><strong>b) freiwillig<br \/>\n<\/strong>Dies soll freiwillig geschehen und <em>nicht um sch\u00e4ndlichen Gewinns willen.<br \/>\n<\/em>Sch\u00e4ndlicher Gewinn hat keinen guten Ruf.<br \/>\nAber wie steht es mit dem Gewinn. Erwartet nicht jemand, die\/der bereit ist Verantwortung zu \u00fcbernehmen (dies geschieht in einer christlichen Gemeinde in der Regel ehrenamtlich) nicht auch etwas. Wenigstens Anerkennung, vielleicht auch Aufmerksamkeit und Ansehen?<br \/>\nIn Europa oder zumindest in Deutschland ernten viele doch eher ein unverst\u00e4ndliches Kopfsch\u00fctteln, wenn sie am Arbeitsplatz oder in der Nachbarschaft erz\u00e4hlen, dass sie bereit sind in der Gemeindeleitung mitzuarbeiten und Zeit und Energie zu investieren. Hier in kenianischen Kirchen ist das noch anders, aber auch in unserer Gemeinde werden manche eher bel\u00e4chelt, wenn sie dazu bereit sind.<\/p>\n<p>Anders als freiwillig geht es heute nicht. Wir k\u00f6nnen ja gl\u00fccklicherweise niemanden dazu zwingen. Und die Erfahrung lehrt auch, dass man als Teil einer Gruppe nicht immer freiwillig handeln kann. Es wird immer Situationen geben, in denen Entscheidungen getroffen werden m\u00fcssen, die nicht von jeder\/jedem in gleichem Ma\u00dfe geteilt werden.<\/p>\n<p>Freiwillig geht aber noch weiter \u2026 das n\u00e4chste Kriterien ist nicht davon abzukoppeln:<\/p>\n<p><strong>c) von Herzensgrund\/Hingebung (Z\u00fcrcher)<\/strong><br \/>\nNicht nur mein Kopf ist notwendig, wenn ich entscheiden soll, ob ich bereit bin f\u00fcr den Gemeinde-\/Kirchenvorstand zu kandidieren. Die Aufgaben sollen <em>von Herzensgrund<\/em> angegangen werden. Hier bekommt die Freiwilligkeit eine gr\u00f6\u00dfere Tiefe. Hier kommt die Liebe ins Spiel.<br \/>\nDas hei\u00dft f\u00fcr eine leitende Position in der Gemeinde: Mein Herz zu befragen, was jetzt dran ist. Das hei\u00dft in Entscheidungssituation zu Gott zu beten und ihn um Rat und Richtung zu bitten. Das hei\u00dft sich einf\u00fchlen, wie sollte denn nun eine Entscheidung sei es in Bezug auf ein Bau- oder Projektvorhaben, die Gestaltung von Unterricht und Gottesdienst aussehen.<\/p>\n<p>Gerade in einer Kirchengemeinde w\u00fcnsche ich mir, dass unsere Entscheidungen von Herzensgrund, mit Liebe und Einf\u00fchlung, getroffen werden. Das hei\u00dft nicht, dass wir den Verstand dabei ausschalten, sondern im Gegenteil, auch unser Verstand ist ein Geschenk Gottes, das wir gebrauchen sollten (daf\u00fcr habe wir ihn ja schlie\u00dflich bekommen!). Aber unsere vern\u00fcnftigen Entscheidungen sollen auch liebevoll sein.<\/p>\n<p>Aber kann ich immer aus Liebe handeln? Leider nein! Es wird immer Situationen geben, in denen es zumindest schwierig ist, genau zu wissen, welche Entscheidung von Herzensgrund kommen w\u00fcrde. Und nicht immer sind wir mit unseren Fehlern unfehlbar auch in Bezug auf liebevolle Entscheidungen. Wir sind eben nicht perfekt.<\/p>\n<p>Aber auch das andere gilt f\u00fcr mich: Was wir nicht von Herzensgrund tun, k\u00f6nnen wir auch getrost lassen. Denn wenn uns das fehlt, dann fehlt uns Wesentliches.<\/p>\n<p>So kommen wir zum letzten Kriterium:<\/p>\n<p><strong>d) nicht als Herren, sondern Vorbilder<br \/>\n<\/strong> Wir sind nicht die Herren (und auch nicht Damen, obwohl dies eine andere Konnotation hat \u2026 J ). Verantwortung in der Gemeindeleitung \u00fcbernehmen ist nicht in erster Linie eine Machtposition, sondern ein Dienst.<br \/>\nIn der Verfassung meiner Heimatkirche (ErK \u00a7 4, d, 1.) hei\u00dft es in der Ordnung der Kirche: <em>Keine Gemeinde darf \u00fcber eine andere, kein Gemeindeglied \u00fcber ein anderes Vorrang oder Herrschaft beanspruchen.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Die Alternative dazu: seid Vorbilder!<br \/>\nEinfacher gesagt als getan. Vorbilder welcher Couleur auch immer legen die Latte oft so hoch, dass wir sie nie \u00fcberspringen k\u00f6nnen.<br \/>\nAber was macht sie zu Vorbildern? Sie nehmen Verantwortung wahr f\u00fcr das Leben der Gemeinde. Sie bringen sich und ihre F\u00e4higkeiten in Leitungspositionen ein. Sie k\u00f6nnen sich einf\u00fchlen und bem\u00fchen sich so zu denken wie die, die ihnen Verantwortung \u00fcbertragen haben. Man k\u00f6nnte auch sagen: Ein guter Hirte macht sich selbst zum Schaf und versucht die Herde so auf den richtigen Weg zu bringen \u2026 nicht mit Gewalt und Zwang, sondern durch sein Tun und Lassen. Ein guter Hirte, ein Verantwortlicher in der Gemeindeleitung beherrscht die Hebammenkunst. Er oder sie gebiert nicht selbst, aber hilft dem Leben auf die Welt.<\/p>\n<p>Aber auch hier gibt es Grenzf\u00e4lle. Was macht ein Hirte, wenn die Herde auseinander l\u00e4uft, der eine nach hier, die andere nach dort? In solchen F\u00e4llen ist es gut, dass die Verantwortung nicht in einer Hand alleine liegt, sondern bei einer Gruppe von Menschen, die sich von Gott begleitet, geleitet und gehalten wissen.<\/p>\n<p><strong>6. Fazit<\/strong><br \/>\nAlles zusammengenommen ist auch ohne die Nennung prominenter Vorbilder schon ganz sch\u00f6n heftig. Die Latte liegt hoch. Werden sich jetzt noch Menschen finden lassen, die bereit sind Verantwortung in der Gemeindeleitung zu \u00fcbernehmen?<\/p>\n<p>Eine Entlastung finden wir im Kapitel vorher: 1. Petrus 4,10: <em>Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes.<br \/>\n<\/em>Die Aufgaben sind vielf\u00e4ltig und nur gemeinsam werden wir dem Idealbild n\u00e4her kommen. Dazu sind eine Vielzahl von Gaben und Menschen n\u00f6tig. Und die haben wir, hier in Nairobi wie an vielen anderen Orten dieser Welt.<br \/>\nWir sollten es dabei anders machen als schlechte Vorbilder, die hier und in Europa zu finden sind.<br \/>\nWir sollten uns erg\u00e4nzen mit allem, was wir gut k\u00f6nnen (Erg\u00e4nzung in den St\u00e4rken).<br \/>\nWir sollten uns gegenseitig st\u00e4rken an unseren schwachen Punkten (St\u00e4rkung in den Schw\u00e4chen).<br \/>\nUnd bei allem, was wir tun und lassen, ist unser Auftrag:<br \/>\nGemeinsam f\u00fcr die Liebe Gottes in der Welt in Strukturen, im Alltag und in Extremsituationen einzutreten.<br \/>\nAMEN<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache Kenia\/<br \/>\nGerman Speaking Evangelical Lutheran Congregation in Kenya<br \/>\nAnne T\u00f6pfer<br \/>\nP.O.Box 14723<br \/>\nNairobi<br \/>\n00800<br \/>\nKenya<br \/>\nFon: +254 20 444 2022<br \/>\nMobil: +254 734 38 33 57<br \/>\n<a href=\"mailto:kirchenairobi@iconnect.co.ke\">kirchenairobi@iconnect.co.ke<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Miserikordias Domini, 30. 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