{"id":11129,"date":"2021-02-07T19:48:56","date_gmt":"2021-02-07T19:48:56","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11129"},"modified":"2023-02-09T09:27:08","modified_gmt":"2023-02-09T08:27:08","slug":"2-korinther-416-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-korinther-416-18\/","title":{"rendered":"2. Korinther 4,16-18"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Jubilate, 7. Mai 2006<br \/>\nPredigt zu 2. Korinther 4,16-18, verfasst von Andreas Brummer<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>2 Korinther 4,16-18<br \/>\n<em>Wir werden nicht m\u00fcde;<br \/>\nsondern wenn auch unser \u00e4u\u00dferer Mensch zerf\u00e4llt,<br \/>\nso wird doch der innere Tag f\u00fcr Tag erneuert.<br \/>\nDenn unsere Tr\u00fcbsal, die zeitlich und leicht ist,<br \/>\nschafft eine ewige und \u00fcber alle Ma\u00dfen gewichtige Herrlichkeit,<br \/>\nuns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare.<br \/>\nDenn was sichtbar ist, ist zeitlich; Was aber unsichtbar ist, das ist ewig.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>1<br \/>\n<em>Wir werden nicht m\u00fcde&#8230;<br \/>\n<\/em>Ein trotziger Satz ist das. F\u00fcr sich genommen klingt er ein wenig nach einer Mischung aus Durchhalteparole und Kampfansage. \u201eWir werden nicht m\u00fcde werden darauf hinzuweisen, dass &#8230;\u201c &#8211; so \u00e4hnlich fangen manche Protestnoten an. Sie zielen auf Selbstvergewisserung und wollen doch ein \u2013 oft nur ohnm\u00e4chtiges &#8211; Signal geben: Mit uns ist weiter zu rechnen, mag die Sache auch aussichtslos scheinen.<br \/>\nWir werden nicht m\u00fcde&#8230;<\/p>\n<p>2<br \/>\nWir feiern heute den Sonntag Jubilate. Drei Wochen nach Ostern hei\u00dft es: \u201eJauchzet Gott, alle Lande\u201c. Und wir werden eingeladen in den \u00f6sterlichen Jubel einzustimmen: vorbehaltlos, endlich einmal ohne angezogene Handbremse, mit Leib und Seele.<br \/>\nDer Jubel, den Paulus uns an diesem Sonntag Jubilate anzubieten hat, ist verhaltenerer Art &#8211; wenn&#8217;s denn \u00fcberhaupt ein Jubel ist. Denn da springt keiner mit beiden Beinen in die H\u00f6he und reisst die Arme in die Luft wie im Fussballstadion, wenn der Ball im Tornetz zappelt. Eher ist&#8217;s, als ob ihm versteckte Gewichte an den F\u00fc\u00dfen kleben und der Apostel nur eben den Kopf recken kann, um trotzig seinen Widersachern entgegenzuhalten: Wir geben nicht auf. <em><br \/>\n<\/em>Doch immerhin: Das kann er und das tut er. Den Kopf reckt er nach oben. Zum Himmel streckt er sich, obwohl vieles ihn zu Boden dr\u00fccken will.<br \/>\nDas ist eine Kraftanstrengung. Da braucht es andere Gewissheiten und Kr\u00e4fte, als die, die uns vor Augen liegen. F\u00fcr Paulus ist das der Blick in die Weite der Zeit, in das Morgen Gottes, das am Ostermorgen seinen Anfang genommen hat. Von Ostern her hat alle Tr\u00fcbsal, alle Beschwernis, seine Grenze, sein Ma\u00df. &#8222;Es hat seine Zeit&#8220;, sagt Paulus sich und uns \u00fcber das, was seine Lebenswaage nach unten dr\u00fcckt: &#8222;Es bleibt nicht auf ewig&#8220;. Deshalb: &#8222;Kopf hoch. Denn da ist ein Gegenwicht, das liegt zwar noch nicht auf der Waagschale deines Lebens, aber es wird schon gefertigt und es ist f\u00fcr deine Lebenswaage bestimmt&#8220;.<br \/>\n&#8230; d<em>enn unsere Tr\u00fcbsal, die zeitlich und leicht ist,<br \/>\nschafft eine ewige und \u00fcber alle Ma\u00dfen gewichtige Herrlichkeit,<br \/>\nuns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare.<br \/>\nDenn was sichtbar ist, ist zeitlich; Was aber unsichtbar ist, das ist ewig.<\/em><\/p>\n<p>3<br \/>\n<em>Wir werden nicht m\u00fcde &#8230;<\/em><br \/>\nNicht m\u00fcde werden<br \/>\nSondern dem Wunder<br \/>\nLeise<br \/>\nWie einem Vogel<br \/>\nDie Hand hinhalten<\/p>\n<p>Hilde Domin trifft Paulus. Leise Lyrik begegnet apostolischer Kampfansage. Ein seltsames Aufeinandertreffen. Und dennoch greifen sie ineinander, verweben sie Sichtbares mit Unsichtbarem. Denn beides liegt nah beieinander: Das Wunder im Vogel, der Vogel im Wunder. Der innere im \u00e4u\u00dferen Menschen, der \u00e4u\u00dfere im inneren. Nicht jetzt ist das Sichtbare und sp\u00e4ter kommt dann das Unsichtbare. F\u00fcr Paulus gibt es da keine Abfolge, kein Nacheinander. Er ist kein Jenseitsvertr\u00f6ster. Im Hier und jetzt ist f\u00fcr ihn beides wirklich und greifbar. Tag f\u00fcr Tag. Am eigenen Leib, so sagt er, kann man\u2019s doch sp\u00fcren. In allem Verfall ist etwas, das wird neu. Nimm es doch nur wahr! Lass dich doch darauf ein!<br \/>\nEin apostolischer Optimismus ist das, den Paulus mit scheinbar letzter Kraft hier hochh\u00e4lt. Ein Optimismus des Glaubens und nicht des Schauens, der daran festh\u00e4lt: Am Ende, ganz am Ende wird die Rechnung nicht ohne Gott gemacht.<br \/>\n&#8230;<em> unsere Tr\u00fcbsal, die zeitlich und leicht ist,<br \/>\nschafft eine ewige und \u00fcber alle Ma\u00dfen gewichtige Herrlichkeit.<\/em><\/p>\n<p>4<br \/>\nDas ist ein sch\u00f6ner Trost und ein sch\u00f6nes Bild dazu: Die <em>gewichtige Herrlichkeit<\/em>. Das Schwergewicht &#8222;Leben&#8220;. In ausgezehrter und d\u00fcrftiger Zeit mit den entsprechenden Sch\u00f6nheitsidealen atmet dieses Bild zugleich etwas wohltuend Subversives.<br \/>\nStellen sie sich es nur vor: Da sitzen Tod und Leben auf einer Wippe. Noch macht der Tod sich breit mit all seiner d\u00fcsteren Last und l\u00e4sst grinsend das Leben in der Luft zappeln. Doch pl\u00f6tzlich wird das Leben schwerer und schwerer und l\u00e4sst sich mit seinem ganzen, nun nahezu barocken Schwergewicht auf die Wippe fallen: Und der d\u00fcrre Tod wird durch die Luft geschleudert &#8211; und da sitzt er dann am Boden und reibt sich ungl\u00e4ubig den Staub aus den Augen. <em>Denn was sichtbar ist, ist zeitlich, was aber unsichtbar ist, das ist ewig.<\/em><\/p>\n<p>5<br \/>\nIch weiss nat\u00fcrlich: Das ist eine verwegene Hoffnung, die Paulus hier in Worte kleidet. Eine Hoffnung gegen den Augenschein. Ob sie sich gegen die Erm\u00fcdungen und Beschwernisse unserer Tage durchzusetzen vermag? Der Apostel hat ja nur wenig in der Hand. Er klammert sich fest an der Geschichte des einen, der in den Tod ging und den der Tod nicht festhalten konnte. <em>&#8230; denn wir wissen, dass der, der den Herrn Jesus auferweckt hat, auch uns auferwecken wir mit ihm und wird uns vor sich aufstellen samt ihm<\/em>. So schreibt er nur wenige Verse vorher. Und diese \u00f6sterliche Hoffnung dekliniert er jetzt durch den Alltag seines Lebens. Oder besser: Er l\u00e4sst sie nun auch ganz f\u00fcr sich gelten. Er l\u00e4sst sie schon jetzt hineinreichen in sein Leben und stellt sich mit all seinen m\u00fcden Knochen mitten hinein in das \u00f6sterliche Sonnenlicht.<br \/>\nDas Bild vom inneren Menschen, der sich Tag f\u00fcr Tag erneuert, ist dabei bereits eine Art Vorgriff oder Vorausschau auf das, was Auferstehung meint. Fortsetzung folgt, gewiss &#8211; und das Schwergewicht \u201eLeben\u201c hat den Platz auf der Wippe noch nicht eingenommen:<br \/>\nUnd doch steht da schon heute einer auf, und dann Tag f\u00fcr Tag neu.<br \/>\nDa lacht das Leben dem Tod nun jeden Morgen fr\u00f6hlich oder auch trotzig ins Angesicht,<br \/>\nobwohl es weiss: noch gibt sich der Tod nicht geschlagen.<br \/>\nDa wirken Menschen mit an all den kleinen Aufst\u00e4nden gegen den Tod,<br \/>\nauch wenn noch d\u00fcstere Schlagzeilen die Welt regieren.<br \/>\nUnd da werden Menschen nicht m\u00fcde,<br \/>\nsondern halten dem Wunder<br \/>\nleise<br \/>\nwie einem Vogel<br \/>\ndie Hand hin.<\/p>\n<p><em>Wir werden nicht m\u00fcde;<br \/>\nsondern wenn auch unser \u00e4u\u00dferer Mensch zerf\u00e4llt,<br \/>\nso wird doch der innere Tag f\u00fcr Tag erneuert.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><em>Denn unsere Tr\u00fcbsal, die zeitlich und leicht ist,<br \/>\nschafft eine ewige und \u00fcber alle Ma\u00dfen gewichtige Herrlichkeit,<br \/>\nuns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><em>Denn was sichtbar ist, ist zeitlich; Was aber unsichtbar ist, das ist ewig.<\/em><\/p>\n<div class=\"Stil1\">\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-size: 16px;\"><strong><span style=\"font-family: Arial;\">Pastor Andreas Brummer<\/span><\/strong><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16px;\"><strong><span style=\"font-family: Arial;\">L\u00fcneburger Damm 4B<\/span><\/strong><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16px;\"><strong><span style=\"font-family: Arial;\">30625 Hannover<\/span><\/strong><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16px;\"><strong><span style=\"font-family: Arial;\">e-mail: <a title=\"mailto:Andreas.Brummer@evlka.de\" href=\"mailto:Andreas.Brummer@evlka.de\">Andreas.Brummer@evlka.de<\/a><\/span><\/strong><\/span><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jubilate, 7. Mai 2006 Predigt zu 2. Korinther 4,16-18, verfasst von Andreas Brummer 2 Korinther 4,16-18 Wir werden nicht m\u00fcde; sondern wenn auch unser \u00e4u\u00dferer Mensch zerf\u00e4llt, so wird doch der innere Tag f\u00fcr Tag erneuert. Denn unsere Tr\u00fcbsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und \u00fcber alle Ma\u00dfen gewichtige Herrlichkeit, uns, die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":15001,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[43,1,1256,727,157,853,114,350,748,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-11129","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-2-korinther","category-aktuelle","category-andreas-brummer","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-jubilate","category-kapitel-04-chapter-04-2-korinther","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11129","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11129"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11129\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16838,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11129\/revisions\/16838"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15001"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11129"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11129"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11129"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=11129"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=11129"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=11129"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=11129"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}