{"id":11141,"date":"2021-02-07T19:49:06","date_gmt":"2021-02-07T19:49:06","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11141"},"modified":"2023-02-03T09:27:56","modified_gmt":"2023-02-03T08:27:56","slug":"apostelgeschichte-1623-34-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/apostelgeschichte-1623-34-2\/","title":{"rendered":"Apostelgeschichte 16,23-34"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><strong>Narrative Predigt zum Kerkermeister und seine Erfahrungen mit Paulus und Silas (Apg 16,23-34)<\/strong><\/h3>\n<h3><strong>Kantate 2006, verfasst von Dr. Friedrich Seven<\/strong><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Ja, das ist richtig, Euch hat noch der Apostel Paulus getauft. Wir wurden damals alle in unserem Haus von ihm und Silas getauft. Wie es dazu gekommen ist, sollte ich Euch vielleicht doch einmal erz\u00e4hlen, gefragt danach habt ihr ja schon oft.<\/p>\n<p>Wie Ihr wi\u00dft, war ich fr\u00fcher Kerkermeister von Beruf und hatte von den Christen bis dahin nur wenig geh\u00f6rt, und dieses wenige war nichts gutes. Sie w\u00fcrden behaupten, so erz\u00e4hlte man, ein gewisser Jesus von Nazareth sei wie ein Verbrecher mit zwei anderen am Kreuz hingerichtet worden und dann, am dritten Tag danach, wieder erschienen. Wer ihm begegne, w\u00fcrde an ihn glauben und dessen Leben n\u00e4hme von da ab eine ganz andere Richtung.<\/p>\n<p>Eines Abends wurden zwei von diesen Christen zum Kerker gebracht, und ihnen war anzusehen, da\u00df man sie schwer gefoltert hatte. Ihr werdet Euch schon denken, wer diese beiden waren?, jawohl: Paulus und Silas, aber ich konnte mit ihren Namen damals noch nichts anfangen. Ich tat nur, wie mir befohlen, und legte sie trotz ihrer gro\u00dfen Schmerzen noch in den Stock.<\/p>\n<p>Weshalb man sie hierher gebracht und ihnen zuvor so grausam zugesetzt hatte, konnte ich ohnehin nur erahnen. Mein Knecht hatte wohl davon geh\u00f6rt, da\u00df sie mit dem, was sie getan und wohl noch mehr mit dem, was sie im Ort erz\u00e4hlt h\u00e4tten, f\u00fcr Unruhe und Aufruhr gesorgt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>In der Nacht dann h\u00f6rten mein Knecht und ich sie in ihrer Zelle singen, doch wir wollten ihnen zun\u00e4chst eigentlich keine Aufmerksamkeit schenken. Sie waren beileibe nicht die ersten Gefangenen, die sich des nachts mit Singen ihre Angst und Einsamkeit zu vertreiben suchten. F\u00fcr gew\u00f6hnlich nahm solcher Gesang im Laufe der langen N\u00e4chte einen immer trotzigeren Ton an, so als wollten uns die Gefangenen damit drohen und uns wissen lassen, da\u00df mit ihnen noch zu rechnen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Doch war heute nacht dieser trotzige Ton nicht zu h\u00f6ren, und \u00fcberhaupt schienen die beiden nicht f\u00fcr uns und ihre Mitgefangenen zu singen, ja nicht einmal f\u00fcr sich selbst. Wir hatten das Gef\u00fchl, sie sangen f\u00fcr einen, der noch bei ihnen war, obwohl wir doch keinen dritten in die Zelle gesperrt hatten.<\/p>\n<p>Vielleicht gerade weil sie so sangen, h\u00f6rten wir ihnen dann doch immer mehr zu. Auch ihre Mitgefangenen schienen das zu tun, denn aus deren Zellen war nach kurzer Zeit kaum mehr ein Laut zu h\u00f6ren.<br \/>\nF\u00fcr wen mochten die beiden wohl singen?<\/p>\n<p>Mein Knecht hatte die erste Wache, und ich legte mich schlafen. Obwohl mich dabei gew\u00f6hnlich nichts st\u00f6ren konnte, hatte ich diesmal doch M\u00fche einzuschlafen, nicht weil sie noch sangen, aber weil mich die Frage nicht loslie\u00df.<\/p>\n<p>Wie lange ich wohl geschlafen habe, wei\u00df ich nicht. Das erste, was ich erinnern kann, ist, da\u00df ich bereits von der Liege gest\u00fcrzt war, als ich mit gro\u00dfem Schrecken aufwachte. Ich wollte aufstehen, sp\u00fcrte aber, wie der Boden unter mir wankte, meinte zu sehen, da\u00df die W\u00e4nde auseinandergerissen wurden, und h\u00f6rte wie T\u00fcren herausfielen.<\/p>\n<p>Ich kroch ich in die Stubenmitte, zog mich ganz zusammen und legte die H\u00e4nde auf den Kopf, aber das Dach st\u00fcrzte nicht auf mich herab, sondern wurde zu den Seiten von den W\u00e4nden mitgerissen.<br \/>\n\u201eEin Erdbeben!\u201c h\u00f6rte ich meinen Knecht schreien.<\/p>\n<p>Als nach einiger Zeit die St\u00f6\u00dfe nachlie\u00dfen und die Erde wieder ruhig war, konnte ich mich aufrichten, stolperte \u00fcber die aus dem Boden herausgel\u00f6sten Steine und schaute auf die Zellen, deren T\u00fcren s\u00e4mtlich herausgefallen waren. \u201eDa m\u00fcssen auch die Fu\u00dffesseln gel\u00f6st sein\u201c, dachte ich noch, und schaute gar nicht mehr nach. Vermutlich waren die Gefangenen bereits im Schutze der Dunkelheit und im Chaos, das sicher drau\u00dfen herrschte, gerade auf dem Weg aus der Stadt.<\/p>\n<p>Ich wu\u00dfte, was das ganze f\u00fcr mich bedeutete: Ein Kerkermeister, dem die Gefangenen davongelaufen sind, hat seinen Beruf verfehlt und sein Leben verwirkt. Wer mag schon gerne zum Gesp\u00f6tt werden. Eigentlich, so gestand ich mir ein, haben die Sp\u00f6tter ja auch recht. Hatte nicht die Sicherheit vor Verbrechern in unserem Ort in meinen H\u00e4nden gelegen. Das Erdbeben w\u00fcrde schneller vergessen sein als die Tatsache, da\u00df mir die Gefangenen weggelaufen waren. Mein Knecht?, ja der k\u00f6nnte anderswo unterkommen, aber mir w\u00fcrde keiner mehr ein Gef\u00e4ngnis anvertrauen.<\/p>\n<p>Ich zog mein Schwert, und mein Knecht schaute zur Seite, auch er wu\u00dfte, was mir hier zu tun \u00fcbrigblieb.<\/p>\n<p>\u201eTu dir nichts \u00fcbles, denn wir sind alle hier!\u201c h\u00f6rte ich pl\u00f6tzlich, als ich mich gerade in das Schwert st\u00fcrzen wollte. Ich hatte die Stimme von Paulus erkannt. Sofort lie\u00df ich mir von meinem Knecht ein Licht geben und sprang \u00fcber den Schutt weg in die Zelle. Als ich da Paulus und Silas v\u00f6llig frei in der Zelle sah, fiel ich ihnen zu F\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Mein Ruf als Kerkermeister, ja mein Leben war gerettet, aber die Furcht, die mich jetzt ergriffen hatte, war gr\u00f6\u00dfer als die Todesfurcht. Mein Knecht wollte schon gehen und die beiden binden, aber ich hielt ihn davon ab. Es h\u00e4tte gegen meine Furcht \u00fcberhaupt nichts geholfen: was war meine Existenz als Kerkermeister gegen das, was jetzt auf dem Spiel stand.<\/p>\n<p>Hilfe, das wu\u00dfte ich jetzt, w\u00fcrde ich nur von diesen beiden bekommen. Nur sie w\u00fcrden mir die Furcht nehmen k\u00f6nnen. So lag ich, der Kerkermeister, vor ihnen auf den Knien und flehte diese Gefangenen an: \u201eLiebe Herren, was soll ich tun, da\u00df ich gerettet werde?\u201c<\/p>\n<p>Als sie dann antworteten \u201c Glaube an den Herrn Jesus!\u201c, wu\u00dfte ich auf einmal, da\u00df ich gerettet war.<\/p>\n<p>Mich hielt es nicht mehr in den Tr\u00fcmmern, und ich nahm die beiden zu mir, wusch ihnen ihre Wunden und lie\u00df mich und Euch alle taufen. Danach waren sie unsere G\u00e4ste und ich deckte ihnen den Tisch.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Friedrich Seven 9. Mai 2006<br \/>\nIm Winkel 6<br \/>\n37412 Scharzfeld<br \/>\n05521\/2429<br \/>\n<a href=\"mailto:friedrichseven@compuserve.de\">friedrichseven@compuserve.de <\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Narrative Predigt zum Kerkermeister und seine Erfahrungen mit Paulus und Silas (Apg 16,23-34) Kantate 2006, verfasst von Dr. Friedrich Seven Ja, das ist richtig, Euch hat noch der Apostel Paulus getauft. Wir wurden damals alle in unserem Haus von ihm und Silas getauft. 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