{"id":11152,"date":"2021-02-07T19:48:58","date_gmt":"2021-02-07T19:48:58","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11152"},"modified":"2023-02-07T19:19:10","modified_gmt":"2023-02-07T18:19:10","slug":"kolosser-4-2-6-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/kolosser-4-2-6-4\/","title":{"rendered":"Kolosser 4, 2-6"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><b><span style=\"color: #000099;\">Rogate, 21. Mai 2006<br \/>\nPredigt zu Kolosser 4, 2-6, verfasst von Jorg Christian Salzmann<\/span><\/b><\/h3>\n<p align=\"center\">I<\/p>\n<p>&#8230; und fahr nicht zu schnell! &#8211; Nein, Mama. &#8230; und schreib mir auch mal! &#8211; Ja, Mama. &#8230; und denk dran, dass du viel Schlaf brauchst! &#8211; Ja, Mama. Wer kennt das nicht, solche Szenen, wie da zum Abschied ein leicht genervter junger Mensch die elterlichen Ermahnungen \u00fcber sich ergehen l\u00e4sst?<\/p>\n<p>Manchmal komme ich mir am Ende der Apostelbriefe so vor: leicht genervt lasse ich die Reihe der guten Mahnungen \u00fcber mich ergehen. Klar, der Apostel meint es gut, wie die Mutter in unserer kleinen Einstiegsszene. Aber muss das wirklich immer sein?<\/p>\n<p>Der Sohn oder die Tochter mag das zwar ein wenig schwierig finden mit den elterlichen Mahnungen. Aber sie oder er versteht es doch richtig. Die Mutter sagt eigentlich: &#8222;Du liegst mir am Herzen. So gern w\u00fcrde ich alles f\u00fcr dich tun. Bleib mit mir verbunden!&#8220; Und schlie\u00dflich hat sie ja auch Recht mit vielem von dem, was sie da sagt.<\/p>\n<p>Wenn wir das auf den Apostel und seine Gemeinde \u00fcbertragen, dann werden die Mahnungen am Briefende verst\u00e4ndlicher. Der Briefschreiber z\u00e4hlt nicht einfach gute Ratschl\u00e4ge auf. Sondern er will eben das sagen: \u201eIhr liegt mir am Herzen. So gern w\u00fcrde ich alles f\u00fcr euch tun. Bleibt mit mir verbunden!\u201c Und obendrein hat er auch noch Recht mit seinen Mahnungen, zumal f\u00fcr die damaligen Christen vielfach galt, dass sie im Glauben wirklich noch jung und unerfahren waren und viele Hinweise zur Orientierung brauchten. Schlie\u00dflich hatten diejenigen unter ihnen, die vorher Heiden waren, vorher einen v\u00f6llig anderen Lebensstil gelebt, und bei jeder Gelegenheit stellte sich die Frage: wie macht man das jetzt als Christ?<\/p>\n<p>Wir allerdings, wir schauen zur\u00fcck auf Generationen von christlichen Vorfahren, und mannigfach sind die Beispiele gelebten christlichen Glaubens, die wir vor Augen haben. Viele von uns kennen das gar nicht anders: im christlichen Glauben sind wir erzogen und aufgewachsen, und vieles am Alltag eines Christen ist uns vertraut.<\/p>\n<p align=\"center\">II<\/p>\n<p>Was machen wir nun also mit den Mahnungen, die wir da eben geh\u00f6rt haben? Wendet euch nicht genervt ab, sondern h\u00f6rt sie mit den Ohren der Liebe wie eine elterliche Ermahnung, die doch eigentlich gar nicht n\u00f6tig w\u00e4re, aber alles Gute f\u00fcr euch will!<\/p>\n<p>Zuerst vom Beten: Bleibt dran am Beten, haltet Wache im Gebet, dr\u00fcckt auch euern Dank dabei aus! &#8211; \u201eWir bleiben in Kontakt\u201c, so oder \u00e4hnlich schreiben wir wohl am Ende eines Briefes. Paulus m\u00f6chte gern, dass seine Gemeinden einen andern Kontakt halten, n\u00e4mlich den, welchen er hergestellt hat, den Kontakt mit Gott. F\u00fcr Christen eigentlich eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Aber trotzdem: bleibt dran! Nehmt diese Erinnerung freundlich auf, denn der Apostel hat ja Recht. Unser Gott steht mit uns in Verbindung. Er hat ein offenes Ohr f\u00fcr unsere Sorgen und f\u00fcr alles, was uns besch\u00e4ftigt. Und er freut sich, wenn wir ihm Danken und etwas Gutes sagen f\u00fcr all das Gute, das er uns tut.<\/p>\n<p>Bleibt dran und vergesst Gott nicht. Es passiert uns so leicht, dass wir mit dem Menschen, der uns ganz nahe ist, nicht mehr reden, weil alles selbstverst\u00e4ndlich scheint. Doch f\u00fcr eine lebendige Beziehung ist das n\u00f6tig, dass wir miteinander reden; genau so ist es auch mit Gott. Da kann es gut sein, sich bewusst mal wieder Zeit zu nehmen f\u00fcr den Kontakt, Zeit f\u00fcr den Gottesdienst, wo wir Gott reden h\u00f6ren und gemeinsam zu ihm reden, Zeit auch f\u00fcr das pers\u00f6nliche Gebet.<\/p>\n<p>Was aber ist gemeint, wenn wir Wache halten oder wachsam sein sollen im Gebet? Dass man auch des Nachts beten solle? Dies buchst\u00e4bliche Verst\u00e4ndnis ist wohl weniger gemeint. Vielmehr geht es darum, von dem Tag, von der Stunde Gottes nicht unversehens getroffen zu werden. Im Gebet also bleiben wir wach f\u00fcr das Wirken Gottes und f\u00fcr seine Zeit. Es verschiebt sich der Ma\u00dfstab weg von den Dringlichkeiten, die \u00fcberall auf uns einst\u00fcrmen, hin zu dem Weg und dem Willen Gottes. Da z\u00e4hlen die Menschen um mich herum mehr als das Durchziehen eines Progamms. Da bekommt eine wichtige Anschaffung wieder ihren Platz unter den Dingen, die nicht das Leben ausmachen. Da braucht auch der eigene Tod nicht aus dem Blickfeld gedr\u00e4ngt zu werden: denn meine Zeit steht in Gottes Hand.<\/p>\n<p>Seid wachsam im Gebet. Das bedeutet das Geschenk einer neuen Perspektive; es geht nicht um fromme Rekorde im Dauerbeten. Eine gute Mahnung also, und nicht die Daumenschraube frommen Wohlverhaltens. Seid wachsam im Gebet.<\/p>\n<p>Die Mahnung w\u00e4re aber nicht komplett ohne die Aufforderung zum Dank. Beten, das ist nicht immer nur Bitten und Flehen, sondern es geh\u00f6rt auch die Besinnung auf die vielen guten Gaben dazu, die Gott uns schenkt. Anfang und Ende dieser Gaben aber ist das Evangelium selbst; gerade in der Osterzeit haben wir es voll Freude wieder besungen und Gott gedankt: der Herr ist auferstanden; er hat f\u00fcr uns H\u00f6lle, Tod und Teufel besiegt. Seid also beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung!<\/p>\n<p align=\"center\">III<\/p>\n<p>Das ist ja das Thema des Sonntags Rogate, das Gebet. Und so ist es kein Wunder, wenn es jetzt noch weiter um das Beten geht. Noch mehr Mahnungen? Ja, der Briefschreiber wird nicht m\u00fcde, eben wie eine Mutter beim Abschied. Nun allerdings ist es eine pers\u00f6nliche Bitte des Apostels: betet f\u00fcr mich, dass sich eine T\u00fcr auftut und ich das Evangelium verk\u00fcndigen kann, wie es mein Auftrag ist.<\/p>\n<p>Mit einer solchen F\u00fcrbitte bekommt das Gebet hier eine f\u00fcr uns vielleicht ungewohnte kirchlich-missionarische Dimension. Dass sich f\u00fcr Paulus eine T\u00fcr \u00f6ffnen soll, das meint zwar wohl erst einmal die Gef\u00e4ngnist\u00fcr. Daf\u00fcr sollen sie bitten, dass er freikommt. Aber es geht dabei nicht um seine Freiheit an sich, sondern um seinen Auftrag: das Evangelium verk\u00fcndigen. Die T\u00fcr soll sich f\u00fcr ihn \u00f6ffnen, damit er wieder predigen kann. Und so k\u00f6nnen wir das Bild von der sich \u00f6ffnenden T\u00fcr auch in einem weiteren Sinne verstehe: Nur da, wo Gott selbst T\u00fcren \u00f6ffnet, kann das Evangelium seinen Lauf nehmen. Das w\u00e4re dann eine Bitte, die wir auch uns zu eigen machen k\u00f6nnen: Gott, \u00f6ffne T\u00fcren f\u00fcr das Evangelium &#8211; in aller Welt und auch in unserer Nachbarschaft.<\/p>\n<p>Gott selbst \u00f6ffnet T\u00fcren. Manchmal w\u00fcrden wir gern T\u00fcren einrennen, wollen ein Gemeindewachstumskonzept durchsetzen oder einfach nur die anderen davon \u00fcberzeugen, dass wir Recht haben mit unserm Glauben. Aber eine T\u00fcr, die wir mit dem Brecheisen \u00f6ffnen wollen, die wird hinterher nur noch besser abgesichert. Ja, auch Gott selbst schl\u00e4gt T\u00fcren nicht einfach ein, sondern er klopft an und wirbt um die Menschen. Betet, dass sich T\u00fcren auftun f\u00fcr das Evangelium. Eine gute Mahnung ist das, denn so viele Menschen schlie\u00dfen sich ein und bleiben allein mit ihrer Einsamkeit und Verzweiflung; wie sch\u00f6n, wenn T\u00fcren sich \u00f6ffnen, wie sch\u00f6n, wenn Botschafter der Menschenfreundlichkeit Gottes eingelassen werden.<\/p>\n<p align=\"center\">IV<\/p>\n<p>War das nun das Ende der Ermahnungen? Nat\u00fcrlich nicht! Obwohl wir zugeben m\u00fcssen, dass die Mahnungen am Ende des Kolosserbriefes eigentlich wirklich kurz sind. Nach dem Gebet geht es jetzt noch um ein weiteres Thema, n\u00e4mlich das Verh\u00e4ltnis zu den Leuten der Stadt und der Nachbarschaft, die nicht zur Gemeinde geh\u00f6ren. Wie soll man sich, das war damals die Frage, in einer eher feindlichen Umwelt verhalten? Zur\u00fcckgezogen oder vertrauensselig, mit kluger Zur\u00fcckhaltung oder werbendem Eifer? Der Apostel r\u00e4t zu Weisheit und Freundlichkeit und dazu, auf Fragen hin zur Auskunft \u00fcber den Glauben bereit zu sein.<\/p>\n<p>Weisheit, das hei\u00dft: angepasst an die Situation. Nicht \u00fcbereifrig, sondern mit Augenma\u00df. Wieder also Mahnungen, die sich eigentlich von selbst verstehen. Und wieder etwas, das sich auch f\u00fcr uns zu bedenken lohnt. Denn schlie\u00dflich leben wir in einer Welt, wo das Christentum und die Kirche immer mehr an den Rand der Gesellschaft rutschen. Und es ist sehr wohl auch bei uns wieder an der Tagesordnung, dass wir uns Gedanken machen, wie wir im Blick auf den Glauben unserer Umwelt begegnen.<\/p>\n<p>Das Salz in der Suppe unserer Rede aber wird wohl nicht die hohe \u00dcberredungskunst sein oder unsere Schlagfertigkeit. Sondern wenn, dann wirken Ehrlichkeit und \u00dcberzeugung. Nur so k\u00f6nnen wir ins Gepr\u00e4ch kommen. Letztlich sind aber auch das wieder Wirkungen Gottes; so blicken wir schon voraus auf Pfingsten und beten um seinen Heiligen Geist.<\/p>\n<p>Das aber ist vielleicht doch schon Stoff f\u00fcr eine andere Predigt. Wichtig scheint mir, dass am Anfang die Mahnung zum Gebet um offene T\u00fcren f\u00fcr das Evangelium steht. Zugleich aber auch, dass dieser Mahnung konkrete \u00dcberlegungen folgen, wie wir denn praktisch den Menschen um uns herum begegnen sollen. Das eine ist nicht ohne das andere, das Gebet nicht ohne die Tat, die Tat im Glauben nicht ohne das Gebet. Womit wir wieder ganz am Anfang unseres Predigtwortes sind: seid beharrlich im Gebet. F\u00fcr die meisten von uns bestimmt eine gute Mahnung, denn wir neigen wohl dazu, alles m\u00f6gliche zu tun, aber das Beten auch einmal zu vernachl\u00e4ssigen. Seid beharrlich im Gebet &#8211; denn nur so k\u00f6nnt ihr im Glauben das tun, was zu tun ist.<\/p>\n<p>Gott sei Dank also, dass wir uns an ihn wenden und uns auf ihn verlassen k\u00f6nnen durch Jesus Christus.<\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Jorg Christian Salzmann, Oberursel<br \/>\n<a href=\"mailto:salzmann.j@lthh-oberursel.de\">salzmann.j@lthh-oberursel.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rogate, 21. Mai 2006 Predigt zu Kolosser 4, 2-6, verfasst von Jorg Christian Salzmann I &#8230; und fahr nicht zu schnell! &#8211; Nein, Mama. &#8230; und schreib mir auch mal! &#8211; Ja, Mama. &#8230; und denk dran, dass du viel Schlaf brauchst! &#8211; Ja, Mama. 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