{"id":11156,"date":"2021-02-07T19:49:06","date_gmt":"2021-02-07T19:49:06","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11156"},"modified":"2023-02-02T21:04:44","modified_gmt":"2023-02-02T20:04:44","slug":"johannes-17-1-11-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-17-1-11-2\/","title":{"rendered":"Johannes 17, 1-11"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Rogate, 21. Mai 2006<br \/>\nPredigt zu Johannes 17, 1-11, verfasst von Hanne Sander (D\u00e4nemark) <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>(Text der d\u00e4nischen Perikopenordnung)<\/p>\n<p>Meine \u00e4lteste Schwester sollte, als sie etwa 17 Jahre alt war, ihrer Ausbildung wegen nach Kopenhagen reisen \u2013 ich erinnere mich noch des letzten Abends vor ihrer Abreise. Es war im Esszimmer, daheim im Pfarrhaus unserer Eltern. Die Stimmung war ernst und auch feierlich, denn wir sollten f\u00fcr Inger beten, ehe sie in die Welt hinaus zog. Vater betete darum, dass sie besch\u00fctzt werden m\u00f6ge, besch\u00fctzt in der neuen Welt, wo sie leben sollte. Es war recht weit von der kleinen Stadt im Norden J\u00fctlands bis nach Kopenhagen. Vermutlich werden sich viele von euch auch an Situationen erinnern k\u00f6nnen, in denen ihr es wart, die Kinder von zuhause fort und in die Welt schicken sollten, und in denen man sein Kind so sehr in seinen Gedanken zu umfassen sucht, dass es geradezu zum Gebet wird. Ihr k\u00f6nnt auch die entgegengesetzte Situation erlebt haben, vielleicht an einem Sterbebett, dass der Sterbende beim Abschied f\u00fcr euch betete. In der Abschiedssituation versuchen wir jedenfalls oft, uns auf das Wichtige zu konzentrieren, und wir versuchen das in der Erinnerung zu bewahren, was wir gemeinsam gehabt haben in der Hoffnung, dass es uns weiter tragen kann.<\/p>\n<p>In dem Evangelium von heute haben wir einen Teil dessen geh\u00f6rt, was Jesu Abschiedsrede hei\u00dft. Er muss von den J\u00fcngern Abschied nehmen, und man kann h\u00f6ren, dass sich da eine Innerlichkeit ausbreitet, als er f\u00fcr sie betet. Das Gebet geht von dem Gedanken an das ewige Verh\u00e4ltnis aus, das zwischen dem Vater und dem Sohn besteht, und es entwickelt auf eine meditativ kreisende, eindringliche Weise die Bedeutung der Einheit, so dass es zu einem Gebet darum wird, dass die J\u00fcnger von derselben Einheit umfasst sein m\u00f6gen, und nicht nur die J\u00fcnger, sondern auch alle nach ihnen, die zum Glauben kommen und Anteil am ewigen Leben erhalten. Und wir bekommen hier eine der Formulierungen des Johannes zu h\u00f6ren, was ewiges Leben ist: \u201edas ist das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.\u201c An einer anderen Stelle schreibt Johannes: \u201eWer mein Wort h\u00f6rt und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.\u201c Es ist, als werde ein Raum geschaffen. Das Gebet und der Glaube schaffen einen Lebensraum mitten in der Welt, einen Raum, der sich beschreiben l\u00e4\u00dft mit Worten wie Einheit, Gemeinschaft, Liebe \u2013 zwischen dem Vater und dem Sohn, zwischen Gott und Mensch und zwischen Menschen gegenseitig.<\/p>\n<p>Johannes betont, dass der Raum, der geschaffen wird, in unserer Welt geschaffen wird, so dass wir vom Leben in der Welt keinen Abstand zu nehmen brauchen, sondern es in Einheit mit Gott leben k\u00f6nnen. Und eben in der Einheit mit Gott k\u00f6nnen wir unser Leben unter anderen Voraussetzungen leben als denen des Todes, denn Gott erkennen und ihn in Jesus Christus erkennen bedeutet, Gott als lebendige Gegenwart zu erfahren und nicht als tot und abwesend. \u201eJa aber&#8230;\u201c, sagen wir. Das sagten die J\u00fcnger vermutlich auch, aber dann erinnerten sie sich an Situationen, in denen sie die Herrlichkeit Gottes in Jesus gesehen hatten. Durch das gesamte Johannesevangelium hindurch k\u00f6nnen wir Erz\u00e4hlungen verfolgen, in denen Gott in Jesu Leben gegenw\u00e4rtig ist. Es waren sehr verschiedene Erfahrungen, aber Gottes Herrlichkeit hatte durch sie hindurchgeschienen: in der Freude, die sie bei einer Hochzeit in Kana erlebt hatten, in der Trauer, die sie empfunden hatten, als der Sohn des k\u00f6niglichen Beamten krank war, in der aufgebenden Haltung, die einen Lahmen am Teich Betesda festgehalten hatte, in der Resignation, die in dem Gedanken liegt, dass B\u00f6ses mit B\u00f6sem vergolten wird in der Erz\u00e4hlung von dem Knaben, der blind geboren war und dessen Eltern meinten, das sei eine Strafe, die sie verdient h\u00e4tten, in der Ver\u00e4rgerung und Verzweiflung, der sie bei Marta begegnen, als der Bruder Lazarus gestorben und endlich in der Gemeinschaft ist, die sie bei der Speisung in der W\u00fcste erlebt hatten. In all diesen verschiedenen Situationen hatten sie \u201edie Herrlichkeit Gottes gesehen\u201d und den Glauben wiedergewonnen, dass das Leben gut zu leben ist, und dass es <em>zu<\/em> gut ist, um blind und taub und freudlos herumzulaufen. Jesus hatte es mit seinem eigenen Leben gezeigt und auf diese Weise Gott verherrlicht in der Welt. Er war ausgesandt und er nimmt nun Abschied und sendet die J\u00fcnger \/ Gemeinde zugleich hinaus, damit sie die Aufgabe wahrn\u00e4hmen, die er selbst gehabt hat. Und dort wo Gottes Wort in uns und durch uns h\u00f6rbar wird, k\u00f6nnen wir nicht mehr mit Wahrheit meinen, dass wir ohne Gott in der Welt sind und ohne Hoffnung in der Welt oder dass es gleichg\u00fcltig ist, was wir aus uns selbst und unserem Leben machen. Sondern immer wieder m\u00fcssen wir das Abendmahlsgebet zu unserem Gebet machen:<\/p>\n<p>\u201eAuferstandener Herr und Heiland,<br \/>\nmache du uns sicher in der Hoffnung auf das ewige Leben.<br \/>\nGib uns, dass wir in der Liebe wachsen,<br \/>\ndamit wir mit allen deinen Gl\u00e4ubigen eins werden in dir,<br \/>\ngleichwie du eins bist mit dem Vater.\u201c<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastorin Hanne Sander<br \/>\nPrins Valdemarsvej 62<br \/>\nDK-2820 Gentofte<br \/>\nTel.: +45 39 65 52 72<br \/>\ne-mail: <a href=\"mailto:sa@km.dk\">sa@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00dcbersetzung aus dem D\u00e4nischen: Dietrich Harbsmeier<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rogate, 21. Mai 2006 Predigt zu Johannes 17, 1-11, verfasst von Hanne Sander (D\u00e4nemark) (Text der d\u00e4nischen Perikopenordnung) Meine \u00e4lteste Schwester sollte, als sie etwa 17 Jahre alt war, ihrer Ausbildung wegen nach Kopenhagen reisen \u2013 ich erinnere mich noch des letzten Abends vor ihrer Abreise. Es war im Esszimmer, daheim im Pfarrhaus unserer Eltern. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":16347,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[39,1,727,185,157,853,1038,366,349,3,109,361],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-11156","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-johannes","category-aktuelle","category-archiv","category-aus-dem-daenischen","category-beitragende","category-bibel","category-hanne-sander","category-kapitel-17-chapter-17","category-kasus","category-nt","category-predigten","category-rogate"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11156","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11156"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11156\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16348,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11156\/revisions\/16348"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/16347"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11156"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11156"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11156"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=11156"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=11156"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=11156"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=11156"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}