{"id":11166,"date":"2021-02-07T19:48:59","date_gmt":"2021-02-07T19:48:59","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11166"},"modified":"2023-02-07T17:10:53","modified_gmt":"2023-02-07T16:10:53","slug":"offenbarung-1-4-8-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/offenbarung-1-4-8-4\/","title":{"rendered":"Offenbarung 1, 4-8"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><strong><b><span style=\"color: #000099;\">Christi Himmelfahrt, 25. Mai 2006<br \/>\nPredigt zu Offenbarung 1, 4-8, verfasst von Elisabeth Tobaben<\/span><\/b><\/strong><\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde!<br \/>\nK\u00f6nnen Sie sich noch erinnern, was Sie letzte Nacht getr\u00e4umt haben?<br \/>\nManchmal geht es einem ja so, dass man morgens aufwacht und das noch ganz genau wei\u00df und noch ganz konkrete Traumbilder, Traumszenen vor Augen hat.<br \/>\nMitunter erkennt man vielleicht Ereignisse wieder vom Tag zuvor oder aus fr\u00fcherer Zeit, die eingeflossen sind in den Traum.<br \/>\nManchmal aber machen sich diese Bilder auch selbst\u00e4ndig, erscheinen mit einem mal ganz verzerrt und fremd oder nehmen m\u00e4rchenhafte Z\u00fcge an.<br \/>\nManchmal zeigt sich im Traum auch mit verbl\u00fcffender Deutlichkeit die L\u00f6sung eines Problems.<br \/>\nMan wacht auf, und wei\u00df pl\u00f6tzlich ganz genau, was man zu tun hat.<br \/>\nIn der Bibel h\u00f6ren wir immer wieder von Menschen, denen im Traum gezeigt wird, wie es weitergehen kann.<br \/>\nJosef wird im Traum wird im Traum auf die Flucht nach \u00c4gypten geschickt;<br \/>\ndie Weisen aus dem Morgenland erhalten Weisung -im Traum!<br \/>\nManchmal tauchen in unseren Tr\u00e4umen Bilder oder Motive auch h\u00e4ufiger auf;<br \/>\nsolche, die vergleichbar sind, weil auch andere Menschen sie aus ihren Tr\u00e4umen kennen;<br \/>\n&#8211; man l\u00e4uft z.B. und l\u00e4uft und kommt nicht voran,<br \/>\n&#8211; man wird verfolgt.<br \/>\n&#8211; oder kann pl\u00f6tzlich fliegen,<br \/>\nHeute haben wir mit einem Text zu tun, der aus einem bibliischen Buch kommt, das eine F\u00fclle solcher Bildern mit traumhaften Z\u00fcgen bietet, Bilder aus einer Art Wachtraum, einer Audition und Vision, wie sie der Seher Johannes erlebt hat.<br \/>\nIm letztes Buch der Bibel werden sie geschildert, in der Offenbarung des Johannes.<\/p>\n<p>Offenbarung 1, 4-8 (Text\u00fcbertragung nach Jens:)<br \/>\nJohannes gr\u00fc\u00dft,<br \/>\nin der Landschaft Asien,<br \/>\ndie sieben Gemeinden:<br \/>\nGnade f\u00fcr Euch<br \/>\nund Friede von dem,<br \/>\nder da ist und war und kommen wird.<br \/>\nGnade und Friede von denen,<br \/>\ndie im Angesicht seines Thrones stehen,<br \/>\ndie sieben freundlichen Geister.<br \/>\nGnade und Friede von Jesus,<br \/>\ndem verl\u00e4\u00dflichen Zeugen,<br \/>\nder auferstanden ist<br \/>\nunter den Toten,<br \/>\nER: ganz allein,<br \/>\nund \u00fcber die Herren der Erde gebietet.<br \/>\nIhm, der uns liebt<br \/>\nund uns erl\u00f6st hat,<br \/>\nmit seinem Blut,<br \/>\nvon unsern S\u00fcnden,<br \/>\nihm, dem Gesalbten,<br \/>\nder uns,<br \/>\ndie B\u00fcrger seines Reichs,<br \/>\nzu Priestern gemacht hat<br \/>\nvor Gott, seinem Vater.<br \/>\nIhm sei Ehre und Herrlichkeit<br \/>\nf\u00fcr alle Zeiten:<br \/>\nso soll es sein.<\/p>\n<p>Schaut! Er kommt auf den Wolken!<br \/>\nAlle Augen sehen ihn,<br \/>\nund es starren ihn an<br \/>\ndie Gesichter der M\u00e4nner,<br \/>\ndie ihn folterten.<br \/>\nWeh! Alle V\u00f6lker der Welt<br \/>\nwerden sich,<br \/>\num seinetwillen<br \/>\ndie Kleider zerrei\u00dfen-<br \/>\nJa, so wird es sein.<br \/>\nIch bin das A und O,<br \/>\nspricht Gott, der Herr,<br \/>\nich bin der Anfang,<br \/>\nund ich bin das Ende,<br \/>\nGott, der ist und war und kommen wird,<br \/>\nder Herrscher \u00fcber alle K\u00f6nige.<\/p>\n<p>Es ist fast so, als w\u00fcrde gerade in diesem Moment der Himmel aufgehen und Johannes einen Blick \u201ehinter die Kulissen\u201c gew\u00e4hren.<br \/>\nIch hatte k\u00fcrzlich Gelegenheit, die B\u00fchne eines gro\u00dfen Stadttheaters zu sehen mit all den Ebenen, die man gegeneinander verschieben kann, versenken, \u00f6ffnen oder schlie\u00dfen,<br \/>\nSo sieht Johannes pl\u00f6tzlich was sich abspielt vor Gottes Thron, auf einer ganz anderen B\u00fchne.<br \/>\nWie im Traum. Und nun beginnt Johannes seine Visionen und Hoffnungen zu beschreiben, seinen Glauben, der ihn tr\u00e4gt.<br \/>\nAdressaten sind offiziell \u201edie sieben Gemeinden in der Landschaft Asien,\u201c es ist also so eine Art \u201eRundbrief\u201c, was er da verfasst.<br \/>\nVielleicht auch eher ein \u201eoffener Brief\u201c &#8211; wie man ihn vielleicht heute in der Zeitung lesen k\u00f6nnte oder im Internet;<br \/>\nDenn die Texte sind ja offenbar gesammelt worden, und sp\u00e4ter als Buch herausgegeben, weil sie f\u00fcr einen viel gr\u00f6\u00dferen Personenkreis interessant waren.<br \/>\nJohannes schreibt nicht nur aus eigenem Antrieb, etwa einen Erlebnisbericht aus den Ferien; nein, wir werden in den n\u00e4chsten Versen erfahren, wie er dazu beauftragt wird.<br \/>\nEr erlebt eine richtige Berufung, \u00e4hnlich wie die Propheten im Alten Testament.<br \/>\nHier haben wir noch den allerersten Anfang des Schreibens vor uns, eine etwas umfangreicher ausgefallene Anrede.<br \/>\nWas er schreibt, hat mit dem Blick in den offenen Himmel zu tun.<br \/>\nJohannes wird strahlende, kraftvolle Bilder gebrauchen, die sich deutlich ab setzen von der d\u00fcsteren Situation, in der sich beide befinden, Johannes selbst wie auch die Gemeinden, an die er schreibt.<br \/>\nEs ist offenbar keine ganz einfache Zeit, es war gef\u00e4hrlich geworden, das Wort Gottes zu lehren, wie Johannes das getan hat;<br \/>\nVon den jungen christlichen und j\u00fcdischen Gemeinden wurde verlangt, sich anzupassen, den Kaiserkult mitzumachen, den Kaiser als Gott anzubeten.<br \/>\nDer Umgang mit dieser Forderung war nun allerdings sehr verschieden.<br \/>\nManche sagten: \u201eOch, nur ein kleiner Kniefall vor dem Standbild des Kaisers, was ist denn schon dabei? Wenn euch das doch rettet? macht das doch ruhig, wie es drinnen aussieht, braucht ja keiner zu wissen!\u201c<br \/>\nDie Gemeinden aber, an die Johannes schreibt, sind standhaft geblieben, so wie er selbst. \u201eKommt gar nicht in Frage,\u201c hatten sie gesagt. \u201eDer Herr ist nur einer, und daneben wird hier niemand angebetet, auch nicht der Kaiser! Lieber nehmen wir in Kauf, dass man uns auspeitscht, verbannt oder zu Sklaven macht&#8230;\u201c<br \/>\nIhre Hoffnung, dass Jesus bald wiederkommen w\u00fcrde, hatte sie aufrecht gehalten.<br \/>\nJohannes will sie nun ermutigen mit seinem Rundbrief;<br \/>\n\u201aEs lohnt sich, dabei zu bleiben,\u2018 sagt er ihnen.<br \/>\nEs wird so etwas geben wie einen \u201eTag der Erkenntnis\u201c oder eine \u201eStunde der Wahrheit\u201c.<br \/>\nDa werden sie es alle merken!<br \/>\nAuch die, die ihn gefoltert und schlie\u00dflich umgebracht haben, wie erstarrt werden sie stehen, wenn sie sehen, wen sie da gekreuzigt haben. Sie werden erkennen, dass sie auf den Falschen gesetzt haben. Die Kleider werden sie sich zerrei\u00dfen als Zeichen der Bu\u00dfe und Reue; werden sich damit zu ihrem Irrtum bekennen.\u201c<br \/>\nEin bi\u00dfchen klingt das nach trotzigem Thriumph, nach \u201eihr werdet schon sehen, was ihr davon habt&#8230;\u201c<br \/>\nEines Tages werden wir auf der richtigen Seite stehen als \u201eB\u00fcrger seines Reiches\u201c, und es wird allen und \u00fcberall klar und werden, dass er der \u201eK\u00f6nig aller K\u00f6nige\u201c ist, kein anderer!<br \/>\nNun war \u201eK\u00f6nig aller K\u00f6nige\u201c aber der Titel, den die r\u00f6mischen Kaiser f\u00fcr sich in Anspruch nahmen, und dass das ungeheuer provozieren kann, wenn Johannes genau diesen Titel hier auf Christus anwendet, das glaube ich sofort!<br \/>\nMan vermutet, dass die Machthaber Johannes abgeschoben haben, verbannt auf die Insel Patmos, damit er kein Unheil mehr anrichten kann und die neue Lehre vom gekreuzigten und auferstandenen Christus immer noch weiter verbreiten.<br \/>\nEs k\u00f6nnte auch sein, das er sich selbst in Sicherheit gebracht hat und nun im Exil lebt auf der Insel.<br \/>\nJedenfalls sitzt er jetzt auf der gut 34 km2 gro\u00dfen felsigen Insel Patmos, damals gut eine Tagereise vor der K\u00fcste der heutigen T\u00fcrkei, wahrscheinlich konnte er sich wohl frei bewegen, weg konnte er ja nicht.<br \/>\nJohannes mu\u00df ein einflu\u00dfreicher Mann gewesen sein und zudem hochgebildet.<br \/>\nEr macht in seinem Text immer wieder Anspielungen auf alttestamentliche Texte und auch auf au\u00dferbiblische j\u00fcdische Offenbarungsgeschichten bezieht er sich.<br \/>\nBesonders gut kennt er sich beim Propheten Jesaja aus, die sieben freundlichen Geister etwa findet man auch schon bei Jesaja (Jes. 11,2): der Geist des Herrn, der Weisheit, des Verstandes, des Rats und der St\u00e4rke, der Erkenntnis und der Furcht des Herrn.<br \/>\nDoch all seine Bildung n\u00fctzt ihm jetzt reichlich wenig, er sitzt dort auf der Insel, weit weg, einsam, in gr\u00f6\u00dfter Sorge um die Menschen, die er zur\u00fccklassen mu\u00dfte.<br \/>\nEr hat keine Ahnung, was aus ihnen geworden sein mag, ob es ihnen einigerma\u00dfen gut geht, oder ob sie vielleicht auch l\u00e4ngst irgendwo interniert worden sind, gequ\u00e4lt und gefoltert werden.<br \/>\nEine Horrorvision, finde ich!<br \/>\nSo spricht auch eine gro\u00dfe Sehnsucht aus den Texten;<br \/>\nDie Sehnsucht danach, die ganz andere himmlische Wirklichkeit festzuhalten, einzutauchen in das Licht und den Glanz vor Gottes Thron.<br \/>\nDas ist eigentlich die alte Frage: \u201eWie kommt man denn in den Himmel?\u201c<br \/>\nVielleicht mit dem Hinergrund: Jesus ist fort, \u201eaufgefahren in den Himmel\u201c, wenn wir also sein ollen, wo er st, m\u00fcssen wir doch ale Anstregungen unternehmen, auch dorthin zu kommen. Oder?<br \/>\nUnd Johannes beantwortet die Frage ganz anders als erwartet und sagt: Es ist genau umgekehrt, nicht um eure Anstregung geht es, um euer korrektes der frommes Leben, sondern: der Himmel kommmt zu euch! Provokativ!<br \/>\nEine interessante Gegenbewegung also!<br \/>\nEr kommt, der Himmel, mit dem und in dem, der da war, der ist und kommt, dem A und O, dem Anfang und dem Ende, dem K\u00f6nig aller K\u00f6nige.<br \/>\nAlles Beschreibungen, Titel, die die Bedeutung und Wichtigkeit Jesu herausstreichen sollen, eine ganz andere Wirklichkeit bricht mit ihm an.<br \/>\n\u201eJesus Christus herrscht als K\u00f6nig\u201c dichtet Philipp Friedrich Hiller 1755, Jesus Christus und kein anderer, \u201ealles wird ihm untert\u00e4nig, allles legt ihm Gott zu Fu\u00df. Aller Zunge soll bekennen, Jesus sei der Herr zu nennen, dem man Ehre geben mu\u00df.\u201c<br \/>\nAmen.<\/p>\n<p><strong>Elisabeth Tobaben<br \/>\n<a href=\"mailto:Elisabeth.Tobaben@evlka.de\">Elisabeth.Tobaben@evlka.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christi Himmelfahrt, 25. Mai 2006 Predigt zu Offenbarung 1, 4-8, verfasst von Elisabeth Tobaben Liebe Gemeinde! K\u00f6nnen Sie sich noch erinnern, was Sie letzte Nacht getr\u00e4umt haben? Manchmal geht es einem ja so, dass man morgens aufwacht und das noch ganz genau wei\u00df und noch ganz konkrete Traumbilder, Traumszenen vor Augen hat. 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