{"id":11182,"date":"2021-02-07T19:49:01","date_gmt":"2021-02-07T19:49:01","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11182"},"modified":"2023-02-06T14:50:56","modified_gmt":"2023-02-06T13:50:56","slug":"1-korinther-2-12-16-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-2-12-16-8\/","title":{"rendered":"1. Korinther 2, 12-16"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Pfingstsonntag, 4. Juni 2006<br \/>\nPredigt zu 1. Korinther 2, 12-16, verfasst von Christine Hubka <\/span><\/b><\/h3>\n<p>Vorbemerkung: In der Evang. Pauluskirche ist es seit Jahren Tradition, dass der Gottesdienst zu Pfingsten von Gemeindemitgliedern ausl\u00e4ndischer Herkunft mitgestaltet wird: Die Lesungen werden in verschiedenen Sprachen (heuer sind es finnisch, japanisch, kroatisch und spanisch) gelesen, die F\u00fcrbitten \u2013 als Friedensgebet gestaltet \u2013 in diesen Sprachen gesprochen.<\/p>\n<p>&#8222;Wir haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen k\u00f6nnen, was uns von Gott geschenkt ist. Und davon reden wir auch nicht mit Worten, wie sie menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten geistliche Dinge f\u00fcr geistliche Menschen. Der nat\u00fcrliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich beurteilt werden. Der geistliche Mensch aber beurteilt alles und wird doch selber von niemandem beurteilt. Denn \u201ewer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer will ihn unterweisen\u201c. Wir aber haben Christi Sinn.&#8220; 1. Kor. 2, 12 &#8211; 16<\/p>\n<p>Der Hl. Geist ist ein gef\u00e4hrliches Thema: Wer sich auf ihn beruft, hat auf jeden Fall das letzte Wort. Denn es gibt kein Argument gegen den Satz: Wir haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott. Es gibt kein Argument, wenn jemand etwas \u201eaus geistlichen Gr\u00fcnden\u201c tut oder nicht tut.<\/p>\n<p>Denn: Was soll man dem entgegnen, der erkl\u00e4rt: Meine Meinung, meine Sicht der Dinge, hat mit Gottes Geist zu tun. Auf ihn berufe ich mich jetzt.<\/p>\n<p>Was ist denn eigentlich \u201egeistlich\u201c. Oder wie kann man sagen, hier ist der Hl. Geist am Werk?<\/p>\n<p>Bevor ich versuche, eine positive Antwort zu finden, muss ich eine Abgrenzung vornehmen:<\/p>\n<p>Der Hl. Geist \u2013 so kann man sagen \u2013 ist eine gef\u00e4hrliche Waffe. Er ist \u2013 so, wie Gottes Name auch \u2013 immer auch in Gefahr, missbr\u00e4uchlich eingesetzt zu werden. Wenn einer sich auf Gottes Geist beruft, scheint mir Vorsicht angebracht zu sein.<\/p>\n<p>In meiner Bibel steht als zusammenfassende Inhaltsangabe \u00fcber den Anfang des 1. Korintherbriefes: Spaltungen und Missst\u00e4nde.<\/p>\n<p>Was auch immer von Paulus hier \u00fcber Gottes Geist gesagt wird, ist also im Zusammenhang mit einer Auseinandersetzung gesagt. Wir werden wachsam sein m\u00fcssen:<\/p>\n<p>Denn Gottes Geist ist kein Vogerl, das man in den K\u00e4fig sperrt. Und bei Bedarf h\u00e4lt man dann diesen K\u00e4fig \u00fcber das Haupt des Widersachers, damit das Vogerl auf Kommando den anderen anpatzt.<\/p>\n<p>Gottes Geist ist kein Kampfargument in Auseinandersetzungen. Weder zwischen einzelnen und auch nicht zwischen Gruppen.<\/p>\n<p>Paulus teilt hier aber die Menschen in zwei Gruppen: Die geistlichen Menschen und die nat\u00fcrlichen Menschen.<\/p>\n<p>Ich kann diese Zweiteilung nicht best\u00e4tigen. Meine Erfahrung ist anders: Auch geistliche Menschen haben sehr nat\u00fcrliche Impulse und geben ihnen mitunter auch nach. Auch geistliche Menschen k\u00f6nnen dahin kommen, dass ihnen das Geistliche davon fliegt und sie sehr nat\u00fcrlich reagieren.<\/p>\n<p>Und ich kenne Menschen, die mit Paulus eher einzuordnen w\u00e4ren unter \u201enat\u00fcrliche\u201c Menschen, die sich in extremen und kritischen Situationen einfach wohltuend verhalten und den geistlichen Ma\u00dfst\u00e4ben, die Paulus hier wohl im Sinn hat, durchaus entsprechen. Sie selber w\u00fcrden dies aber nie so sehen und von sich auch nicht sagen: ich bin ein geistlicher Mensch.<\/p>\n<p>Wie gesagt: Im Hintergrund dieses Abschnittes steht ein Konflikt zwischen Paulus und einigen Leuten in der Gemeinde in Korinth. In einem Konflikt sto\u00dfen Anschauungen und Meinungen aufeinander.<\/p>\n<p>Hinter jedem Konflikt stehen wohl auch immer ganz pers\u00f6nlichen Erfahrungen und Verletzungen. Dahinter stehen auch immer Vorstellungen und \u00c4ngste, was passieren wird, wenn \u2026<\/p>\n<p>Nehmen wir nur als Beispiel \u2013 weil heute Pfingsten ist \u2013 die Frage, wie Menschen mit einer anderen Familiensprache als deutsch hier in \u00d6sterreich leben sollen.<\/p>\n<p>Es gab Zeiten, wo man gesagt hat: Die Kinder solcher Familien d\u00fcrfen in der Schule nur deutsch sprechen. Deutsch, deutsch und wieder deutsch. Ein Kind, das in der Pause zu einem anderen Kind etwas in t\u00fcrkischer Sprache gesagt hat, wurde bestraft.<\/p>\n<p>Inzwischen gibt es in den Schulen Den sog. \u201emuttersprachlichen Unterricht\u201c. Die Herkunftssprache des Kindes wird gew\u00fcrdigt und in ihrem Wert f\u00fcr die Entwicklung der Pers\u00f6nlichkeit gesehen. Die Notwendigkeit deutsch zu lernen und zu sprechen wird dadurch nicht gef\u00e4hrdet und auch nicht in Frage gestellt.<\/p>\n<p>Es geht also in diesem Beispiel, wie in jedem Konflikt, ums beurteilen.<\/p>\n<p>Paulus schreibt dazu:<\/p>\n<p>Der geistliche Mensch aber beurteilt alles und wird doch selber von niemandem beurteilt.<\/p>\n<p>Ich versuche jetzt meine Abneigung gegen diese Sicht zu \u00fcberwinden, diesen Satz nicht gleich als \u201eunertr\u00e4glich\u201c zu beurteilen, sondern ihn im Zusammenhang mit Pfingsten zu sehen.<\/p>\n<p>Ich will es als Frage formulieren, weil ich im Zusammenhang mit dem Hl. Geist, meine, dass nur Fragen, nicht Behauptungen, angemessen sind:<\/p>\n<p>Kann es sein, dass Menschen, in Momenten, wo sie offen sind f\u00fcr Gott, Probleme und Fragen auch mit einer Offenheit sehen und daher originelle, kreative \u2013 einfach neue und erfrischend Gedanken dazu haben? Die dann eben anders zu beurteilen sind, als herk\u00f6mmliche Gedanken?<\/p>\n<p>Ein Beispiel aus der Bibel: Damals in Jerusalem \u2013 sind so viele neu zur Gemeinde dazugekommen:<\/p>\n<p>Menschen mit ganz unterschiedlichem kulturellem Hintergrund, Menschen mit ganz verschiedenen Sprachen, M\u00e4nner, Frauen, Sklaven, Sklavenhalter. Da hat keiner geschrieen und gesagt: Wir werden \u00fcberfremdet durch die vielen Ausl\u00e4nder. Da hat keiner den Einwand gehabt: Wir werden gesellschaftlich unm\u00f6glich sein, wenn M\u00e4nner und Frauen an einem Tisch gemeinsam Abendmahl feiern. Niemand von den Sklavenhaltern hat bef\u00fcrchtet: Wir werden uns l\u00e4cherlich machen vor unsern Kollegen, wenn wir mit unseren Sklaven zusammen den Gottesdienst feiern und das Brot brechen.<\/p>\n<p>Sie haben sich gefreut, \u00fcber die vielen aus den verschiedenen L\u00e4ndern und Kulturen, die dazu gekommen sind zur Gemeinde. Sie haben es als Geschenk gesehen: Wir haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen k\u00f6nnen, was uns von Gott geschenkt ist.<\/p>\n<p>Wenn wir in der Apostelgeschichte weiter lesen, dann hat eben dieses Geschenk sp\u00e4ter zu Konflikten gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Weil die verschiedenen Nationalit\u00e4ten mit Misstrauen geschaut haben, ob nicht die eine der anderen vorgezogen wird. Und tats\u00e4chlich sind damals auch Unachtsamkeiten und Ungerechtigkeiten passiert.<\/p>\n<p>Als das zu einem heftigen Konflikt gef\u00fchrt hat, wurden L\u00f6sungen gesucht: Das Amt des Diakons wurde erfunden \u2026 Dieses Amt hat sich in der Geschichte der Kirchen bew\u00e4hrt, und ist ein Segen bis heute, f\u00fcr viele Arme und f\u00fcr Menschen am Rand der Gesellschaft. Auch in unserer Kirche. Aus dem Konflikt ist also letztlich Segen f\u00fcr die Gemeinde geworden: Wir haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen k\u00f6nnen, was uns von Gott geschenkt ist.<\/p>\n<p>So kehre ich zum Schluss noch einmal zur\u00fcck Zur Frage des Anfangs:<\/p>\n<p>Was ist denn eigentlich \u201egeistlich\u201c. Oder wie kann man sagen, hier ist der Hl. Geist am Werk?<\/p>\n<p>Ich sehe f\u00fcr mich folgende Antwort: Dort, wo aus einer Sache, die durchaus unerfreulich ist, die sich niemand gew\u00fcnscht hat, am Ende etwas Gutes herauskommt, da hat wohl Gottes Geist seinen Teil dazu beigetragen. Und wenn dann am Ende wir f\u00e4hig sind, in all den Schwierigkeiten und Unannehmlichkeiten auch das Geschenk zu sehen, das Gott uns hier mittendrin gemacht hat, dann ist das wohl eine geistliche Beurteilung der Dinge.<\/p>\n<p>Das aber kann man weder fordern Noch sich selber vornehmen. Das bleibt wohl immer unverf\u00fcgbar. Ein Geschenk, das wir immer wieder neu empfangen von Gott. Und daf\u00fcr sei Gott Lob und Preis in Ewigkeit.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\">Dr. Christine Hubka, evang. Pfarrerin<br \/>\n1030 Wien,<br \/>\nSebastianplatz 4<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Tahoma; font-size: small;\"><a href=\"mailto:christine.hubka@gmx.at\">christine.hubka@gmx.at<\/a><\/span> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfingstsonntag, 4. Juni 2006 Predigt zu 1. Korinther 2, 12-16, verfasst von Christine Hubka Vorbemerkung: In der Evang. 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