{"id":11192,"date":"2021-02-07T19:48:54","date_gmt":"2021-02-07T19:48:54","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11192"},"modified":"2023-02-23T16:10:11","modified_gmt":"2023-02-23T15:10:11","slug":"epheser-4-11-16","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-4-11-16\/","title":{"rendered":"Epheser 4, 11-16"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3>Pfingstmontag<\/h3>\n<h3>5. Juni 2006<\/h3>\n<h3>Predigt zu Epheser 4, 11-16<\/h3>\n<h3>verfasst von Rolf Dabelstein<\/h3>\n<hr \/>\n<p><em>Christus hat einige als Apostel eingesetzt, andere als Propheten, einige als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, (12) damit die Mitglieder der Gemeinde<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\"> (1) <\/a> bef\u00e4higt werden zur Aus\u00fcbung ihres Dienstes.<br \/>\nDer Leib Christi wird dadurch erbaut, (13) dass wir alle miteinander die Einheit des Glaubens erreichen und zur Erkenntnis des Sohnes Gottes (gelangen), zur vollen Reife,<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\"> (2) <\/a> erf\u00fcllt mit dem ganzen Reichtum Christi.<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\"> (3) <\/a> (14) Denn wir sollen nicht l\u00e4nger unm\u00fcndige Kinder bleiben, ein Spiel der Wellen, von jedem Wind einer Lehre hin- und her geworfen, der Willk\u00fcr der Men schen ausgesetzt und ihren heimt\u00fcckischen T\u00e4uschungsman\u00f6vern.<br \/>\n(15) Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und in allen Dingen hinwachsen zu Christus. Er ist das Haupt. (16) Durch seine Kraft wird der ganze Leib zusammengef\u00fcgt und gefestigt in seinen Gliedern und Gelenken. In dem jedes Teil seine F\u00e4higkeiten einsetzt, w\u00e4chst der Leib zusammen und wird in der Liebe aufgebaut.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Wir feiern den Geburtstag unserer Kirche, &#8211; nun schon den zweiten Tag: Pfingstmontag. Jung und lebendig ist sie geblieben, auch wenn sie manche Runzeln und Falten zieren. Sie hat ihre Anziehungskraft behalten \u00fcber die 2000 Jahre hin, denn Menschen haben in ihr immer wieder Halt und Heimat gefunden und Begleitung in wichtigen Stationen ihres Lebens.<br \/>\nWodurch bleibt unsere Kirche lebendig? Wodurch w\u00e4chst sie?<br \/>\nDurch Menschen, die sich in ihr engagieren und in ihr arbeiten und durch die Gaben und F\u00e4higkeiten, die jede und jeder Einzelne mitbringt und einsetzt:<br \/>\ndie Frau, die sich im Besuchsdienst engagiert,<br \/>\nder Mann, der den Mittagstisch f\u00fcr Obdachlose und Bed\u00fcrftige organisiert,<br \/>\ndas M\u00e4dchen , die die Jungschar leitet,<br \/>\ndie Mutter, die Konfirmandenfreizeiten begleitet,<br \/>\ndie Oma, die im Kindergarten vorliest,<br \/>\nder Gitarrist, der in der Band bei den Konfirmationen mitspielt,<br \/>\nder Rentner, der das Bauwesen der Gemeinde in die Hand nimmt.<br \/>\nEr hat sein Leben lang in dieser Branche gearbeitet.<br \/>\nDie Erzieherin, die im Kirchenvorstand mitarbeitet.<br \/>\nSie alle und viele andere engagieren sich auf ihre Weise.<\/p>\n<p>Die Lebendigkeit der Kirche und ihr Wachstum lassen sich nun aber nicht an Statistiken ablesen oder an Erfolgsziffern demonstrieren. Die Kirche ist nicht in der Welt, um Profit zu machen oder um ihre Produkte mit hohem Gewinn zu verkaufen. Ihr Wachstum kann und darf nicht in blendenden Bilanzen gemessen werden. Denn ihr Leben und ihr Wachsen ist ein geistlicher Vorgang. Er vollzieht sich oft genug in unscheinbaren Lebensprozessen. Aber er geschieht. Er geschieht aus der g\u00f6ttlichen Kraft, die in ihr wirksam ist. Denn nicht Menschen haben die Kirche gemacht. Der Heilige Geist hat sie ins Leben gerufen. Er schenkt ihr Lebendigkeit und Ausstrahlung, Zusammenhalt sowie inneres und \u00e4u\u00dferes Wachstum.<\/p>\n<p>Blicken wir zur\u00fcck auf die Anf\u00e4nge unserer Kirche: Nach Ostern hatten sich die Christen in Jerusalem \u00e4ngstlich verkrochen, aus Furcht, man k\u00f6nne auch sie wie ihren Herrn festnehmen. Doch dann ist an Pfingsten der Heilige Geist \u00fcber sie gekommen. Er hat sie mit seiner Energie erf\u00fcllt, sie von ihrer Furcht befreit und ihnen neuen Glauben geschenkt. Die J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger haben sich nun wieder ganz f\u00fcr die Sache Jesu eingesetzt und das Evangelium in alle Welt hinaus getragen. Dem Geist und seiner unverw\u00fcstlichen Kraft ist es zu verdanken, dass die Kirche damals entstand. Durch seine Gegenwart ist sie immer noch lebendig.<\/p>\n<p>Der Heilige Geist tritt selbst nicht in Erscheinung. Daher k\u00f6nnen wir uns ihn nur schwer vorstellen. Doch an seinen Wirkungen ist er zu erkennen: Wir erleben ihn dort, wo wir beten, Gottesdienste feiern, uns die Hand zur Vers\u00f6hnung reichen oder wo wir einander Gutes tun, sei es am Krankenbett, sei es im Kindergarten. Der Heilige Geist wirkt vor allem dort, wo wir glauben und wo wir uns mit Christus verbunden wissen zu einer gro\u00dfen Lebensgemeinschaft. Darum hei\u00dft die Kirche auch Gemeinde Jesu Christi oder Leib Christi.<\/p>\n<p>Weil die Kirche eine so lebendige Gemeinschaft bildet, vergleicht die Bibel sie gern mit einem K\u00f6rper. Sie dr\u00fcckt damit aus: So wie der K\u00f6rper aus vielen Gliedern besteht, aus Augen, Gelenken, F\u00fc\u00dfen und Ohren, so geh\u00f6ren zur Kirche auch ganz verschiedene Menschen. So wie die Glieder und Gelenke eines K\u00f6rpers einander brauchen, damit der K\u00f6per leben und wachsen kann, so sind auch wir auf einander angewiesen. So wie in unserem K\u00f6rper jedes Glied seinen Platz und seine Aufgabe hat \u2013 so lebt die Kirche davon, dass sich Menschen in ihr mit dem engagieren, was sie k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Daher sollen die Einzelnen geachtet werden mit ihren St\u00e4rken und Schw\u00e4chen, jede und jeder mit seiner Person ganz ernst genommen. Eine Lebensgemeinschaft, in der die eine die Schw\u00e4chen des anderen ausgleicht. Wo es einem gut geht, freuen sich die anderen mit. Wenn einer Kummer hat, tr\u00f6sten ihn die anderen. So lebt die Gemeinde Jesu Christi im Sinne ihres Herrn und in der Verbundenheit mit ihm. \u201eLasst uns in allen Dingen hinwachsen zu Christus. Er ist das Haupt.\u201c So beschreibt unser Predigttext das Ziel, auf das hin wir uns ausrichten und wachsen sollen. \u201eLasst uns in allen Dingen hinwachsen zu Christus. Er ist das Haupt.\u201c<\/p>\n<p>Dieses Wachsen betrifft \u2013 wie beim Menschen auch \u2013 die \u00e4u\u00dfere Gestalt. Doch gefragt ist nicht imponierende St\u00e4rke oder ein K\u00f6rper nach Idealma\u00dfen. Es geht um den Zusammenhalt und um das gemeinsame Leben und Erleben aller. Einheit ist das Ziel. So hat es Jesus gewollt. Diese Einheit geht verloren, wenn die gemeinsame Grundlage verschwimmt oder wenn Gruppen ihre Interessen mit aller Gewalt durchsetzen wollen. Wo die Einheit zerbricht, leidet die Sache Jesu. Denn Menschen verlieren ihr Zuhause, und kehren der Kirche den R\u00fccken zu.<\/p>\n<p>Daher die Mahnung: \u201eLasst uns in allen Dingen hinwachsen zu Christus. Er ist unser Haupt.\u201c &#8211; und unser Vorbild. An ihm haben wir uns auszurichten f\u00fcr die \u00e4u\u00dfere Gestalt unsere Kirche, die Einheit, und f\u00fcr unser Verhalten untereinander.<\/p>\n<p>Daher kommt es nicht nur darauf an, welcher Geist uns inspiriert und bewegt. Entscheidend ist auch, in welchem Geist wir miteinander umgehen. Wichtig ist vor allem, in welchem Geist wir denen begegnen, die Kontakt zu unserer Kirche suchen, und wie wir auf die Menschen zugehen, die wir f\u00fcr die Sache Jesu gewinnen wollen. \u201eLasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe!\u201d so r\u00e4t uns der Predigttext. Die Wahrheit will bezeugt und die Liebe weitergegeben sein in der Lebensgemeinschaft Kirche. Wer die Wahrheit des Evangeliums vertreten will, kann das nicht mit unlauteren Mitteln tun oder mit verf\u00fchrerischen Methoden. Wahrheit und Liebe geh\u00f6ren zusammen. Wenn beide sich im Leben von Christen auswirken und das Miteinander bestimmen, wird dieser Geist auch nach au\u00dfen ausstrahlen.<\/p>\n<p>In dem wir uns so an Christus orientieren und uns von ihm her bestimmen lassen, wird auch unser inneres Wachstum durch ihn gepr\u00e4gt sein, das des Einzelnen wie das der Gemeinde. Unser Predigttext nennt dies \u201eReife\u201c.<\/p>\n<p>Wir sollen zur \u201evollen Reife\u201c gelangen. Zu dieser geistlichen Entwicklung geh\u00f6rt vor allem die Gewissheit im Glaubens und Standfestigkeit. So werden wir uns nicht von den Tagesmeinungen irritieren lassen oder uns den schnelllebigen Trends unserer Zeit ausliefern. Wir werden nicht von den Wellen hin und her getrieben werden wie ein kleines seeunt\u00fcchtiges Schiff, ohne Kurs halten zu k\u00f6nnen oder ohne selbst die Richtung unserer Fahrt zu bestimmen.<\/p>\n<p>Zur Reife gelangen, auf Christus hin wachsen &#8211; das ist wie alles Leben ein Prozess. Er h\u00e4lt uns und unsere Kirche lebendig. Wo wir so mit Christus verbunden bleiben und uns von seinem Geist inspirieren und leiten lassen, wird unser Glaube an Tiefe und Reichtum gewinnen. \u201eLasst uns hinwachsen hin zu Christus, er ist unser Haupt. Durch seine Kraft\u201c &#8211; so f\u00e4hrt unser Predigtext fort &#8211; \u201e wird der ganze Leib zusammengef\u00fcgt und gefestigt in seinen Gliedern und Gelenken. In dem jedes Teil seine F\u00e4higkeiten einsetzt, w\u00e4chst der Leib zusammen und wird in der Liebe aufgebaut.\u201c<\/p>\n<p>Wenn wir das Heranwachsen eines Menschen begleiten, achten wir immer auch darauf, welche Begabungen sich in ihm oder in ihr zeigen. Sie sollen ans Licht gehoben und ausgebildet werden. Wer handwerklich begabt ist, mag eine Tischlerlehre beginnen. Wer gern mit Menschen zu tun hat, m\u00f6chte Kinderg\u00e4rtnerin werden oder Lehrer. Wer gerne schreibt, wird sich zum Journalisten ausbilden lassen. Ebenso soll es auch in der Kirche sein. Wir werden darauf achten, welche F\u00e4higkeiten die Menschen mitbringen, die zu uns geh\u00f6ren oder geh\u00f6ren wollen. Unsere Kirche und unsere Gemeinde bleiben dadurch lebendig, dass sich Menschen in ihr engagieren und dass jede und jeder Einzelne die Gaben und F\u00e4higkeiten einsetzen kann, die Gott ihnen gegeben hat. \u201eBesteht der Leib Christi wirklich nur aus einem gro\u00dfen Mund und vielen kleinen Ohren?\u201c so hat neulich jemand in Bezug auf einen Gottesdienst gefragt. &#8211; Es war nicht in unserer Gemeinde. &#8211; Gerade an dem zweiten Tag einer Geburtstagsfeier haben wir einmal mehr die Chance, einander deutlicher wahrzunehmen und herauszufinden: Womit kann sich jeder und jeder Einzelnen engagieren und damit zum Leben und Wachsen unserer Kirche beitragen. Wenn wir uns auch hier von Christus und seinem Geist leiten lassen, werden viele Entdeckungen machen.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Anmerkungen:<br \/>\n<a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\"><\/a> (1) f\u00fcr: \u00bbdie Heiligen \u00ab<br \/>\n<a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\"><\/a>(2) \u00bbzum vollendeten Mann \u00ab<br \/>\n<a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\"><\/a>(3) \u00bbzum Vollma\u00df der F\u00fclle Christi \u00ab<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong><a name=\"_MailAutoSig\"><\/a>Pastor Dr. Rolf Dabelstein<br \/>\nR\u00fcmpeler Weg 17<br \/>\n23843 Bad Oldesloe<br \/>\nTel 04531-82251<br \/>\ne-mail: <a href=\"mailto:Dr.Dabelstein@gmx.de\">Dr.Dabelstein@gmx.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfingstmontag 5. 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