{"id":11193,"date":"2021-02-07T19:48:53","date_gmt":"2021-02-07T19:48:53","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11193"},"modified":"2023-02-28T16:56:05","modified_gmt":"2023-02-28T15:56:05","slug":"epheser-4-11-15","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-4-11-15\/","title":{"rendered":"Epheser 4, 11-15"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Pfingstmontag, 5. Juni 2006<br \/>\nPredigt zu Epheser 4, 11-15, verfasst von Armin Kraft <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p><em>\u201eAn Pfingsten, an Pfingsten, da sind die Geschenke am geringsten \u2013 zur Weihenacht, zur Weihenacht, da wurde mir noch was mitgebracht\u2026\u201c Vielleicht hat deshalb Pfingsten auch so wenig Resonanz in unserer Bev\u00f6lkerung, weil die Geschenke, die \u00c4u\u00dferlichkeiten fehlen. Andererseits ist im Predigttext aus dem Epheserbrief sehr deutlich und sehr konkret von Geschenken die Rede. \u201eund er hat einige als Apostel eingesetzt, einige als Propheten, einige als Evangelisten, einige als Hirten und Lehrer, damit die Heiligen zuger\u00fcstet werden zum Werk des Dienstes. Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollendeten Mann, zum vollen Ma\u00df der F\u00fclle Christi, damit wir nicht mehr unm\u00fcndig seien und uns von jedem Wind einer Leere bewegen und umher treiben lassen, durch tr\u00fcgerisches Spiel der Menschen, mit dem sie uns arglistig verf\u00fchren. Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe in allen St\u00fccken, zu dem hin, der das Haupt ist, Christus, von dem aus der ganze Leib zusammengef\u00fcgt ist und ein Glied am anderen h\u00e4ngt durch alle Gelenke, wodurch jedes Glied das andere unterst\u00fctzt nach dem Ma\u00df seiner Kraft und Macht, das der Leib w\u00e4chst und \u201esich selbst aufbaut in der Liebe\u201c<\/em> (Epheser 4, 11-16)<\/p>\n<p>Es mag sein, dass diese Geschenke eben zu schnell an Ihnen vorbeigerauscht sind, da Sie sie gar nicht wahrgenommen haben. Das Geschenk der Gemeinschaft steht in diesem Brief im Mittelpunkt. Christus bzw. der Glaube an ihn schafft eine lebendige Gemeinschaft. Er ist der \u201eLebensfl\u00fcsterer\u201c der uns meistens sehr leise zusagt: Ich bin dein Erl\u00f6ser, ich bin f\u00fcr dich da \u2013 aber nicht nur f\u00fcr dich, sondern auch f\u00fcr deinen n\u00e4chsten. Wir geh\u00f6ren durch ihn zu einer weltweiten Gemeinschaft. \u00dcberall auf der Erde gibt es Christenmenschen! Wir sind zusammengef\u00fcgt, Glieder einer Kette, eine Gemeinschaft mit besonderer Hoffnung, eine GmbH, die unabh\u00e4ngig von Hautfarbe und Herkunft mit besonderer Hoffnung zusammen gehalten wird. Eine Gemeinschaft in der Jede und Jeder wichtig ist. Jede und Jeder hat Gaben und Aufgaben. \u201eLasst uns wahrhaftig sein\u201c.<\/p>\n<p>Christus hat sich bei der Wahrheit behaften lassen. Er hat sich ans Kreuz haften lassen. Wir k\u00f6nnen wahrhaftig seine l\u00f6senden Worte und Taten auf uns beziehen und an andere weitergeben. Es sage keiner: \u201eMein Glaube ist zu schwach, ich zweifle zuviel!\u201c Nein der Apostel sagt, dass in dieser Gemeinschaft mit Christus Jede und Jeder wichtig ist. Die Heiligen sind diejenigen, die einen besonderen Auftrag haben zum \u201eWerk des Dienstes\u201c. Das ist eine sch\u00f6ne Sorge, die F\u00fcrsorge, das ist ein guter Dienst, in dem ich heute f\u00fcr einen Menschen da sein kann. Sie werden jetzt \u00fcberlegen: Von wem habe ich lange nichts geh\u00f6rt? Wem bin ich etwas schuldig? Wir k\u00f6nnen mit den Geschenken des Geistes ausgestattet wahrhaftig sein, wahrnehmen, was heute wichtig ist. Auf diese Weise sind wir glaubw\u00fcrdig und k\u00f6nnen beitragen zur Glaubensgemeinschaft, heute. (aktuelle Bez\u00fcge suchen zur Ortsgemeinde)<\/p>\n<p>Pfingsten, 50 Tage nach Ostern \u2013 geht es um den Geburtstag der Kirche. Ich weis, dass diese Institution immer wieder angegriffen wird. Aber sie ist wie ein Glas, aus dem ich etwas trinke. Ja, wir trinken das Evangelium aus dem Glas der Institution Kirche. Deswegen ist sie wichtig und muss unterst\u00fctzt werden \u2013 auch wenn es immer wieder in der Kirche \u201emenschelt\u201c, fragw\u00fcrdig und ungerecht zugehen wird. Keiner von uns ist perfekt. Wer eine perfekte Kirche wollte, w\u00e4re selbst in ihr fehl am Platz, denn jeder von uns hat seine Ecken, Kanten und Fehler.<\/p>\n<p>Aber wir werden gebraucht! Wir k\u00f6nnen den Mund aufmachen, wir brauchen nicht unm\u00fcndig zu sein, wir m\u00fcssen heute nicht das Hemd nach dem Winde h\u00e4ngen. Viele bekommen ihre Meinung, gerade auch \u00fcber die Kirche, wie den Schnupfen, n\u00e4mlich durch Ansteckung. Wir sollen stattdessen fragen: Woher hast du dein Urteil? Ist es etwa ein Vorurteil? Es kommt darauf an, dass wir selber \u201egeistesgegenw\u00e4rtig\u201c sind. Wenn mir einer sagt: \u201eIch glaube nur das was ich sehe\u201c, dann antworte ich: \u201eDann glaube ich, dass Sie keinen Verstand haben, denn den kann ich nicht sehen. Mindestens nach Ihrer Theorie h\u00e4tten Sie dann keinen\u201c. Es geht also auch um eine offensive Wahrhaftigkeit. \u201eLasst uns wachsen in allen St\u00fccken, zu dem hin der das Haupt ist, Christus\u201c. Wir wachsen auch dadurch, dass wir nicht immer dasselbe sagen, nicht immer bei denselben Worten bleiben.<\/p>\n<p>Es gibt heute zu viele \u201ePlastikw\u00f6rter\u201c, die gehen glatt runter und auch an den Angeredeten vorbei. Glaube, Hoffnung, Liebe k\u00f6nnen durchaus in diesen Zusammenhang geraten, ebenso wie Gott, Christus oder Kirche. Es geht also darum, dass wir uns die Geistesgegenwart erbeten und erbitten. Gottes Geist ist ein vielf\u00e4ltig erlebbarer Geist, seine Befreiung bewirkt auch die Freiheit des anderen, der vielleicht ganz anderes glaubt und denkt als ich in dieser Gemeinde. Es kommt also darauf an, dass wir aufeinander zu gehen, das wir miteinander und nicht \u00fcbereinander reden. Wer denkt und glaubt anders als Sie? An wen denken Sie jetzt?<\/p>\n<p>Der Geist Gottes gesteht seinen Freunden reichlich Spielraum auch zu Missverst\u00e4ndnis ein. Wir sind alle unterschiedlich in unserem Denken und Empfinden. Aber ist das wirklich so schlimm, wenn es wegen der Glaubw\u00fcrdigkeit, wegen der Wahrhaftigkeit auch mal Auseinandersetzungen gibt? Wir k\u00f6nnen uns doch nach einem sinnvollen Streit gerne und fr\u00f6hlich wieder zusammensetzen. Aber dann ist einiges gekl\u00e4rt worden. Der heilige Geist dient der Klarheit. Heucheln und Gerede bringen uns nicht weiter. Eine halbe Wahrheit ist eine ganze L\u00fcge! Also bleiben wir bei der ganzen Wahrheit und die hei\u00dft: Christus ist der Jenige, der uns voranbringt, im Leben und sogar im Sterben und dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<p>Wir Christen sind nicht besser als die anderen, aber wir sind besser dran \u2013 wir haben diesen Wegweiser, diesen Mutmacher zum Leben. Er ist f\u00fcr uns da, nicht nur bei sch\u00f6nem Wetter, sondern auch in dunklen Tagen unseres Lebens. Er kannte die Psalmen: \u201eUnd ob ich schon wanderte im finstern Tal, &#8211; ich f\u00fcrchte kein Ungl\u00fcck, denn du bist bei mir\u2026 Oder sogar: \u201e Mein Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen?\u201c Er hat das Leben nicht nur gekannt, sondern auch bekannt und auf diese Weise ist er zum L\u00f6ser, zum Erl\u00f6ser geworden, weil er die menschliche Seite Gottes praktiziert \u2013 f\u00fcr uns. Heute, am Geburtstag der Kirche k\u00f6nnen wir daf\u00fcr singend und betend dankbar sein. Wir sind nicht auf uns selbst angewiesen. Wir k\u00f6nnen uns nicht selbst erl\u00f6sen. Wir sind doch nicht M\u00fcnchhausen, oder \u00e4hnliche Witzfiguren! Zu Pfingsten singen wir vielstimmig, richtig und vielleicht auch manchmal ein wenig schr\u00e4g, aber auch die Brummer hat Gott lieb, wenn wir nur wahrhaftig sind. Wir singen in der Gemeinde, zur eigenen St\u00e4rkung, im gemeindlichen Chor und immer wieder zur Ehre Gottes, er ist auch ein Tr\u00f6ster. Wir denken jetzt an die jenigen, die uns vorausgegangen sind. Was bleibt, wenn die oder der nicht mehr bei mir bleibt? Die ewige Bleibe bei Gott, die bleibt! \u00dcber den heiligen Geist l\u00e4sst sich nicht reden, aber durch ihn. Und deswegen geh\u00f6rt das Gebet zu Pfingsten auch in unser Leben.<\/p>\n<p>Es gibt soviel Hochmut und soviel falsche Demut in meinem Umkreis. Der Glaube aber gibt mir Mut, den Lebensweg zu wagen, auf dem ich mich an das Lebenswort halte, das Christus gebracht hat. Christus ist mein Herr, der mich nicht knechtet, sondern mich befreit. Als ein solcher \u201eFreiherr\u201c befreit er mich von ungeistigen Gedanken, vom \u00fcblen Nachreden. Ich kann in seinem Geist auch das einbeziehen, was mir Angst macht. Ich kann z.B. den Tod mit bedenken. Ich habe in meiner Kindheit in der Kirche gelernt, dass ein Christ auch Angst haben und dar\u00fcber reden darf. Ich werde ermutigt, das ausgeblendete, das nicht popul\u00e4re, Verfehlungen und Bedrohungen einzubeziehen, in die Gespr\u00e4chskontakte.<\/p>\n<p>An Pfingsten, an Pfingsten sind die Geschenke am geringsten? Keineswegs. Der Heilige Geist macht deutlich, dass wir in vielfacher Weise Beschenkte sind. Das beginnt bei den Naturgesetzen und endet beim Vertrauen. Ja, auch die von Luther oft zitierte Gottesfurcht, geh\u00f6rt dazu. Sie meint n\u00e4mlich, dass ich aufpassen muss, dass ich f\u00fcrchten muss, dass Gott mir nicht verloren geht. Die Vernunft vernimmt zu wenig. Der Heilige Geist weitet meine Gedanken: Gott soll bei mir nicht verloren gehen.<\/p>\n<p>Wie schaffe ich das? Ich schaffe das nicht selbst. Ich lasse mir jetzt die Frage stellen: Was ist dir in deinem Leben alles geschenkt worden, gratis, aus Gnade? Ich geh\u00f6re als Beschenkter in eine Gemeinschaft mit besonderer Hoffnung. Am Geburtstag der Kirche weis ich, wo mein Platz ist in ihr. Der Kirche ist es aufgetragen, zu erhalten, zu verwalten und zu gestalten. Wir m\u00fcssen nicht nur die Geb\u00e4ude erhalten, sondern auch das, was ich mit Liturgie und Fr\u00f6mmigkeit zusammenfasse. Die Verwaltung ist ebenso wichtig, es geht auch um Geld, um Kirchensteuern. Dabei kommt es darauf an, dass wir immer wieder deutlich machen, wie es in diesem Text hei\u00dft: \u201edass wir zusammengef\u00fcgt sind und ein Glied am anderen h\u00e4ngt, durch alle Gelenke, wodurch jedes Glied das andere unterst\u00fctzt, nach dem Ma\u00df seiner Kraft und macht, dass der Leib w\u00e4chst und sich selbst aufbaut in der Liebe\u201c. Ja, die Kirchensteuer macht deutlich, dass es eine Solidargemeinschaft gibt.<\/p>\n<p>Wir tragen damit auch die Schwachen, die stumm gewordenen \u2013 wir denken weit \u00fcber den Horizont Deutschlands hinaus. Wir wissen, wir geh\u00f6ren zu einer weltweiten Gemeinschaft. Mit unserem Geld k\u00f6nnen wir helfen. Ich weis, dass dieses Thema nicht popul\u00e4r ist. Aber die Frage sei erlaubt: Was macht das Geld mit uns? Als Christenmensch weis ich etwas vom Teilen und Abgeben. F\u00fcr mich ist das Geld kein G\u00f6tze, sondern durch den Heiligen Geist werde ich ermutigt, nach meinen M\u00f6glichkeiten anderen das Leben auch mit meinem Geld ein wenig leichter zu machen.<\/p>\n<p>Wenn der Heilige Geist in uns eine \u201eWohnung beziehen will\u201c, dann wird das unser Ich, nach innen und nach au\u00dfen pr\u00e4gen. Der Zweifel wird sicher manchmal da sein! In ihm steckt die Zahl zwei! Wenn wir uns zwischen zwei M\u00f6glichkeiten f\u00fcr den christlichen Glauben entschieden haben, dann kommen wir miteinander weiter. Der heilige, der besondere Geist hilft mir, mein Leben im Werden und Vergehen wahrzunehmen. Er hilft mir aber auch, mein Ich neu zu erkennen. Ich muss nicht so bleiben wie ich bin.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich an das kurze Gebet: \u201eLieber Gott mach die b\u00f6sen Mensch gut und die Guten etwas besser. Und fange bei mir an!\u201c Der Humor ist n\u00e4mlich in einer christlichen Gemeinde auch wichtig. Es gibt hoffentlich Freudentr\u00e4nen im christlichen Miteinander, und wenn es um das Mitleiden geht, gibt\u2019s die Tr\u00e4nen der Trauer. Der besondere Geist ist auch ein Tr\u00f6ster. Er traut uns zu, dass wir mit unseren F\u00e4higkeiten die M\u00f6glichkeiten wahrnehmen, die er uns heute vor die F\u00fc\u00dfe legt. Der heilige, der besondere Geist wirkt auch in unsere Vernunft hinein. So k\u00f6nnen wir im n\u00fcchternen Berufsleben das vernehmen, was dem wirksamen Zusammenleben dient.<\/p>\n<p>An Pfingsten, an Pfingsten sind die Geschenke gerade nicht am geringsten. Der Heilige Geist begeistert diejenigen, die sich beschenken lassen wollen. Ich w\u00fcnsche uns, dass wir daf\u00fcr offen sind. Zum Geburtstag k\u00f6nnen wir uns doch meistens etwas w\u00fcnschen. Jede und Jeder ist ein besonderer Gedanke Gottes, deshalb w\u00fcnsche ich Iam Geburtstag der Kirche: \u201elasst uns wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen St\u00fccken, zu dem hin, der das Haupt ist, Christus\u201c.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Armin Kraft, Propst<br \/>\nE-Mail c\/o <span style=\"font-family: Tahoma; font-size: small;\"><a href=\"mailto:labersweiler@propstei-braunschweig.de\">labersweiler@propstei-braunschweig.de<\/a><\/span> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfingstmontag, 5. Juni 2006 Predigt zu Epheser 4, 11-15, verfasst von Armin Kraft \u201eAn Pfingsten, an Pfingsten, da sind die Geschenke am geringsten \u2013 zur Weihenacht, zur Weihenacht, da wurde mir noch was mitgebracht\u2026\u201c Vielleicht hat deshalb Pfingsten auch so wenig Resonanz in unserer Bev\u00f6lkerung, weil die Geschenke, die \u00c4u\u00dferlichkeiten fehlen. 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