{"id":11195,"date":"2021-02-07T19:48:57","date_gmt":"2021-02-07T19:48:57","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11195"},"modified":"2023-02-08T13:57:42","modified_gmt":"2023-02-08T12:57:42","slug":"johannes-6-44-51-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-6-44-51-2\/","title":{"rendered":"Johannes 6, 44-51"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Pfingstmontag, 5. Juni 2006<br \/>\nPredigt zu Johannes 6, 44-51, verfasst von Elisabeth Birgitte Siemen (D\u00e4nemark)<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Es ist Pfingsten. Und Pfingsten bedeutet Geist, Zusammenhang und Gemeinschaft. Und das ist eine gute und ganz notwendige Botschaft hier in dieser Zeit, in der viele Menschen das Gef\u00fchl haben, dass der Zusammenhang und der Zusammenhalt bedroht sind. Der norwegische Dichter Tarjei Vesaas sagt einmal: &#8222;Jeder Mensch ist eine Insel.&#8220; Und das ist wahr, wir sind Inseln, wir sind jeder f\u00fcr sich abgegrenzt, und wir h\u00e4ngen nicht ohne weiteres mit anderen zusammen. Manchmal kann es uns sehr schwer fallen, einander zu erreichen, wir sitzen in unseren eigenen kleinen Welten, abgeschnitten von anderen. Und im Grunde vielleicht &#8211; ohne den Glauben daran, dass andere die Welt so verstehen, wie wir es tun. Jeder Mensch ist eine Insel, sagt der Dichter &#8211; f\u00fcgt dann aber hinzu: es gibt Br\u00fccken! Und so ist es mit Pfingsten. Denn an Pfingsten schl\u00e4gt Gott eine Br\u00fccke von sich hinab zu uns. Diese Br\u00fccke hei\u00dft Heiliger Geist, der Geist, der uns eine echte, lebendige Verbindung zu Gott gibt. Aber nicht zu Gott allein, der Heilige Geist soll auch eine Br\u00fccke von dem einen Menschen zum anderen schlagen.<\/p>\n<p>Es hat hier in den letzten Jahren eine Tendenz gegeben, Christentum und D\u00e4nentum zu identischen Gr\u00f6\u00dfen zu machen. Die Problematik der Einwanderer hat bewirkt, dass man sich um eine d\u00e4niche Identit\u00e4t hat sammeln wollen, um d\u00e4nische Br\u00e4uche und d\u00e4nische Kultur, in einem Versuch zu erstehen, was das ist, das uns von den Fremden unterscheidet. Einige haben sich dabei auf die d\u00e4nische Kultur konzentriert, aber da man sich wohl dar\u00fcber im Klaren ist, dass das sehr leicht zu einer bedenklichen Angelegenheit werden kann, ich meine, &#8211; es ist leicht, zu sagen Andersen, Jensen, Hansen, Nielsen und Gade, aber man kann genauso gut Weyse, Kuhlau, Oehlenschl\u00e4ger und Besekow sagen &#8211; um nur einige wenige zu nennen -! Deshalb hat man sich stattdessen aufs Christentum verlegt als den Faktor, der uns von den Fremden hier im Lande unterscheidet. Und das ist nat\u00fcrlich ganz richtig, wenn man es von au\u00dfen sieht, aber im Lichte von Pfingsten gesehen ist es zweifellos etwas verwunderlich, denn Pfingsten handelt ja gerade von dem, was die Grenzen sprengt, was zusammenschmilzt &#8211; ja, man k\u00f6nnte fast sagen &#8211; vom Internationalen. Man denke nur an die Apostel am Pfingsttage. Sie hatten in kleinen D\u00f6rfern in Galil\u00e4a gewohnt, wo die Zeit Jahrhunderte lang stillgestanden hatte. Und die meisten von ihnen waren daran gew\u00f6hnt gewesen, sich all das, was die Griechen und R\u00f6mer ins Land gebracht hatten, weit vom Leibe zu halten.Seit dem Pfingsttag aber umgaben sie sich mit Juden aus anderen Kulturen, mit anderen Br\u00e4uchen und Gewohnheiten und Denkweisen, ja sogar anderen Sprachen. Und in den Jahren danach breitete es sich auch auf die Heiden aus &#8211; d.h. Griechen und R\u00f6mer. Der Heilige Geist schlug eine Br\u00fccke von Land zu Land, von Kultur zu Kultur, von Herz zu Herz. Nein, hier gab es keine Grenzen.<\/p>\n<p>Als ich klein war und in die j\u00fcngeren Klassen in der Volksschule ging, hatte ich eine wirklich phantastische Lehrerin &#8211; und zwar in Rechnen, das bestimmt nicht mein Lieblingsfach war. Aber sie war trotzdem der beste Lehrer. Die letzten 5-10 Minuten jeder Stunde las sie uns vor. Und das konnte sie einfach. Ich erinnere mich noch, wie sie Astrid Lindgreen vorlas &#8211; und besonders die unheimlichste Geschichte von allen: &#8222;Mio mein Mio&#8220;. Das meiste habe ich nat\u00fcrlich vergessen &#8211; aber die Geschichte handelt u.a. von dem Kampf zwischen zwei M\u00e4chten im Lande &#8211; zwischen dem Guten und dem B\u00f6sen: Das B\u00f6se ist durch den unheimlichen schwarzen Ritter Cato vertreten. Seine Untertanen sind alle dadurch gekennzeichnet, dass sie ein Herz aus Stein haben, und \u00fcber alle, die er gefangen nimmt, gewinnt er Macht, indem er ihnen ihr Herz aus der Brust rei\u00dft und und es durch einen Stein ersetzt. Und obwohl das nun schon so viele Jahre her ist, kann ich mich noch gut daran erinnern, wie wir schauderten, als wir zu der Stelle kamen, wo der Held des Buches in der Burg des B\u00f6sen gefangen sitzt und wei\u00df, dass ihm am n\u00e4chsten Morgen das Herz herausgerissen und durch einen Stein ersetzt werden wird.<\/p>\n<p>Ein Stein anstelle eines Herzens &#8211; das ist ein sehr beredtes Bild. Wir sprechen ja von hartherzigen Menschen, und wir wissen auch, was ein versteinerter Mensch ist &#8211; ein harter, kalter und unempfindlicher Mensch. Ritter Kato &#8211; ja, er geh\u00f6rt in die Welt des Abenteuers, aber wer von uns erlebt es nicht in seinem Leben, dass sein Herz mit einem Stein ausgetauscht wird? In Trauer, in Zorn, in Verbitterung, in Besorgnis &#8211; da kennen wir es von uns selbst, dieses Gef\u00fchl, dass unser Herz sich verh\u00e4rtet hat. Vielleicht bem\u00e4chtigte sich das Gef\u00fchl unseres ganzen K\u00f6rpers, so dass wir zu Stein wurden, so dass unser K\u00f6rper wie ein harter Panzer wurde, und wir unzug\u00e4nglich waren f\u00fcr jede Ann\u00e4herung in Worten oder Taten. Ungl\u00fccklich ist es, wenn es uns ergreift und wir ein steinernes Herz bekommen und hart werden. Aber noch ungl\u00fccklicher ist es, wenn die Versteinerung uns so sehr ergreift, dass wir anfangen, unsere H\u00e4rte als das Normale aufzufassen. Als einen Zustand, den man erreichen muss, und wenn wir deshalb anfangen, daf\u00fcr zu arbeiten, dass wir die Herzen anderer genauso hart machen, wie unser eigenes Herz es ist. Dies sehen wir in voller St\u00e4rke z.B. in der ungl\u00fcckseligen Problematik in Israel, wo rabiate Gruppen in beiden Lagern in Terror, Bomben und Tod spekulieren &#8211; einfach nur um Recht zu bekommen. Und dass immer nur wehrlose Menschen Opfer dieser Gruppen sind, scheint sie nicht zu ber\u00fchren. Nein, denn ihre Herzen sind steinhart.<\/p>\n<p>Aber da h\u00f6ren wir heute in der Lesung aus dem AT, wie Gott zu seinem Volk spricht und sagt (Hes. 11,19 u. 20): &#8222;Ich will ihnen ein anderes Herz geben und einen neuen Geist in sie geben und will das steinerne Herz wegnehmen aus ihrem Leibe und ihnen ein fleischernes Herz geben. Sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.&#8220; Gott bringt seinem Volk die frohe Botschaft, dass ER mit uns ist, und dass es SEIN Wille ist, dass es nicht die steinernen Herzen sind, die \u00fcber die Herde herrschen sollen, sondern im Gegenteil die weichen Herzen aus Fleisch, die Menschenherzen. Pfingsten schickte Gott seinen Geist zu den Menschen, um das steinerne Herz aus unserer Brust zu rei\u00dfen und uns stattdessen ein schlagendes, warmes und liebevolles Herz zu geben. Der Heilige Geist &#8211; dieser f\u00fcr viele etwas luftige Begriff &#8211; bedeutet in all seiner Einfachheit, dass Gott eine Br\u00fccke zwischen Himmel und Erde geschlagen hat. Der Heilige Geist ist, dass wir, auch wenn Jesus die Welt verlassen hat, nicht allein gelassen sind. Er ist im Geist stets gegenw\u00e4rtig, und er bleibt gegenw\u00e4rtig &#8211; so dass wir neuen Mut, neue Kraft und Freude, Glauben, Hoffnung und Liebe fassen k\u00f6nnen &#8211; in unseren Herzen. Der Heilige Geist ist, dass das Evangelium uns angeht. Dass es zum t\u00e4glichen Brot in unserem Leben wird. Der Heilige Geist gibt uns neues Bewusstsein, neue Herzen, mit denen wir sehen k\u00f6nnen, damit wir sehen, wie Gott die Welt und all ihre Herrlichkeit geschaffen hat, damit wir uns \u00fcber sie freuen und in Verantwortung und Zusammengeh\u00f6rigkeit leben k\u00f6nnen. Aber der Heilige Geist macht auch, dass wir merken, dass Gottes Sohn Jesus gegenw\u00e4rtig ist, so dass wir sein Leben und Schicksal sehen und sein Wort h\u00f6ren k\u00f6nnen &#8211; nicht nur als etwas Vergangenes, sondern als etwas, das f\u00fcr unser Leben f\u00fcr uns selbst und zusammen mit anderen entscheidende Bedeutung hat. Ja, denn der Heilige Geist ist die Br\u00fccke &#8211; sowohl zwischen Gott und Menschen als auch zwischen Menschen.<\/p>\n<p>Nun gibt es vielleicht einige, die hier sitzen und denken &#8211; ja, aber ist denn nicht Jesus die Br\u00fccke vom Himmel zur Erde? Handelte nicht sein ganzes Leben davon, uns zu erz\u00e4hlen, dass Gott uns liebt und dass wir deshalb in liebevoller Hingabe an IHN und unseren N\u00e4chsten leben sollen? Eine Botschaft, die ungn\u00e4dig aufgenommen worden ist &#8211; er hob Grenzen auf und beseitigte Trennung, und deshalb erschlugen sie ihn auch. Ja, Jesus Christus ist die Br\u00fccke, aber der Heilige Geist ist es auch. Denn wie es in dem alten Glaubensbekenntnis, das wir eben geh\u00f6rt haben, steht: der Heilige Geist geht vom Vater und vom Sohn aus! Vater, Sohn und Heiliger Geist sind eines, und die Tat des Heiligen Geistes ist ebenso m\u00e4chtig wie die Taten, von denen wir in den Erz\u00e4hlungen der Evangelien \u00fcber Jesus von Nazareth h\u00f6ren. Und sie geschehen fortgesetzt &#8211; auch hier und jetzt. Die Beispiele sind zahllos &#8211; ich will nur ein Beispiel nennen! Der s\u00fcdafrikanische Erzbischof Desmond Tutu wurde von Nelson Mandela im Jahre 1995 dazu ausersehen, die Wahrheits- und Vers\u00f6hnungskommission in S\u00fcdafrika zu leiten. Das Ziel der Kommission war, die Nation nach jahrzehntelanger Unterdr\u00fcckung und Rassentrennung zu vers\u00f6hnen. Und die Erfahrungen aus S\u00fcdafrika zeigen, dass es m\u00f6glich ist, dass Menschen nebeneinander leben, obgleich sie furchtbare Taten gegen einander begangen haben. Aber dazu ist es n\u00f6tig, dass man zutiefst in seinem Herzen zu hoffen und f\u00fcr Frieden, Vers\u00f6hnung und Vergebung zu arbeiten wagt. Oder mit anderen Worten ausgedr\u00fcckt &#8211; man muss es wagen, sich vom Heiligen Geist, vom Geist der Wahrheit und der Liebe bewegen zu lassen, und man muss ein echtes, lebendiges Menschenherz aus Fleisch und Blut erhalten. Amen<\/p>\n<p><strong>Pastor Elisabeth Birgitte Siemen<br \/>\nKirseb\u00e6rbakken 1<br \/>\nDK- 2830 Virum<br \/>\nTel.: +45 45 85 63 30<br \/>\n<\/strong><strong> e-mail: <a href=\"mailto:ebsi@km.dk\">ebsi@km.dk<\/a><\/p>\n<p>A us dem D\u00e4nischen \u00fcbersetzt von Dietrich Harbsmeier<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfingstmontag, 5. Juni 2006 Predigt zu Johannes 6, 44-51, verfasst von Elisabeth Birgitte Siemen (D\u00e4nemark) Es ist Pfingsten. Und Pfingsten bedeutet Geist, Zusammenhang und Gemeinschaft. Und das ist eine gute und ganz notwendige Botschaft hier in dieser Zeit, in der viele Menschen das Gef\u00fchl haben, dass der Zusammenhang und der Zusammenhalt bedroht sind. 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