{"id":11196,"date":"2021-02-07T19:48:57","date_gmt":"2021-02-07T19:48:57","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11196"},"modified":"2023-02-08T14:04:09","modified_gmt":"2023-02-08T13:04:09","slug":"epheser-4-10-16","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-4-10-16\/","title":{"rendered":"Epheser 4, 10-16"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Pfingstmontag, 5. Juni 2006<br \/>\nPredigt zu Epheser 4, 10-16, verfasst von Katharina Coblenz-Arfken<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\n<b><\/b><\/p>\n<p>Pfingsten \u201edas liebliche Fest\u201c ist gekommen, frisches Birkengr\u00fcn schm\u00fcckt auch unsere Kirche. \u00dcberall gr\u00fcnt es und bl\u00fcht. Auf dem Dornbusch leuchtet goldgelb der Ginster.<br \/>\nWir feiern den Geburtstag der Kirche, das Kommen des heiligen Geistes.<br \/>\nLukas hat uns erz\u00e4hlt, wie die Freunde und Freundinnen Jesu hinter geschlossenen T\u00fcren sa\u00dfen, weil sie Angst hatten, dass ihnen das gleiche passiert wie Jesus: Hinrichtung auf Grund ihrer Lebensweise und ihres Glaubens. So zogen sie es vor, nach seinem Tod in geschlossener Gesellschaft zu bleiben. Zwar hatten ein paar Frauen aufgeregt erz\u00e4hlt, wie sie Jesus als Auferstandenen gesehen hatten und geh\u00f6rt, wie er zu ihnen sprach: \u201eF\u00fcrchtet euch nicht!\u201c<br \/>\nDie J\u00fcnger sahen ihn dann auch. Aber ihre Ohren m\u00fcssen taub gewesen sein. Sie konnten es nicht glauben. Nun, 50 Tage nach Ostern, als zu dem j\u00fcdischen Erntefest viele Leute nach Jerusalem kamen, schlossen sie sich erst recht ein.<br \/>\nDann geschah das Unvorhergesehene. Sie sp\u00fcrten eine Bewegung von au\u00dfen.<br \/>\nEin nicht aufzuhaltender Wind erf\u00fcllte das Haus, wurde sichtbar, w\u00e4rmte und erleuchtete sie \u2013 wie Feuerzungen auf ihren K\u00f6pfen. Die Sprache kam wieder wie Musik, allen verst\u00e4ndlich. Die Angst wich. Sie \u00f6ffneten sich, \u00f6ffneten die T\u00fcr. Sie bekannten sich zu Christus und erz\u00e4hlten weiter, was sie mit ihm erlebt hatten und dass er lebt und da ist und wirkt.<br \/>\nDas ist der Geburtstag der Kirche.<br \/>\nDer Epheserbrief enth\u00e4lt die wichtigsten theologischen Aussagen des Neuen Testaments \u00fcber die Kirche.<br \/>\nIch lese einen Abschnitt aus dem 4. Kapitel vor:<\/p>\n<p>Eph 4,10-16:<br \/>\nDerselbe, der herabstieg, ist auch hinaufgestiegen bis zum h\u00f6chsten Himmel, um das All zu erf\u00fcllen<br \/>\nUnd er gab den einen das Apostelamt, andere setzte er als Propheten ein, wieder andere als Evangelisten, zu Vorstehern oder Lehrern, um die Heiligen f\u00fcr die Erf\u00fcllung ihres Dienstes zu bef\u00e4higen \u2013 f\u00fcr den Aufbau des Leibes Christi.<br \/>\nSo sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen.<br \/>\nWir sollen nicht mehr unm\u00fcndige Kinder sein, ein Spiel der Wellen, hin und hergetrieben von jedem Widerstreit der Meinungen, dem Betrug der Menschen ausgeliefert, der Verschlagenheit, die in die Irre f\u00fchrt.<br \/>\nWir wollen uns von der Liebe geleitet an die Wahrheit halten und in allem wachsen, bis wir sie erreicht haben.<br \/>\nEr, Christus, ist das Haupt.<br \/>\nDurch ihn wird der ganze Leib zusammengef\u00fcgt und gefestigt in jedem einzelnem Gelenk.<br \/>\nJedes tr\u00e4gt mit der Kraft, die ihm zugemessen ist.<br \/>\nSo w\u00e4chst der Leib und wird in Liebe aufgebaut.<\/p>\n<p>Ein sch\u00f6nes Bild. Christus ist das Haupt und wir alle haben Teil am Leib Christi.<br \/>\nGestern sagte mir eine Besucherin: \u201eWenn der kleine Zeh wehtut, weint das Auge.\u201c<br \/>\nEs ist alles miteinander verbunden und es ist eine alte Weisheit, dass man z.B. mit dem Blick in die Augen, der sogenannten Irisdiagnose, feststellen kann, was einem Menschen fehlt.<br \/>\nAlles wirkt wunderbar zusammen. Ein Glied funktioniert nicht ohne das andere.<\/p>\n<p>Wenn Christus das Haupt ist, dann kommen wir durch ihn zur Einheit, zur Vollkommenheit.<br \/>\nSehnt sich nicht jeder Mensch nach Vollkommenheit?<br \/>\nGanzheitlichkeit ist heute ein Schlagwort.<br \/>\nAuch Goethe hat das in seinem Gedicht \u201eUrworte orphisch\u201c folgenderma\u00dfen beschrieben:<\/p>\n<p>\u201eWie an dem Tag, der dich der Welt verliehen,<br \/>\ndie Sonne stand zum Gru\u00dfe der Planeten,<br \/>\nbist also bald und fort und fort gediehen<br \/>\nnach dem Gesetz, wonach du angetreten.<br \/>\nSo musst du sein, dir kannst du nicht entfliehen,<br \/>\nso sagten schon Sybillen, so Propheten;<br \/>\nund keine Zeit und keine Macht zerst\u00fcckelt<br \/>\ngepr\u00e4gte Form, die lebend sich entwickelt.\u201c<\/p>\n<p>Hat er damit nicht auch eine Hymne an Sch\u00f6pfer gedichtet?.. Jeder Mensch ist an eine bestimmte Form gebunden.<br \/>\nBei Goethe geht es um die M\u00f6glichkeit, die Form zu f\u00fcllen &#8211; wie eine Verpflichtung seinen Lebensplan zu erf\u00fcllen. Als k\u00f6nne das der Mensch von allein.<\/p>\n<p>Der Schreiber des Epheserbrief entwirft ein mystisches Bild: Christus wird geschaut als alles durchwirkende Gestalt, ja als kosmischer Christus wird er uns hier vorgestellt.<br \/>\nDer Mensch ist darin eingebunden. Ja, um des Menschen willen wird Christus hier geschaut.<br \/>\nEine Mystikerin des Mittelalters, Hildegard von Bingen, sah dieses Bild in einer gro\u00dfartigen Schau und es bestimmte ihr Leben. Sie formulierte es in einem Lied zum Lob Gottes:<br \/>\n\u201eVon der Erde bis hoch zu den Sternen \u00fcberflutet die Liebe das All.<br \/>\nSie ist liebend zugetan allen, da sie dem H\u00f6chsten den Friedenskuss gab.\u201c<br \/>\nUnd wenn das so ist, dass diese liebende Energie in allen ist, dann hat das f\u00fcr mein Leben Konsequenzen.<br \/>\nWie kann ich teilhaben an diesem vollkommenen Leib Christus, wie kann ich wachsen in der Liebe? So dass ich nicht Spielball der Wellen werde, dem Widerstreit der Meinungen ausgeliefert und den betr\u00fcgerischen Versprechungen der Werbung auf den Leim gehe?<\/p>\n<p>Vielleicht versuchen Sie einmal diese \u00dcbung. Es ist eine einfache \u00dcbung. Mir hat sie geholfen. Stellen Sie sich den Menschen vor, mit dem Sie Schwierigkeiten haben. Sehen Sie ihn als Gottes Gesch\u00f6pf, in dem genauso die M\u00f6glichkeit zur Vollkommenheit steckt.<br \/>\nK\u00f6nnte es sein, dass sich im Miteinander etwas \u00e4ndert?<br \/>\nWir kennen alle unsere Schattenseiten: Zorn, Wut, Entt\u00e4uschung \u00fcber das Zu- kurz- Gekommen-Sein.<br \/>\nAber bei diesem Christus am Kreuz sehe ich seine ge\u00f6ffneten Arme. Die gro\u00dfen einladenden H\u00e4nde. Sie segnen und geben Kraft. Wir Menschen k\u00f6nnen das annehmen, diese Liebe aufnehmen, sp\u00fcren und weitertragen.<\/p>\n<p>Der Schreiber des Epheserbriefes gibt sich im Rahmen seiner M\u00f6glichkeiten gro\u00dfe M\u00fche, das weiterzusagen.<br \/>\nDeshalb finden wir in diesem Brief auch sehr viele Ratschl\u00e4ge. Fast zu viele.<br \/>\nEinen habe ich als Kind schon immer geh\u00f6rt. Meine Mutter pr\u00e4gte ihn uns Geschwistern ein: \u201eLasst die Sonne nicht \u00fcber eurem Zorn untergehen.\u201c Vers\u00f6hnt euch vor dem Schlafengehen.<br \/>\nJeder wei\u00df, wie schwer das manchmal ist.<br \/>\nLuther sagte: \u201eDer Heilige Geist \u2013 das ist die Flamme des Herzens, die Lust hat zu dem, was Gott gef\u00e4llt.\u201c<br \/>\nMit meiner Kraft bin ich manchmal am Ende. Aber um Gottes Geist kann ich bitten, ja ich soll es auch immer wieder tun. So beginnen auch die meisten Pfingstlieder mit einer Bitte: \u201eNun bitten wir den Heiligen Geist\u201c, \u201eKomm, Heilger Geist. ..!\u201c, \u201eKomm. O komm, du Geist des Lebens\u201c, \u201e O Heilger Geist kehr bei uns ein&#8230;\u201c<br \/>\nWir bitten um Gottes Geist, um zu vollkommenen Menschen zu werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darzustellen.<br \/>\nWir sind dabei nicht allein. Er ist bei uns. (Bei Abendmahlsgottesdienst: Im Abendmahl l\u00e4dt er uns ein, die Gaben des Lebens zu teilen.)<br \/>\nAufgabe der Kirche ist es, diese Kraft Christi, die alles durchwirkt, den Menschen weiterzusagen.<br \/>\nWir haben alle daran teil.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p>Liedvorschlag EG : 130,1-3.5<\/p>\n<p><strong>Dr. Katharina Coblenz-Arfken<br \/>\nDragonerstr. 17<br \/>\n37154 Northeim \u2013 Hohnstedt<br \/>\nTel.: 0555151107<br \/>\nz.Zt. Kurpastorin in Neuendorf auf Hiddensee<br \/>\n<a href=\"mailto:Arfkencoblenz@aol.com\">Arfkencoblenz@aol.com<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfingstmontag, 5. Juni 2006 Predigt zu Epheser 4, 10-16, verfasst von Katharina Coblenz-Arfken Liebe Gemeinde, Pfingsten \u201edas liebliche Fest\u201c ist gekommen, frisches Birkengr\u00fcn schm\u00fcckt auch unsere Kirche. \u00dcberall gr\u00fcnt es und bl\u00fcht. Auf dem Dornbusch leuchtet goldgelb der Ginster. 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