{"id":11198,"date":"2021-02-07T19:48:58","date_gmt":"2021-02-07T19:48:58","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11198"},"modified":"2023-02-07T22:19:26","modified_gmt":"2023-02-07T21:19:26","slug":"epheser-1-3-14-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-1-3-14-5\/","title":{"rendered":"Epheser 1, 3-14"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Trinitatis, 11. Juni 2006<br \/>\nPredigt zu Epheser 1, 3-14, verfasst von Andreas Pawlas <\/span><\/b><\/h3>\n<p>Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus. Denn<br \/>\n<strong>in ihm<\/strong> hat er uns erw\u00e4hlt, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir, heilig und untadelig vor ihm sein sollten; <strong>in seiner Liebe<\/strong> hat er uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Lob seiner herrlichen Gnade, mit der er uns begnadet hat in dem Geliebten.<br \/>\n<strong>In ihm<\/strong> haben wir die Erl\u00f6sung durch sein Blut, die Vergebung der S\u00fcnden, nach dem Reichtum seiner Gnade, die er uns reichlich hat widerfahren lassen in aller Weisheit und Klugheit. Denn Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Ratschluss, den er zuvor in Christus gefasst hatte, um ihn auszuf\u00fchren, wenn die Zeit erf\u00fcllt w\u00e4re, dass alles zusammengefasst w\u00fcrde in Christus, was im Himmel und auf Erden ist. <strong>In ihm<\/strong> sind wir auch zu Erben eingesetzt worden, die wir dazu vorherbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Ratschluss seines Willens; damit wir etwas seien zum Lob seiner Herrlichkeit, die wir zuvor auf Christus gehofft haben.<br \/>\n<strong>In ihm<\/strong> seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit geh\u00f6rt habt, n\u00e4mlich das Evangelium von eurer Seligkeit &#8211; <strong>in ihm<\/strong> seid auch ihr, als ihr gl\u00e4ubig wurdet, versiegelt worden mit dem heiligen Geist, der verhei\u00dfen ist, welcher ist das Unterpfand unsres Erbes, zu unsrer Erl\u00f6sung, dass wir sein Eigentum w\u00fcrden zum Lob seiner Herrlichkeit.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Das kann doch jeder verstehen! Was? Nein, gerade nicht unser Bibelwort, sondern dass man sich durch diese langen Wortketten, durch diese S\u00e4tze oder gar Satzunget\u00fcme, die da mit einem Mal durch dieses Apostelwort \u00fcber unseren K\u00f6pfen schweben, schlicht <strong>\u00fcberfordert<\/strong> f\u00fchlen kann. Denn dem kann man doch so schnell gar nicht folgen. Das kann man doch alles so unvermittelt \u00fcberhaupt nicht begreifen.<\/p>\n<p>Aber m\u00f6glicherweise hilft uns hier ein Vergleich: Denn wir kennen das doch oder haben es sogar schon einmal selbst erlebt, wann mit einem Male selbst der n\u00fcchternste Buchhalter poetisch wird. Und zwar wann? Doch wenn er <strong>verliebt<\/strong> ist. Denn dann fallen ihm doch mit einem Male f\u00fcr seinen Liebling und seine Verehrte die allerlieblichsten Ausdr\u00fccke ein: \u201eMein Schnuckelchen, mein Schatz, meine Maus mein Liebchen, meine Herz, mein Ein und Alles. Und wie w\u00fcrdet Ihr j\u00fcngeren Leute heute sagen? Etwa \u201emy baby\u201c, \u201cmy heart\u201d oder \u201emy love\u201c. Jedenfalls kommen so bei Verliebten ganz leicht so manche Wortketten oder Satzunget\u00fcme zu Stande und k\u00f6nnen \u00fcberhaupt kein Ende finden. Und am besten <strong>singt<\/strong> man dann das alles auch noch. Ich wei\u00df, dass das manchmal f\u00fcr Au\u00dfenstehende schwer auszuhalten ist, aber f\u00fcr den, der wirklich liebt, geht das gar nicht anders und ist es einfach <strong>wunderbar<\/strong>.<\/p>\n<p>Warum ich das jetzt erz\u00e4hle? Weil das in anderer Weise der eigentliche Hintergrund unseres heutigen Gotteswortes ist. Denn da ist jemand von der Liebe anger\u00fchrt, n\u00e4mlich der Hl. <strong>Apostel<\/strong>. Der ist einfach <strong>ergriffen<\/strong> von dem Geist, der von Pfingsten ausgeht und der belebt, tr\u00f6stet und heilt. Der Hl. <strong>Apostel<\/strong> hat wirklich versp\u00fcrt, wie ihn Gottes unendliche Liebe durch Jesus Christus umschlossen hat, und ihn wunderbar durchdringt und verwandelt. Und von dieser Erfahrung <strong>muss<\/strong> er dann einfach stammeln, sagen und singen.<\/p>\n<p>Ja, ein solches Lied, ein solcher Hymnus, ist also unser Bibelwort. Eigentlich kann es darum nur <strong>gesungen<\/strong> werden. Nun sind uns dabei leider nicht die Noten \u00fcberliefert worden. Aber immerhin: wenn man genauer hinschaut, kann man sogar entdecken, dass dieses Lied des Apostels drei Strophen hat.<\/p>\n<p>Aber jetzt k\u00f6nnte man diese drei Strophen einmal oder noch einmal singen. Und bestimmt w\u00fcrde allein <strong>das<\/strong> unserer Seele schon gut tun. Ja, das haben wir doch sicherlich schon erlebt, dass wir oder andere Menschen wirklich durch ein sch\u00f6nes Lied gest\u00e4rkt und getr\u00f6stet werden konnten.<\/p>\n<p>Allerdings kennen wir das auch, dass es manchmal Momente gibt, in denen wir es einfach nicht ertragen k\u00f6nnen, dass jemand ein Lied singt. Ja, es kann einen auch Kummer, Leid oder Krankheit dazu bringen, dass einem nicht mehr zum Singen zu Mute ist, dass einem die Kehle wie <strong>zugeschn\u00fcrt<\/strong> ist.<\/p>\n<p>Und da kommt mir das M\u00e4rchen, von diesem reichen J\u00fcngling in Erinnerung, der so sch\u00f6n und so vollkommen war, dass er von niemand zu \u00fcbertreffen war. Und er lebte in einem gro\u00dfartigen Haus und sah jeden Morgen erneut in seinem pr\u00e4chtigen Spiegel wie herrlich und vollkommen er war. So war er im Grunde v\u00f6llig <strong>in sich selbst verliebt<\/strong>, weshalb er auch den ganzen Tag voller Entz\u00fccken sang. Und die Leute drau\u00dfen vor dem Haus die konnten das schon von weitem h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Aber an einem Tage da h\u00f6rten die Leute, wie sein Gesang j\u00e4h <strong>abbrach<\/strong>. In dem M\u00e4rchen wird berichtet, dass er pl\u00f6tzlich zu singen aufh\u00f6rte, als er an seinem K\u00f6rper mit einem Male \u2013 <strong>Aussatz<\/strong> entdeckte, also Lepra. Durch diese schlimme Krankheit war mit einem Male seine ganze sch\u00f6ne, heile und vollkommene Welt zerbrochen. Alle Herrlichkeit und Harmonie war zerst\u00f6rt. Da konnte er mit einem Male <strong>nicht<\/strong> mehr sich selbst und die Welt lieben. Da war ihm sein Lied im Halse stecken geblieben. Kennen wir das vielleicht?<\/p>\n<p>Aber schauen wir doch jetzt einmal wieder zur\u00fcck auf den Hl. Apostel. Lobt der nun etwa unseren Gott deshalb, weil er so sch\u00f6n und so perfekt ist, wie dieser J\u00fcngling? Aber nein, es ist doch alles <strong>v\u00f6llig anders<\/strong>. Denn wie viele Krankheiten hatte der Apostel durchzustehen, er hatte Schuld auf sich geladen und hatte Schiffbruch erlebt und hatte auch im Gef\u00e4ngnis gesessen. Und <strong>trotzdem<\/strong> singt er diesen Hymnus, den wir heute Morgen als Bibelwort h\u00f6ren. Wer kann das begreifen? Und vor allem: woher hat er dazu nur die Kraft?<\/p>\n<p>Aber genau deshalb kommen wir jetzt zur ersten Strophe dieses Hymnus. Und da hei\u00dft es ja, dass Gott uns <strong>erw\u00e4hlt<\/strong> hat, ehe der Welt Grund gelegt war. Das ist eine <strong>gewaltige<\/strong><strong>Aussage &#8211;<\/strong>, die aber leider so manches Mal unserem Lebensgef\u00fchl widerspricht. Denn wie h\u00e4ufig \u00fcberschwemmt uns in Leid und Dem\u00fctigung das Gef\u00fchl, einfach so ins Dasein hineingeworfen zu sein \u2013 einfach <strong>so<\/strong> und nach dem Zufallsprinzip und so ganz und <strong>gar nicht<\/strong> erw\u00e4hlt. Ja, mancher f\u00fchlt sich h\u00e4ufig mehr als ein Staubk\u00f6rnchen im Mahlwerk der Zeit &#8211; unbedeutend, aufgerieben und ohne Perspektive. Denn niemand interessiert sich f\u00fcr mich und was ich mich abm\u00fche und abrackere. Genauso wenig mag irgendjemand h\u00f6ren, was ich denke, f\u00fchle, hoffe, und wie mir alle diese Missachtung weh tut. Aber genau <strong>so<\/strong> soll es nach Gottes Willen nicht sein! Nein, wir d\u00fcrfen uns darauf verlassen, <strong>nicht<\/strong> verlassen zu sein, sondern eben erw\u00e4hlt zu sein vor aller Zeit, ja, genau <strong>Du<\/strong> und <strong>ich<\/strong> und wir <strong>alle<\/strong>.<\/p>\n<p>Woher wir das wissen k\u00f6nnen? Weil uns doch unser Vater im Himmel das Liebste und Teuerste gesandt hat, was es f\u00fcr ihn gibt, seinen einzigen Sohn, genau f\u00fcr <strong>Dich<\/strong> und <strong>mich<\/strong> und sein <strong>ganzes<\/strong><strong> Volk<\/strong>. &#8211; Jedoch wie soll man das alles richtig <strong>begreifen<\/strong> k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber der Hymnus geht ja noch weiter. Und da hei\u00dft es nicht nur, dass Gott uns erw\u00e4hlt hat, sondern dass Gott uns auch das Geheimnis seines Willens hat wissen lassen. Ja, das ist wirklich so, dass wir uns darauf verlassen k\u00f6nnen, dass wir eingebettet sind in Gottes Willen. Vom Anfang bis zum Ende, von Taufe bis zum Tod und vor allem bis zur Auferstehung!<\/p>\n<p>Wie das gehen kann? Das sagt uns doch die zweite Strophe, n\u00e4mlich dass wir in Christus die <strong>Erl\u00f6sung<\/strong> haben durch sein Blut, die Vergebung der S\u00fcnden, nach dem Reichtum seiner Gnade, die er uns reichlich hat widerfahren lassen in aller Weisheit und Klugheit.<\/p>\n<p>Aber kann man das eigentlich so sagen? Denn wo ist hier <strong>irgendetwas<\/strong> weise und klug? Wir haben doch jetzt eher Probleme mit diesen langen S\u00e4tzen. Und um weise und klug zu sein, muss man doch \u00fcblicherweise so und so viele Pr\u00fcfungen abgelegt, Examina und Diplome gemacht haben. <strong>Dann<\/strong> erst wei\u00df man doch, wo es lang geht. Oder stimmt das alles gar nicht? Hat dieses Geheimnis hier mit ganz <strong>anderen<\/strong>, viel <strong>grunds\u00e4tzlicheren<\/strong> Fragen unseres Lebens zu tun, mit der Weisheit und Klugheit, wie unser <strong>ganzes<\/strong> Leben gelingen kann? Dabei kann man manchmal ganz Entscheidendes von der Weisheit und Klugheit Gottes aufblitzen sehen, und noch nicht einmal als verborgenes Geheimnis, sondern so, dass es eigentlich jeder einsehen kann: Denn wenn mich Panik oder Sorge \u00fcberf\u00e4llt Schande und Elend droht, und ich eigentlich gar nicht mehr wei\u00df, wo oben und unten ist, dann muss doch tats\u00e4chlich ganz von selbst wieder Gelassenheit in meine Seele einziehen, wenn ich endlich ernst nehme, dass ich bereits erl\u00f6st <strong>bin<\/strong>, dass Christus <strong>tats\u00e4chlich<\/strong> f\u00fcr mich bereits alles Schlimme getragen und ertragen hat und mich am Ende zum Ziel bringt.<\/p>\n<p>Ja, um <strong>dieses<\/strong> Geheimnis und um <strong>diese<\/strong> Weisheit und Klugheit geht es. Jedoch: Wie sollte man das immer sehen k\u00f6nnen? Wie k\u00f6nnen denn einem dazu die Augen ge\u00f6ffnet werden? Allerdings hei\u00dft es hier in dem Hymnus, dass wir nicht nur die <strong>Erw\u00e4hlten<\/strong> Gottes sind, sondern auch die <strong>Erleuchteten<\/strong>, also die, denen die Augen aufgetan wurden, um alles richtig zu erkennen und zu begreifen.<\/p>\n<p>Und so kommen wir zur dritten Strophe. Da hei\u00dft es etwas langatmig, dass wir, als wir gl\u00e4ubig wurden, <strong>versiegelt<\/strong> worden sind mit dem Heiligen Geist, Und so ist ja auch jeder Getaufte versiegelt worden mit dem Heiligen Geist. Und deshalb darf er Gott <strong>beim Wort<\/strong> nehmen. Und deshalb darf ich selbst dann getrost bleiben, wenn ich momentan nicht verstehen kann, warum ich in meinem Leben so gef\u00fchrt werde, warum ich auch das Schlimme erleiden, oder warum ich Misserfolge und Schande erleben muss. Ja, so ist die Zusage <strong>verbrieft<\/strong> und <strong>versiegelt<\/strong>, dass mein himmlischer Vater mich bewahrt und dass ich das irgendwann alles durch den Hl. Geist verstehen werde. So wird durch den Hl. Geist unser Herz erleichtert und getr\u00f6stet und diese Erleichterung und Tr\u00f6stung gibt dann schon eine Ahnung von der Seligkeit, die uns im Reich Gottes versprochen ist.<\/p>\n<p>Und zu der Seligkeit, zu der wir vorherbestimmt sind, geh\u00f6rt auch, dass wir zu <strong>Erben<\/strong> eingesetzt worden sind. So hei\u00dft das in diesem Hymnus. Und jetzt bitte nicht zu klein denken, denn damit ist doch nicht so eine Erbschaft gemeint, wie Tante Lisbeths alte Nickelbrille oder der wackelige Wandschrank von Onkel Hermann. Sondern der Hl. Apostel benutzt diesen Ausdruck hier, um ein <strong>richtiges<\/strong><strong>gro\u00dfes<\/strong> Erbe anzusprechen, das einen pl\u00f6tzlich wie ein <strong>Gl\u00fcck<\/strong> \u00fcberf\u00e4llt und das einem unversehens ein sorgenfreies Leben erm\u00f6glicht. Denken wir doch einmal an ein paar Millionen Euro &#8211; steuerfrei. Ja, so eine <strong>richtige<\/strong> Erbschaft, <strong>die<\/strong> w\u00fcrde doch unser Leben ver\u00e4ndern. Nie mehr knausern m\u00fcssen. Sich gleich das eine oder andere wirklich Gute g\u00f6nnen. Und dann auch gern gro\u00dfz\u00fcgig und gro\u00dfherzig sein. Ja, <strong>das<\/strong> Kaliber ist meint der Hl. Apostel hier. So soll uns auch alles, was uns von Gott erf\u00fcllt, gro\u00dfz\u00fcgig und gro\u00dfherzig machen und unendlich froh und dankbar! So viel Gutes, ja, Herrlichkeit, Seligkeit, soll uns von Gott her erf\u00fcllen. Davon ist hier die Rede und von nicht weniger. Um solche gro\u00dfartigen und unfassbar guten Dinge geht es hier dem Hl. Apostel.<\/p>\n<p>Und wenn man so auch nur <strong>etwas<\/strong> davon begreift, dass man durch den dreieinigen Gott erw\u00e4hlt und erl\u00f6st, erleuchtet und reich beschenkt ist, kommt man dann nicht ganz von selbst zum Singen? Kann man dann nicht doch und ganz von selbst einstimmen mit Paulus in das Lob Gottes heute am Sonntag Trinitatis und ewig? Amen.<\/p>\n<p><strong>Pastor Dr. Andreas Pawlas<br \/>\nEv.-luth. Kirchengemeinde Barmstedt<br \/>\nErlenweg 2<br \/>\n25365 Kl. Offenseth-Sparrieshoop<br \/>\n<a href=\"mailto:Andreas.Pawlas@web.de\">Andreas.Pawlas@web.de<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trinitatis, 11. Juni 2006 Predigt zu Epheser 1, 3-14, verfasst von Andreas Pawlas Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus. 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