{"id":11199,"date":"2021-02-07T19:48:56","date_gmt":"2021-02-07T19:48:56","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11199"},"modified":"2023-02-09T10:01:37","modified_gmt":"2023-02-09T09:01:37","slug":"epheser-1-3-14-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-1-3-14-6\/","title":{"rendered":"Epheser 1, 3-14"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Trinitatis, 11. Juni 2006<br \/>\nPredigt zu Epheser 1, 3-14, verfasst von Martin M. Penzoldt<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Wir feiern heute Trinitatis, das Fest der Dreieinigkeit. Es ist ein Fest der \u00dcberschau, an dem man bis in die H\u00f6he der Kirchenkuppel gehen muss, um den \u00dcberblick zu bekommen\u2026<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde! Nachts, wenn er sich ausgetobt hat und seine Eltern am Rande ihrer Kr\u00e4fte im Wohnzimmer zur\u00fcckgeblieben sind, dann liegt mein rothaariger Patensohn Jakob mit vertr\u00e4umtem Blick in seinem Bett und versucht, sich mit seinen vier Jahren zurechtzufinden in der Welt, die ihm am Tage begegnet ist.<\/p>\n<p>Das ist seine philosophische Stunde. Da gen\u00fcgt es nicht, mit Geschichten Einverst\u00e4ndnis mit der Welt herzustellen und nach der Ersch\u00f6pfung des K\u00f6rpers auf eine sanfte M\u00fcdigkeit des Geistes zu warten. Jakob versucht, sich Klarheit zu verschaffen.<\/p>\n<p>Die langwierigste Untersuchung gilt der Frage: &#8222;Was war davor?&#8220; Er hat mitbekommen, dass seine Schwestern aus dem Bauch seiner Mutter kamen und dass er selbst so auf die Welt gekommen ist. Aber, nat\u00fcrlich: Wo ist eigentlich die Mutter her? Was war, bevor sie Mutter wurde? Da war sie auch einmal ein Kind. Ja, ein Baby! Das r\u00fchrt Jakob; aber deshalb schl\u00e4ft er noch nicht ein.<\/p>\n<p>Er m\u00f6chte wissen, was davor war. Davor war die Gro\u00dfmutter. Und war die etwa auch einmal&#8230;? Ja, freilich! Und davor? Davor die Urgrossmutter im Schwarzwald. Und davor? Ihre Eltern, Grosseltern, Urgrosseltern. Ur! Ur!! Ur!!! Pause. Und davor? Jetzt kommt der biblische Rundumschlag, die klassische Antwort, die erl\u00f6senden Frieden bringt: Adam und Eva. &#8211; Und davor? Jakobs Eltern im Wohnzimmer haben sich erholt, sie scherzen, plaudern und suchen nach einem fu\u00dfballfreien Fernsehkanal. Ich besinne mich auf den ungef\u00e4hren Verlauf der sechs Sch\u00f6pfungstage, ohne gro\u00dfen Eindruck bei dem Kind zu hinterlassen: Und davor? Im Wohnzimmer knallt ein Sektkorken und ich sehne mich nach einer p\u00e4dagogischen Zweitkraft.<\/p>\n<p>Bis jetzt waren wir eine wahrhaft endlose Strecke von &#8222;Davors&#8220; zur\u00fcckgegangen. Das Endlose sollte nun ins Unendliche m\u00fcnden: in Gott, wie es war im Anfang jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. &#8222;Und davor?&#8220; beharrt Jakob. Gott ist das Davor aller Welt, allen Lebens, aller Fragen! Er ist vor aller Zeit und in allen Zeiten, der heilige Sch\u00f6pfer und Erhalter von allem, was ist! Jakob merkt, dass er mit seiner Frage hier nicht weiterkommt und ein leichter Zug von M\u00fcdigkeit zeigt sich auf seinem Gesicht. Jetzt wollte aber ich nicht aufgeben, der Sache auf den Grund zu gehen.<\/p>\n<p>Im Wohnzimmer ist inzwischen doch die Weltmeisterschaft im Gange. Das gibt mir Zeit zum \u00dcberlegen: Wonach hat Jakob eigentlich fragen wollen? Es war klar, dass Gott die Antwort war, immer schon. Aber was war die Frage? Vielleicht seine beiden Schwestern, um die sich die Mutter so viel k\u00fcmmern musste? Und dass es pl\u00f6tzlich nicht mehr so klar war, dass sich eigentlich alles um ihn drehte und f\u00fcr ihn da war. Jakob drehte den Kopf weg und blickte auf die Holzgitter seines Bettes, aber er h\u00f6rte mir zu. H\u00f6rte, wie alle, die er kennt, damals gekommen waren, um ihn zu sehen im Margaritenhospital. Lange bevor er sie erkennen konnte und sprechen lernte, haben sie ihn gesehen und angefangen mit ihm zu sprechen. Und das sei nicht nur bei ihm so, sondern auch bei seinen Freunden so: bei Benjamin und Simon, bei Frank und bei Laura. Und als er dann getauft wurde, da habe ihm der Pfarrer gesagt, dass so wie die Eltern auf ihr Kind warten und es sehen und mit ihm reden: so wartet auch Gott auf uns, spricht uns an in seinem ewigen Wort und sieht uns an als sein Kind. &#8222;Alle?&#8220; Alle, auch dich.<\/p>\n<p>Es ist still geworden im Zimmer. Jetzt verlangt der junge Herr noch nach Vertrautem: die Drei R\u00e4uber, Criktor, die gute Schlange, ein halbes Reim-Buch und ein Stoss Bilderb\u00fccher. Seine Welt ist ihm wieder vertraut. Dann schl\u00e4ft er. Wir aber h\u00f6ren, wie der Verfasser des Epheserbriefes seine kleine, verlorene Gemeinde wieder mit sich und ihrem Gott, mit ihrem Leben neu vertraut gemacht hat, indem er mit ihr zur\u00fcckgeht in das unvordenkliche \u201eDavor\u201c. Ehe der Welt Grund gelegt war, hat Gott uns in Christus erw\u00e4hlt: Eph 1,3-14: \u2026<\/p>\n<p><em>1,3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, <\/em><br \/>\n<em>der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus.<\/em><br \/>\n<em>1,4 Denn in ihm hat er uns erw\u00e4hlt, ehe der Welt Grund gelegt war, <\/em><br \/>\n<em>dass wir, heilig und untadelig vor ihm sein sollten; in seiner Liebe<\/em><br \/>\n<em>1,5 hat er uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein <\/em><br \/>\n<em>durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens,<\/em><br \/>\n<em>1,6 zum Lob seiner herrlichen Gnade, mit der er uns begnadet hat in dem Geliebten.<\/em><br \/>\n<em>1,7 In ihm haben wir die Erl\u00f6sung durch sein Blut, <\/em><br \/>\n<em>die Vergebung der S\u00fcnden, nach dem Reichtum seiner Gnade,<\/em><br \/>\n<em>1,8 die er uns reichlich hat widerfahren lassen in aller Weisheit und Klugheit.<\/em><br \/>\n<em>1,9 Denn Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Ratschluss, den er zuvor in Christus gefasst hatte,<\/em><br \/>\n<em>1,10 um ihn auszuf\u00fchren, wenn die Zeit erf\u00fcllt w\u00e4re, <\/em><br \/>\n<em>dass alles zusammengefasst w\u00fcrde in Christus, was im Himmel und auf Erden ist.<\/em><br \/>\n<em>1,11 In ihm sind wir auch zu Erben eingesetzt worden, <\/em><br \/>\n<em>die wir dazu vorherbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, <\/em><br \/>\n<em>der alles wirkt nach dem Ratschluss seines Willens;<\/em><br \/>\n<em>1,12 damit wir etwas seien zum Lob seiner Herrlichkeit, <\/em><br \/>\n<em>die wir zuvor auf Christus gehofft haben.<\/em><br \/>\n<em>1,13 In ihm seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit geh\u00f6rt habt, <\/em><br \/>\n<em>n\u00e4mlich das Evangelium von eurer Seligkeit &#8211; in ihm seid auch ihr, als ihr gl\u00e4ubig wurdet, versiegelt worden mit dem heiligen Geist, der verhei\u00dfen ist,<\/em><br \/>\n<em>1,14 welcher ist das Unterpfand unsres Erbes, zu unsrer Erl\u00f6sung, <\/em><br \/>\n<em>dass wir sein Eigentum w\u00fcrden zum Lob seiner Herrlichkeit.<\/em><\/p>\n<p>&#8222;\u00dcber eine unersch\u00f6pfliche Sache kann man nie zu ma\u00dflos reden.&#8220;(Calvin). Der begeisterte \u00dcberschwang dieser wenigen S\u00e4tze soll uns \u00fcber alle Zeit hinweg erreichen, soll die Ersch\u00f6pften erquicken, die Resignierten aufr\u00fctteln, die Verzagten erfrischen, die Tumben hochtreiben, die Ironie bannen, den Humor freisetzen: alles zum Lob des einen, des dreieinen Gottes. Kaum, dass man ermessen kann, worum es alles in diesem Hymnus geht: Gott zu loben, das ist genug! Haben wir Grund zum Loben?<\/p>\n<p>&#8222;Es blutet die Erde, Es weinen die V\u00f6lker,<br \/>\nEs hungern die Kinder, Es droht gro\u00dfer Tod,<br \/>\nEs sind nicht die Ketten, Es sind nicht die Bomben,<br \/>\nEs ist ja der Mensch, der den Menschen bedroht&#8220; (W. Biermann)<\/p>\n<p>Und wo kommt der Mensch her? Von anderen Menschen, die haben ihn geboren, ihn erzogen, wie sie selbst geboren wurden und erzogen. Und wer war davor und davor&#8230;<br \/>\nNein, davon redet der Epheserbrief nicht. Er f\u00e4ngt bei Gott an: Gelobt sei Gott, er segnet uns, er hat uns erw\u00e4hlt vor aller Zeit, seinen Sohn gesandt: Jesus, den Christus, uns zugute. Er hat eine andere Geschichte beginnen lassen. Die antwortet nicht auf die Frage nach der ersten Ursache von Tier und Mensch, von Gut und B\u00f6se: sondern auf die Frage nach dem g\u00f6ttlichen Ziel: wozu eigentlich alles da ist, was da ist.<\/p>\n<p>N\u00e4mlich: alles ist zum Lobe Gottes geschaffen und in diesem Lob tr\u00e4gt die Kirche den Liebesstrom Gottes in diese Welt. Und dieser Liebesstrom ist der tiefste Grund allen Lebens. Er ist immer schon \u201edavor\u201c. Und er ist das Ziel, die Hauptsache der Welt. Wir erkennen erst nachtr\u00e4glich, wozu etwas gut war. Wir m\u00fcssen vorw\u00e4rts leben und k\u00f6nnen nur r\u00fcckw\u00e4rts verstehen. Der Lobgesang des Epheserbriefes sagt, dass der Namen Jesus Christus die heimliche Mitte der Welt und der Geschichte ist. Auf diesen Namen blicken wir zur\u00fcck und verstehen. [Oder wie Luther in seiner Epistelauslegung schreibt: &#8222;Er ist das Band, der G\u00fcrtel, der alles zusammenh\u00e4lt.&#8220; Auf ihn hin soll alles ausgerichtet sein.]<\/p>\n<p>Ich denke daran, wie einmal ein geistvoller Seelsorger einem verzweifelten jungen Mann in einer einsamen Klosterzelle den Rat gab: &#8222;Du musst den Mann anschauen, der Jesus hei\u00dft&#8230;&#8220; &#8211; Erst dann werden wir wissen, wozu wir hier auf dieser Welt sind und die Ruhe finden, und Vergebung erfahren und den Frieden Gottes sp\u00fcren. Der Mann, der diesen Rat gab, war der Generalvikar des deutschen Augustinerordens in Erfurt: Johann von Staupitz. Und der, der ihn befolgte, hie\u00df Martin Luther. Nach allen vorl\u00e4ufigen \u00dcbersetzungen der Bibel pr\u00e4gte er die Worte der heiligen Schrift f\u00fcr die deutsche Sprache: &#8222;Nicht wir haben ihn erw\u00e4hlt, sondern er hat uns erw\u00e4hlt.&#8220; Das war immer neu seine Erfahrung mit dem Mann aus Nazareth: Nicht wir t\u00fcfteln uns unseren Flickenteppich aus Weltanschauung und Religion und Halbwissen, sondern wir h\u00f6ren auf den, der uns angesprochen hat vor aller Zeit, der das Heil der Menschen bereitet hat durch seinen Sohn Jesus Christus. Und damit ein jeder dies selbst f\u00fcr sich erfahren kann, sofern es irgendwo im deutschen Lande nicht laut und deutlich genug gesagt w\u00fcrde, was f\u00fcr einen Gott wir haben, darum hat er die Heilige Schrift ins Deutsche \u00fcbersetzt. Das wertvollste Buch der deutschen Sprache, wie Nietzsche sagte.<\/p>\n<p>Luthers \u00dcbersetzung ist durchdrungen davon, dass Christus die Mitte ist, das einigende Band, das alles zusammenh\u00e4lt. Und dass Christus uns gegenw\u00e4rtig wird: durch das Wort, das heilige und das heilende Wort: &#8222;Kommet her zu mir, die ihr m\u00fchselig und beladen seid: ich will euch erquicken!&#8220; (Mt 11) Das sagte ein Wanderer mit seiner m\u00fcden Schar auf dem Markte &#8211; mit nichts in der Hand &#8211; als dem Segen Gottes, der dem S\u00fcnder gilt. \u00dcber diesen Mann hei\u00dft es im Alten Testament: &#8222;F\u00fcrwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn f\u00fcr den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert w\u00e4re. Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer S\u00fcnde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden h\u00e4tten und durch seine Wunden sind wir geheilt.&#8220; (Jes 53,4). Heil, Gott, Frieden, Segen, Amen &#8211; das sind Worte, die auch unsere Seele erf\u00fcllen sollen. Wo diese Worte wirksam werden bei uns, da schaffen sie eine Grundstimmung von Dankbarkeit, Freude und Vertrauen. Das sind die Kr\u00e4fte, die uns Gott loben lassen, die uns F\u00fclle und Tiefe schenken, allen Widrigkeiten zum Trotz &#8211; und durch die hindurch Gottes Heil in diese Welt hineingetragen wird.<\/p>\n<p>Nun k\u00f6nnte man sagen, es gen\u00fcge, wenn das Lob Gottes und das Heil der Menschen in der Gemeinde laut werden. Mit, in und unter dem Lob Gottes geschieht etwas Aufregendes in diesem Bibelwort aus dem Epheserbrief: Es finden sich Bestimmungen, wie Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist zueinander geh\u00f6ren. Wie beim apostolischen Glaubensbekenntnis f\u00fchrt der Gedanke vom Vater durch den Sohn zum Heiligen Geist, der an und in der Kirche wirkt. Wir k\u00f6nnen uns am Trintitatisfest diesen Blick nach oben nicht ersparen. Aber zum Gl\u00fcck sind wir in einer Augustinuskirche. Augustinus hat sich sehr intensiv mit Trinti\u00e4tslehre befasst und Johannes Anwander hat versucht in der Augustinuskirche von Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd seine Gedanken bildhaft wiederzugeben.<\/p>\n<p>Jeder der diese Kirche betritt wird in seinen Blicken langsam in die H\u00f6he geleitet. Dort sieht man, wie Augustinus in den Himmel kommt. In der immer heller werdenden, grenzenlosen Tiefe des Himmels, die erf\u00fcllt ist von einem unirdischen Licht, wird Augustinus auf Wolken in die g\u00f6ttliche Sph\u00e4re entr\u00fcckt. Pathetisch flattern die Gew\u00e4nder, wirbeln himmlische Gestalten, die nach oben entschweben: Ein Engel mit Kreuz z.B. und einer mit einem Anker als Zeichen der Hoffnung. Ganz oben thronen Gott Vater, Gott Sohn als majest\u00e4tische Personen und der Heilige Geist als Taube. Diese fig\u00fcrliche Dreieinigkeit geht \u00fcber in die abstrakte Darstellung der Dreieinigkeit als eines gleichschenkligen Dreiecks: In seinen Seiten stehen drei &#8222;S&#8220; f\u00fcr &#8222;sanctus, sanctus, sanctus&#8220;, die das dreimalige: &#8222;Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll&#8220; aus Jesaja 6 vergegenw\u00e4rtigen.<\/p>\n<p>\u00dcberschneiden sich da nicht zwei Darstellungen der Dreieinigkeit? In der Tat. Es scheint eine uns zugewandte und in unserer Bildsprache verst\u00e4ndliche Ausformung der Dreieinigkeit und eine abstrakte, begriffliche Wahrheit zu geben. Und beide fallen nicht auseinander, sondern ber\u00fchren sich im Heiligen Geist. Das ist eine Antwort der Kirche in ihrer Geschichte auf die Andeutung unseres Epheserbriefes \u00fcber das Verh\u00e4ltnis der drei Personen in Gott und zur Welt. Es scheint so, als ob alle unsere Fragen, Bem\u00fchungen und Lekt\u00fcren letztlich in das Geheimnis des einen-dreieinen Gottes einm\u00fcnden. Genauso wie aus dem Gedanken des dreieinen Gottes notwendig die Sch\u00f6pfung der Welt als Moment freiheitlicher Selbstentfaltung Gottes geh\u00f6rt, so f\u00fchrt die Frage nach den endlichen Voraussetzungen meines Lebens zum Gedanken des ewigen Gottes hin und die Fragen und Antworten beider spielen ineinander wie die fig\u00fcrliche und die abstrakte Darstellung der Dreieinigkeit Gottes auf dem Deckenfresko der Augustinuskirche.<\/p>\n<p>Wenn das ein guter Gedanke ist, m\u00fcsste er sich dann nicht auch aus der H\u00f6he des Deckenfreskos herunterholen lassen? Auch so, dass es Jakob kurz vor dem Einschlafen auch versteht? Ja, das ist m\u00f6glich. Es hei\u00dft f\u00fcr Jakob nichts anderes als, dass wenn er konsequent seine Fragen stellt: \u201ewas war davor? und davor? und davor?\u201c also die Fragen: \u201ewoher komme ich?\u201c, \u201ewas ist die letzte Ursache?\u201c dass er letztlich zu demselben Ergebnis kommen m\u00fcsste, wie ich, wenn ich vom Wort Gottes geleitet, nach der Bestimmung des Menschen und seines Ortes in der Welt frage. Die Antwort m\u00fcsste beides Mal lauten: dass wir Menschen zu Gott geh\u00f6ren und zu ihm hin geschaffen sind.<\/p>\n<p>Ein Anflug von Schwindligkeit kann einen beim Blick in die H\u00f6he \u00fcberkommen und hilft uns aus der Enge des Lebens hinaus, aber wir sollen uns nicht in solchen Spektakel und Spekulation verlieren. Alle kommenden Trinitatissonntage deuten die F\u00fclle und den Reichtum aus, der in dieser \u00dcberschau angelegt ist. Auf dass wir aus der H\u00f6he der Kirchenkuppel zur\u00fcckgekehrt unseren Platz auf der Erde finden &#8211; zum Lobe Gottes. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Kirchenrat Martin M. Penzoldt<br \/>\nEthik &#8211; Weltanschauung &#8211; \u00d6kumene<br \/>\nEvangelische Landeskirche von W\u00fcrttemberg<br \/>\nPostadresse: P.O.Box 101342 D-70012 Stuttgart<br \/>\nfon 0711.2149-514 fax 0711.2149-9-514<br \/>\n<a href=\"mailto:martin.penzoldt@elk-wue.de\">martin.penzoldt@elk-wue.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trinitatis, 11. Juni 2006 Predigt zu Epheser 1, 3-14, verfasst von Martin M. Penzoldt Wir feiern heute Trinitatis, das Fest der Dreieinigkeit. Es ist ein Fest der \u00dcberschau, an dem man bis in die H\u00f6he der Kirchenkuppel gehen muss, um den \u00dcberblick zu bekommen\u2026 Liebe Gemeinde! 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