{"id":11201,"date":"2021-02-07T19:48:55","date_gmt":"2021-02-07T19:48:55","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11201"},"modified":"2023-02-09T16:27:03","modified_gmt":"2023-02-09T15:27:03","slug":"matthaeus-28-18-20-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-28-18-20-2\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 28, 18-20"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Trinitatis, 11. Juni 2006<br \/>\nPredigt zu Matth\u00e4us 28, 18-20, verfasst von Arne \u00d8rtved (D\u00e4nemark)<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>(Text der d\u00e4nischen Perikopenordnung)<\/p>\n<p>Es klingt wie eine Fanfare, die \u00fcber die ganze Welt hin schallt. Gewiss steht Jesus auf einem Berg in dem Distrikt Samaria, mitten in Israel; und es sind nur 11 Zuh\u00f6rer zur Stelle, n\u00e4mlich die restlichen J\u00fcnger; nachdem der arme Judas sich das Leben genommen hat. Dennoch werden diese flotten Worte unbescheiden und mit gro\u00dfem Triumph ausgesprochen.<\/p>\n<p>Niemand wei\u00df so richtig, wie dieser Jesus an jenem Tag ausgesehen hat; aber wir bemerken, dass da nicht der historische Jesus auf jenem Berg steht. Es ist der Auferstandene. Wie sieht ein Mensch aus, der von den Toten auferstanden ist? Hat er eine Ausstrahlung und eine Autorit\u00e4t, die solche gro\u00dfen Worte glaubw\u00fcrdig machen k\u00f6nnen? Das war jedenfalls solange unm\u00f6glich, als er in seiner irdischen Gestalt war. Da war er ein ganz gew\u00f6hnlicher Mensch von Nazareth. Auch wenn uns in den Evangelien keine Beschreibung seines Aussehens gegeben wird, so haben wir doch ein deutliches Gef\u00fchl, dass er nicht nach etwas Besonderem aussah. Vielleicht sogar eher ganz im Gegenteil: Ein mittelloser Umherreisender, bei dem man fast nur l\u00e4cheln konnte, wenn jemand behauptete, er sei der Messias, der gro\u00dfe Erl\u00f6ser und Befreier des Volkes.<\/p>\n<p>Aber es ist eben nicht der Zimmermannssohn, der hier mitteilt, dass er alle Macht im Himmel und auf Erden besitzt, und den Befehl erteilt, dass alle Menschen auf der Erde getauft werden sollen, um seine J\u00fcnger zu werden und seine Befehle kennen zu lernen. H\u00e4tte er das getan, dann h\u00e4tten wohl sogar seine J\u00fcnger sich lustig gemacht.<\/p>\n<p>Es ist der auferstandene Jesus, der hier spricht. Und das ist etwas v\u00f6llig anderes. Wenn wir uns sein \u00c4u\u00dferes vorstellen wollen, m\u00fcssen wir ihn in einem ganz besonderen Licht beschreiben. Es ist also keine Frage der Gr\u00f6\u00dfe oder des Aussehens, sondern der Ausstrahlung. So ist er auch oft auf Gem\u00e4lden dargestellt. Entweder ist seine ganze Gestalt von Licht umgeben, oder es schwebt eine Glorie \u00fcber seinem Haupt.<\/p>\n<p>Was ist das f\u00fcr ein Licht? Es ist das Licht des Glaubens! Es ist n\u00e4mlich nur der Glaube, der den auferstandenen Jesus sehen kann. Das bedeutet, dass der Glaube also nicht etwas ist, was der Mensch in sich hat, im Herzen oder im Gehirn. Der Glaube ist nicht etwas, womit der Mensch auf den Berg steigt oder in die Kirche kommt. Der Glaube ist sozusagen eine Angelegenheit zwischen dem Menschen und Christus. Er entsteht bei der Begegnung des Menschen mit dem Auferstandenen.<\/p>\n<p>Es kann f\u00fcr uns Menschen schwer sein, das zu verstehen. Unser Ausgangspunkt sind immer die eigenen F\u00e4higkeiten, Meinungen, Taten. Mit dem, was man in sich hat, begegnet man der Umwelt und versucht sie zu beeinflussen. Wir h\u00f6ren vielleicht auf einige Argumente oder nehmen gute Ratschl\u00e4ge an; dann bearbeiten wir sie in unserem eigenen Inneren, worauf wir Stellung beziehen und handeln.<\/p>\n<p>Oft benutzen wir die Redewendung, dass die Gef\u00fchle mit jemandem durchgehen; das hei\u00dft soviel wie: sie hat also die betreffende Sache nicht hinreichend \u00fcberlegt, und deshalb hat sie unzweckm\u00e4\u00dfig gehandelt. Dieser Kommentar deutet jedoch an, dass es offensichtlich etwas gibt, was mit uns durchgeht. Die Vernunft ist au\u00dfer Kraft gesetzt, und die Gef\u00fchle k\u00f6nnen uns zu unberechenbaren Handlungen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Das kennen wir auch vom Verliebtsein. Normale Alltagsmenschen m\u00fcssen manchmal \u00fcber verliebte Menschen den Kopf sch\u00fctteln, weil sie sich so t\u00f6richt benehmen. Teils holen sie oft alles aus sich heraus; und teils schieben sie jegliche R\u00fccksicht auf die sie umgebende Welt beiseite: sie halten keine Verabredungen ein, schlafen des Nachts nicht, machen ihre Arbeit nicht ordentlich usw. Die Verliebten haben ungeahnte Kr\u00e4fte, k\u00f6nnen Strapazen aushalten, werden erfinderisch, sch\u00f6n, entschlossen.<\/p>\n<p>Das Wesentlich ist hier, dass sie von etwas getrieben werden, was Macht \u00fcber sie hat, n\u00e4mlich von ihrem Verliebtsein. Sie haben &#8222;nicht alle Tassen im Schrank&#8220;, und das hat einen Dichter dazu veranlasst, Verliebtsein eine vor\u00fcbergehende Geisteskrankheit zu nennen. Es w\u00e4re jedoch verkehrt, wenn man sagen wollte, die Gef\u00fchle gingen mit ihnen durch; denn dann w\u00e4re es ja, wie wenn das etwas in ihnen selbst w\u00e4re. Nein, es ist das Verliebtsein, das mit ihnen durchgeht.<\/p>\n<p>So ist es auch mit dem Glauben: er ist etwas, was mit einem durchgeht. Nicht wie beim Verliebtsein, dass man v\u00f6llig den Kopf verliert; sondern er ist nicht etwas, was man bes\u00e4\u00dfe oder wozu man gelangt w\u00e4re, indem man die Dinge in seinem Gehirn bearbeitet h\u00e4tte. Der Glaube gewinnt Macht \u00fcber einen Menschen, so dass er Dinge h\u00f6ren, sehen, verstehen kann, die er nicht verstehen konnte, bevor der Glaube kam, und die er nicht verstehen kann, wenn der Glaube verschwunden ist. Denn genau wie Verliebtsein etwas ist, was kommt und geht, so verh\u00e4lt es sich auch mit dem Glauben. Er ist nicht etwas, was man ununterbrochen bes\u00e4\u00dfe. Der Glaube kann vorbeigehen; und das kann sehr wohl ein Abstieg sein, weil man an seiner eigenen Urteilskraft zu zweifeln beginnt.<\/p>\n<p>Aber die Fanfare schallt \u00fcber die ganze Erde: Mir ist gegeben alle Gewalt! Gehet hin und machet sie zu meinen J\u00fcngern! Taufet sie und lehret sie, meine Befehle zu halten! &#8211; allem Zweifel zum Trotz. Es erschallt in allen Winkeln. Der Ton durch-schneidet klar alle falschen T\u00f6ne. \u00dcbert\u00e4ubt allen L\u00e4rm und alle heiseren Schreie und Kommandos!<\/p>\n<p>Es ist bald 2000 Jahre her, dass er auf dem Berg dort unten mitten in Israel stand und zu seinen 11 verzagten J\u00fcngern redete. Wer konnte ahnen, dass die Fanfare tats\u00e4chlich in der ganzen Welt geh\u00f6rt werden konnte. Es sah bescheiden, ja fast \u00e4rmlich aus. Gleichwie Kinder, die R\u00e4uber und Gendarm spielen. Da kann man auch strenge Befehle erteilen und gewaltige Truppen kommandieren, obwohl es vielleicht nur 11 rotzige Schulkinder sind, die zuh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Ob die J\u00fcnger an jenem Tag auch so dagestanden haben m\u00f6gen und glaubten, es sei eine Art Spiel, was Jesus da mit ihnen veranstaltete? Haben sie sich wohl vorstellen k\u00f6nnen, dass das bitterernst war? Er besa\u00df wirklich alle Macht. Und alle V\u00f6lker sollten wirklich seine J\u00fcnger werden. Sie kannten ja die Welt nicht, diese 11. Sie hatten sich nicht allzu weit \u00fcber die Grenzen des eigenen Heimatlandes hinausbegeben. Eine Reise nach Libanon, ein Trip nach Syrien, ein einziger war vielleicht sogar ganz bis nach \u00c4gypten gekommen. Aber sie wussten doch genau, dass es ferne Reiche gab: in Kleinasien, Griechenland und in Rom selbst, von wo aus die gesamte bekannte Welt regiert wurde. Es waren die L\u00e4nder rund um das Mittelmeer. Sehr viel mehr kannten sie nicht.<\/p>\n<p>Ich glaube nicht, dass sie da gestanden und \u00fcber das alles spekuliert haben. Sie haben \u00fcberhaupt nicht spekuliert an jenem Tag. Sie haben sich von der Begeisterung mitrei\u00dfen lassen und zweifelten nicht daran, dass in Erf\u00fcllung gehen w\u00fcrde, was Jesus hier rief. Auf diese Weise klang die Fanfare auch in ihren Herzen. Und das brachte sie wahrlich auf Trab; so wirkte der Glaube auf sie. Wenige Jahre sp\u00e4ter waren die 11 zu 1100 geworden; kurz darauf zu 11.000; und es war \u00fcberhaupt nicht mehr zu bremsen. 11 Millionen, Milliarden. Im Laufe der Jahrhunderte.<\/p>\n<p>Heute sind wir es, die die Fanfare h\u00f6ren. Fast 2000 Jahre sp\u00e4ter und in einem Abstand von vielen Kilometern von hier. Aber die Jahre und der Abstand verschwinden. Es geschieht n\u00e4mlich heute, dass Jesus uns diese Worte zuruft. Auf mancherlei Weise \u00e4hneln wir jenen elf armseligen Aposteln, jedenfalls was den Glauben betrifft. Aber wir wissen selbstverst\u00e4ndlich etwas mehr \u00fcber die Welt; und dann haben wir den gro\u00dfen Vorzug, dass wir wissen, dass die Worte in Erf\u00fcllung gingen und gehen. Es blieb nicht bei den 11. Massen von V\u00f6lkern sind zu seinen J\u00fcngern geworden.<\/p>\n<p>Dieses Extrawissen m\u00fcsste eigentlich unseren Appetit wecken, auf die Worte zu h\u00f6ren und sie mit uns durchgehen zu lassen. Und das ist denn auch in einem gewissen Sinne geschehen. Die Meisten von uns, die hier sitzen, sind vermutlich getauft, um ihm anzugeh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Die Worte gehen mit uns durch. Das bedeutet nicht, dass wir aufspringen und Halleluja rufen und v\u00f6llig au\u00dfer uns sein sollen. Nein, wir sollen wir selbst sein; ganz ruhig, wie es nun einmal zu unserem Temperament passt und wie es auf diesen Breitengraden unsere Gewohnheit geworden ist. Unser ganzer Gottesdienst mit seinen Liedern und Gebeten und Ritualen ist durch die Jahrhunderte hindurch zu dem Rahmen geworden, in dem wir die Worte h\u00f6ren und von ihnen mitgerissen werden k\u00f6nnen. Und das bedeutet eben dies, dass wir an sein Wort zu uns zu glauben und darin zu leben wagen, in seinem Wort, dass, wenn wir auch immer wieder die Macht \u00fcber unser eigenes Leben verlieren, dies nichts ausmacht, weil Er alle Macht im Himmel und auf Erden besitzt. Deshalb sind wir auch nie in und um unser Leben allein, sondern er ist mit uns alle Tage bis an der Welt Ende, so wie er es seinen versch\u00fcchterten J\u00fcngern verhie\u00df an jenem Tag auf dem Berg in Galil\u00e4a, und wie er es uns verhei\u00dfen hat, damals als wir getauft wurden. Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastor Arne \u00d8rtved<br \/>\nBirkeb\u00e6k 8<br \/>\nDK-7330 Brande<br \/>\nTlf.: ++ 45 &#8211; 97 18 10 98<br \/>\nE-mail: <a href=\"mailto:ortved@mail.dk\">ortved@mail.dk<\/a> <em>\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong> \u00dcbersetzung aus dem D\u00e4nischen: Dietrich Harbsmeier<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trinitatis, 11. Juni 2006 Predigt zu Matth\u00e4us 28, 18-20, verfasst von Arne \u00d8rtved (D\u00e4nemark) (Text der d\u00e4nischen Perikopenordnung) Es klingt wie eine Fanfare, die \u00fcber die ganze Welt hin schallt. 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