{"id":11245,"date":"2021-02-07T19:49:03","date_gmt":"2021-02-07T19:49:03","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11245"},"modified":"2023-02-05T18:23:25","modified_gmt":"2023-02-05T17:23:25","slug":"genesis-12-1-4-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/genesis-12-1-4-5\/","title":{"rendered":"Genesis 12, 1-4"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">5. Sonntag nach Trinitatis, 16. Juli 2006<br \/>\nPredigt zu Genesis 12, 1-4, verfasst von Jochen Cornelius-Bundschuh<\/span><\/b><\/h3>\n<p><em>Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Haus in ein Land, das ich dir zeigen will. <a name=\"12,2\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.bibel-online.net\/buch\/01.1-mose\/12.html#12,2#12,2\"> 2<\/a>Und ich will dich zum gro\u00dfen Volk machen und will dich segnen und dir einen gro\u00dfen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. <a name=\"12,3\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.bibel-online.net\/buch\/01.1-mose\/12.html#12,3#12,3\"> 3<\/a>Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. <a name=\"12,4\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.bibel-online.net\/buch\/01.1-mose\/12.html#12,4#12,4\"> 4<\/a>Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm. Abram aber war f\u00fcnfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran zog.<\/em><\/p>\n<p>Es war bei einem Vorgespr\u00e4ch f\u00fcr eine Goldene Hochzeit! \u201eIch wollte schon als junge Frau eigentlich gerne in eine gro\u00dfe Stadt ziehen, vielleicht sogar ins Ausland!\u201c, sagt die 73j\u00e4hrige Ehefrau. \u201eAber dass wir jetzt noch einmal losziehen, das h\u00e4tte ich nicht gedacht.\u201c Der Ehemann nickt: \u201eJa, wir haben es sch\u00f6n hier. Das eigene Haus; der Garten; die Nachbarschaft ist gut; wir haben viele befreundete Ehepaare. Seit f\u00fcnfzehn Jahren genie\u00dfen wir jetzt schon meinen Ruhestand. Der Abschied wird uns schwer fallen.\u201c<\/p>\n<p>Zwei Wochen nach der Goldenen Hochzeit wird der M\u00f6belwagen kommen. Das Ehepaar bricht noch einmal auf! Der Schritt f\u00e4llt ihnen nicht leicht! Sie ziehen in die Schweiz. In eine Wohnung \u2013 ohne Garten. Sie kennen dort niemanden, au\u00dfer der Enkeltochter und dem kleinen Urenkel. Ein gro\u00dfer Aufbruch. Ein Wagnis!<\/p>\n<p align=\"center\">I<\/p>\n<p>So \u00e4hnlich stelle ich mir die Situation von Abram und Sara vor. Schon ergraut, aber noch gesund und guter Dinge. Allerdings ohne Kinder und Enkelkinder. Fest verwurzelt in ihrem Heimatland h\u00f6ren die beiden den Ruf Gottes: \u201eGeh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Haus in ein Land, das ich dir zeigen will.\u201c<\/p>\n<p>Statt die Ruhe zu genie\u00dfen, sollen sie noch einmal aufbrechen. Statt bei denen zu bleiben, an die sie sich gew\u00f6hnt haben, sollen sie neuen Menschen begegnen. Ein neues Land und eine neue Kultur kennen lernen. Statt dort zu bleiben, wo sie sich sicher f\u00fchlen, weil sie alles kennen, auch die Schw\u00e4chen und Macken der anderen, sollen sie den Verhei\u00dfungen Gottes trauen. Statt den Spatz fest in der Hand zu halten, sich nach der Taube strecken.<\/p>\n<p>Eine ungew\u00f6hnliche Szene: Alte Menschen brechen auf. Dass junge Leute einmal das Dorf, die Stadt, in denen sie gro\u00df geworden sind, verlassen, das kennen wir. Das scheint uns sinnvoll! Etwas Neues sehen, sich neu orientieren, neue Erfahrungen machen! Daran wachsen Menschen, so werden Menschen erwachsen. Aber Abram und Sara oder das Jubelpaar nach der Goldenen Hochzeit \u2013 mit Mitte 70 sich noch einmal auf den Weg machen? Eine ungew\u00f6hnliche Vorstellung!<\/p>\n<p align=\"center\">II<\/p>\n<p>Warum brechen Menschen im hohen Alter auf?<\/p>\n<p>Als erstes fallen mir dazu Geschichten und Bilder von Fl\u00fcchtlingen ein. Ersch\u00f6pfte und entwurzelte alte Menschen nach ihrer Flucht vor den Nazis. Alte Frauen und M\u00e4nner auf Karren \u2013 vertrieben aus ihren Heimatorten in Ostpreu\u00dfen. Bilder aus dem Sudan: Kinder und Alte, die nicht mehr k\u00f6nnen und auf der Flucht zusammenbrechen. Von all dem ist hier nicht die Rede.<\/p>\n<p>Auch nicht von den alten Menschen, die ihr Haus verlassen m\u00fcssen, weil sie aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden nicht mehr selbst\u00e4ndig leben k\u00f6nnen. Oder weil sie ihr Haus oder ihre Wohnung nicht mehr bezahlen k\u00f6nnen, weil die Rente nicht mehr steigt, aber die Miete und die Lebenshaltungskosten h\u00f6her werden. Auch das trifft weder bei Abraham und Sara noch bei dem Ehepaar zu.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich gibt es lange ersehnte Aufbr\u00fcche: nach der Rente ziehen wir nach Mallorca! Da ist es warm; da k\u00f6nnen wir unseren Ruhestand genie\u00dfen.<\/p>\n<p>Sara und Abram brechen aus einem anderen Grund auf: Sie f\u00fchlen sich herausgerufen. Und sie nehmen diesen Aufruf an! Sie w\u00e4ren nicht von selber auf die Idee gekommen, die Heimat zu verlassen. Es hat sie auch kein Mensch gezwungen. Nein, sie h\u00f6ren einen Ruf, Gottes Ruf. \u201eIch will euch zum gro\u00dfen Volk machen und will euch segnen und euch einen gro\u00dfen Namen machen.\u201c<\/p>\n<p>Drei Verhei\u00dfungen stehen \u00fcber diesem Aufbruch:<br \/>\n1. Ich will dich zum gro\u00dfen Volk machen: Abrams und Saras Not, ihre Kinderlosigkeit wird ein Ende haben! Sie werden Kinder und Enkelkinder bekommen und sich daran freuen. Die Generationenfolge wird weitergehen. Das Leben h\u00f6rt nicht mit ihnen beiden auf.<br \/>\n2. Ich will euch segnen! Das Leben wird reich sein und sch\u00f6n. Neue Begegnungen verspricht Gott, Gl\u00fcck und Zufriedenheit. Macht euch auf den Weg der Verhei\u00dfung, ruft Gott Abram und Sara zu, ihr werdet euren Frieden finden.<br \/>\n3. Ich will euch einen gro\u00dfen Namen machen. Was ihr tut, wird ins Ged\u00e4chtnis der Menschen eingeschrieben. Es ist gut, es ist wichtig! Ihr seid ein wichtiges Teil der Geschichte Gottes mit seinem Volk!<br \/>\nAlso macht euch auf! Und: Seid ein Segen!<\/p>\n<p align=\"center\">III<\/p>\n<p>Damit bin ich wieder bei dem Paar, das seine Goldene Hochzeit feiert. Die Enkeltochter hat sich von ihrem Mann getrennt. Sie hat ein kleines Kind und eine sch\u00f6ne Stelle in Basel. Was soll nun werden?<\/p>\n<p>Seid ein Segen! Die beiden 70j\u00e4hrigen haben diesen Satz mit offenen Ohren und offenen Herzen geh\u00f6rt. Sie sind bereit aufzubrechen, um von dem Segen weiterzugeben, den sie selbst geschenkt bekommen haben: Kinder, Enkelkinder und einen Urenkel. Gl\u00fcck und Zufriedenheit. Ein gutes Auskommen. 50 Jahre Ehe, eine lange gemeinsame und befriedigende Zeit.<\/p>\n<p>\u201eWarum klagen wir dar\u00fcber, dass immer mehr Menschen immer \u00e4lter werden, Herr Pfarrer?\u201c sagt der Ehemann. \u201eUnd dass wir dann zum alten Eisen geworfen werden. Es gibt doch so viele Herausforderungen. Wir ziehen jetzt nach Basel und tun, was wir k\u00f6nnen. Kinderwagen schieben, ein bisschen Haushalt, eine neue Stadt kennen lernen, eine neue Kirchengemeinde.\u201c<\/p>\n<p>Ganz \u00fcberzeugt wirken die beiden von ihrem Weg. Sie verlassen sich darauf, dass Gott mitgeht. Dass Gott ihnen die Kraft schenkt, noch einmal neue Freundschaften zu schlie\u00dfen. Dass Gott sie noch eine Weile gesund erh\u00e4lt, um helfen zu k\u00f6nnen. Dass Gott sie wieder eine Heimat finden l\u00e4sst.<\/p>\n<p align=\"center\">IV<\/p>\n<p>Andererseits sind die beiden nicht unrealistisch oder naiv. \u201eWir haben unserer Enkelin gesagt: wir sind nicht unsterblich! Stell dir vor, einer von uns oder gar wir beide werden krank. Dann werden wir dir eher Last als Hilfe\u201c, erz\u00e4hlt die Frau. Und der Mann erg\u00e4nzt: \u201eich wei\u00df nicht, ob das eine Erfolgsstory wird! Stellen Sie sich nur vor, wir vertragen uns gar nicht so gut, wie wir aus der Entfernung immer gedacht haben.\u201c<\/p>\n<p>Die Enkelin hat gelassen reagiert: \u201eIhr kommt ja nicht, um meine Probleme zu l\u00f6sen. Es gibt einen Kindergarten. Ihr habt eure Wohnung und ich meine. Wir m\u00fcssen nicht immer aufeinander hocken. Aber es ist gut, wenn ihr da seid! Dann ist da jemand, auf den ich mich verlassen kann. Und wenn ihr krank werdet, dann werden wir sehen, dann will ich meinen Teil dazu beitragen, dass das Band der Generationen h\u00e4lt.\u201c<\/p>\n<p align=\"center\">V<\/p>\n<p>Der Aufbruch ist kein Allheilmittel und keine Erfolgsstory! Er bleibt ein Aufbruch ins Ungewisse.<\/p>\n<p>Saras und Abrams Weg aus Haran nach Kanaan ins gelobte Land ist nicht eben gewesen ist: Zuerst wollte sich doch kein Nachwuchs einstellen. Dann hat Abram ein Kind von einer anderen Frau bekommen. Schlie\u00dflich wurde Isaak geboren, der einzige Sohn, doch kurze Zeit sp\u00e4ter sollen sie ihn wieder an Gott zur\u00fcckgeben. Das sichere Land, die endg\u00fcltige Ruhe, sie blieb auch eine Hoffnung. Sie wohnten in dem neuen Land, doch es war nicht ihr Land! Es war und blieb ein Aufbruch ins Ungewisse, keine Erfolgsstory. Doch Gott war immer dabei. Das ist die Erfahrung von Sara und Abram.<\/p>\n<p>Gott ist immer dabei! Das ist auch der Glaube des Paares, das mit Mitte 70 noch einmal aufbricht. Gott geht mit. Auch auf ungewissen Wegen. Sein Segen macht Mut und tr\u00e4gt. Gerade auch, wenn das Alter keinen Aufbruch mehr zul\u00e4sst. Wenn die Tatkraft nachl\u00e4sst, wenn die Hilfe brauchen, die eigentlich helfen wollten. Gott geht mit. Als Sch\u00f6pfer, der dem Alter seine eigene Kraft gegeben hat, als Erl\u00f6ser, der Krankheit und Tod \u00fcberwunden hat, als Geisteskraft, die es erm\u00f6glicht, dass alte Menschen noch einmal neu geboren werden, sich herausrufen lassen und aufbrechen.<\/p>\n<p>Und dankbar f\u00fcr den Segen Gottes selbst zum Segen zu werden.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><strong> Direktor Priv.-Doz. Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh<br \/>\nEvangelisches Predigerseminar<br \/>\nder Ev. Kirche von Kurhessen-Waldeck<br \/>\nGesundbrunnen 10<br \/>\n34369 Hofgeismar<br \/>\n05671-881271<br \/>\ne-mail: <a href=\"mailto:cornelius-bundschuh@ekkw.de\">cornelius-bundschuh@ekkw.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>5. Sonntag nach Trinitatis, 16. 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