{"id":11246,"date":"2021-02-07T19:49:00","date_gmt":"2021-02-07T19:49:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11246"},"modified":"2023-02-07T13:46:49","modified_gmt":"2023-02-07T12:46:49","slug":"genesis-12-1-4a-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/genesis-12-1-4a-3\/","title":{"rendered":"Genesis 12, 1-4a"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">5. Sonntag nach Trinitatis, 16. Juli 2006<br \/>\nPredigt zu Genesis 12, 1-4a, verfasst von Frank Fuchs <\/span><\/b><\/h3>\n<p><em>1 Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will.<br \/>\n<\/em><em>2 Und ich will dich zum gro\u00dfen Volk machen und will dich segnen und dir einen gro\u00dfen Namen machen, und du sollst ein Segen sein.<br \/>\n<\/em><em>3 Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.<br \/>\n<\/em><em>4 Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm. <\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Im letzten Jahr sind ca. 145 000 Deutsche ausgewandert. Das war die h\u00f6chste Abwanderung seit 1950, wie das Statistische Bundesamt vor einer Woche bekannt gab. Immer mehr Menschen scheinen Deutschland den R\u00fccken kehren zu wollen. Viele Talente zieht es ins Ausland. Deshalb schlagen Migrationsforscher Alarm. Die Wirtschaftszeitschrift \u201emanager\u201c hat als Aufmacher f\u00fcr ihre Juliausgabe den Titel: \u201eDeutschland blutet aus. Warum mehr Talente auswandern als je zuvor\u201c.<\/p>\n<p>Ein Grund daf\u00fcr ist sicherlich die wirtschaftlich schwierige Situation mit vielen Arbeitslosen. Meistens gehen talentierte Arbeitskr\u00e4fte, die auch im Ausland eine Chance haben. Es gehen Handwerker genauso wie IT-Fachleute, Arbeiter genauso wie Wissenschaftler.<\/p>\n<p>Fast jeder hat in seinem Leben schon einmal \u00fcber Auswanderung nachgedacht. <em>Ubi bene, ibi patria. <\/em>Sagt der Lateiner. Wo es dir gut geht, da ist deine Heimat. Wer sich ein besseres Leben erhofft, der ist auch bereit, in ein anderes Land zu ziehen. Heute spricht man gern von Arbeitsnomaden, die dorthin ziehen, wo sie Arbeit finden.<\/p>\n<p>Die Nachricht von der h\u00f6chsten Auswanderung von Deutschen scheint so gar nicht zu passen in die Euphorie und Feierstimmung w\u00e4hrend der Fu\u00dfball Weltmeisterschaft, die am vergangenen Sonntag mit dem Titelgewinn Italiens zu Ende ging. Auch die deutsche Nationalmannschaft konnte sich erhobenen Hauptes mit dem Gewinn des 3. Platzes verabschieden, der fast wie der Gewinn der Weltmeisterschaft gefeiert wurde. Nicht nur deutsche, sondern auch viele ausl\u00e4ndische Politiker lobten die gro\u00dfe Gastfreundschaft und den unverkrampften Umgang der Deutschen zu ihrem Land, der sich w\u00e4hrend der Weltmeisterschaft in einem Schwarz-Rot-Goldenen Fahnenmeer manifestiert hatte. Auf die Euphorie folgt aber meistens die Ern\u00fcchterung. Das Rauschhafte des Festes geht zu Ende und es folgt der Kater des Alltags. Die eher wenig erfreuliche Tagespolitik erh\u00e4lt wieder gr\u00f6\u00dfere Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p>Der heutige Predigttext scheint geradezu f\u00fcr Auswanderer pr\u00e4destiniert zu sein.<br \/>\n<em>Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Haus. <\/em>Diese Worte k\u00f6nnen zum Aufbruch ermutigen.<\/p>\n<p>So war dieser Text urspr\u00fcnglich f\u00fcr einen Auswanderer, n\u00e4mlich Abram oder besser Abraham, wie er sp\u00e4ter genannt wurde, bestimmt. Als sein Vater Terach gestorben war, erhielt Abraham den Auftrag, sich wieder auf den Weg zu machen. Dies ist verbunden mit einer gro\u00dfen Verhei\u00dfung. Dem Abraham wird versprochen, dass er <em>einen gro\u00dfen Namen<\/em> haben wird. Damit ist gemeint, dass ihm Ruhm und Ehre zuteil werden. Tats\u00e4chlich erlangte er gro\u00dfen Reichtum f\u00fcr die die damaligen Verh\u00e4ltnisse. Er kam in den Besitz einer gro\u00dfen Herde von Schafen und Rindern und hatte die dazugeh\u00f6rigen Hirten angestellt.<\/p>\n<p>Immer wieder gibt es Auswanderer, die sich einen <em>gro\u00dfen Namen<\/em> machen bzw. denen eine beachtliche Karriere gelingt. In der Bibel ist es im 1. Buch Mose ein Nachfahre Abrahams, Joseph, der zum 2. Mann von \u00c4gypten aufsteigt und dem es so gelingt, seine Familie vor der Hungersnot zu retten.<\/p>\n<p>Auch in Amerika gab es manche gro\u00dfe Karriere von Einwanderern. Henry Kissinger etwa gelang der Weg vom verfolgten deutschen Juden hin zum 2. Mann im Staat. In den 70er Jahren war er amerikanischer Au\u00dfenminister unter den Pr\u00e4sidenten Nixon und Ford. Oder Arnold Schwarzenegger wanderte aus \u00d6sterreich nach Amerika aus und wurde zun\u00e4chst ein gefeierter Filmstar und hat es inzwischen zum Gouverneur von Kalifornien gebracht. Der Franzose Nicolas Sarkozy ist zwar nicht ausgewandert, doch ist er der Sohn eines Auswanderers. Sein Vater kam in den 50er Jahren nach Frankreich, als er aus dem kommunistischen Ungarn floh. Sarkozy ist Vorsitzender der UMP und Minister f\u00fcr Wirtschaft und Finanzen in Frankreich. Es k\u00f6nnte sogar sein, dass der ungarnst\u00e4mmige Sarkozy Pr\u00e4sidentschaftskandidat seiner Partei und schlie\u00dflich Pr\u00e4sident von Frankreich wird. Jedenfalls ist das sein Ziel.<\/p>\n<p>Solche Erfolgsgeschichten d\u00fcrfen aber nicht vergessen lassen, dass sich viele Tr\u00e4ume von Auswanderern nicht erf\u00fcllt haben. Im 19. Jahrhundert wanderten viele Menschen aus Deutschland wegen der mit der Industrialisierung verbundenen sozialen Schwierigkeiten ins \u201eGelobte Land\u201c Amerika aus. Viele sch\u00e4tzten auch die gro\u00dfe Freiheit jenseits des Atlantiks sehr. Nach dem 2. Weltkrieg lag Deutschland wirtschaftlich am Boden und viele versuchten ihr Gl\u00fcck in \u00dcbersee. Es dauerte aber bei den meisten viele Jahre bis sie sich in ihrer neuen Umgebung eingelebt und ein zufriedenstellendes Auskommen erwirtschaftet haben.<\/p>\n<p>Viele sagen heute lapidar den Satz. <em>\u201eDann wandere ich eben aus<\/em>.\u201c Dies sagte zum Beispiel jemand aus Entt\u00e4uschung, weil die neue Gesundheitsreform wiederum mit einer Erh\u00f6hung der Beitr\u00e4ge einhergeht. Ein solcher Satz zeigt, wie gro\u00df die gesellschaftliche Unzufriedenheit ist. Nach einer Studie der Beratungsfirma McKinsey aus dem Juni denken inzwischen 56 Prozent der Studierenden dar\u00fcber nach auszuwandern. Es gibt inzwischen aber auch Handwerker und Arbeiter, die eine neue Bleibe in Skandinavien, der Schweiz oder Gro\u00df-Britannien gefunden haben. Die wenigsten wandern gerne aus. Auswanderung ist immer auch schmerzhaft, weil man die Familie und Freunde verlassen muss.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr Abraham war es kein leichter Weg. Sicherlich war es erleichternd f\u00fcr ihn, dass er seine Familie mitnehmen konnte. Aber Abraham brauchte vor seinem Aufbruch ins Ungewisse keine Angst zu haben. Entscheidend war n\u00e4mlich, dass er an Gott glaubte. (1. Mose 15,6; R\u00f6m 4,3). Gegen allen Augenschein setzt er auf Gottes Zusage, dass es ein guter Weg sein w\u00fcrde. Er brauchte also nicht einmal gro\u00dfen Mut daf\u00fcr aufzubringen, um sich auf den Weg zu machen. Er glaubte an Gottes Verhei\u00dfung, die darin bestand, dass Abraham Nachkommen bekommen sollte, die ihm bisher versagt waren, weil seine Frau Sara keine Kinder haben konnte. Aber ihm wird noch mehr verhei\u00dfen: <em>Du sollst ein Segen sein<\/em>. Abraham wird gesegnet und durch ihn sollen auch die Menschen, die zu ihm geh\u00f6ren, den Segen Gottes erfahren. Abraham konnte sich mit der Gewissheit auf den Weg machen, dass seine Tr\u00e4ume in Erf\u00fcllung gehen w\u00fcrden. Obwohl er nicht mehr jung war, stand ihm noch eine gro\u00dfe Zukunft bevor.<\/p>\n<p>Aber das ist noch nicht alles: Durch ihn <em>sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. <\/em>Abraham bekommt die gr\u00f6\u00dfte Verhei\u00dfung mit auf den Weg, die einem Menschen gegeben werden kann. In seinen Segen sind auch die Menschen eingeschlossen, die nach ihm kamen. In diesen Segen sind die Juden und Christen eingeschlossen, die in Abraham den \u201eVater des Glaubens\u201c sehen. Und auch zu den Muslimen besteht hier eine Verbindung, weil sie sich zu Abraham als ihrem Erzvater bekennen.<\/p>\n<p><em>Du sollst ein Segen sein<\/em>. Das gilt nicht deshalb, weil Abraham sich auf den Weg macht, damit es ihm wirtschaftlich besser geht, sondern das gilt deshalb, weil Gott ihn mit seinem Segen auf den Weg schickt.<\/p>\n<p><em>Du sollst ein Segen sein.<\/em> Es ist ein Wort, das allen gelten kann, die in eine bessere Zukunft aufbrechen wollen. <em>Du sollst ein Segen sein.<\/em> Weil du in dem Bewusstsein aufbrechen sollst, dass Gott dich begleitet. In seinem Segen sollst du handeln und so wirst auch du ein Segen f\u00fcr andere Menschen sein. Du sollst nicht einfach auf deine eigene Kraft und deinen eigenen Mut vertrauen, obwohl das sicherlich auch wichtig im Leben ist, sondern du sollst zuallererst auf Gott vertrauen.<\/p>\n<p>Eine Auswanderung stellt einen riesigen Einschnitt im Leben dar. Es handelt sich um einen Aufbruch, der den meisten Menschen eher schwer f\u00e4llt. Das Wort an Abraham kann aber auch f\u00fcr die kleinen Aufbr\u00fcche im Leben gelten. Ein Aufbruch kann ein Umzug oder eine neue Arbeitsstelle oder einfach nur ein neues Projekt sein, f\u00fcr das man sich einsetzen m\u00f6chte. Und dazu geh\u00f6rt f\u00fcr mich auch die Frage, wie ich ein Segen f\u00fcr andere sein kann, f\u00fcr meine Familie, f\u00fcr Freunde, f\u00fcr die Menschen, die mich brauchen \u2013 f\u00fcr die Menschen in meinem Lebensumfeld und dar\u00fcber hinaus. Und auch diejenigen, die wirklich auswandern, sollten sich genauso \u00fcberlegen, wie sie in ihrem neuen Land ein Segen sein k\u00f6nnen, nicht nur f\u00fcr sich, sondern auch f\u00fcr andere.<\/p>\n<p>In diesen Tagen brechen viele Menschen in die Ferien auf. Wie Abraham packen sie ihre sieben Sachen ein und machen sich auf den Weg. Auch der Urlaub kann nicht nur f\u00fcr einen selbst ein Segen sein, sondern auch f\u00fcr die beteiligten Menschen. Freunde, die gemeinsam wegfahren, sch\u00f6pfen neue Kraft, indem sie sich \u00fcber vieles austauschen. Familien erholen sich nicht nur k\u00f6rperlich, sondern auch seelisch, indem sie gemeinsam etwas erleben und \u00fcber Dinge reden k\u00f6nnen, wof\u00fcr sonst keine Zeit ist. Auch Ehepartner k\u00f6nnen von neuem zusammenfinden, indem sie mehr Zeit f\u00fcreinander haben als sonst. <em>Du sollst ein Segen sein. <\/em>Dieses Wort gibt Gott uns mit auf den Weg. Wir k\u00f6nnen ein Segen sein \u2013 f\u00fcr uns selbst und f\u00fcr andere.<\/p>\n<p>Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.<\/p>\n<p>Anmerkung: In Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland beginnen an diesem Wochenende die Sommerferien. In Bremen, Niedersachsen und Th\u00fcringen beginnen sie am darauffolgenden Mittwoch.<\/p>\n<p><strong>Pfarrer Dr. Frank Fuchs<br \/>\nEvangelische Kirchengemeinde Babenhausen \/ Hessen<br \/>\nFahrstra\u00dfe 43<br \/>\n64832 Babenhausen<br \/>\nEmail: <a href=\"mailto:PfarrerBabenhausenHarreshausen@t-online.de\">PfarrerBabenhausenHarreshausen@t-online.de<br \/>\n<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>5. Sonntag nach Trinitatis, 16. 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