{"id":11251,"date":"2021-02-07T19:48:53","date_gmt":"2021-02-07T19:48:53","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11251"},"modified":"2023-02-28T17:23:54","modified_gmt":"2023-02-28T16:23:54","slug":"genesis-12-1-4-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/genesis-12-1-4-6\/","title":{"rendered":"Genesis 12, 1-4"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3 align=\"left\"><b><span style=\"color: #000099;\">5. Sonntag nach Trinitatis, 16. Juli 2006<br \/>\nPredigt zu Genesis 12, 1-4, verfasst von Isolde Karle <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p align=\"left\">Liebe Universit\u00e4tsgemeinde,<\/p>\n<p align=\"left\">Glauben hei\u00dft aufbrechen und ein Segen f\u00fcr andere werden.<\/p>\n<p align=\"left\">Aufbr\u00fcche sind f\u00fcr die Studentinnen und Studenten unter uns nichts Ungew\u00f6hnliches. Das Umziehen weg vom Elternhaus hin zur ersten eigenen Wohnung im neuen Studienort oder auch der Aufbruch von einer Unistadt in die andere, von einem Land in das andere geh\u00f6rt zum Studentenleben dazu. Gerade das macht das Studentenleben bunt und spannend und anregungsreich.<\/p>\n<p align=\"left\">Aber nicht nur f\u00fcr die Studentinnen und Studenten unter uns hat es schon fast Seltenheitswert, wenn man sein ganzes Leben an einem Ort verbringt. Ohne Mobilit\u00e4t und Flexibilit\u00e4t kommt man heute kaum mehr durchs Leben. Aufbr\u00fcche an andere Orte bringen uns neue Erfahrungen und erweitern unseren Horizont. Wir sehen, wie Menschen an anderen Orten leben und arbeiten. Viele vertraut gewordene Gewohnheiten werden pl\u00f6tzlich als solche sichtbar und wir stellen verbl\u00fcfft fest, dass es auch anders geht. Nur wenn wir Altes loslassen, k\u00f6nnen wir uns Neuem \u00f6ffnen \u2013 dies kann eine sehr begl\u00fcckende und segensreiche Erfahrung sein.<\/p>\n<p align=\"left\">Die Kehrseite des Aufbrechens ist allerdings ein gewisses Gef\u00fchl von Heimatlosigkeit. Sie haben dieses Gef\u00fchl vorher in Ihren Statements (s. am Schluss der Predigt) sehr anschaulich beschrieben. Die Offenheit der Zukunft hat nicht nur etwas Verhei\u00dfungsvolles, sondern auch etwas Bedrohliches an sich: Was wird aus mir werden? Welchen Beruf werde ich am Ende tats\u00e4chlich ergreifen? Wo und wie werde ich leben? Die Offenheit der Zukunft und das Nicht-Festgelegtsein bedeuten nicht nur Freiheit, sondern auch Ungewissheit und Zweifel. Wo geh\u00f6re ich hin? Wo sind meine Wurzeln? Was ist das Ziel meines Lebens? Wie kann mein Leben gelingen?<\/p>\n<p align=\"left\">In der Bibel wird uns viel von Aufbr\u00fcchen erz\u00e4hlt. Der Glaube selbst wird als Aufbrechen, als ein st\u00e4ndiges Unterwegssein beschrieben. Zum Beispiel beim Auszug des Volkes Israel aus \u00c4gypten und dem jahrzehntelangen Marsch durch die W\u00fcste. In Erinnerung daran nennt der Hebr\u00e4erbrief die christliche Gemeinde das wandernde Gottesvolk, das hier noch keine bleibende Statt hat, sondern eine zuk\u00fcnftige sucht. Und der Psalmist spricht davon, dass wir nur G\u00e4ste auf Erden sind und benennt damit sehr deutlich die Erfahrung von Heimatlosigkeit. Unser heutiger Predigttext f\u00fchrt uns Abraham als das biblische Urbild des Glaubens und des Aufbrechens vor Augen.<\/p>\n<p align=\"left\">Glauben hei\u00dft aufbrechen und ein Segen f\u00fcr andere werden. Das k\u00f6nnen wir an Abraham lernen. Nach der verheerend verlaufenden Urgeschichte, die uns in den ersten Kapiteln der Bibel erz\u00e4hlt wird, will Gott mit Abraham eine Segensgeschichte beginnen. Gottlosigkeit, Ungerechtigkeit, schlimme Verfehlungen selbst des auserw\u00e4hlten Noah, Gro\u00dfmannssucht und \u00dcberheblichkeit pr\u00e4gen die ersten Kapitel der Bibel. Die Sintflut zerst\u00f6rt fast alles Leben und hat die junge Menschheitsgeschichte eigentlich schon an ihr Ende gebracht hat. Beim Turmbau zu Babel verfolgen gr\u00f6\u00dfenwahnsinnig gewordene Menschen ein unm\u00f6gliches Projekt und es kommt dann auch, wie es kommen musste: Sie scheitern an ihren hochfliegenden \u00fcberdimensionierten Ambitionen. Die Vision eines gelingenden Lebens l\u00f6st sich auf in einer realit\u00e4tsblinden Selbstt\u00e4uschung \u00fcber die eigenen M\u00f6glickeiten.<\/p>\n<p align=\"left\">Gott sei Dank \u00fcberl\u00e4sst Gott die Menschen in dieser ausweglosen und heillosen Situation nicht sich selbst. Gott will der Zerst\u00f6rungswut der Menschen seine Wohltaten, seinen Segen entgegensetzen und f\u00e4ngt gleichsam noch einmal von vorne an. Deshalb ruft er Abraham, einen Einzelnen, heraus. Er will mit Abraham eine neue Geschichte in der Geschichte beginnen, eine Geschichte, die nicht Unheil und Zerst\u00f6rung, sondern Heil und Segen verbreiten soll.<\/p>\n<p align=\"left\">Ganz knapp und bestimmt fordert Gott Abraham dazu auf, sein Land, seine Verwandtschaft, sein Elternhaus \u2013 kurz alles, was der Rede wert ist, zu verlassen, und in ein Land zu ziehen, dass er ihm zeigen will. \u201eGeh los, ohne zur\u00fcckzublicken\u201c \u2013 so kann man die hebr\u00e4ische Wendung an dieser Stelle auch \u00fcbersetzen. Lass dich nicht durch die Vergangenheit, nicht durch Sitte und Gewohnheit, nicht durch das Vertraute und bislang Geltende davon abhalten. \u201eGeh los, ohne zur\u00fcckzublicken!\u201c Eine starke Aufforderung, ein unglaublich wirkende Zumutung.<\/p>\n<p align=\"left\">Doch wohin soll Abraham gehen? \u201eIn ein Land, das ich dir zeigen will\u201c hei\u00dft es im Text \u2013 unbestimmter k\u00f6nnte der Zielort kaum sein, den Gott nennt. Abraham wei\u00df nicht, wohin ihn sein Weg f\u00fchrt, aber er geht \u2013 ohne den Ruf Gottes mit auch nur einem einzigen Wort zu kommentieren, ohne einen Moment zu z\u00f6gern, ohne zu bilanzieren. Abraham geht. Abraham geht in eine offene Zukunft ohne zur\u00fcckzublicken.<\/p>\n<p align=\"left\">Schon Abrahams Vater hat sich auf den Weg gemacht. Aufbr\u00fcche waren Abraham insofern nicht g\u00e4nzlich fremd. Aber in seinem hohen Alter lagen so grunds\u00e4tzliche Aufbr\u00fcche nicht mehr im Bereich des Zumutbaren und Erwartbaren. Abraham hatte sich \u00fcberdies vermutlich l\u00e4ngst abgefunden mit seiner unscheinbaren und perspektivlosen Existenz. Seine Frau Sara war unfruchtbar, an Nachwuchs war nicht mehr zu denken. Insofern bedeutet der Ruf Gottes f\u00fcr Abraham eine ganz unerwartete \u00d6ffnung seiner Lebensgeschichte. Sollte es wirklich noch einmal eine Wende geben in seinem Leben? Sollte er wirklich noch einmal von vorne beginnen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p align=\"left\">Abraham geht, weil Gott ihm eine gro\u00dfartige Verhei\u00dfung mit auf den Weg gibt: \u201eIch will dich zum gro\u00dfen Volk machen und will dich segnen und du sollst ein Segen sein&#8230; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.\u201c In Abraham sollen gesegnet werden alle V\u00f6lker auf Erden. Abraham glaubt dieser unglaublichen Vision. Er l\u00e4sst alle Resignation hinter sich und vertraut dem Wort Gottes. Er l\u00e4sst sich auf das gro\u00dfe Versprechen Gottes ein, das sein eigentlich schon abgeschlossenes Leben noch einmal \u00f6ffnet und in eine gro\u00dfe Zukunft hinein weitet.<\/p>\n<p align=\"left\">Der Aufbruch Abrahams hat nichts mit der Angst vor Verbindlichkeit oder mit der Lust am Abenteuer zu tun. Das unterscheidet Abraham grunds\u00e4tzlich von Odysseus, dem anderen antiken Prototypen des Aufbruchs. Odysseus wird zum Symbol daf\u00fcr, wie es dem Menschen gelingen kann, sich angesichts der Gef\u00e4hrdungen durch die Natur und die Launen der G\u00f6tter schlie\u00dflich doch erfolgreich behaupten und selbst durchsetzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p align=\"left\">Abrahams Aufbruch ist von ganz anderer Art. Was Abraham antreibt aufzubrechen und sich auf den Weg zu machen und seine Heimat und seine Verwandtschaft zu verlassen, ist nicht Abenteuerlust und Heldenmut, sondern der Ruf Gottes. Er verl\u00e4sst, was ihm lieb und vertraut ist und wird ein Fremder im fremden Land. Abrahams Aufbruch ist deshalb viel weniger spektakul\u00e4r und in gewisser Hinsicht auch viel bescheidener als der der einsamen Helden, die sich selbst durchsetzen m\u00fcssen. Im Vertrauen auf die Verhei\u00dfung und den Segen Gottes macht sich Abraham auf in ein Land, das er nicht einmal kennt. In der Hoffnung auf Gottes Begleitung wird Abraham schutz- und heimatlos. Anders als Odysseus wird Abraham am Ende auch nicht als gefeierter Held in seine Heimat zur\u00fcckkehren: Er ist auf einem Weg ohne R\u00fcckfahrkarte, immer nach vorne, auf das Heute und Morgen konzentriert und dem Segen Gottes vertrauend.<\/p>\n<p align=\"left\">Der Weg des Glaubens von Abraham und Sara ist denn auch keine geradlinige Erfolgsgeschichte. Er ist durch viele Zweifel und Anfechtungen, durch Verletzlichkeit und auch durch manche Verirrung gepr\u00e4gt. So wissen wir, dass sich die Sehnsucht und die Hoffnung von Abraham und Sara auf Nachkommenschaft lange nicht erf\u00fcllt haben. Als Abraham aufbricht, ist er der Erz\u00e4hlung nach schon 75 Jahre alt. Gott verhei\u00dft Abraham und Sara trotzdem noch einen Sohn. Und beide warten und warten. Sie warten viele Jahre. Abraham und Sara brauchen den langen Atem der Hoffnung. Immer wieder verweist Gott Abraham an den Sternenhimmel und verspricht ihm so zahlreiche Nachkommen wie Sterne am Himmel stehen.<\/p>\n<p align=\"left\">Gerade weil Abraham und Sara gegen alle Wahrscheinlichkeit auf die Zukunft Gottes hoffen, werden sie f\u00fcr Paulus zum Vorbild des Glaubens. Sie vertrauen der Verhei\u00dfung Gottes durch alle Unwahrscheinlichkeit, Unsicherheit und Gef\u00e4hrdung hindurch.<\/p>\n<p align=\"left\">Dieses Vertrauen geht weit und hat erhebliche Konsequenzen. Im n\u00e4chsten Kapitel h\u00f6ren wir von Lot und Abraham. Lot und Abraham hatten so viele Schafe und Rinder, dass es regelm\u00e4\u00dfig zum Streit um die Wasserstellen unter den Hirten kam. Abraham macht Lot daraufhin den Vorschlag, sich zu trennen und bietet seinem Neffen an, den Teil des Landes zu w\u00e4hlen, den er bevorzugt. Lot w\u00e4hlt selbstverst\u00e4ndlich die fruchtbare Jordanebene und \u00fcberl\u00e4sst Abraham das unfruchtbare Bergland. Im Vertrauen auf Gottes Verhei\u00dfung kann Abraham Lot das weitaus bessere Land \u00fcberlassen. Abraham muss sich nicht selbst durchsetzen, er muss sich nichts beweisen und hat es auch nicht n\u00f6tig, anderen seine \u00dcberlegenheit zu demonstrieren. Das Vertrauen auf den Segen Gottes macht ihn gelassen, offen und gro\u00dfz\u00fcgig.<\/p>\n<p align=\"left\">Glauben hei\u00dft aufbrechen und ein Segen f\u00fcr andere werden. Glaubende leben in der Hoffnung und in der Sehnsucht nach dem gelobten Land. Sehnsucht und Hoffnung k\u00f6nnen nur Menschen haben, die noch etwas erwarten und nicht selbstzufrieden und satt vor sich hinleben oder die umgekehrt v\u00f6llig deprimiert und resigniert sind und deshalb jede Erwartung aufgegeben und jeden Mut begraben haben.<\/p>\n<p align=\"left\">Glaubende begreifen ihr Leben nicht einfach als Schicksal oder als ein Spielball der Launen der Natur wie bei Odysseus. Glaubende haben einen Blick f\u00fcr die schmerzliche Seite des Lebens und das Leiden in der Welt. Sie k\u00f6nnen sich deshalb in der Welt, wie sie ist, nie ganz zu Hause f\u00fchlen. Wer das Leiden anderer wahrnimmt und mit ihnen mitleidet, der hofft auf das Land der Verhei\u00dfung, der vertraut auf den Segen Gottes und wird dabei selbst zum Segen f\u00fcr andere. Glaubende setzen dem Leiden die Hoffnung auf Gottes leben- und heilschaffenden Segen und die Sehnsucht nach Gottes Reich entgegen. Jesus hat in phantastischen Bildern von diesem Reich Gottes gesprochen. Alle Ungerechtigkeit wird \u00fcber\u00ad wunden sein. Frieden und Vers\u00f6hnung werden \u00fcber Krieg und Gewalt triumphieren. Alle sitzen an einem Tisch und werden satt. Krankheit und D\u00e4monen werden besiegt.<\/p>\n<p align=\"left\">Glaubende brechen auf und werden zum Segen f\u00fcr andere. Sie wagen sich auf neue Wege. Sie \u00fcberwinden die Hoffnungslosigkeit und mindern das Leid. Der Blick in den Sternenhimmel erinnert sie dabei immer wieder an die Verhei\u00dfungen Gottes und hilft ihnen zum Warten und Ausharren auch in schweren und ungewissen Zeiten. Glaubende haben den langen Atem der Hoffnung. Mitten in den Unsicherheiten und Gef\u00e4hrdungen des Lebens vertrauen sie auf Gottes Zukunft und werden in diesem Vertrauen zum Segen f\u00fcr andere. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Prof. Dr. Isolde Karle<br \/>\n<\/strong><strong>Lehrstuhl f\u00fcr Praktische Theologie<br \/>\n<\/strong><strong>D-44780 Bochum<br \/>\n<\/strong><strong>Tel.: 0049 (0) 234 \/ 3222399<br \/>\nFax: 0049 (0) 234 \/ 3214398<br \/>\n<\/strong><strong> E-Mail: <\/strong><strong><a href=\"mailto:Isolde.Karle@rub.de\"> Isolde.Karle@rub.de<\/a><\/strong><br \/>\n<strong><a href=\"http:\/\/www.ruhr-uni-bochum.de\/praktheolkarle\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.ruhr-uni-bochum.de\/praktheolkarle\/<\/a><\/strong><\/p>\n<p align=\"left\"><a name=\"anhang\"><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"left\"><strong>Anhang: <\/strong><strong>Studentinnen der Ruhr-Universit\u00e4t zu 1. Mose 12,1-4 <\/strong><\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Liv Bornemann: <\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Wenn ich das h\u00f6re, dass einer, einer wie Abraham auf eine \u201eblo\u00dfe Verhei\u00dfung\u201c hin <em>einfach <\/em>so geht, \u00fcberkommt mich Zweifel. Geht er wirklich so <em>einfach<\/em>? Oder war das nicht doch noch etwas anders? Wie muss ich mir das vorstellen, dass er sofort, fast \u00fcberst\u00fcrzt, auf Gottes Aufforderung hin, seine Sachen nimmt und geht?<\/p>\n<p align=\"left\">Im gleichen Augenblick denke ich daran, ob ich auch <em>einfach<\/em> so gehen w\u00fcrde? Wenn ich ganz ehrlich zu mir bin und auf meine sofort ert\u00f6nende innere Stimme h\u00f6re, wahrscheinlich wohl eher nicht.<\/p>\n<p align=\"left\">Ich wei\u00df zwar, dass es ganz wichtig ist, zu lernen loszulassen, oder, dass ich selbst manchmal schon davon getr\u00e4umt habe, wie es wohl w\u00e4re, wenn ich <em>einfach so <\/em>ginge, um woanders zu leben\u2026 doch dieses unterschwellige Gef\u00fchl des Unbehagens bleibt bei konkreterem Nachdenken dann doch bestehen.<\/p>\n<p align=\"left\">Nun, Abraham hat zwar als Nomade gelebt, aber erkl\u00e4rt das damit alles?<br \/>\nIn meinem Leben werde ich mich wohl auch noch mehrfach auf den Weg machen. Sei es noch einmal f\u00fcr einen anderen Studienort, sei es sp\u00e4ter f\u00fcr (m)eine Arbeitsstelle. Vielleicht letztlich auch auf eine \u201eblo\u00dfe Verhei\u00dfung\u201c hin. Wer wei\u00df\u2019 schon, was kommen wird?<\/p>\n<p align=\"left\">Das wusste Abraham zwar auch nicht und bei ihm ist ja auch alles gut geworden, nur dieser Mut und das absolute Gottvertrauen \u2013 irgendwie beeindruckt es mich, macht mir aber dennoch auch ein wenig Angst.<\/p>\n<p align=\"left\">Hier in Bochum, hier, wo ich jetzt wohne, wo ich zum Studieren hin gezogen bin, bin ich zwar auch nicht aufgewachsen, aber gerade hier habe aber mein erstes <em>eigenes <\/em>Zuhause gefunden. Rein materiell gesehen in meiner kleinen, wie ich finde, besonders sch\u00f6nen Wohnung. Aber auch sonst. Im Unibetrieb und privat f\u00fchle ich mich recht wohl hier.<\/p>\n<p align=\"left\">Und bei dem Gedankenspiel, in Anlehnung an Abraham, denke ich irgendwie daran. Was macht ein Zuhause aus und, was macht es mir so schwer, mir vorzustellen, einfach zu gehen?<\/p>\n<p align=\"left\">Vielleicht muss ich mir ja nun sagen lassen, ich sei nicht flexibel, ich solle mich nicht so abh\u00e4ngig machen, gerade in der heutigen Zeit, oder vielleicht noch schlimmer, mir fehle das Vertrauen in die Zukunft\u2026<\/p>\n<p align=\"left\">Ja, ja, je l\u00e4nger ich dar\u00fcber nachdenke\u2026 Es ist letztlich gar nicht so einfach zu beantworten. Ginge ich oder bliebe ich? Wovon h\u00e4ngt es schlie\u00dflich <em>wirklich <\/em>ab? Im Moment jedenfalls bin ich erst einmal froh, dass sich mir diese Frage gar nicht in Wirklichkeit stellt\u2026<\/p>\n<p align=\"left\"><strong> Stefanie Hoffmann: <\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Als ich mich heute Morgen auf den Weg gemacht habe, wurde mir zum ersten Mal so wirklich bewusst, dass ich Pfarrerin werden m\u00f6chte. Nicht, dass ich bisher studiert habe, ohne Pfarrerin werden zu wollen; aber heute Morgen wurde mir klar, dass ich eigentlich nichts anderes machen m\u00f6chte.<\/p>\n<p align=\"left\">Da gibt es nur ein Problem:<br \/>\nMomentan stehen meine Chancen hier in Westfahlen recht schlecht. Rein statistisch ist es wahrscheinlicher, dass ich keine Stelle bekomme, als dass ich eine bekomme.<\/p>\n<p align=\"left\">Und rein praktisch wollen wahrscheinlich fast alle, die sp\u00e4ter mit mir Examen machen ebenso Pfarrerin oder Pfarrer werden, wie ich.<\/p>\n<p align=\"left\">Wie geh ich diesen Weg also weiter?<\/p>\n<p align=\"left\">Geh ich \u00fcber Leichen, um die Beste zu sein, versuche, alle anderen auszubooten um am Ende \u00fcbrig zu bleiben? Um mir am Ende nicht sagen zu m\u00fcssen \u201e\u2026h\u00e4ttest du mal\u201c?<\/p>\n<p align=\"left\">Oder vertrau ich allein auf Gott? Immerhin will ich Ihm dienen; in Seiner Kirche. Da muss Er doch daf\u00fcr sorgen, dass alles gut wird. F\u00fcr uns alle, die wir hier studieren\u2026<\/p>\n<p align=\"left\">Aber muss er dass?<\/p>\n<p align=\"left\">Ich bef\u00fcrchte, so einfach ist das nicht. Uns so lauf ich weiter jeden Morgen zur Uni. Manchmal hab ich das Ziel klar vor Augen; manchmal wei\u00df ich gar nicht, wohin der Weg mich f\u00fchrt; gebe mein Bestes und zweifle\u2026<br \/>\nund hoffe\u2026<\/p>\n<p align=\"left\"><strong> Anna P\u00fcllen: <\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">\u201eWer aufbrechen will, muss zur\u00fccklassen, sonst kommt er nicht weit.\u201c<\/p>\n<p align=\"left\">\u201eNur wenn man etwas aufgibt, ist \u00fcberhaupt Platz f\u00fcr etwas anderes da!\u201c<\/p>\n<p align=\"left\">F\u00fcr diese eigentlich schlichte Erkenntnis musste ich selber einige Kilometer hinter mich bringen und einen alten Text neu h\u00f6ren.<\/p>\n<p align=\"left\">Ich hatte mich daf\u00fcr entschieden, nach der Zwischenpr\u00fcfung eine Zeit in der Schweiz zu verbringen. Alles, was im Vorhinein schon organisierbar war, war wunderbar geregelt. Vom Wohnen \u00fcber den Studienplatz bis hin zu den Finanzen.<\/p>\n<p align=\"left\">Trotzdem konnte ich mich die ganze Zeit nicht auf den Aufenthalt freuen. Der Abschied lag mir wie Steine im Magen, und bei allem, was ich tat, lief in meinem Kopf der Countdown \u2013 f\u00fcrchterlich!<\/p>\n<p align=\"left\">Erst als ich schlie\u00dflich angekommen war, ging es etwas besser, aber ich war mit dem Herzen einfach nicht dabei.<\/p>\n<p align=\"left\">Ich habe jeden Tag vorm Computer gesessen und e- mails und sms verschickt, damit der Kontakt zu meinen Freunden zuhause auch ja nicht abrei\u00dft.<\/p>\n<p align=\"left\">Mit dem Weggehen habe ich mich noch nie leicht getan, aber diesmal war es besonders schlimm, und das, obwohl ich mich bewusst dazu entschlossen hatte und meine Erwartungen sogar erf\u00fcllt worden waren!<\/p>\n<p align=\"left\">Und dann hatte ich ein Schl\u00fcsselerlebnis:<br \/>\nin einer Vorlesung ging es um Abraham &#8211; die bekannte Stelle: Abraham soll aufbrechen, er soll Eltern, Freunde und zuhause verlassen und von allem Vertrauten weggehen- pl\u00f6tzlich konnte ich so gut verstehen was das bedeutet!<\/p>\n<p align=\"left\">Genau das hatte ich auch gemacht! Genau das war meine Situation!<\/p>\n<p align=\"left\">Ganz gebannt h\u00f6rte ich weiter zu: eigentlich ging es gar nicht um das Weggehen; eigentlich ging es um das, was dann erst eintreten soll: Gottes Segen! Und die Zukunft, die er damit schenkt. Aber die ist an eine Bedingung gekn\u00fcpft: Aufbrechen, Abschied nehmen, Zur\u00fccklassen.<\/p>\n<p align=\"left\">Und ohne dieses Verlassen, tut sich kein neues Land vor mir auf.<br \/>\nNach diesem Tag habe ich angefangen, meinen Aufenthalt anders zu sehen.<br \/>\nEndlich hatte sich vor mir etwas ge\u00f6ffnet, es gab nicht mehr nur das, was hinter mir war.<\/p>\n<p align=\"left\">Und es hatte einen andern Sinn bekommen: war das, was ich tat und erlebte nicht vielleicht gerade die Zukunft, die Gott mir geschenkt hatte, und die er f\u00fcr mich gewollt hatte? Und war das alles Teil seines Segens, den ich erfuhr?<\/p>\n<p align=\"left\">Ich glaube, dass Gott bei den verschiedensten Arten von Aufbruch dabei ist und mit seinem Segen schon auf der Seite des Neulands steht.<br \/>\nIm Vertrauen darauf bekommt Fortgehen eine neue Blickrichtung.<\/p>\n<p align=\"left\">Dass Abschied auch weh tut l\u00e4sst sich nicht vermeiden, aber einen neuen Raum kann man nun mal nur betreten, indem man den alten verl\u00e4sst.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>5. Sonntag nach Trinitatis, 16. Juli 2006 Predigt zu Genesis 12, 1-4, verfasst von Isolde Karle Liebe Universit\u00e4tsgemeinde, Glauben hei\u00dft aufbrechen und ein Segen f\u00fcr andere werden. Aufbr\u00fcche sind f\u00fcr die Studentinnen und Studenten unter uns nichts Ungew\u00f6hnliches. 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