{"id":11255,"date":"2021-02-07T19:48:53","date_gmt":"2021-02-07T19:48:53","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11255"},"modified":"2023-03-03T22:10:31","modified_gmt":"2023-03-03T21:10:31","slug":"apostelgeschichte-8-26-39-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/apostelgeschichte-8-26-39-4\/","title":{"rendered":"Apostelgeschichte 8, 26-39"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3 align=\"left\"><b><span style=\"color: #000099;\">6. Sonntag nach Trinitatis, 23. Juli 2006<br \/>\nPredigt zu Apostelgeschichte 8, 26-39, verfasst von Hans Uwe H\u00fcllweg<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p align=\"left\"><strong>Predigt f\u00fcr einen Taufgottesdienst, in dem S\u00e4uglinge, Kleinkinder und Erwachsene getauft werden. <\/strong><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>so schnell ist selten jemand getauft worden. Ohne gro\u00dfe Vorbereitung. Der K\u00e4mmerer, der Finanzminister des K\u00f6nigreichs \u00c4thiopien, war unvorbereitet. Nach einem kurzen Gespr\u00e4ch mit Philippus, diesem Wegelagerer Gottes, fragt er auch schon: &#8222;Was hindert\u2018s mich, dass ich mich taufen lasse?&#8220;<\/p>\n<p>Bekehrung im Eiltempo. Ohne weiter in die biblischen Lehren einzudringen, ohne Abfrage, ohne ein Minimum an christlichen Lehrs\u00e4tzen zu diktieren, tauft Philippus den K\u00e4mmerer. Er braucht nicht einmal, nachzuweisen, dass er das Glaubensbekenntnis, die Zehn Gebote und das Vaterunser auswendig kann. Unsere Konfirmanden wissen, was gemeint ist! Ohne jede Kontrolle, so einfach, weil es der K\u00e4mmerer will, tauft ihn Philippus. Ich muss schon sagen, ein Presbyter von heute w\u00fcrde sicherlich mit Recht fragend die Augenbrauen hochziehen, und bei weniger Gleichmut der Leute, die zu bestimmen haben, w\u00fcrde sich Philippus sicher ein Disziplinarverfahren eingehandelt haben.<\/p>\n<p>Aber er tauft so einfach. Diese Geschichte schildert eine so ganz andere Praxis, als wir sie haben. An drei Gesichtspunkten will ich das deutlich machen:<\/p>\n<p>1. Der K\u00e4mmerer wird getauft ohne Vorbedingungen, ohne dass gepr\u00fcft wird, ob er w\u00fcrdig ist, ob er ehrlich genug ist, ob er sich einer christlichen Gemeinde anschlie\u00dfen wird. ohne Tauf- und Konfirmationsunterricht. Unseren erwachsenen T\u00e4uflingen ging es da nicht so gut! Sie sind acht Wochen lang ins Gemeindehaus gekommen, um etwas \u00fcber die Hauptthemen unseres Glaubens zu erfahren und mussten sogar das Glaubensbekenntnis auswendig lernen. Und die getauften Kinder werden sp\u00e4ter im Kirchlichen Unterricht erwartet, wo alles noch viel mehr wird.<\/p>\n<p>Hat der K\u00e4mmerer \u00fcberhaupt schon den Glauben mitbekommen, den Glauben an Jesus Christus, unseren Heiland? Schon fr\u00fch kamen an dieser Stelle Zweifel auf. Deswegen wurde, etwa 100 Jahre sp\u00e4ter in diese Geschichte, noch ein Vers eingef\u00fcgt. Da wird dem K\u00e4mmerer ein formuliertes Glaubensbekenntnis abverlangt, wird das Vers\u00e4umte nachgeholt. Dann ist alles in Ordnung.<\/p>\n<p>Doch Lukas, der Evangelist selbst, hielt das wohl noch nicht f\u00fcr n\u00f6tig. Er ist nicht so \u00e4ngstlich, da wird eben einer getauft, der diesen Wunsch hat. Er vertraut darauf, dass die Frage aufrichtig gemeint ist, und er vertraut noch mehr auf Gott, dem dieser Mensch nun besonders anvertraut ist.<\/p>\n<p>Darum ist auch der hier und da immer wieder gef\u00fchrte Streit \u00fcber die Taufe eigentlich umsonst: Muss man nicht, statt kleiner Kinder, die Erwachsenen taufen, weil die eine klare Antwort auf die Bekenntnisfrage geben k\u00f6nnen? Weil die den christlichen Glauben aktiv bejahen k\u00f6nnen? Weil die Vorbedingungen erf\u00fcllen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Nun ist das alles nicht falsch, eine aktive Bejahung des christlichen Glaubens schon gar nicht, sonst k\u00f6nnten wir ja heute auch nicht zwei Erwachsene taufen. Aber im Grundsatz ist auch richtig: Gott nimmt jeden, wie er ist, mit Fehlern und S\u00fcnden, mit starken oder schwachem Glauben, mit guten oder schlechten Leistungen. Jeder, der es nur will, kann bei Gott zu Hause sein.<\/p>\n<p>2. Warum musste der K\u00e4mmerer \u00fcberhaupt noch getauft werden? Er ist in seinem Gespr\u00e4ch mit Philippus auf Jesus Christus gesto\u00dfen. Er hat ihn f\u00fcr sich als Orientierung anerkannt. Musste er da noch extra getauft werden? Zweifellos steht Gott \u00fcber der Taufe, das hei\u00dft, will f\u00fcr jeden Menschen ohne Ausnahme da sein, ob nun getauft oder nicht.<\/p>\n<p>Aber wir sind ja nun mal Menschen, die nicht nur Geist sondern auch Leib sind, die darum auch leibliche Zeichen brauchen. Wenn einer zu seiner Freundin sagt: &#8222;Ich liebe dich&#8220;, so wird sie dar\u00fcber sehr gl\u00fccklich sein, aber der Kuss muss auch dazu kommen. Darum schenken wir uns ja gegenseitig auch etwas zum Geburtstag oder zu Weihnachten, um zu zeigen, dass man sich gern hat, dass einem der andere lieb und teuer ist; dazu sind keine teuren Geschenke n\u00f6tig! Die Liebe wird durch Schenken nicht gr\u00f6\u00dfer, aber sie wird fassbar. Wir Menschen leben eben nicht nur von sch\u00f6nen Worten. M\u00f6gen Worte noch so sch\u00f6n, so gro\u00df, so edel sein &#8211; sie suchen immer nach Best\u00e4tigung, nach Unterstreichung in sichtbaren Handlungen, nach Zeichen f\u00fcr ihre Wahrhaftigkeit.<\/p>\n<p>So geschieht heute in der Taufe ja auch nichts, was nicht auch schon in den Worten von der Erl\u00f6sung durch Jesus Christus gesagt w\u00e4re; die Worte werden nur umgesetzt in eine sichtbare zeichenhafte Handlung. Weil der Mensch nicht nur Verstand ist, im Gegenteil, und das ist jetzt gar nicht boshaft gemeint, aus Verstand besteht er nur zu einem kleinen Teil, weil er auch noch aus Fleisch, Sinnen, Empfindungen, Gef\u00fchlen besteht, die auch alle etwas abkriegen wollen von dem, was mich angeht, darum taufen wir.<\/p>\n<p>Auch der K\u00e4mmerer war ein Mensch aus Kopf und Fleisch, Herz, Seele &#8211; wie immer wir es nennen wollen. Er brauchte einfach ein sichtbares Zeichen daf\u00fcr, von Gott angenommen zu sein. Er wusste es, klar, aber die Worte des Philippus gen\u00fcgten eben nicht. Und darum sind wir alle getauft, darum taufen wir. Dieses Zeichen ist so beweiskr\u00e4ftig, dass es sogar eine Urkunde dar\u00fcber gibt: &#8222;Ich bin getauft&#8220;, mit Unterschrift und Siegel.<\/p>\n<p>Das ist auch der Grund, warum wir in der Kirche das Abendmahl feiern: Das ist auch ein Zeichen f\u00fcr alle Sinne: Wir kauen und schlucken, riechen und sehen, schmecken und trinken, dass Gott f\u00fcr uns da ist. Auch ohne Abendmahl ist er da, aber so begreife ich es eben besser, und das ist ganz w\u00f6rtlich gemeint mit dem Begreifen.<\/p>\n<p>3. Das ist vielleicht das Sch\u00f6nste: &#8222;Er zog seine Stra\u00dfe fr\u00f6hlich!&#8220; Der K\u00e4mmerer hatte Gott k\u00f6rperlich zu sp\u00fcren bekommen. Er hat, als es ihm angeboten wurde, Gottes Zeichen ohne Umschweife angenommen. Und da packt ihn eine wie selbstverst\u00e4ndliche Fr\u00f6hlichkeit. Und diese Fr\u00f6hlichkeit meint nicht das breite Grinsen der Besserwisser; meint auch nicht das Gel\u00e4chter der \u00dcberlegenen; meint auch nicht das selige L\u00e4cheln von Leuten, die mit dieser Welt schon abgeschlossen haben; nein, es ist eine ganz eigene Art von Humor, eine innere Unbefangenheit, ein unumst\u00f6\u00dfliches Vertrauen auf Gott.<\/p>\n<p>Der 139. Psalm, den wir zu Beginn des Gottesdienstes gesprochen haben, ist so ein Beispiel f\u00fcr unbedingtes Gottvertrauen, das den Getauften versprochen ist. Ich lese ihn noch einmal, aber jetzt in der Fassung von Lothar Zenetti, den ich ja schon gelegentlich hier zitiert habe:<\/p>\n<p>Herr, ja du kennst mich genau.<br \/>\nDu liebst mich und blickst zu mir hin,<br \/>\nwo ich auch bin.<\/p>\n<p>Was ich auch denke, erkennst du,<br \/>\nwohin ich geh, was ich tu,<br \/>\nalles wei\u00dft du.<\/p>\n<p>Steig ich zum h\u00f6chsten der Himmel,<br \/>\ntief in der Erde, auch da<br \/>\nbist du mir nah.<\/p>\n<p>Fl\u00f6g ich dem Morgenrot nach<br \/>\n\u00fcber Meere nach Ost oder West,<br \/>\ndu h\u00e4ltst mich fest.<\/p>\n<p>Manchmal, da geh ich ins Dunkel,<br \/>\nverstecke im Finsteren mich,<br \/>\ndoch du siehst mich.<\/p>\n<p>Du hast mein Innres gebildet,<br \/>\nimmer hast du mich gesehn<br \/>\nund kannst verstehn.<\/p>\n<p>Du bist mein Atem, mein leben,<br \/>\nnichts ist verborgen vor dir,<br \/>\ndu bist bei mir.<\/p>\n<p><em> (Lothar Zenetti, Texte der Zuversicht, Verlag J. Pfeiffer M\u00fcnchen, 4. Aufl. 1979,S. 229)<\/em><\/p>\n<p>Dass wir alle unsere Stra\u00dfe fr\u00f6hlich ziehen, wenn wir die Kirche verlassen; dass im Gottesdienst solche Kraft sp\u00fcrbar wird, darum beten wir; dass Gott Ihnen und Ihren Kindern, den Eltern, Paten, Angeh\u00f6rigen, diese Fr\u00f6hlichkeit schenkt, das w\u00fcnschen wir.<\/p>\n<p>Vom K\u00e4mmerer haben wir nie wieder etwas geh\u00f6rt. Aber was in seinem Leben auch geschehen sein mochte, ob er als Minister entlassen wurde, ob er Streit mit seiner Frau oder Sorgen mit seinen Kindern gehabt, ob er in Angst vor Krieg und Hungersnot gefallen oder diese Katastrophen sogar wirklich erlebt haben mochte &#8211; eins war ihm sicher: die Gewissheit: Gott ist bei mir. Das gilt auch f\u00fcr &#8230;.. [Namen der T\u00e4uflinge] und f\u00fcr uns alle.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"left\"><strong> Hans Uwe H\u00fcllweg, M\u00fcnster<br \/>\n<a href=\"mailto:huh@citykom.net\">huh@citykom.net <\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>6. Sonntag nach Trinitatis, 23. Juli 2006 Predigt zu Apostelgeschichte 8, 26-39, verfasst von Hans Uwe H\u00fcllweg Predigt f\u00fcr einen Taufgottesdienst, in dem S\u00e4uglinge, Kleinkinder und Erwachsene getauft werden. Liebe Gemeinde, so schnell ist selten jemand getauft worden. Ohne gro\u00dfe Vorbereitung. Der K\u00e4mmerer, der Finanzminister des K\u00f6nigreichs \u00c4thiopien, war unvorbereitet. Nach einem kurzen Gespr\u00e4ch mit [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":15156,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[40,440,1,727,157,853,114,1325,730,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-11255","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-apostelgeschichte","category-6-so-n-trinitatis","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-hans-uwe-huellweg","category-kapitel-08-chapter-08-apostelgeschichte","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11255","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11255"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11255\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17227,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11255\/revisions\/17227"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15156"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11255"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11255"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11255"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=11255"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=11255"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=11255"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=11255"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}