{"id":11258,"date":"2021-02-07T19:48:57","date_gmt":"2021-02-07T19:48:57","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11258"},"modified":"2023-02-08T14:14:32","modified_gmt":"2023-02-08T13:14:32","slug":"matthaeus-1916-26-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-1916-26-2\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 19,16-26"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><strong>Predigt zu Matth\u00e4us 19,16-26, verfasst von Pastor Lars Ole Gjesing<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p>Es ist eine herrliche Sammlung von ganz wesentlichen Bibeltexten, die f\u00fcr den heutigen Sonntag bestimmt sind. Insgesamt sind sie geeignet, etwas \u00fcber das Grundlegende in der Art und Weise zu sagen, wie das Christentum die Welt sieht.<\/p>\n<p>Das kommt daher, dass die Frage, die der Mann an Jesus richtet, die grundlegende Frage der Menschheit zu allen Zeiten ist, die Frage nach dem Sinn des Daseins. Er formuliert sie auf seine Weise, wie man es innerhalb eines j\u00fcdischen Horizonts tat, wenn er fragt, was er Gutes tun soll, um das ewige Leben zu haben. Aber der Sinn ist derselbe: Womit soll man sein Dasein f\u00fcllen? Worauf kommt es im Leben an? Wie ist ein gutes, ein eigentliches Leben?<\/p>\n<p>Die Antwort Jesu lautet, dass der Mann die Gebote halten soll. Das ist nat\u00fcrlich die Antwort, die der Grund daf\u00fcr ist, dass der Text aus dem 2. Buch Moses, wo die Zehn Gebote stehen, heute auch gelesen worden ist, und Jesus zitiert zum \u00dcberfluss auch noch einige Gebote.<\/p>\n<p>Und jetzt lauern alle die alten Missverst\u00e4ndnisse im Hintergrund: Dass das Christentum darin bestehe, dass es eine Reihe Gebote gibt, von denen ein Gott sich aus irgendeinem unfasslichen Grunde in den Kopf gesetzt hat, die Menschen sollten sie einhalten. Und t\u00e4ten sie das, h\u00e4tten sie das Wohlwollen Gottes und w\u00fcrden erl\u00f6st, t\u00e4ten sie es nicht, w\u00e4ren sie verloren. Basta.<\/p>\n<p>Das hat nichts mit Christentum zu tun. Es ist vielmehr genau die Form von verwurzelter alter Religion, mit der das Christentum Schluss macht.<\/p>\n<p>Wir wollen mit den Geboten anfangen. Wenn sie noch immer eine Rolle spielen und in Katechismen und Konfirmandenstunden vorkommen, hat das seinen Grund darin, dass Jesus sich eingehend mit ihnen befasst und sie ausgelegt hat \u2013 vor allem in der Bergpredigt, als den Versuch eines bestimmten Volkes, zu sagen, wie man es in der Praxis anstellt, Gott und seinen N\u00e4chsten zu lieben. Das ist die Auslegung, die Jesus von allen Geboten gibt \u2013 auch im heutigen Text, wenn man genau hinschaut. Die Zehn Gebote sind keine zuf\u00e4lligen, unverst\u00e4ndlichen Gebote, die der Herr aus unerforschlichen Gr\u00fcnden sich hat einfallen lassen, sondern sie sind ein begabter 3000 Jahre alter Gedanke, was man zu tun hat, wenn man Gott und seinen N\u00e4chsten lieben will.<\/p>\n<p>Um nur ein Beispiel zu geben. Das Gebot, den Ruhetag zu heiligen. Es gibt Leute, die ganz oberfl\u00e4chlich sagen: Warum in aller Welt darf man am Sonntag nicht arbeiten? Was gesch\u00e4he, wenn man nun Lust dazu h\u00e4tte? K\u00f6nnen wir das nicht selbst entscheiden?<\/p>\n<p>Genau! Das k\u00f6nnen wir. Wenn man genau zuh\u00f6rt, wie das Gebot vom Ruhetag im 2. Buch Moses entwickelt wird, dann entdeckt man, dass es ein Gebot an den erwachsenen israelitischen Mann ist, an den, der Hausherr ist und Frau und Kinder und Diener und Sklaven und Haustiere unter sich hat. Er ist es, der zu wissen bekommt, dass man seine Ausnutzung der Untergebenen einschr\u00e4nken soll. Mindestens jeden siebten Tag sollen sie f\u00fcr sich haben, an diesen Tagen kann man sie nicht auf Arbeit schicken, sie sollen das Leben genie\u00dfen und \u00fcber sich selbst bestimmen k\u00f6nnen. Das Gebot ist also ein Gebot, das den Schwachen in der Gesellschaft sch\u00fctzt. Es ist ein Liebesgebot. Entsprechendes gilt von all den anderen Geboten, wenn man sich ein wenig in sie vertieft und sie von ihrer Absicht her versteht. Und so werden sie \u00fcberall von Jesus ausgelegt und verstanden.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft: wenn ein Mann kommt und Jesus fragt, was er mit seinem Leben tun soll, dann antwortet Jesus, dass er Gott und seinen N\u00e4chsten lieben soll.<\/p>\n<p>Und aus allem, was diese Antwort umgibt, aus seinen Gleichnissen und allen seinen Auseinandersetzungen mit seiner Zeit geht hervor, dass diese Antwort keine zuf\u00e4llige Antwort ist. Das Gebot der Liebe ist nicht aus der Luft gegriffen. Es kommt daher, dass jeder Mensch sein Leben und seine Welt aus der Liebe Gottes empfangen hat. Die kleinen Kinder werden geboren mit allen Sinnen und der Liebe ihrer Eltern \u2013 zu einem blauen Himmel und gr\u00fcnem Gras und allem, was das Menschenleben an Herrlichkeit und M\u00f6glichkeiten zu bieten hat, ohne auch nur im Geringsten etwas daf\u00fcr gegeben zu haben. Es gibt nur eine Art und Weise, darauf zu antworten: indem man wieder liebt.<\/p>\n<p>Ist das dann Christentum? Jetzt haben wir erst einmal die alte Gesetzesreligion beiseite ger\u00e4umt. Ist es dann Christentum, von der Tatsache auszugehen, dass aller Segen des Daseins ein Geschenk ist, das zu beantworten ist, indem wir uns bem\u00fchen, von dem Segen weiterzugeben an einen jeden, dem wir begegnen?<\/p>\n<p>Nein! Das ist noch nicht Christentum (oder christlicher Glaube).<\/p>\n<p>Aber es ist trotzdem wahr. F\u00fcr das Christentum ist es kein besonderer Glaube. Es ist am ehesten eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, eine nat\u00fcrliche Voraussetzung.<\/p>\n<p>Wenn das Menschenleben so gesegnet ist mit Mitmenschen, mit zwei Geschlechtern, mit Gesang und Musik, mit Kindern und Eltern, mit Land und Meer und Geschichte und sch\u00f6nen St\u00e4dten und Sternenhimmel, dann geht kein Weg darum herum, sein Leben darauf zu verwenden, dass man von dem Segen weitergibt an jeden, der weniger bekommen hat. Dann ist die Liebe der Sinn des Daseins.<\/p>\n<p>Aber wie gesagt: Das ist es noch nicht, was den christlichen Glauben ausmacht. Sondern f\u00fcr den christlichen Glauben ist es eine v\u00f6llige Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Anders kann das Dasein in seinem Grunde nicht zusammenh\u00e4ngen. Das ist kein Glaube. Es ist eine einleuchtende Grundlage f\u00fcr den Glauben. Dass das Leben das Leben kostet. Wir haben es erhalten, um es wegzugeben.<\/p>\n<p>Es ist bemerkenswert, dass der Mann, der mit seiner Frage zu Jesus kommt, insoweit auch einig ist. Dar\u00fcber sollte man sich nicht streiten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Christusglaube kommt im Grunde erst mit dem n\u00e4chsten Schritt. Denn das, was so selbstverst\u00e4ndlich und einleuchtend ist, dass der Segen, in den wir hineingeboren sind, noch mehr Segen hervorbringen sollte, so dass das Gl\u00fcck nur w\u00e4chst \u2013 dies, das so einleuchtend sein sollte, tritt nicht ein. Oder jedenfalls: es trifft zu selten ein.<\/p>\n<p>In dieser Geschichte z.B. hat der sonst so kluge Mann eine so gro\u00dfe Liebe zu seinem Verm\u00f6gen, dass er nicht zu der Freigebigkeit imstande ist, zu der ihn das Dasein auffordert.<\/p>\n<p>Und er ist nicht der Einzige. Was so selbstverst\u00e4ndlich ist: dass wir die Liebe, in die wir hineingeboren sind, mit neuer Liebe beantworten, geschieht nur allzu selten. Die Neigung, von dem Segen an sich zu raffen anstatt davon auszuteilen, ist unwahrscheinlich gro\u00df und destruktiv. Das ist unser Anteil daran, und der ist massiv.<\/p>\n<p>Aber der selbstverst\u00e4ndliche Kreislauf des Segens wird auch von anderem unterbrochen als von der Hartherzigkeit von Menschen \u2013 n\u00e4mlich von dem Teil der Natur, der Krankheit, Entkr\u00e4ftung, Tod hei\u00dft. Der Segen im Dasein verschwindet manchmal von selbst \u2013 oder gro\u00dfe Teile davon \u2013 ohne dass jemand die Schuld daran tr\u00fcge, indem wir von irgendeinem Ungl\u00fcck getroffen werden und einander fr\u00fcher oder sp\u00e4ter verlieren. Und wenn man an diese Tatsache denkt, kann man dahin gelangen, zu behaupten, dass der Kreislauf des Segens gar keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit ist.<\/p>\n<p>Jesu Antwort darauf ist, dass er Vergebung f\u00fcr die menschliche Bosheit verhei\u00dft, so dass der Segen wieder aufgerichtet werden kann, und er verspricht, dass Gott der Vater selbst seinen Segen f\u00fcr alle, die ihn verlieren, wiederherstellen wird. Er will der Entkr\u00e4ftung und dem Tod nicht das letzte Wort lassen. \u2013 Auf dieses Versprechen zu vertrauen, ist christlicher Glaube.<\/p>\n<p>Und wenn ihr daran nicht glaubt, weil Jesus es verhei\u00dfen hat, dann glaubt daran auf Grund all des unwahrscheinlichen Segens, in den ihr hineingeboren seid v\u00f6llig ohne eigenes Verdienst.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p><strong>Pastor Lars Ole Gjesing<br \/>\nS\u00f8ndergade 43<br \/>\nDK-5970 \u00c6resk\u00f8bing<br \/>\nTel.: +45 62 52 11 72<br \/>\nE-mail: <a href=\"mailto:logj@km.dk\">logj@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00dcbersetzung aus dem D\u00e4nischen: Dietrich Harbsmeier <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Matth\u00e4us 19,16-26, verfasst von Pastor Lars Ole Gjesing Es ist eine herrliche Sammlung von ganz wesentlichen Bibeltexten, die f\u00fcr den heutigen Sonntag bestimmt sind. 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