{"id":11264,"date":"2021-02-07T19:48:57","date_gmt":"2021-02-07T19:48:57","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11264"},"modified":"2023-02-08T18:48:09","modified_gmt":"2023-02-08T17:48:09","slug":"philipper-2-1-4-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/philipper-2-1-4-4\/","title":{"rendered":"Philipper 2, 1-4"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3 align=\"left\"><b><span style=\"color: #000099;\">7. Sonntag nach Trinitatis, 30. Juli 2006<br \/>\nPredigt zu Philipper 2, 1-4, verfasst von Ludwig Schmidt<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p align=\"left\"><em>&#8222;1 Ist nun bei euch Ermahnung in Christus, ist Trost der Liebe, ist Gemeinschaft des Geistes, ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit, 2 so macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einm\u00fctig und eintr\u00e4chtig seid. 3 Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den anderen h\u00f6her als sich selbst, 4 und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Auch eine christliche Gemeinde ist keine Insel der Seligen, in der alle harmonisch miteinander leben. Es gibt manchmal in einer Gemeinde erhebliche Spannungen. Einige Gemeindeglieder treten zum Beispiel f\u00fcr ein Projekt ein, von dem andere meinen, daf\u00fcr lohne sich nicht der Aufwand an Zeit und Geld. Das kann zu heftigen Auseinandersetzungen f\u00fchren. \u00c4ltere und j\u00fcngere Christen haben teilweise recht unterschiedliche Vorstellungen \u00fcber das, was man als Christ tun oder lassen soll, und haben deshalb wenig Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die anderen. Ein Mann oder eine Frau sind vielleicht in einer Gemeinde angesehen, weil sie sich mit gro\u00dfem Engagement f\u00fcr die Gemeinde einsetzen und sozusagen daf\u00fcr sorgen, dass der Betrieb l\u00e4uft. Andere stehen am Rand und f\u00fchlen sich zur\u00fcckgesetzt. Umgekehrt gewinnt gelegentlich auch jemand, der sich stark in der Gemeinde engagiert, den Eindruck, dass sein Einsatz als selbstverst\u00e4ndlich angesehen wird und ist dar\u00fcber entt\u00e4uscht. Manchmal wissen Kreise und Gruppen voneinander nur noch, dass es in der Gemeinde auch noch andere Menschen gibt, die sich zur Gemeinde halten, aber sie f\u00fchlen sich ihnen nicht verbunden, ja, Gemeinde kann sogar zu einem leeren Wort werden, weil ihre Mitglieder lediglich nebeneinander her leben. Ich kenne nicht die Verh\u00e4ltnisse in Ihrer Gemeinde, aber ich nehme an, dass auch Sie das eine oder andere Beispiel erlebt haben. Schon der Apostel Paulus rief mit unserem Bibelabschnitt die Christen in Philippi zur Einheit und zu gegenseitiger Achtung und Wertsch\u00e4tzung auf. Obwohl ihm diese Gemeinde viel Freude bereitete, rechnete Paulus damit, dass es auch in ihr zu Spannungen kommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Nun sto\u00dfen freilich Ermahnungen meist auf taube Ohren, wenn sie nicht begr\u00fcndet werden. Warum sollten Christen an der Einheit ihrer Gemeinde interessiert sein, wenn sie nichts miteinander verbindet? Warum sollte ich einen anderen Christen achten, obwohl er mir unsympathisch ist? Das versteht sich nicht von selbst. Deshalb begr\u00fcndet Paulus, warum es f\u00fcr Christen wichtig ist, dass sie an der Einheit der Gemeinde festhalten und sich gegenseitig achten. Dazu beschreibt er in vier Punkten, was er in der Gemeinde voraussetzt. Der erste ist \u201eErmahnung in Christus\u201c. Es gibt nat\u00fcrlich auch Ermahnungen, die nicht \u201ein Christus\u201c gesprochen werden. Aber f\u00fcr Christen stellt sich ja die Frage, wie sie mit ihrem Verhalten im Alltag ihrem Glauben an Jesus entsprechen. Wir brauchen die Ermahnungen in Christus, weil wir als Christen nicht automatisch das Richtige tun. Deshalb enth\u00e4lt das Neue Testament Anweisungen f\u00fcr die christliche Lebensf\u00fchrung, und wir m\u00fcssen immer wieder bedenken, was sie heute f\u00fcr uns bedeuten und wie wir uns in unserer Lage richtig verhalten. Als Zweites nennt Paulus \u201eTrost der Liebe\u201c. Damit ist das freundliche Zureden aus Liebe gemeint, mit dem ein Christ einen anderen Christen tr\u00f6stet, wenn er traurig ist. Paulus setzt in einer Gemeinde au\u00dferdem \u201eGemeinschaft des Geistes\u201c voraus. Es geht dabei um die geistliche Gemeinschaft, die Christen miteinander verbindet, weil sie an Jesus Christus glauben. Als Letztes nennt Paulus \u201eherzliche Liebe und Barmherzigkeit\u201c. Christen unterst\u00fctzen andere Christen, die der Hilfe bed\u00fcrfen, auch wenn sich die N\u00e4chstenliebe nicht auf Mitchristen beschr\u00e4nkt. Das alles setzt also Paulus f\u00fcr die christliche Gemeinde voraus.<\/p>\n<p>Nun stellt sich nat\u00fcrlich die Frage, ob diese Voraussetzungen wirklich so selbstverst\u00e4ndlich sind, wie Paulus hier annimmt. In Briefen an andere Gemeinden hat er das anders gesehen. In ihnen ermahnte er zu dem Verhalten, das er hier voraussetzt, und begr\u00fcndete diese Mahnungen. Sie sind ein Thema f\u00fcr eine eigene Predigt. Heute geht es darum, dass Paulus mit der Beschreibung, was es bereits in der Gemeinde gibt, die Christen in Philippi an einen Grundsatz erinnert, der f\u00fcr alle Christen gilt: Ihr m\u00fcsst doch zugeben, dass sich unter Christen jeder nicht nur um seine eigenen Angelegenheiten zu k\u00fcmmern hat, weil ihr durch den Glauben an Jesus miteinander verbunden seid. Dem k\u00f6nnen wir schwerlich widersprechen. Die Basis jeder christlichen Gemeinde ist der Glaube an Jesus, auch wenn heute viele Leute noch Kirchensteuer zahlen, denen Jesus gleichg\u00fcltig ist. Eine Gemeinde, in der der Glaube an Jesus nicht im Zentrum steht, ist keine christliche Gemeinde. Was w\u00e4re denn an ihr das Christliche, wenn der Glaube an Jesus nicht mehr ihre Grundlage bildet? Weil dieser Glaube Christen miteinander verbindet, k\u00f6nnen auch wir nicht bestreiten, dass sich unter Christen jeder nicht nur um seine eigenen Angelegenheiten zu k\u00fcmmern hat. Dann gilt aber auch f\u00fcr uns, wozu Paulus die Christen in Philippi ermahnt: \u201edass ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einm\u00fctig und eintr\u00e4chtig seid.\u201c Damit fordert uns Paulus auf: Denkt bei euren Entscheidungen und bei dem, was ihr tut, an die Einheit der Gemeinde. Sie ist nicht nur eine Theorie, sondern an der Einheit der Gemeinde soll sichtbar werden, dass ihr durch den Glauben an Jesus miteinander verbunden seid. Wenn wir diese Aufforderung ernst nehmen, wird es nicht dazu kommen, dass eine Gemeinde wegen Angelegenheiten, die f\u00fcr den Glauben an Jesus nicht wesentlich sind, in Gruppen auseinander f\u00e4llt, die sich heftig bekriegen. Das gibt es leider. Es entspricht auch nicht dem Glauben an Jesus, wenn eine Gruppe versucht, ihre Interessen in der Gemeinde mit allen Mitteln durchzusetzen. Eine Gemeinde ist nicht der Ort f\u00fcr Machtk\u00e4mpfe, wie wir sie aus der Politik kennen. Weil Jesus unser Herr ist, kommt uns keine Macht \u00fcber andere Christen zu. Freilich m\u00fcssen manchmal in einer Gemeinde Entscheidungen getroffen werden, denen nicht alle zustimmen k\u00f6nnen. Aber das wird die Einheit der Gemeinde dann nicht zerst\u00f6ren, wenn sich alle ihrer christlichen Verantwortung bewusst sind und auf dieser Basis diskutieren. Wenn ich dem anderen zugestehe, dass er ebenso wie ich seine Entscheidung aus dem Glauben an Jesus heraus getroffen hat, werde ich sie tolerieren k\u00f6nnen, auch wenn ich sie f\u00fcr falsch halte. Denkt an die Einheit der Gemeinde! Wie soll es in der \u00d6kumene Fortschritte geben, wenn schon in einer Gemeinde Kreise und Gruppen nur nebeneinander her leben?<\/p>\n<p>Die Einheit in einer Gemeinde ist freilich nur m\u00f6glich, wenn einer den anderen achtet, und es ihm nicht darum geht, dass er in der Gemeinde angesehen ist. Es gibt keine Christen erster und zweiter Klasse. Ein Christ, der sich nicht f\u00fcr die Gemeinde einsetzen kann, ist nicht weniger wert als ein anderer, der sich f\u00fcr sie stark engagiert. F\u00fcr Jesus sind beide gleich. Deshalb schreibt Paulus: \u201eTut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen.\u201c Es soll einem Christen bei seinem Einsatz f\u00fcr die Gemeinde nicht darum gehen, dass er sozusagen gro\u00df herauskommt. Wir glauben doch als Christen, dass Jesus f\u00fcr uns gestorben und auferstanden ist. Darauf &#8211; und nicht auf unseren Leistungen &#8211; beruht unsere Hoffnung auf das ewige Leben bei Gott. Freilich ist Undank keine christliche Tugend; es ist schade, wenn in einer Gemeinde nicht der Einsatz anerkannt wird, den jemand f\u00fcr sie aufbringt. Aber alles, was Christen f\u00fcr eine Gemeinde tun, kann nur Ausdruck der Dankbarkeit daf\u00fcr sein, dass sie an Jesus glauben d\u00fcrfen. Deshalb fordert Paulus in unserem Bibelabschnitt zur Demut auf. Es gibt freilich auch eine l\u00e4stige Demut. Sie haben das wahrscheinlich auch schon erlebt: Zwei Leute stehen vor einer T\u00fcr. Der eine h\u00e4lt sie dem anderen auf, aber der sagt: \u201eNach ihnen.\u201c Darauf antwortet der erste: \u201cNein, nach Ihnen.\u201c So stehen die beiden vor der T\u00fcr, bis sich schlie\u00dflich einer der beiden dazu aufrafft, durch die T\u00fcr zu gehen. Solche l\u00e4stige Demut kann es auch in einer Gemeinde geben. Da kann zum Beispiel jemand hervorragend Veranstaltungen organisieren. Aber als eine Veranstaltung geplant wird, sagt er: \u201eIch kann die Organisation nicht \u00fcbernehmen, weil ich daf\u00fcr nicht geeignet bin.\u201c Die anderen m\u00fcssen lange auf ihn einreden, bis er schlie\u00dflich sagt: \u201eNun gut, wenn Ihr meint, ich schaffe das, dann \u00fcbernehme ich die Organisation.\u201c Er wusste von vornherein, dass er die Veranstaltung organisieren konnte, aber er wollte es von den anderen best\u00e4tigt bekommen. Es ist keine christliche Demut, wenn wir die F\u00e4higkeiten, die wir haben verleugnen. Nat\u00fcrlich ist es gut, wenn wir unsere Grenzen kennen, aber christliche Demut besteht nicht darin, dass wir bei uns Minderwertigkeitsgef\u00fchle z\u00fcchten und pflegen. Demut ist das Gegenteil von \u00dcberheblichkeit. Wir sollen also nicht auf andere Christen herabsehen. Christen unterscheiden sich nun einmal voneinander in Lebensalter, Bildung, F\u00e4higkeiten und ihrer sozialen und wirtschaftlichen Lage. Aber bei Jesus gilt kein Christ mehr als der andere, und so soll es auch in seiner Gemeinde sein, weil in ihr Christen durch den Glauben an Jesus miteinander verbunden sind. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Liedvorschl\u00e4ge<\/strong><\/p>\n<p>EG 265: Nun singe Lob, du Christenheit<br \/>\nEG 221: Das sollt ihr, Jesu J\u00fcnger, nie vergessen<br \/>\nEG 251,1-3.5-7: Herz und Herz vereint zusammen<br \/>\nEG 170: Komm Herr, segne uns<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Prof. Dr. Ludwig Schmidt<br \/>\nKarmelitenstra\u00dfe 15<br \/>\n91056 Erlangen<br \/>\nE-mail: <a href=\"mailto:gi_schmidt@t-online.de\">gi_schmidt@t-online.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>7. Sonntag nach Trinitatis, 30. 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