{"id":11278,"date":"2021-02-07T19:48:57","date_gmt":"2021-02-07T19:48:57","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11278"},"modified":"2023-02-08T20:08:52","modified_gmt":"2023-02-08T19:08:52","slug":"1-korinther-69-14-18-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-69-14-18-20\/","title":{"rendered":"1. Korinther 6,9 &#8211; 14. 18-20"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3 align=\"left\"><b><span style=\"color: #000099;\">8. Sonntag nach Trinitatis, 6. August 2006<br \/>\nPredigt zu 1. Kor 6,9 &#8211; 14. 18-20, verfasst von Alois Schifferle<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p align=\"left\">Die Menschen wurden gerechtfertigt im Namen unseres Herrn Jesus Christus und im Geiste unseres Gottes!<\/p>\n<p>Dieses 6. Kapitel greift auch heute in das Zeitgeschehen ein und erinnert uns, dass wir erl\u00f6sungsbed\u00fcrftig sind. Wir sind hineingeworfen in ein Leben, in eine Welt, deren Sinn heute nicht ohne weiteres ersichtlich ist. Die zeitgen\u00f6ssische Welt ist zerrissen, voller Unheil und Fragw\u00fcrdigkeiten. Das Konsumbed\u00fcrfnis, die Lust an der Lust wird ins Uferlose gesteigert und die Selbstverwirklichung des Seins verspricht ein heiles Leben in Werbeslogans wie \u201eGeiz ist geil\u201c u. a. mehr. Der zeitgen\u00f6ssische Tenor der Selbstverwirklichung verspricht gegenw\u00e4rtig zum einen die Abwesenheit aller k\u00f6rperlichen und psychischen Beeintr\u00e4chtigungen, also \u201eGesundheit\u201c des Leibes; zum anderen legalisieren wir die z\u00fcgellose Entfaltung aller Kr\u00e4fte und M\u00f6glichkeiten, die im Menschen stecken. Der Einzelne wird so zur Selbstverwirklichung gedr\u00e4ngt. Im Konsumrausch der heutigen Zeit und Gesellschaft vergessen wir Christinnen und Christen oft, dass der Leib der Tempel des Herrn bedeutet und wir dadurch Glieder Christi sind. Deswegen warnt uns dieses Evangelium in Vers 18, der Unzucht zu entfliehen, denn wer Unzucht treibt, der s\u00fcndigt gegen seinen eigenen Leib. Es wird hier also darauf hingewiesen, dass der menschliche Leib ein Leib, ja ein Tempel des Heiligen Geistes sei, der in uns wohnt. Daher sind wir angehalten, diesen Leib zu sch\u00fctzen, zu pflegen und durch diesen Leib im Heiligen Geiste zu wachsen.<\/p>\n<p>Einsichtige Menschen sp\u00fcren, dass wir den Sinn des Lebens nicht in uns allein finden k\u00f6nnen, etwa in unserem Egoismus, in unseren Eigenheiten, sondern dass wir etwa auf Gemeinschaft angewiesen sind. Dieser Bibeltext zeigt uns, dass der Mensch in Grenzsituationen seines Seins auf Mitmenschlichkeit angewiesen ist, das hei\u00dft der einzelne Mensch \u00fcberschreitet sich selbst; er \u201etranszendiert\u201c auf etwas Gr\u00f6\u00dferes hin; auf Ideale, auf die Menschheit als Ganzes, weil er ein Teil dieses Ganzen ist, auf die Ganzheit des Kosmos \u2013 auf den Daseinsgrund, den die Religionen \u201eGott\u201c nennen!<\/p>\n<p>Nach Vers 19 f. ist der Leib ein Tempel des Heiligen Geistes, der in uns wohnt und den wir von Gott her erhalten haben. Eine Korrektur unseres heutigen Lebensvollzugs k\u00f6nnte darin liegen, dass unsere Sehnsucht nach dem \u201eLeben in F\u00fclle\u201c tats\u00e4chlich doch im Umkehrschluss zu einem sinnerf\u00fcllten Leben f\u00fchren kann. Der Sinn unseres Daseins bleibt uns zwar oft verborgen; dennoch sind wir als denkende und handelnde Menschen dieser Spannung bewusst, da sie in uns die Sehnsucht nach Erf\u00fcllung weckt. Trotzdem f\u00fchlen wir uns oft unerl\u00f6st und erl\u00f6sungsbed\u00fcrftig. Vers 18 bis 20 geben zu verstehen, dass wer Unzucht treibt, gegen seinen eigenen Leib s\u00fcndigt. In Anlehnung an 1. Kor 6,9 \u2013 14 bzw. 18 \u2013 20 k\u00f6nnte eine christliche Erl\u00f6sungsbotschaft, erg\u00e4nzend zu den Seligpreisungen, vernommen werden: \u201eSelig, die arm sind vor Gott; denn ihnen geh\u00f6rt das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getr\u00f6stet werden. Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und d\u00fcrsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden. Selig, die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stiften; denn sie werden S\u00f6hne Gottes genannt werden. Selig, die unter Gerechtigkeitswillen verfolgt werden; denn ihnen geh\u00f6rt das Himmelreich!\u201c<\/p>\n<p>In den Seligpreisungen wird uns deutlich, was in 1 Kor 6,20 angemahnt und in Erinnerung gerufen wird \u201eDenn ihr wurdet erkauft um einen Preis. So verherrlicht den Gott in euerem Leibe!\u201c Diese Mahnung des Verses 20 enth\u00e4lt eine Erl\u00f6sungsbotschaft, die jenen gilt, die am meisten der Erl\u00f6sung bed\u00fcrfen. Es behilft uns Menschen in unserem Konsumrausch. Es werden hier Menschen angesprochen, die auf verschiedene Weise an sich selbst oder durch Anteilnahme an anderen die Heillosigkeit der Welt erfahren. Wenn wir uns z\u00fcgeln wird uns verhei\u00dfen, dass Ungl\u00fcck sich wenden wird durch Gott; \u2500 ja \u2500 dass wir Gott schauen werden! Die christliche Freiheit ist kein Freibrief f\u00fcr alles, was uns Spa\u00df macht! So wirkt auch die Botschaft Jesu, dessen Leben selbst eine einzige Erl\u00f6sungsbotschaft war. Jesus von Nazareth verk\u00fcndete den Menschen eine neue Zeit, in der Gott ihnen auf eine ganz neue Weise nahe sein w\u00fcrde. <strong>Er versch\u00e4rfte eine neue Optik im Verhalten des Menschen zu seinen Mitmenschen.<\/strong> Er rief sie auf, sich f\u00fcr das Positive des Menschseins, f\u00fcr das Gute im Menschen einzusetzen, den Sinn zu wandeln und sich von allem B\u00f6sen abzuwenden. Er befreit die Menschen von Zw\u00e4ngen des B\u00f6sen und psychischen Sch\u00e4den und spendete Vers\u00f6hnung und Trost. Er erschlie\u00dft eine sichtbare Hoffnung und er\u00f6ffnete eine neue Zukunft im solidarischen Handeln, im Mittragen, im Gemeinschaft stiften. Dabei geht es auch um die Ehre Gottes. Und es geht um die allt\u00e4glichen Dinge unseres Zusammenlebens mit den anderen, das hei\u00dft um die Gottesliebe und um die N\u00e4chstenliebe, denn die Ordnung eines Lebens in Verantwortung vor Gott und den Menschen ist grundgelegt in den Zehn Geboten. Nach diesen Geboten Gottes zu leben, ist f\u00fcr alle Menschen, f\u00fcr alle Generationen, f\u00fcr alle Zeiten die grunds\u00e4tzliche Weisung. Genauso wichtig ist es, dass wir die allt\u00e4glichen Dinge ganz ernst nehmen und die Br\u00fccke zu Gott hin immer wieder finden. An dem Platz, an dem sich Tag f\u00fcr Tag unser Leben abspielt, genau an diesem Platz sollen wir alles tun, damit Gott die Ehre gegeben wird, und damit wir den Menschen um uns herum Gutes tun durch unser Dasein, durch unsere Leibhaftigkeit aber auch durch den Geist, der uns verhei\u00dfen ist.<\/p>\n<p>Also: Was wir in unserem Leben tun sollen, das ist im Grunde einfach und schnell gesagt: Im gew\u00f6hnlichen Alltag unseres Lebens sollen wir die anfallenden Dinge <strong>au\u00dfergew\u00f6hnlich gut tun<\/strong>. Wir brauchen nur die gew\u00f6hnlichen Aufgaben mit gro\u00dfem Verantwortungsbewusstsein Tag f\u00fcr Tag gut tun, dann wird alles gut. Das ist die einfache Antwort, und sie ist recht schnell gesagt. Doch darin liegt zugleich das Schwierige! Es ist eben nicht leicht, diesen einfachen Weg des Glaubens und des Lebens im gro\u00dfen Verantwortungsbewusstsein vor Gott und den Menschen t\u00e4glich zu gehen; es ist nicht leicht, das ist unsere allt\u00e4gliche Erfahrung! Es ist aber trotzdem eine Herausforderung, diesen Weg zu gehen, an einem jeden Tag! Mit anderen Worten: Jeden Tag m\u00fcssen wir praktisch neu damit beginnen, diesen einfachen und zugleich schwierigen Weg unseres Glaubens und unseres Lebens zu gehen. <strong>In der gl\u00e4ubigen Ahnung, dass unser Leib ein Tempel des Heiligen Geistes sei<\/strong>, zeigt uns zum Beispiel das Vaterunser-Gebet in der sensationellen Anrede: Abba, Vater!, die Grundlinie christlichen Glaubens. Nie h\u00e4tte es je ein frommer Jude gewagt, das Wort \u201eAbba\u201c in Zusammenhang mit Gott zu gebrauchen, denn in dem Wort Abba liegt eine Liebkosung, eine Z\u00e4rtlichkeit, die man auf Gott nicht zu denken, geschweige denn zu sagen sich traute. Aber das ist das ganz Typische f\u00fcr die Verbindung Jesu zu seinem Vater im Himmel. Und das wollte er ja auch seine J\u00fcngern lehren, dass man Gott mit Emotion, mit Zuneigung, mit Vertrauen, ja mit Z\u00e4rtlichkeit und Liebe ansprechen darf. Vers 17 sagt ja, wer aber dem Herrn anh\u00e4ngt, ist eines Geistes mit ihm. Und gerade deswegen darf man in diesem Gebet und in anderen Gebeten die ganz allt\u00e4glichen Notwendigkeiten, die Sorgen, die das Zusammenleben mit anderen bringt, vor ihn hintragen. Auf die Frage \u201eWas sollen wir tun?\u201c l\u00e4sst sich im Grunde auf eine einfache und zugleich schwierige Weise wie folgt antworten: Weil wir gar nichts Sensationelles und Spektakul\u00e4res in unserem Leben in der Nachfolge Jesu tun m\u00fcssen, aber an dem Platz, an dem sich Tag f\u00fcr Tag unser Leben abspielt, wir alles versuchen sollten, Gott die Ehre zu geben durch unseren Leib, durch unser Sein, durch unser au\u00dfergew\u00f6hnlich verantwortliches Handeln!<\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"left\"><strong>Prof. Dr. Alois Schifferle<br \/>\nLehrstuhl f\u00fcr Pastoraltheologie<br \/>\nKatholische Universit\u00e4t Eichst\u00e4tt-Ingolstadt <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>8. Sonntag nach Trinitatis, 6. August 2006 Predigt zu 1. Kor 6,9 &#8211; 14. 18-20, verfasst von Alois Schifferle Die Menschen wurden gerechtfertigt im Namen unseres Herrn Jesus Christus und im Geiste unseres Gottes! Dieses 6. 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