{"id":11305,"date":"2021-02-07T19:48:56","date_gmt":"2021-02-07T19:48:56","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11305"},"modified":"2023-02-09T11:10:10","modified_gmt":"2023-02-09T10:10:10","slug":"galater-2-16-21-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/galater-2-16-21-3\/","title":{"rendered":"Galater 2, 16-21"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">11. Sonntag nach Trinitatis, 27. August 2006<br \/>\nPredigt zu Galater 2, 16-21, verfasst von Ulrich Nembach<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Lied : EG 409, 1-4<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>heute geht es um uns. Um Sie, um Sie, um mich, um eine jede und einen jeden von uns. Wir werden von unserem Predigttext angesprochen, nicht gefragt, sondern angesprochen. Paulus schreibt an Gemeinden in Kleinasien, an Gemeinden in der heutigen T\u00fcrkei, an die in Galatien, wie die Gegend damals hie\u00df.<\/p>\n<p>Paulus schreibt dabei bewusst <em>wir<\/em> und <em>ich<\/em>.<\/p>\n<p>Diese direkte Ansprache gilt den Christen in Galatien, allen Christen und damit uns heute morgen hier in der St. Martinskirche.<\/p>\n<p>Dabei geht es um das Wesentliche unseres Christseins, um unseren Glauben und seine Folgen. Da wir an-gesprochen und nicht gefragt werden, werden wir nicht gefragt: Glaubst du, ja oder nein? Wir werden auf unseren Glauben und seine Folgen angesprochen, anders ausgedr\u00fcckt: Was ist Glaube?<\/p>\n<p>H\u00f6ren Sie selbst, was Paulus schreibt! Zuvor muss ich noch eine Erkl\u00e4rung geben. Paulus spricht die Galater auf ihren Glauben an, weil sie dabei sind, diesen gegen einen anderen einzutauschen. Sie geben ihren Glauben auf. Es ist eine vergleichbare Situation, wie sie Luther vorfand und darauf reagierte. Paulus sagt darum klar, was Sache ist.<\/p>\n<p>So, nun bitte ich um Ihre Aufmerksamkeit f\u00fcr diesen wichtigen Text (Galater 2,16-21):<\/p>\n<p>16 Doch weil wir wissen, da\u00df der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch Werke des Gesetzes wird kein Mensch gerecht.<br \/>\n17 Sollten wir aber, die wir durch Christus gerecht zu werden suchen, auch selbst als S\u00fcnder befunden werden &#8211; ist dann Christus ein Diener der S\u00fcnde? Das sei ferne!<br \/>\n18 Denn wenn ich das, was ich abgebrochen habe, wieder aufbaue, dann mache ich mich selbst zu einem \u00dcbertreter.<br \/>\n19 Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt.<br \/>\n20 Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst f\u00fcr mich dahingegeben.<br \/>\n21 Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes; denn wenn die Gerechtigkeit durch das Gesetz kommt, so ist Christus vergeblich gestorben.<\/p>\n<p>Also Paulus sagt, dass die Galater dabei sind, ihren Glauben wegzuwerfen, ihren Glauben, ihre Gerechtigkeit, mit der sie vor Gott bestehen k\u00f6nnen und damit zugleich die Gnade Gottes, denn Glaube und Gerechtigkeit wurden ihnen geschenkt. Ja, auch das Kreuz Christi wird sinnlos. Der Tod Christi ist die Basis f\u00fcr Gnade, Glaube, Gerechtigkeit vor Gott.<\/p>\n<p>Hier, das Kreuz, das auf unserem Altar steht wie auf allen Alt\u00e4ren christlicher Kirchen wird sinnlos. Es geht in der Tat um uns, wir sind auf die Fundamente unseres Christseins angesprochen.<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Der Glaube bringt Gerechtigkeit, Gerechtigkeit vor Gott. Gerechtigkeit hei\u00dft, dass wir f\u00fcr Gott passabel, annehmbar sind. Hier, bei uns, kann nicht jede oder jeder einfach zu anderen Menschen, etwa Prominenten gehen. Klingeln Sie einmal am Bundeskanzleramt in Berlin und sagen, Sie m\u00f6chten zu Frau Merkel. Sie werden h\u00f6flich, aber bestimmt abgewiesen. Ich denke, Sie wissen das so gut wie ich, und Sie brauchen darum gar nicht in Berlin zu klingeln.<\/p>\n<p>Anders ist es bei Gott, wenn wir auf Jesus Christus verweisen, wenn wir, Sie, ich sagen: Wir sind Freunde von Jesus Christus. Da wird uns das Tor aufgetan. Freunde ist die heutige Bezeichnung f\u00fcr \u201eJ\u00fcnger\u201c, \u201eNachfolger\u201c zur Zeit Jesu und zur Zeit, als die Bibel geschrieben wurde.<\/p>\n<p>Glaube ist unser Vertrauen, unsere Freundschaft. Glaube ist, dass wir erkennen, dass Jesu Tod vor 2000 Jahren f\u00fcr uns geschah. Der Tod ist nicht ein Ereignis, das in Geschichtsb\u00fcchern vermerkt ist wie andere Ereignisse von fr\u00fcher. Das Kreuz hier auf dem Altar betrifft mich, betrifft Sie und Sie. Es teilt mit uns den Raum. Es erf\u00fcllt die Kirche. Es steht im Zentrum der Kirche. Gibt es einen zentraleren Ort in einer Kirche als den Altar? Und auf dem, dort im Zentrum steht das Kreuz!<\/p>\n<p>Originalton Paulus: \u201e Ich bin mit Christus gekreuzigt.\u201c<\/p>\n<p>Paulus wurde nicht gekreuzigt. Er war nicht einmal dabei, als Jesus gekreuzigt wurde. Er stand so wenig neben dem Kreuz wie wir, aber er schreibt: \u201e Ich bin mit Christus gekreuzigt.\u201c Das ist Glaube. Diese Aussage treffen zu k\u00f6nnen, ohne auch nur dabei gewesen zu sein, das ist Glaube.<\/p>\n<p>Das ist die Verbundenheit, die Freundschaft, das Vertrauen zu Jesus Christus. Das ist, was uns f\u00fcr Gott akzeptabel werden l\u00e4sst. Paulus schreibt f\u00fcr <em>akzeptabel werden l\u00e4sst<\/em> \u201eGerechtigkeit\u201c. Der Grund daf\u00fcr ist, dass vor Jesus die Menschen meinten, durch ein Gesetz, durch das Gesetz des <em>Alten Testaments<\/em>, also letztlich durch Recht f\u00fcr Gott akzeptabel zu werden.<\/p>\n<p>Das ging nicht, und das geht zur Zeit des Paulus so wenig wie heute. Wie sollen wir, Sie und ich, Gott <em>gerecht<\/em> werden? Er ist der Herr der Welt. Er hat alles geschaffen. Wie sollen wir da etwas hervorbringen, das ihm entspricht, seiner w\u00fcrdig ist? Schon Kinder stellen sich die Frage, was sie mitbringen k\u00f6nnen, wenn sie von einem Klassenkameraden zum Geburtstag eingeladen sind, dessen Eltern mehr Geld als ihre Eltern haben. Was soll ich dem schenken, der hat doch alles? Er hat tolle Spielsachen. Er hat neue Klamotten und zwar von Markenherstellern. Kinder kennen das Problem, aber wir Erwachsene meinen wir k\u00f6nnen Gott etwas schenken<\/p>\n<p align=\"center\">III.<\/p>\n<p>Damit sind wir schon beim n\u00e4chsten Punkt. Die Einladung zum Chef ist eine Freundlichkeit, ein Geschenk Ihres Chefs an Sie. Auch als gute Mitarbeiterin, als guter Mitarbeiter haben Sie keinen Anspruch darauf, dass Sie der Chef einl\u00e4dt.<\/p>\n<p>Paulus spricht seiner Zeit entsprechend von <em>Gnade<\/em>.<br \/>\nEin Lexikon aus unseren Tagen verweist auf das Althochdeutsche, als Gnade \u201eHilfe\u201c, \u201eSchutz\u201c kurz \u201edie unverdiente Hilfe (eines) Gottes\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p>Noch einmal Originalton Paulus: \u201e Was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst f\u00fcr mich dahingegeben.\u201c<\/p>\n<p>Der Sohn Gottes, Jesus Christus hat mich geliebt! Hat Sie, hat mich, hat uns geliebt. Ich habe hier in G\u00f6ttingen einen Kollegen, der, als er Sch\u00fcler war, von einem Klassenkameraden eingeladen worden war. Wie eben Klassenkameraden sich einladen, wurde er von diesem Klassenkameraden eingeladen Er ging hin. Die T\u00fcr wurde ihm aufgemacht. Er spielte mit seinem Klassenkameraden. Dann kam der Vater des Klassenkameraden und spielte mit, wie das V\u00e4ter so machen. Der Vater war Helmut Kohl und Bundeskanzler. Die T\u00fcr wurde dem Kollegen seinerzeit ge\u00f6ffnet, weil der Sohn ihn eingeladen hatte. Sie, ich, wir und wohl auch der Kollege klingeln beim Bundeskanzleramt in Berlin vergeblich. Wir haben keine Einladung.<\/p>\n<p>Gnade ist eine Einladung Gottes, die wir uns nicht selbst besorgen k\u00f6nnen. Gnade ist ein Geschenk von Jesus Christus als Sohn Gottes an uns.<\/p>\n<p align=\"center\">IV.<\/p>\n<p>Damit bleibt nur noch eine Frage. Es ist wohl die schwerste \u2013 nicht der Sache nach, sondern der Psychologie nach.<\/p>\n<p>Wenn wir von Jesus Christus geliebt sind, wenn wir \u2013 wie ich sagte \u2013 eingeladen sind, warum versuchen dann Menschen immer wieder, sich die Einladung selbst zu besorgen, d.h. zu erarbeiten? Das war zur Zeit Luthers so. Das war zur Zeit des Paulus so. Nur darum schrieb Paulus diesen Brief. Bei Paulus war die Bem\u00fchung der Menschen noch einigerma\u00dfen verst\u00e4ndlich. Die Leute waren das seit jeher gew\u00f6hnt. Es gab das Gesetz des Alten Testaments, und das musste erf\u00fcllt werden. Sie verstanden nicht, dass unser Verh\u00e4ltnis zu Gott seit Jesus Christus sich radikal ge\u00e4ndert hat. Zur Zeit Luthers lagen die Dinge \u00e4hnlich. Die Menschen wurden gelehrt, durch Erf\u00fcllung von Gesetzen zu Gott zu gelangen, in den Himmel zu kommen, wie sie sagten.<\/p>\n<p>Heute erleben wir, dass f\u00fcr alles bezahlt werden muss. Kirche kostet auch. Kirchensteuer muss bezahlt werden. Mindestens ab einer gewissen H\u00f6he des Einkommens wird Kirchensteuer f\u00e4llig. Wir verstehen auch, dass Kirche wie alle Geld braucht, um ihre Aufgaben zu erf\u00fcllen, um Kirchengeb\u00e4ude, oft sch\u00f6ne alte Geb\u00e4ude im Zentrum der Stadt oder des Dorfes, zu erhalten. Nur sehen wir nicht, dass es zwischen \u00e4u\u00dferlich und innerlich einen Unterschied gibt. Die Bezahlung f\u00fcr Geb\u00e4ude, Kinderg\u00e4rten usw. ist \u00e4u\u00dferlich. Unser Verh\u00e4ltnis zu Gott ist innerlich. Gott liebt uns, und wir lieben Gott. Liebe ist nicht k\u00e4uflich! Sie ist innerlich und pr\u00e4gt uns von Innen heraus ganz und gar. Diesen Unterschied vergessen wir oft. Die Liebe sehen wir nicht. Sie ist auch nicht sichtbar, aber ihre Zeichen sind sichtbar und werden sichtbar gemacht. Das Kreuz steht auf dem Altar. Jesus Christus wurde dort f\u00fcr uns gekreuzigt. Der Vorgang der Erkenntnis der Liebe Jesu Christi, wenn Sie wollen, das ist der Glaube, durch den wir gerecht, vor Gott angenehm, von ihm eingeladen werden.<\/p>\n<p>Gott sende uns allen diese Einladung!<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p>Lied: Gott liebt die Welt, EG 409, 5-8<\/p>\n<p>Literatur:<br \/>\nMartin Luthers Werke, Kritische Gesamtausgabe, 1883ff, Bd. 40 I, S. 33ff u. Bd. 57, S. 5ff.<br \/>\nJacobi, Thorsten, Christen hei\u00dfen Freie, T\u00fcbingen 1997<br \/>\nRohde, Joachim, Der Brief des Paulus an die Galater, Leipzig 1989<br \/>\nSchlier Heinrich, Der Brief an die Galater, 6. Aufl. der Neuaufl., G\u00f6ttingen 1989<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong> Prof. Dr. Dr. Ulrich Nembach, G\u00f6ttingen<br \/>\n<a href=\"mailto:ulrich.nembach@theologie.uni-goettingen.de#\">ulrich.nembach@theologie.uni-goettingen.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>11. Sonntag nach Trinitatis, 27. August 2006 Predigt zu Galater 2, 16-21, verfasst von Ulrich Nembach Lied : EG 409, 1-4 Liebe Gemeinde, I. heute geht es um uns. Um Sie, um Sie, um mich, um eine jede und einen jeden von uns. Wir werden von unserem Predigttext angesprochen, nicht gefragt, sondern angesprochen. 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