{"id":11316,"date":"2021-02-07T19:48:57","date_gmt":"2021-02-07T19:48:57","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11316"},"modified":"2023-02-08T18:50:24","modified_gmt":"2023-02-08T17:50:24","slug":"apostelgeschichte-3-1-10-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/apostelgeschichte-3-1-10-5\/","title":{"rendered":"Apostelgeschichte 3, 1-10"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">12. Sonntag nach Trinitatis, 3. September 2006<br \/>\nPredigt zu Apostelgeschichte 3, 1-10, verfasst von Traugott Koch<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Der Abschnitt aus dem Neuen Testament, der dieser Predigt zugrunde liegt, steht in der Apostelgeschichte des Lukas im 3. Kapitel, in den Versen 1 bis 10 und lautet:<br \/>\n<em>&#8222;Petrus und Johannes gingen hinauf in den Tempel um die neunte Stunde, da man pflegt zu beten. Und es ward ein Mann herbeigetragen, lahm von Mutterleib; den setzten sie t\u00e4glich vor des Tempels T\u00fcr, die da hei\u00dft die sch\u00f6ne, da\u00df er bettelte um ein Almosen von denen, die in den Tempel gingen. Da er nun sah Petrus und Johannes, wie sie wollten zum Tempel hineingehen, bat er um ein Almosen. Petrus aber, Johannes mit dabei, sah ihn an und sprach: Sieh uns an! Und er sah sie an und wartete, da\u00df er etwas von ihnen empfinge. Petrus aber sprach: Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi von Nazareth stehe auf und wandle! Und griff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf. Augenblicklich festigten sich seine F\u00fc\u00dfe und Fersen, und er sprang auf, konnte gehen und stehen und ging mit ihnen in den Tempel; lief umher und sprang und lobte Gott. Und alles Volk sah ihn herumgehen und Gott loben. Sie erkannten ihn auch, da\u00df er es war, der um Almosen gesessen hatte vor der sch\u00f6nen T\u00fcr des Tempels; und wurden voll Staunens und gerieten au\u00dfer sich \u00fcber das, was ihm widerfahren war.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Jesus heilte. Er war als Heiland auch ein Heiler. Er heilte Krankheiten, die nach damaligem Verst\u00e4ndnis nat\u00fcrlich verursacht sind, oder die man so nicht erkl\u00e4ren konnte und f\u00fcr die man folglich annahm, sie r\u00fchrten von b\u00f6sen Geistern oder D\u00e4monen her. F\u00fcr Jesus waren solche wunderbaren Krankenheilungen sichtbare Beweise daf\u00fcr, da\u00df das Reich Gottes jetzt unter Menschen sich Bahn bricht, jetzt in der Gegenwart ankommt. &#8222;Wenn ich mit dem Finger Gottes&#8220;, sagt Jesus, &#8222;D\u00e4monen austreibe, so ist das Reich Gottes zu euch gekommen.&#8220; (Luk. 11, 20) Das ist es, was Jesus wollte: Reich Gottes &#8211; ein neues Leben, ein neues Aufleben, befreit von allen \u00dcbeln, vom Unheil und allem Lebenzerst\u00f6rerischen, Lebensbesch\u00e4digenden; ein neues Leben in freier, unbehinderter und in vers\u00f6hnter Gemeinschaft der Menschen untereinander und mit Gott. &#8222;Gutes tun&#8220;, das hei\u00dft f\u00fcr Jesus, &#8222;Leben retten&#8220; (Mk. 3,4). Und damit ist auf eine Kurzformel gebracht, was Jesus wolle und wof\u00fcr er lebte und handelte. Von Jesus ist gesagt: &#8222;Der Menschensohn ist nicht gekommen, der Menschen Seelen&#8220;, ihr innerstes Zentrum, &#8222;zu verderben, sondern zu retten&#8220; (Luk. 9, 56). Heilungen: das waren f\u00fcr Jesus Aufbr\u00fcche in ein unentstelltes, unzerrissenes Leben: Leben, befreit, erl\u00f6st aus allem Leben Verderbenden und T\u00f6tenden. &#8211; Und so hat Jesus auch seinen Anh\u00e4ngern, seinen J\u00fcngern, das Heilen von Kranken und Besessenen ausdr\u00fccklich aufgegeben (Mk. 3, 14f. u.a.).<\/p>\n<p>Aber Jesu Wunderheilungen wollten recht verstanden sein. Die wunderbare Heilung, das Gesundwerden, allein ist es noch nicht. Es kommt auf den Glauben an. &#8222;Dein Glaube hat dich gerettet&#8220;, sagt Jesus zur jetzt, augenblicklich geheilten Frau (Mk. 5, 34): &#8222;dein Glaube&#8220; im Reich Gottes. dein Glaube jetzt, mit dem Auftreten Jesu, da\u00df ein solches &#8222;heiles&#8220;, unbesch\u00e4digtes, nicht vom Tod gezeichnetes Leben m\u00f6glich und wirklich ist. Und das bleibt\u00a0ja <em>die <\/em>grunds\u00e4tzliche Frage, die allem Christlichen zugrunde liegt: Was rettet &#8211; was rettet vor dem Untergehen, vor dem Verderben? Das Gesund- oder Geheiltwerden ist es nicht &#8211; die Gesundheit allein ist es nicht. Der Glaube daran, gerettet und nicht verloren zu sein; gerettet und mit Gott verbunden zu sein, was immer einem im Leben zusto\u00dfen mag: das ist es. Als von den zehn Auss\u00e4tzigen, Leprakranken, die auf Jesu Wort hin gesund geworden waren, nur einer zur\u00fcckkommt, Gott lobt und Jesus dankt, ist Jesus sehr verwundert. War sein Heilen der neun Anderen f\u00fcr die nur Anla\u00df, wieder ins allt\u00e4gliche Leben zur\u00fcckzukehren? (Luk. 17, 11\u00ad19)<\/p>\n<p>Jesus hat seinen ihm Nachfolgenden, seinen J\u00fcngern, das Heilen aufgegeben. Die &#8222;Apostelgeschichte des Lukas&#8220; berichtet besonders von Heilungen Kranker und Besessenen durch Petrus (bes. Apg. 5, 12-15). Eine solche Geschichte ist auch der Text dieser Predigt. Ein von Mutterleib an Gel\u00e4hmter wird dadurch, da\u00df Petrus ihn anspricht, &#8222;im Namen Jesu Christi von Nazareth&#8220; gesund. Der gel\u00e4hmte Mann, der zum Betteln abgerichtet war, erh\u00e4lt ungleich mehr, als er erwartet hat: Er erh\u00e4lt nicht nur ein Almosen, sondern Gesundheit. Was Wunder, da\u00df er mit seinen wieder gest\u00e4rkten, wieder beweglichen und haltgebenden F\u00fc\u00dfen und Beinen herumgeht und springt und Gott lobt!<\/p>\n<p>Nun w\u00e4re es <em>von uns <\/em>sicherlich ganz abwegig, w\u00fcrden wir bestreiten, da\u00df eine solche Heilung damals vorgekommen ist, sichtbar geschehen ist. Denn derartige Heilungen kommen &#8211; ab und an &#8211; auch heutzutage vor. Von den Leuten, die das Wunder sahen, hei\u00dft es: Sie &#8222;wurden voll Staunens und gerieten&#8220; angesichts dessen, was dem Gel\u00e4hmten widerfahren ist, &#8222;au\u00dfer sich&#8220;. Das ist sicherlich nichts Ungew\u00f6hnliches. Sehen Menschen Spektakul\u00e4res oder h\u00f6ren sie auch nur durch m\u00fcndlichen Bericht davon, so wundern sie sich dar\u00fcber und erregen sich zum Teil sehr.<\/p>\n<p>In der offiziellen Kirche war man von fr\u00fcher Zeit an der Ansicht, solcher Wunderheilungen in der Gegenwart nicht mehr zu bed\u00fcrfen, nur bei der Einf\u00fchrung des Christentums seien sie n\u00f6tig gewesen, um Menschen f\u00fcr das Christentum zu gewinnen. Wir heute, wir stehen solchen Heilungsgeschichten relativ n\u00fcchtern gegen\u00fcber. Wir wissen, da\u00df Heilung von Krankheiten aller Art gro\u00dfteils durch die modeme Medizin zustande kommt, aber auch durch die sog. Alternativmedizin, und da\u00df personale Heilungen durch Heiler der verschiedensten Richtungen geschehen. Solche personale Heilungen, im Innern eines Menschen ansetzend und zumeist auf pers\u00f6nlicher Zuwendung beruhend, geschehen durch H\u00e4nde-Auflegen, Blickkontakte und Gebetsverbundenheit. Seien wir froh, wenn die Heilung oder auch leider nur die Linderung einer Krankheit erreicht wird &#8211; gleich auf welche Weise.<\/p>\n<p>Doch meinen wir nur nicht, Gesundheit h\u00e4tte nichts mit Gott zu tun! Sie hat sehr wohl mit Gott zu tun. Wir beten zu Gott um Gesundheit, um Gesundwerden und Gesundbleiben &#8211; und tun gut daran. Denn Gott will das Leben und nicht die Zerst\u00f6rung. Er will das volle, bejahbare Leben und nicht den vernichtenden Tod.<\/p>\n<p>Wenn jemand krank wird, den wir kennen, machen wir uns Sorgen um ihn. Und wir bitten Gott um Genesung. So bitten wir f\u00fcr unsere Angeh\u00f6rigen, Freunde und Bekannte und f\u00fcr uns selbst: Gott m\u00f6ge es zum Wieder-Gesundwerden kommen lassen. &#8211; Aber Gott handelt nicht abstrakt, abgesondert f\u00fcr sich. Sondern er wirkt zusammen mit der Natur als deren Lebendigkeit. Und da wissen wir: Die Lebendigkeit des nat\u00fcrlichen Lebens \u00e4u\u00dfert sich zufallig. Mal entsteht neues Leben im Mutterleib und zuweilen nicht, und manchmal hilft auch alle medizinische Behandlung nichts. Es gibt da keine Gerechtigkeit; ganz willk\u00fcrlich und ungleich ist das verteilt. Zuf\u00e4llige Umst\u00e4nde walten da. Manch einer wird &#8211; ja, Gott sei dank &#8211; gesund und manch einer bei der gleichen Therapie leider nicht. Und immer wieder kommen neuartige Krankheiten auf. Unser endliches Leben bleibt gef\u00e4hrdet, ist gegen\u00fcber Krankheiten anfallig. Nicht wenige leiden, oft lange, unter ihren Krankheiten und Besch\u00e4digungen; und einige m\u00fcssen schwer, sehr schwer leiden. Auch das personale Heilen, etwa durch Gebet, bleibt zuf\u00e4llig. Manche werden nicht gesund.<\/p>\n<p>Darum, wenn wir zu Gott um Gesundheit, um Gesundwerden bitten, la\u00dft uns die Krank-, Beeintr\u00e4chtigt- und Besch\u00e4digtbleibenden nicht vergessen. Auch Jesus hat damals in Pal\u00e4stina nicht alle Kranken geheilt. Und la\u00dft uns nicht vergessen, da\u00df die Gesundheit und so auch die Krankheit nicht alles im Leben ist. Ja, wenn wir sehen, da\u00df Menschen mit jeweils ihrer Krankheit, mit ihrer Behinderung &#8211; oder auch mit ihrem Gel\u00e4hmtsein &#8211; leben m\u00fcssen, so wissen wir auch, da\u00df sie mit dieser Verletzung, Lebensversehrung zurande kommen m\u00fcssen. Mit vielen Erkrankungen ist die Aufgabe verbunden, sie zu verarbeiten, sie zu verkraften. Darum la\u00dft uns um Genesung beten und zugleich darum bitten, der Kranke m\u00f6ge im Notfall, bei ausbleibender Genesung, nicht bitter werden und nicht verzweifeln. Er m\u00f6ge glauben oder den Glauben halten k\u00f6nnen, bei Gott nicht verloren zu sein, und ihm m\u00f6ge verg\u00f6nnt sein, zuweilen auch etwas Erfreuliches zu sehen: Freunde, die ihn besuchen, die Zuwendung, die Liebe seiner Frau. M\u00f6ge jeder, jede immer noch etwas haben, wof\u00fcr er und sie danken kann. La\u00dft uns darum bitten, obschon auch das nicht garantiert ist.<\/p>\n<p>\u00dcber jede Genesung, jedes Gesundwerden, jedes \u00dcberstehen einer Erkrankung freuen wir uns &#8211; gleich wie die Wiederherstellung der Gesundheit zustande kam: durch medizinische Behandlung oder als Spontanheilung oder durch das Gebet eines Heilers. Wir freuen uns dar\u00fcber &#8211; und das ist gut so. Und wenn wir uns dar\u00fcber freuen, so la\u00dft uns Gott daf\u00fcr danken, da\u00df dem Betroffenen das, die Genesung, durch den Einsatz dieses oder jenes Menschen zuteil geworden ist, geschenkt ist.<\/p>\n<p>Eine Frau nach dem Durchstehen einer schweren Erkrankung sagte: &#8222;Ich wei\u00df jetzt nur zu gut, da\u00df Gesundheit ein Geschenk ist.&#8220; Es ist ein Geschenk, ganz gewi\u00df durch nichts verdient. Liebe Gemeinde, das ist immer so, und das k\u00f6nnte man auch ohne krank zu werden wissen. Und Gott, dem Geber des Lebens, daf\u00fcr danken. Von dem Gel\u00e4hmten, den Petrus geheilt hat, wird berichtet, da\u00df er &#8218;herumlief, sprang &#8211; und Gott lobte&#8216;. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Prof. Dr. Traugott Koch<br \/>\nWendelohstr. 86 h<br \/>\n22459 Hamburg<br \/>\nTel.: 040 5510979<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>12. Sonntag nach Trinitatis, 3. 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