{"id":11322,"date":"2021-02-07T19:49:10","date_gmt":"2021-02-07T19:49:10","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11322"},"modified":"2023-01-30T11:41:18","modified_gmt":"2023-01-30T10:41:18","slug":"matthaeus-12-31-42-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-12-31-42-2\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 12, 31-42"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">12. Sonntag nach Trinitatis, 3. September 2006<br \/>\nPredigt zu Matth\u00e4us 12, 31-42, verfasst von Lars Ole Gjesing (D\u00e4nemark) <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>(Text der d\u00e4nischen Perikopenordnung)<\/p>\n<p>Die Texte von heute bilden eine sch\u00f6nes Muster mit dem Zentrum, das die Macht des Wortes hei\u00dfen k\u00f6nnte. Matth\u00e4us hat hier in Kapitel 12 einige Jesusworte gesammelt, die von der m\u00e4chtigen Bedeutung des Wortes handeln, und der Abschnitt aus dem Jakobusbrief mit den dramatischen Bildern, was die Zunge bewirken kann, ist noch hinzugef\u00fcgt: wir haben reichlichen Stoff. Aber nun steht da die Einleitung zum Abschnitt des Evangeliums von heute und wirft alles durch die starke Rede von der unverzeihlichen S\u00fcnde \u00fcber den Haufen, so dass wir gezwungen sind, schon bei diesen Worten erst einmal Halt zu machen. Sie ziehen unsere Aufmerksamkeit an, und man kann es nicht verantworten, sie nur vorzulesen, ohne etwas dazu zu sagen. Heute m\u00fcssen deshalb die Lieder allein das Thema von den Worten kommentieren, und die Predigt wird sich in die unverzeihliche S\u00fcnde vertiefen.<\/p>\n<p>Zuerst steht da, \u201ealle S\u00fcnde und L\u00e4sterung wird den Menschen vergeben\u201c. \u2013 Im Grunde ein phantastischer Satz, der alle alte Gesetzgebung \u00fcber den Haufen wirft. Er ist wirklich das Evangelium Jesu in einer sehr kurzen und direkten Formulierung. Aber ungeachtet, wie phantastisch diese \u00dcberschrift ist, wird alle Aufmerksamkeit von der kleinen Einschr\u00e4nkung in Anspruch genommen, die hinzugef\u00fcgt ist: \u201eAber die L\u00e4sterung gegen den Geist wird nicht vergeben.\u201c Und die Einschr\u00e4nkung ist hinreichend zweideutig, um allerlei Vorstellungen und Spekulationen enthalten zu k\u00f6nnen, und es gibt auch keine Grenzen daf\u00fcr, was sich die Leute darunter vorgestellt haben.<\/p>\n<p>Aber was bedeutet dieser Zusatz: dass derjenige, der wider den Heiligen Geist redet, keine Vergebung erlangt, weder in dieser noch in der k\u00fcnftigen Welt?<\/p>\n<p>Wenn wir uns zun\u00e4chst an die alte Geheimsprache halten, dann bedeutet \u201ekeine Vergebung erlangen\u201c dasselbe wie \u201everloren sein\u201c, \u201edas Heil verpassen\u201c. Und um aus der alten kirchlichen Geheimsprache herauszukommen, m\u00fcssen wir noch einen Schritt weitergehen und fragen: Was ist Heil? \u2013 Wenn wir uns die Jesusgeschichten und seinen Gebrauch dieser Worte und Wendungen ansehen, wenn wir seine Gleichnisse und Heilungen betrachten, was liegt dann in dem Wort Heil?<\/p>\n<p>Das beste und klarste Bild daf\u00fcr ist das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Was ist das Heil f\u00fcr den verlorenen Sohn? Es besteht darin, dass er mit offenen Armen empfangen wird, obwohl er es keineswegs verdient hat. Und es wird ein Fest f\u00fcr ihn veranstaltet, und er wird wieder in die W\u00fcrde als Sohn des Hauses eingesetzt, trotz der Tatsache, dass er sein Leben und seine M\u00f6glichkeiten vergeudet und im Grunde seinen Vater und seine Familie verh\u00f6hnt hat, als er sein Erbe vor der Zeit forderte.<\/p>\n<p>Diese Geschichte erz\u00e4hlt Jesus einzig und allein, um zu veranschaulichen, wie Gott selbst sich zu den Menschen verh\u00e4lt. Er wei\u00df, dass die lange Geschichte der Menschheit von zahlreichen Verbrechen handelt, von Ausnutzung der kleinen Leute, von Egoismus, Gewalt, Habsucht \u2013 obwohl das Dasein in seinem Reichtum zu Freigebigkeit und Nachsicht einl\u00e4dt. Selbst noch so viele Gesetze und Bestimmungen und Zehn Gebote und Strafen und Drohungen h\u00e4tten nicht ernsthaft etwas \u00e4ndern k\u00f6nnen an der betr\u00fcblichen Art und Weise, wie die Menschen das Dasein zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>Das radikal Neue in den Geschichten Jesu und in seinem konkreten Auftreten Menschen gegen\u00fcber ist, dass er erkl\u00e4rt, dass Gott ein Herz hat wie der alte Vater im Gleichnis. Dass er offene Arme hat, dass er von der Verurteilung absieht, wie berechtigt sie auch sein mag. Das ist der Kern und Nerv in der Verk\u00fcndigung Jesu. Es sind diese Verhei\u00dfungen, dass Gott die Menschen nimmt, wie sie sind. Es gibt keine M\u00f6glichkeit, au\u00dferhalb seiner Liebe zu fallen. Er sucht die Verlorenen auf, tr\u00f6stet die Trauernden und vergibt denen, die sich bekehren. Das sind die Verhei\u00dfungen Jesu. Auf sie zu vertrauen hei\u00dft Heil.<\/p>\n<p>Auf die Verhei\u00dfungen zu vertrauen hei\u00dft, die ganze Last der Vergangenheit abwerfen zu k\u00f6nnen, all das, was verkehrt gegangen ist und was wir nicht wieder in Ordnung bringen k\u00f6nnen. Auf die Verhei\u00dfungen zu vertrauen hei\u00dft erleichtert zu werden, die M\u00f6glichkeit zu bekommen, froh und unbesorgt zu leben und sich mit Zuversicht der Probleme und eigener M\u00e4ngel anzunehmen. Sein Vertrauen darauf zu setzen, dass ein Mensch von Gott geliebt ist, wie immer es gehen mag. Das ist Heil. Froh und dankbar zu leben aus der Gnade Gottes und sich anzustrengen, dass die Gnade sich ausbreiten kann \u2013 das ist Heil. Sein Vertrauen darauf setzen, dass die Liebe Gottes eine uneingeschr\u00e4nkte Macht ist, die auch vor dem Tod selbst nicht Halt macht. Das ist Heil und das ist neues Leben. Verdammnis ist alles, was im Gegensatz dazu steht. Zu glauben, dass man keine anderen Aussichten hat als diejenigen, die man sich selbst geschaffen hat, dass man f\u00fcr immer und ewig an seinen Fehlern und Untaten h\u00e4ngt, dass es keine Macht in der Welt gibt, die den Tod kleinkriegen kann, und dass alles nach Verdienst und W\u00fcrdigkeit abl\u00e4uft. Verdammnis hei\u00dft, wie der ver\u00e4rgerte gro\u00dfe Bruder im Gleichnis zu handeln, der vielleicht nie zu dem Fest kam und sein Tanzbein schwang, weil er so ver\u00e4rgert war, dass der Vater nicht alles nach Verdienst geschehen lie\u00df, sondern nach Barmherzigkeit.<\/p>\n<p>Wie kommen wir nun zur\u00fcck zu der L\u00e4sterung des Geistes, die niemals vergeben werden kann?<\/p>\n<p>Der Zusammenhang ist ganz einfach f\u00fcr den, der sagt: ich glaube nicht an die Verhei\u00dfungen Jesu; ich glaube nicht, dass sie aus dem Munde Gottes gesprochen sind; ich glaube nicht, dass sie den tiefsten Zusammenhang des Daseins ausdr\u00fccken \u2013 er hat es ja abgelehnt, diese Liebe und Freude und Vergebung anzunehmen. Den Geist l\u00e4stern ist also im Grunde dies, dass man sich weigert, Vergebung anzunehmen und mit offenen Armen zu empfangen. Mit anderen Worten: Wof\u00fcr es keine Vergebung gibt, ist, sich nicht vergeben lassen zu wollen. Was Jesus mit den aufsehenerregenden Worten \u00fcber die L\u00e4sterung des Geistes zum Ausdruck bringt, ist also im Grunde recht einleuchtend: Wer Vergebung nicht annehmen will, kann keine Vergebung bekommen. Es kann nicht anders sein, solange wir Menschen sind mit Recht und Pflicht und Freiheit, unseren Weg zu w\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Der Einleitungssatz bleibt also stehen: \u201eAlle S\u00fcnde und L\u00e4sterung wird den Menschen vergeben\u201c \u2013 und der Zusatz ist keine heimliche und drohende Einschr\u00e4nkung \u2013 eher ganz im Gegenteil. Er besagt, dass Gottes Liebe, Vergebung und Freude einem jeden offensteht, der sie annehmen will. Amen!<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastor Lars Ole Gjesing<br \/>\n<\/strong><strong> S\u00f8ndergade 43<br \/>\nDK-5970 \u00c6resk\u00f8bing<br \/>\nTel.: +45 62 52 11 72<br \/>\n<\/strong><strong> E-mail: <a href=\"mailto:logj@km.dk\">logj@km.dk<\/a><\/p>\n<p><\/strong><strong> \u00dcbersetzung aus dem D\u00e4nischen: Dietrich Harbsmeier<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>12. Sonntag nach Trinitatis, 3. September 2006 Predigt zu Matth\u00e4us 12, 31-42, verfasst von Lars Ole Gjesing (D\u00e4nemark) (Text der d\u00e4nischen Perikopenordnung) Die Texte von heute bilden eine sch\u00f6nes Muster mit dem Zentrum, das die Macht des Wortes hei\u00dfen k\u00f6nnte. 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