{"id":11346,"date":"2021-02-07T19:48:52","date_gmt":"2021-02-07T19:48:52","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11346"},"modified":"2023-03-06T22:17:15","modified_gmt":"2023-03-06T21:17:15","slug":"galater-5-25-26-6-1-3-7-10-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/galater-5-25-26-6-1-3-7-10-2\/","title":{"rendered":"Galater 5, 25-26; 6, 1-3.7-10"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">15. Sonntag nach Trinitatis, 24. September 2006<br \/>\nPredigt zu Galater 5, 25-26; 6, 1-3.7-10, verfa\u00dft von G\u00fcnter Goldbach <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Liebe Christinnen und liebe Christen!<\/p>\n<p>Schrecklich! Mahnungen, lauter Mahnungen sind es, die uns heute erreichen: Wandelt im Geist! (5,25). Seid nicht so ehrgeizig, nicht so neidisch! (5,26). Wenn einer was angestellt hat, helft ihm zurecht! Und seid vorsichtig, dass es euch nicht auch passiert! (6,1). Einer stehe ein f\u00fcr das, was den anderen belastet! (6,2). Tut das Gute &#8211; vor allem euren Mitchristen gegen\u00fcber! (6,10). &#8211; Mahnungen, lauter Mahnungen. Schrecklich! Und nicht nur das: Die Mahnungen werden auch noch als \u201eGesetz\u201c &#8211; damit doch wohl als notwendig zu befolgende Vorschriften &#8211; bezeichnet. Wenn ihr das alles tut, hei\u00dft es, \u201ewerdet ihr das \u201aGesetz Christi\u2019 erf\u00fcllen\u201c (6,2). Ja, noch schlimmer kommt es: Wenn ihr das alles <em>nicht<\/em> tut, hei\u00dft es in unserem Predigttext, werdet ihr mit g\u00f6ttlichen Strafen rechnen m\u00fcssen: \u201eIrrt euch nicht! Gott l\u00e4sst sich nicht spotten. Denn was der Mensch s\u00e4t, das wird er ernten\u201c (6,7). Und: Nutzt die Zeit, die euch noch bleibt! (6,10).<\/p>\n<p>Also wirklich: Nach der froh machenden Botschaft des Evangeliums h\u00f6rt sich das alles nicht an. Was sollen wir dazu sagen?! Was m\u00f6gen wohl die christlichen Gemeinden in Galatien dazu gesagt haben, als sie diesen Brief des Paulus erhielten? Was mag Paulus sich eigentlich dabei gedacht haben?!<\/p>\n<p>Howard Thurman f\u00e4llt mir ein, ein schwarzer Prediger, von dem uns Dorothee S\u00f6lle oft berichtete. Er, dieser Howard Thurman, erz\u00e4hlte gelegentlich von seiner Gro\u00dfmutter, die noch als Sklavin geboren worden war. Bis zum B\u00fcrgerkrieg lebte sie auf einer Plantage in der N\u00e4he von Madison, Florida. Sie hatte nie lesen und schreiben gelernt. So geh\u00f6rte es zu den Pflichten des Enkels, das Lesen f\u00fcr seine Gro\u00dfmutter zu \u00fcbernehmen. Zwei- oder dreimal in der Woche sollte er ihr auch etwas aus der Bibel vorlesen. Dabei machte es ihm einen tiefen Eindruck, wie sorgf\u00e4ltig sie war in der Auswahl der biblischen B\u00fccher. Er sollte z. B. viele der sehr frommen Psalmen lesen, manches aus Jesaja und wieder und wieder die Evangelien. Aber die Briefe des Paulus &#8211; niemals.<\/p>\n<p>Seine Neugier war gro\u00df. Aber er traute sich nicht, seine Gro\u00dfmutter nach dem Grund zu befragen. Als er schon \u00e4lter war und halb durch\u2019s College, verbrachte er einige Tage am Ende der Sommerferien zuhause. Mit einem Gef\u00fchl gro\u00dfer K\u00fchnheit befragte er da seine Gro\u00dfmutter, warum sie ihn nie etwas aus den Briefen des Paulus f\u00fcr sie lesen lie\u00df.<\/p>\n<p>Da sagte sie: In den Tagen der Sklaverei hielt der Pfarrer des Masters gelegentlich Gottesdienste f\u00fcr die Sklaven ab. Und der wei\u00dfe Pfarrer brachte als Text immer irgendwas von Paulus. Mindestens drei- oder viermal benutzte er den Text: Ihr Sklaven, seid gehorsam denen gegen\u00fcber, die eure Herren sind &#8211; wie Christus gegen\u00fcber. Dann ging er hin und zeigte, dass es Gottes Wille war, dass wir Sklaven w\u00e4ren. Und wie Gott uns segnen w\u00fcrde, wenn wir gute und gl\u00fcckliche Sklaven w\u00e4ren. &#8211; Da versprach ich meinem Sch\u00f6pfer, dass, falls ich jemals lesen k\u00f6nnte und falls die Freiheit jemals k\u00e4me, ich diesen Teil der Bibel nicht lesen w\u00fcrde: \u201eIf I ever learned to read and if freedom ever came, I would not read that part of the bible\u201c.<\/p>\n<p>Liebe Christinnen und liebe Christen, eigentlich soll die Predigt \u201eein Lob der Bibel\u201c sein. Ein Lobpreis f\u00fcr die gute Botschaft des g\u00f6ttlichen Wortes von Seiner Barmherzigkeit. Daran m\u00f6chte ich mich wohl auch halten. Aber diese alte Sklavin, Howard Thurmans Gro\u00dfmutter, hat mich gebremst. Anspruchsvoller formuliert: Sie hat mich dialektisch korrigiert. Die Bibel will ich immer noch loben, weil ich viele gute Worte in ihr gefunden habe und immer noch finde. Aber ich will auch diejenigen im Auge behalten, die ihre eigens\u00fcchtigen Ziele durchsetzen wollen &#8211; mit Hilfe der Bibel. Und nicht zuletzt diejenigen M\u00e4nner und Frauen der Kirche, die sich korrumpieren lassen als Kollaborateure irgendwelcher Unterdr\u00fccker &#8211; und seien es auch \u201enur\u201c Moralapostel als Agenten einer vorgeblich \u201echristlichen\u201c Ethik. In jedem Fall: als Verr\u00e4ter an der Botschaft von der Befreiung, die die Bibel eigentlich meint. Wo die Texte zu eng, zu eingeschr\u00e4nkt, zu manipulativ benutzt werden &#8211; <em>gegen<\/em> ihre eigentliche Absicht. Die Gefahr besteht tats\u00e4chlich, die M\u00f6glichkeit scheint sogar naheliegend, wenn man einen solchen Text vor Augen hat, wie den heutigen Predigttext &#8211; nachweislich bei einer ganzen Reihe von Auslegern und Predigern bis zum heutigen Tag. Wenn man n\u00e4mlich den Text so versteht, als werde hier tats\u00e4chlich das \u201eGesetz\u201c gepredigt. Wo sich in der Tat eine Mahnung an die andere reiht. Wo scheinbar keine Rede ist von der \u201e Freiheit, zu der uns Christus befreit hat\u201c (vgl. Gal. 5,1).<\/p>\n<p>Davon redet der Galaterbrief n\u00e4mlich auch! Und das muss man unbedingt hinzunehmen. Es geht nicht an, dass wir uns auf diese Verse des Predigttextes beschr\u00e4nken. Obwohl sie am Ende dieses Briefes an die galatischen Gemeinden stehen. Und man denken sollte: da fasst Paulus noch einmal alles zusammen, was er sagen will. Worauf es ihm <em>vor allen<\/em><em>Dingen<\/em> ankommt. Warum nur hebt er da zum Schluss den drohenden Zeigefinger? Warum da diese F\u00fclle mahnender Worte? Was war da nur los bei den Galatern?<\/p>\n<p>Wenn man genauer hinsieht, war es wohl das menschliche Miteinander, das da nicht in Ordnung war bei diesen Leuten, die doch Christen sein wollten. Aber dennoch: Sie waren hartherzig und unzug\u00e4nglich, sie hielten es nicht f\u00fcr n\u00f6tig, anderen zurecht zu helfen oder sie auch nur zu verstehen: \u201eSoll der doch sehen, wie er damit klar kommt! Ich will damit nichts zu tun haben&#8230;\u201c &#8211; Sie waren ignorant und verst\u00e4ndnislos, besserwisserisch und hochm\u00fctig: \u201eNun schaut euch die an! Wie kann man nur! Das ist ja wohl das Letzte&#8230;\u201c &#8211; Sie waren selbstgerecht und verachteten die, die sich schuldig gemacht hatten. Sie verga\u00dfen ihre eigenen Schw\u00e4chen und Fehler und sahen herab auf die, die aus Schw\u00e4che oder Verzweiflung ins Straucheln geraten waren: \u201eJa, da muss der nun selber sehen, wie er das rechtfertigen will. Hat er sich doch alles selber zuzuschreiben. Warum hat er auch&#8230;\u201c<\/p>\n<p>Zusammenfassend k\u00f6nnte man sagen: Paulus muss wohl kritisch festgestellt haben: Da ist in diesen galatischen Hausgemeinden wenig zu sp\u00fcren von gegenseitigem Verst\u00e4ndnis. Da weht nicht der Geist mitmenschlicher Barmherzigkeit. Da weht der Geist unbarmherziger Selbstgerechtigkeit. Da ist der Richtgeist in voller Aktion. Wohlgemerkt: bei <em>Christen<\/em>, die das bestimmt nicht nur nach ihrem geheuchelten Selbstverst\u00e4ndnis waren. Aber seltsamerweise am anderen vorzugsweise dennoch nur das Schlechte sehen konnten.<\/p>\n<p>Das alles sollte uns doch nicht unbekannt sein! Das kennen wir doch auch! Das erleben wir doch auch immer wieder &#8211; als Leidtragende. Wom\u00f6glich aber doch auch als von diesem Richtgeist Beherrschte oder doch je und dann von ihm Beherrschbare.<\/p>\n<p>Ich erz\u00e4hle 3 Beispiele aus meiner unmittelbaren N\u00e4he:<\/p>\n<p>1). \u201eNein, Herr Pastor, Sabine wohnt nicht mehr bei uns. Mein Mann hat sie rausgeschmissen, seit sie mit diesem Afghanen zusammenlebt. Also wissen Sie, wie der sich hier bei uns benommen hat&#8230;! Nein, wir haben \u00fcberhaupt keinen Kontakt mehr mit ihr. Da muss sie nun aber wirklich selbst sehen, wie sie zurecht kommt. Sie ist schlie\u00dflich alt genug\u201c. &#8211; Es ist jetzt beinahe 25 Jahre her, dass jene Frau, die das sagt, selber ihr Zuhause verlie\u00df. Im Streit mit den Eltern. Weil sie den Vater ihres Kindes heiraten \u201emusste\u201c, der ihrer Familie nicht standesgem\u00e4\u00df erschien. Das ist allerdings lange her und l\u00e4ngst vergessen. Vergessen ist vor allem das Ungl\u00fcck jener Tage. Und die unbegreifliche Erfahrung, nicht akzeptiert oder doch wenigstens verstanden, sondern unbarmherzig versto\u00dfen zu werden.<\/p>\n<p>2). \u201eAlso, bei Adolf war wirklich nicht alles bon. Aber so was, das h\u00e4tte es bei ihm nicht gegeben!\u201c &#8211; Ein alter Sozialdemokrat sagt das. Der \u201ebei Adolf\u201c einige Jahre im Gef\u00e4ngnis zubringen musste. Weil er lieber die linke Faust ballte als die rechte zum Hitlergru\u00df zu erheben. Weil er die rote Fahne aus dem Fenster hing statt der Hakenkreuzfahne. &#8211; Mit ihm, inzwischen fast 85 Jahre alt, ging ich jetzt in den Semesterferien durch eines unserer Universit\u00e4tsgeb\u00e4ude, in dem auch er einmal studiert hatte. Durch die alten, inzwischen allerdings modernisierten Vorlesungss\u00e4le und schlie\u00dflich auch zu jenem stillen \u00d6rtchen, wo er die Spickzettel f\u00fcr seine Examensklausur las. Und da las er eben das, was Studenten eben da so an die W\u00e4nde und T\u00fcren schmieren. Formulierungen, von denen \u201eFuck off\u201c oder \u201eBlasebereiter Mund, lass dich aussaugen\u201c noch die harmloseren waren. \u201eDas sind die, die weggeh\u00f6ren\u201c, sagte er. \u201eWirklich, bei Adolf h\u00e4tte man mit so was kurzen Prozess gemacht&#8230;!\u201c &#8211; Aber der eigene Prozess?! \u201eChiffren der Gewissens\u00fcberzeugung\u201c hatte er damals seine Taten genannt, die \u201enicht prozessw\u00fcrdig\u201c seien. Aber die Chiffren f\u00fcr das wilde Verlangen nach Liebe sollten einen \u201ekurzen Prozess\u201c verdienen?!<\/p>\n<p>3). Ich kenne sie gut, jene Theologin, mit der ich k\u00fcrzlich gemeinsam an einer Podiumsdiskussion zu Problemen von Embryonenschutz und Schwangerschaftsabbruch teilnehmen musste. Die kirchliche Begr\u00fcndung f\u00fcr die Abweisung jeder Schwangerschaftsunterbrechung wusste sie brillant zu vertreten. Alle Indikationen, mit Ausnahme der rein medizinischen (hier liege der Dissens zu katholischen Moraltheologie) seien vom Standpunkt evangelischer Ethik her zu verwerfen. Auch der Embryo sei \u201eMensch in nuce\u201c, stehe unter dem Patronat der G\u00fcte Gottes selbst, und sein Leben sei deshalb f\u00fcr jeden anderen Menschen sakrosankt. &#8211; Die beiden eigenen (\u201elegalen\u201c) Schwangerschaftsunterbrechungen blieben dabei nat\u00fcrlich unerw\u00e4hnt. Allenfalls werden sie im vertraulichen Gespr\u00e4ch als in einer \u201eunabweisbaren Notlage begr\u00fcndet\u201c zugegeben.<\/p>\n<p>Also: Damals wie heute, heute wie damals: Der Heilige Geist ger\u00e4t ins Hintertreffen. Der Richtgeist treibt sein Unwesen unter uns. Eben auch unter uns Christen. Das alles ist sozusagen ein anthropologisches Regelph\u00e4nomen, von dem wir Christen in unserer Selbstgerechtigkeit nicht ausgenommen sind. Das \u201eschielende Selbstgef\u00fchl\u201c (St\u00e4hlin), das von dem Vergleich mit den tats\u00e4chlich oder vermutet irgendwie anderen lebt, ist doch unter uns eine \u00e4u\u00dferst beliebte Sache. Die \u201ebelastenden Eigenschaften\u201c der anderen, ihre scheinbar unausrottbar s\u00fcndhaften Verfehlungen &#8211; ihnen gegen\u00fcber gibt es doch auch unter uns eine scheinfromme Entr\u00fcstung, die mehr an den Teufel als an den lieben Gott glaubt. Und wie verbreitet ist doch auch unter uns die erstaunliche Neigung, f\u00fcr andere aber ganz bestimmt das J\u00fcngste Gericht vorwegzunehmen. Also: Auch an uns beweist der Richtgeist immer wieder seine Macht.<\/p>\n<p>Aber es geht doch darum, ihn unsch\u00e4dlich zu machen! Um seine Wirkungslosigkeit aus theo-logischer Konsequenz. Darum ist die Anbindung unseres Textes an den ersten Vers dieses Kapitels so wichtig. Ja unerl\u00e4sslich: \u201eZur Freiheit hat uns Christus befreit!\u201c (5,1). Denn das allein ist die evangelische Wahrheit! Daran h\u00e4ngt alles &#8211; das ganze <em>zutreffende<\/em> Verst\u00e4ndnis unseres Textes. \u201eZur Freiheit hat uns Christus befreit\u201c &#8211; das ist der Indikativ, ohne den die Imperative unseres Textes als Gesetz missverstanden werden m\u00fcssen. Wer das nicht ber\u00fccksichtigt, der endet in klassischer Aporie theologischer Gesetzlichkeit. Der kann nur die Ermahnungen wiederholen, m\u00f6glicherweise erkl\u00e4ren und bestenfalls veranschaulichen. Aber: \u201eZur Freiheit hat uns Christus befreit\u201c &#8211; ohne diesen Indikativ w\u00fcrden wir das <em>Evangelium<\/em> vergeblich in all diesen Imperativen suchen. Ohne diese Heilstatsache w\u00e4re doch unser \u201eneues\u201c, unser Christus zugeh\u00f6riges Leben wieder nur ein Sollen ohne Sein; etwas, dem alle zustimmen und was doch keiner tut. Noch einmal: \u201eZur Freiheit hat uns Christus befreit\u201c, das ist sozusagen immer die Position, die wir im R\u00fccken haben (k\u00f6nnen). Unser neues Leben als Christen verdankt sich eben nicht einer neuen Moral, sondern dem neuen Sein in der \u201eFreiheit eines Christenmenschen\u201c; das aus reiner g\u00f6ttlicher Barmherzigkeit <em>in uns hinein<\/em> gekommen ist.<\/p>\n<p>Die Freiheit, will sagen: die M\u00f6glichkeit also, barmherzig miteinander umzugehen, ist dabei alternativlos. Das ist keine M\u00f6glichkeit neben anderen, sondern unsere einzige M\u00f6glichkeit. Sie steht auf dem Spiel und setzt uns auf\u2019s Spiel: Entweder wir sind S\u00f6hne und T\u00f6chter des barmherzigen Gottes, oder wir verlieren unser Sein und uns selbst. Das ist durchaus eine todernste Angelegenheit. Da hilft auch nicht, wie Luther in seiner Auslegung so sch\u00f6n klar zu machen versteht, \u201eviel Geplauder von Vergebung der S\u00fcnden\u201c (vgl. WA 50, 627). Paulus schweigt an dieser Stelle vielleicht nicht ohne Bedacht von der Rechtfertigung des S\u00fcnders. Sondern erinnert uns daf\u00fcr an den Gott (6, 5), vor dem wir Rechenschaft ablegen m\u00fcssen, der alles, auch den christlichen Selbstbetrug durchschaut. Und vor dem der allemal Schuldige der ist, der seine eigene Gerechtigkeit behaupten will.<\/p>\n<p>Ich will schon einmal zusammenfassen: \u201eZur Freiheit hat uns Christus befreit\u201c &#8211; das ist der Anfang und das Ende, der Brennpunkt aller Mahnungen dieses Textes. Und darum: In die herrschenden Ma\u00dfst\u00e4be den Ma\u00dfstab des barmherzigen Gottes ins Spiel bringen, das <em>kann<\/em> die Richtschnur unseres Lebens sein.<\/p>\n<p>Vielleicht fragen Sie aber: Wie soll das gelingen? Wir kennen uns doch. Nat\u00fcrlich. Wir sind immer und unausweichlich simul iustus et peccator, <em>zugleich<\/em> Gerechtfertigter und S\u00fcnder, wie es Doktor Martinus erkl\u00e4rt hat. Das hei\u00dft: Unsere Anf\u00e4lligkeit und Verwundbarkeit durch den Richtgeist bleibt immer und stets beobachtbar. Deshalb kommt alles darauf an, unser Ged\u00e4chtnis zu trainieren, die Erinnerung an unsere schon geschehene Befreiung. Wir brauchen nur zu denken an das, was Gott <em>an uns schon getan<\/em> hat. \u201eDer alte Adam (und die alte Eva) muss t\u00e4glich ers\u00e4uft werden und t\u00e4glich herauskommen ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit vor Gott ewiglich lebe\u201c, erkl\u00e4rt Martin Luther in seiner bildhaften Sprache (vgl. Cat. min. IV.4). Die Arroganz des Richtens und Verurteilens, die im anderen immer nur das Schlechte sieht, k\u00f6nnen sich doch nur diejenigen leisten, die vergessen haben, wie sehr sie selber auf Barmherzigkeit und Vergebung angewiesen sind. Wer sich aber daran erinnert, dass er aus dem ewigen Kreislauf des Verurteilens und Beurteilt-werdens schon herausgeholt worden ist, zur Solidarit\u00e4t der \u201eS\u00f6hne (und T\u00f6chter) des H\u00f6chsten\u201c schon befreit worden ist, dem sollte der Heilige Geist das Auge \u00f6ffnen und das Herz weit machen k\u00f6nnen. Was ich zum Schluss meiner Predigt so sagen will &#8211; indem ich auch noch einmal an meine Beispiele erinnere:<\/p>\n<p>1). <em>Selig, die nie sagen: jetzt ist Schluss. Sie werden offen sein f\u00fcr einen immer neuen<\/em><em>Anfang<\/em>. Denn wer im \u201eWahnsinn\u201c seines Moralismus den Richter spielen will, wird sich selbst ruinieren. Seine Urteile laufen ihm nach und seine Begr\u00fcndungen richten sich gegen ihn selbst und rei\u00dfen ihm die Maske des guten Menschen vom Gesicht. Aber wir werden nicht gerichtet (passivum theologicum!) &#8211; wie k\u00f6nnen wir da andere hineinlaufen lassen in die Sackgassen unserer Vorschriften; nicht vielmehr liebenswerte Menschlichkeit auch dem nicht liebenswerten N\u00e4chsten zuwenden?!<\/p>\n<p>2). <em>Selig, die aus allem ein K\u00f6rnchen Wahrheit heraush\u00f6ren. Sie werden lernen, zu fragen<\/em><em>und zu verstehen<\/em>. Wer (auch noch so berechtigte) Kritik immer nur so \u00e4u\u00dfert, dass sie den anderen verletzt und entw\u00fcrdigt, wird niemals Lernprozesse in Gang setzen und keine \u201eBesserung\u201c erleben. Aber wir werden nicht verdammt (passivum theologicum!) &#8211; wie k\u00f6nnen wir da andere verdammen; nicht vielmehr gro\u00dfz\u00fcgig und gro\u00dfm\u00fctig sein, nicht nachrechnen und abw\u00e4gen?!<\/p>\n<p>3). <em>Selig, die im Leben verlieren k\u00f6nnen. Sie werden das Leben gewinnen<\/em>. Wer von oben herab, scheinbar unangreifbar, Wehrlose und Verzweifelte, Abwesende und Andersdenkende mit vernichtender Kritik \u00fcberzieht, wird oft genug nicht mehr gewahr der eigenen Lebensl\u00fcge, hinter der er Unrecht und krumme Touren verbirgt. Aber wir verlieren IHN nicht aus den Augen, der uns vergeben hat &#8211; wie k\u00f6nnen wir da nicht bereit sein zu vergeben, im Wissen um die eigene Schw\u00e4che und Fehlbarkeit?!<\/p>\n<p>Dann jedenfalls geschieht, was uns verhei\u00dfen ist: Wir leben und handeln in Seinem Geist. Amen.<\/p>\n<div>\n<hr \/>\n<p><span class=\"Stil1\" style=\"font-size: 14px;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Dr. Dr. G\u00fcnter Goldbach<br \/>\nZum Sch\u00e4ferhof 21<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\">49088 Osnabr\u00fcck<\/span>\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 14px;\"><strong><span style=\"font-family: Arial;\">Tel.: 0541-8009855<br \/>\nFax: 0541-8009855<br \/>\n<a title=\"mailto:Guenter.Goldbach@uni-osnabrueck.de\" href=\"mailto:Guenter.Goldbach@uni-osnabrueck.de\">Guenter.Goldbach@uni-osnabrueck.de<\/a><\/span><\/strong><\/span><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>15. Sonntag nach Trinitatis, 24. September 2006 Predigt zu Galater 5, 25-26; 6, 1-3.7-10, verfa\u00dft von G\u00fcnter Goldbach Liebe Christinnen und liebe Christen! Schrecklich! Mahnungen, lauter Mahnungen sind es, die uns heute erreichen: Wandelt im Geist! (5,25). Seid nicht so ehrgeizig, nicht so neidisch! (5,26). 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