{"id":11349,"date":"2021-02-07T19:48:56","date_gmt":"2021-02-07T19:48:56","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11349"},"modified":"2023-02-09T11:13:19","modified_gmt":"2023-02-09T10:13:19","slug":"lukas-10-38-42-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-10-38-42-7\/","title":{"rendered":"Lukas 10, 38-42"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">15. Sonntag nach Trinitatis, 24. September 2006<br \/>\nPredigt zu Lukas 10, 38-42, verfa\u00dft von Elof Westergaard (D\u00e4nemark)<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>1.<br \/>\nJesu Antwort an Marta, dass nur eines n\u00f6tig ist, ist eine Antwort auf ihre Kritik an der Schwester Maria.<br \/>\nJesus ist zu Besuch bei diesen zwei Schwestern. Marta ist emsig damit besch\u00e4ftigt, f\u00fcr Jesus zu sorgen, w\u00e4hrend Maria zu seinen F\u00fc\u00dfen sitzt und ihm zuh\u00f6rt. Marta ist allerdings nicht zufrieden. Sie hat einen scheelen Blick. Sie ist gereizt und zornig. Sie will, dass die Schwester ihr hilft, und am Ende hebt sie die Stimme und sagt zu Jesus: \u201eHerr, ist es dir egal, dass meine Schwester mir allein alle Sorge f\u00fcr dich \u00fcberl\u00e4sst?\u201c<\/p>\n<p>2.<br \/>\nHat Marta erwartet, darin best\u00e4tigt zu werden, dass ihre Gereiztheit berechtigt war, dann muss sie allerdings entt\u00e4uscht sein. Jesus lehnt ihre Forderung ab, dass er Maria zurechtweisen soll. Er antwortet Marta vielmehr mit den Worten: \u201eDu hast viel Sorge und M\u00fche. Aber eines ist Not.\u201c<\/p>\n<p>3.<br \/>\nDas Eine, das Not ist, was ist das nun? Ja, Jesus f\u00fcgt hinzu, dass Maria das gute Teil gew\u00e4hlt hat, und das soll nicht von ihr genommen werden. Das bedeutet zun\u00e4chst einmal, dass Maria das eine, das Not ist, tut, wenn sie sich niedersetzt und Jesus zuh\u00f6rt.<br \/>\nDas Urteil ist f\u00fcr eine unmittelbare Betrachtung gegens\u00e4tzlich ausgefallen. Es ist jetzt \u00fcber Marta gef\u00e4llt. Das Urteil hat seinen Urheber gewechselt: Marta verurteilt Maria, und wir verurteilen jetzt Marta.<\/p>\n<p>4.<br \/>\nDie beiden Frauen stehen mit ihren Handlungsweisen als Gegens\u00e4tze da, und wir k\u00f6nnen uns selbst in ihnen widerspiegeln. Unsere Auffassung, was wichtig ist, k\u00f6nnen wir auch von ihrem unterschiedlichen Verhalten her diskutieren.<br \/>\nDie aktive Hausfrau gegen\u00fcber der eher passiven, aber teilnehmenden Hausherrin, Diener gegen\u00fcber Nutznie\u00dfer.<br \/>\nDiese Gegens\u00e4tze lassen sich auf mannigfache Weise beschreiben \u2013 je nachdem, wem die Sympathie zuneigt und f\u00fcr wen das Verst\u00e4ndnis am gr\u00f6\u00dften ist: f\u00fcr Marta oder f\u00fcr Maria.<\/p>\n<p>5.<br \/>\nSich auf den Gegensatz zwischen den beiden Schwestern zu konzentrieren, zu betonen und hervorzuheben, welche Handlungen die besten sind, kann also Diskussion bewirken, aber derlei Diskussionen sind doch nur von zweitrangiger Bedeutung. Wenn wir nur eine Tugend aus diesem gegens\u00e4tzlichen Verh\u00e4ltnis der beiden Frauen machen, machen wir es uns zu leicht.<\/p>\n<p>6.<br \/>\nJesus sagt zwar: \u201eMaria hat das gute Teil gew\u00e4hlt,\u201c aber damit sagt er ja nicht, dass Marta das schlechte Teil genommen hat, wenn sie auf ihre Weise handelt, als Jesus das Haus betritt.<br \/>\nEs w\u00e4re ein Fehlschluss, wenn man sich ein solches Urteil bildete. Jesus verh\u00e4lt sich nicht zu Martas Aktivit\u00e4t im Hause, sondern vielmehr zu ihrer Kritik an der Schwester und zu ihrem Urteil \u00fcber sie.<\/p>\n<p>7.<br \/>\nMartas Gereiztheit und Zorn wegen der Schwester sind unbegr\u00fcndet. Sie macht sich ohne Grund Sorgen und ist ohne Grund aufgebracht, antwortet Jesus. Marta hat kein Recht, ihren eigenen Einsatz mit dem, was die Schwester tut, zu vergleichen und dann die Schwester dementsprechend zu verurteilen.<br \/>\nEine andere Person, eine Figur in einem der Gleichnisse Jesu, f\u00e4llt uns an dieser Stelle ein, sie veranschaulicht, worin Marta mit ihrer Kritik an ihrer Schwester fehlgeht.<br \/>\nEs ist der Pharis\u00e4er, der im Tempel mit Worten \u00fcber all das Gute, das er selbst getan hat, zu Gott betet und der dann hinzuf\u00fcgt, dass er gl\u00fccklicherweise nicht ist, wie alle die anderen, wie z.B. der Z\u00f6llner, der auch im Tempel steht.<br \/>\nHinter der Gereiztheit Martas verbirgt sich dasselbe rechthaberische Vertrauen auf sich selbst und seine eigenen Taten, wie wir es bei dem Pharis\u00e4er des Gleichnisses finden.<br \/>\nSie sorgt sich um etwas, worum sie sich im Grunde nicht zu sorgen hat. Sie ist \u00fcber etwas aufgebracht, wor\u00fcber sie recht besehen nicht aufgebracht sein d\u00fcrfte. Ihr fehlt die Demut, die macht, dass sie die vielf\u00e4ltige Art und Weise sehen kann und Sinn f\u00fcr sie hat, wie wir Menschen einander zur Freude und zu Nutzen sein k\u00f6nnen.<br \/>\nEs kann etwa sein, dass man einen Tisch sch\u00f6n deckt, dass man Blumen in eine Vase stellt und eine Speise zubereitet. Es kann ein Gespr\u00e4ch oder auch nur das Zuh\u00f6ren sein. Die N\u00e4he kann viele Kleider und Ausdrucksformen haben.<\/p>\n<p>8.<br \/>\nWir wollen also von diesem Bericht aus weder die eine oder die andere Schwester verurteilen. Wir sollen nicht wie Marta denken: es kann einen auch aufregen, dass sie dasitzt und nichts tut. Oder umgekehrt, wir wollen uns nicht \u00fcber Marta beschweren, weil sie f\u00fcr das Wohlergehen Jesu sorgt, indem sie im Haus heruml\u00e4uft und f\u00fcr Essen und Trinken sorgt.<br \/>\nUrteile nicht, sondern gew\u00e4hre beiden Platz, Platz f\u00fcr Mannigfaltigkeit, Platz f\u00fcr einen jeden, der getauft ist, mit dem St\u00e4rken und Schw\u00e4chen, die ein jeder hat.<br \/>\nDas ist leichter gesagt als getan, denn wir tun es doch immerzu, dass wir uns gegenseitig verurteilen und bewerten. Aber der Blick, den Jesus auf die Welt richtet, der Blick Gottes, sieht alle unsere Urteile unter einer anderen Perspektive, n\u00e4mlich unter dem Urteil und der Gnade Gottes.<\/p>\n<p>9.<br \/>\nAber man kann nun einwenden: Gewiss sagt Jesus nicht, dass Marta falsch handelt, aber er sagt doch, dass nur eines Not ist. Was bedeutet nun dieses eine Notwendige? Was ist es?<\/p>\n<p>10.<br \/>\nIn dem Lied von Adolph Brorson singen wir: \u201eEines ist Not; das Eine, Gott, lehre mich recht zu kennen! Die Welt kann mir nichts geben, auch wenn sie fein und leicht erscheint, sie ist nur eine Last, die nagt und plagt&#8230;\u201c<br \/>\nDas Eine Notwendige ist hier der Gegensatz zur Welt, der Gegensatz zu dem, was hier auf Erden ist.<br \/>\nBrorson f\u00e4hrt fort: \u201eWillst du dies Eine fassen, suche es nicht auf dieser Welt, lass das Irdische hinter dir, suche es dort oben&#8230;\u201c Das Eine Notwendige ist also \u201edort oben\u201c und nicht \u201evon der Welt\u201c. Was ist das f\u00fcr ein Geschw\u00e4tz? Sind es Weltentsagung, Himmelfahrt und Pilgerreise, die das Notwendige w\u00e4ren? Geht es nur darum, das Leben hier fahren zu lassen? Das Gl\u00fcck jenseits zu finden?<br \/>\nNein! Brorson f\u00e4hrt fort: \u201eSuche es droben, suche es, wo Gott-heit und Mensch-heit sich vereint finden, und wo alle F\u00fclle der Vollkommenheit herrscht, dort, dort ist das Eine Notwendige in Wahrheit, dort, dort ist mein Einziger, mein Alles in Einem.\u201c<br \/>\nBei Brorson steht das Verlangen nach dem Himmel \u2013 es ist auch Teil unserer Hoffnung \u2013 in einem Spannungsverh\u00e4ltnis zu dem, was bereits hier gegeben ist, n\u00e4mlich dem Einen Notwendigen, der derjenige ist, in dem Gott-heit und Mensch-heit sich vereint haben. Einfacher gesagt: Es ist Jesus. Er ist das Eine Notwendige.<\/p>\n<p>11.<br \/>\nEr ist das Eine Notwendige, weil er uns Anteil gibt am Blick Gottes auf die Welt. D.h. er stellt unsere Urteile unter eine andere Perspektive. Sie stehen nicht blo\u00df allein, gepr\u00e4gt von allen unseren eigenen Sorgen, von unserem Neid, unserer Eifersucht, von unserem Zorn, unserer Dummheit, Bestialit\u00e4t und unserem Unverstand. Wir sind in ihm unter Gottes Urteil und Gnade gestellt.<\/p>\n<p>12.<br \/>\nWir brauchen uns also nicht mehr Sorgen zu machen. Er gibt uns Raum und Hoffnung, dass wir wie Marta und Maria Anteil erhalten an der Gegenwart und Gnade Gottes. Wie Jesus damals in ihr Dorf und in ihr Haus kam, so kommt er fortgesetzt mit seinem Wort. In Jesu Namen. Amen!<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastor Elof Westergaard<br \/>\nMarieh\u00f8j 17<br \/>\nDK-8600 Silkeborg<br \/>\nTel.: +45 \u2013 86 80 08 15<br \/>\nE-mail: <a href=\"mailto:eve@km.dk\">eve@km.dk<\/a><\/p>\n<p>\u00dcbersetzung aus dem D\u00e4nischen: Dietrich Harbsmeier<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>15. Sonntag nach Trinitatis, 24. September 2006 Predigt zu Lukas 10, 38-42, verfa\u00dft von Elof Westergaard (D\u00e4nemark) 1. Jesu Antwort an Marta, dass nur eines n\u00f6tig ist, ist eine Antwort auf ihre Kritik an der Schwester Maria. Jesus ist zu Besuch bei diesen zwei Schwestern. 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