{"id":11356,"date":"2021-02-07T19:48:56","date_gmt":"2021-02-07T19:48:56","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11356"},"modified":"2023-03-03T21:55:15","modified_gmt":"2023-03-03T20:55:15","slug":"1-timotheus-4-4-5-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-timotheus-4-4-5-4\/","title":{"rendered":"1. Timotheus 4, 4-5"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Erntedankfest, 1. Oktober 2006<br \/>\nPredigt zu 1. Timotheus 4, 4-5, verfa\u00dft von Wolfgang Ebel<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>(Hinweis: die Predigt ist f\u00fcr einen Gottesdienst in der Klinik geschrieben worden)<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde !<\/p>\n<p>Heute wird in den Gemeinden unserer Region Erntedank gefeiert. Die Arbeit von Menschen bringt etwas ein. Sie zeitigt Ergebnisse, f\u00fcr die zu danken ist. Dazu geh\u00f6ren die Fr\u00fcchte und Ertr\u00e4ge, die wenige Erwerbslandwirte einbringen genauso wie die K\u00fcrbisse, \u00c4pfel und Kartoffeln im Kleingarten. Mit ihnen werden meistens noch die Alt\u00e4re geschm\u00fcckt. Es entspricht durchaus der Wirklichkeit unserer Lebenszusammenh\u00e4nge, auch verarbeitete Produkte wie Konserven, technische Ger\u00e4te, B\u00fccher und DVDs als Produkte menschlicher Ideen und wissenschaftlicher Forschung und Kunst hinzuzuf\u00fcgen. Und in einem gro\u00dfen Klinikum, in dem Patienten behandelt und versorgt, medizinische Forschung betrieben und Nachwuchs f\u00fcr das Gesundheitswesen ausgebildet werden, kann man sich durchaus noch andere Dinge vorstellen, die auf oder vor den Tisch Gottes geh\u00f6ren. Alles, was menschliche Arbeit, menschliches Denken, menschliche Tatkraft und menschlicher Erfindungsgeist hervorbringen, ist Teil des geschaffenen Ganzen. Gott hat die Welt nicht einmal ins Leben gerufen \u2013 wie auch immer \u2013 und sich dann zur\u00fcck gezogen. Die Sch\u00f6pfung ist \u201egeordnetes Hervorbringen, Scheiden und Herrschen, an dem die Gesch\u00f6pfe in abgestufter Weise Anteil bekommen\u201c (1) \u2013 bis hin zu dem Auftrag an den Menschen, in Ehrfurcht vor dem Leben \u00fcber die Vegetation und die Tierwelt zu herrschen. \u201eAm Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde\u201c, hei\u00dft es zu Beginn \u2013 und nach einem jeden Sch\u00f6pfungswerk hei\u00dft es: \u201eUnd Gott sah an alles, was er gemacht hatte. Und siehe, es war sehr gut.\u201c Gott hat den Ruhetag, an dem er selbst von seiner Sch\u00f6pfungsarbeit ruhte, begr\u00fcndet \u2013 f\u00fcr alles, was lebt. Der Ruhetag geh\u00f6rt zum Schaffen. Der Sonntag begr\u00fcndet und kr\u00e4ftigt den Alltag. Im Gottesdienst tanken wir den Geist auf, der unser Leben durchwirken will. Damit Menschen weiter arbeiten und gestalten k\u00f6nnen an dem, was Sch\u00f6pfung auch bedeutet: Gegenw\u00e4rtiges und Zuk\u00fcnftiges. Die Sch\u00f6pfung Gottes geht weiter und wir Menschen haben die W\u00fcrde und die Pflicht vor Gott, daran mit zu wirken \u2013 in Freiheit und Verantwortung.<\/p>\n<p>Dank f\u00fcr alles, was menschliches Wirken und menschliche Arbeit einbringt. Die Ernte eines Jahres, eines Lebens, eines Projekts, einer Forschungsreihe, eines Entwicklungsprozesses \u2013 sie soll angeschaut und in Beziehung gebracht werden zu dem, von dem alles Gute ist. Das geschieht im Dank. Danken ist Erinnern. Wir nehmen R\u00fcckbezug auf die Macht allen Lebens, auf den, der alles in Gang gesetzt hat, der es gegeben hat und noch erh\u00e4lt, wie Martin Luther es in seinem Kleinen Katechismus sagt. Eucharistie \u2013 das griechisch-biblische Wort f\u00fcr Danksagung \u2013 meint leiblichen Dank. Der geht durch unseren K\u00f6rper, ber\u00fchrt unser Innerstes und bringt Lob hervor: Lieder und Gesang, Musik und Tanz, Teilen und Gemeinschaft mit anderen als Resonanz darauf, dass wir geschaffen wurden und dass wir gerettet wurden.<\/p>\n<p>Heute danken wir f\u00fcr alles, was durch menschliche Arbeit der Lebenserhaltung dient. Wir danken f\u00fcr den Segen, den Gott austeilt. Segen, der sich auswirkt durch Menschen, die etwas k\u00f6nnen und tun. Segen, der gegenw\u00e4rtig ist in Sonne und Regen, in meinem ganz passiven Genie\u00dfen dessen, dass mir jemand gut ist und mir Gutes tut. Es gibt also auch etwas, wof\u00fcr wir nicht danken k\u00f6nnen. Alles, was das Leben gef\u00e4hrdet und zerst\u00f6rt, kann keinen Dank ernten. Deshalb ist Dank an den Sch\u00f6pfer und Erhalter allen Lebens immer auch mit dem Denken verbunden, mit dem Andenken an die Opfer, die unser Lebenserhalt auf notwendige Weise und auf sinnlose Weise erfordert. Notwendig weil Not wendend sind Opfer, die gebracht werden m\u00fcssen. Der Tod von Versuchstieren in der medizinisch \u2013 pharmazeutischen Forschung ist m\u00f6glichst auszuschlie\u00dfen, aber nicht in jedem Fall vermeidbar. Eingriffe in die Natur verletzen diese und wir tun gut daran, das nicht als selbstverst\u00e4ndliches Recht anzusehen. Geschaffenes Leben anzutasten ist immer ein Versto\u00df gegen heiliges Lebensrecht. Zugleich ist es unvermeidlich, wenn wir leben wollen. Erntedank ist immer auch ein Gedenken dieser Schuld und unserer Bed\u00fcrftigkeit nach Vergebung. Sinnlos und gottlos sind Opfer, die aus Profitgier und R\u00fccksichtslosigkeit in Kauf genommen werden. Geschundene Tiere, verw\u00fcstete Landschaften, verseuchte Luft, ausgebeutete und an den Rand gedr\u00e4ngte Menschen bei uns und weit entfernt sind an einem Tag des andenkenden Dankes zu beklagen. Schuldige sind zu benennen und ihnen muss gesagt werden, dass sie ihrer Verantwortung und dem Gericht Gottes nicht entgehen werden.<\/p>\n<p>Alles Geschaffene ist gut. Hat Gott Krankheit und Tod geschaffen? Wir m\u00fcssen so fragen in einer Klinik. Wir danken f\u00fcr alle Hilfe, die uns in Krankheit widerf\u00e4hrt. Wir k\u00f6nnen nicht danken f\u00fcr medizinische Lebenserhaltung, die sich \u00fcber die gottebenbildliche W\u00fcrde, die ein jeder Mensch hat, hinweg setzt \u2013 sei es um der Forschung willen, sei es, weil man die Grenzen \u00e4rztlicher Kunst nicht zu ertragen bereit ist. Jesus hat den Seinen und der auferstandene Christus hat der ganzen Gemeinde schlicht aufgetragen: Heilt die Kranken ! Und wenn er heilte, dann durch die Kraft dessen, dem er unbedingt vertraute. Kranke heilen &#8211; auf Grund naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und mit medizintechnischen Methoden aber auch mit Heilkraft aus Glauben an den lebendigen Gott geh\u00f6rt zum Wirkungsfeld christlicher Gemeinden und Werke \u2013 schon von den ersten Christenmenschen her. Krankheit und Tod sind in der Welt und der Apostel Paulus wei\u00df von dem Seufzen der ganzen Sch\u00f6pfung, die sich nach Erl\u00f6sung sehnt.<\/p>\n<p>\u201eSei gepriesen, o Herr, f\u00fcr Tod und Leben\u201c &#8211; so konnte der Heilige Franziskus singen in seinem Sonnengesang. Kein Mensch kann dem leiblichen Tod lebendig entrinnen, hei\u00dft es darin. Wie alles Leben so geh\u00f6rt auch der Tod in Gottes All \u2013 Macht. Das Dasein ist gr\u00f6\u00dfer als wir. Der heilige Gott ist Herr \u00fcber Leben und Tod. Das Dasein ist in den Quellen der Lebensfreude gr\u00f6\u00dfer als wir. Es ist auch als Todesmacht und Vergeltungsmacht gr\u00f6\u00dfer als wir.<\/p>\n<p>Alles, wof\u00fcr wir heute Dank bringen soll in Kontakt, in Ber\u00fchrung kommen mit der Macht des Wortes Gottes und der Kraft des Betens. So wird alles Geschaffene geheiligt. Alles, was menschliche Arbeit, menschliches Wissen und menschliche Erfindungskraft hervor bringen, soll geheiligt werden durch das Wort Gottes und Gebet. Wenn Gottes Wortmacht und sein Machtwort in der Mitte der Gemeinde lebendig ist und geh\u00f6rt wird, kann man ermessen lernen, was von dem Schaffen der Menschen Gottes Sch\u00f6pferwillen entspricht. Alles soll ins Gebet vor Gott gebracht werden. Nur dann, nach diesem Durchgang, ist es koscher und zugelassen. Dann muss man nicht darauf verzichten. Dann kann man es mit Freude genie\u00dfen. Es muss seine Eigenmacht verlieren. Es muss von Gottes Macht und Kraft durchdrungen sein.<\/p>\n<p>Das Brot auf dem Altar haben menschliche H\u00e4nde zubereitet. Es ist Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. In diesem Brot und in dem gekelterten Traubensaft gibt uns Gott Leib und Blut seines Sohnes. Wir erfahren den Segen der Erde. Wir geraten in Ber\u00fchrung mit dem Heil der Geschichte Gottes mit uns Menschen. Wir sind gesegnet in der Sch\u00f6pfung, die noch in den Schmerzen der Geburtswehen liegt die noch nicht zu Ende ist. Wir sind gerettet, auch wenn wir sterben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>\u201eDer Gott der V\u00f6gel unter dem Himmel und der Lilien auf dem Felde ist ein Gott der Gnade. Sie verk\u00fcndigen es in ihrer Sprache, die V\u00f6gel unter dem Himmel und die Lilien auf dem Felde. Mehr aber als an ihnen, eindeutiger und endg\u00fcltiger noch macht er an seinem eigenen Sohn sichtbar: Dass er das Leben der Menschen will und nicht den Tod, dass selbst alles Sterben der Sch\u00f6pfung ein Sterben ist in ihn hinein.\u201c (2)<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>(1): J. Polkinghorne \/ M. Welker, An den lebendigen Gott glauben. Ein Gespr\u00e4ch, ) G\u00fctersloh 2005)<\/p>\n<p>(2): R. Riess, Der Gott der Lilien. Studien zu biblischen Texten und Themen, G\u00f6ttingen 1981, 18<\/p>\n<hr \/>\n<p>Als Evangeliumslesung: Mt. 6, 25 \u2013 34<br \/>\nLieder: EG Niedersachsen und Bremen<br \/>\n443, 1-2+4-5<br \/>\n502, 1-4<br \/>\n503, 12 \u2013 15<br \/>\n217, 1-2<\/p>\n<p>Auf dem Altar stehen diesmal statt der Oblaten ein Brot und Traubensaft.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Wolfgang Ebel<br \/>\n<\/strong> <a href=\"mailto:Pastor.Ebel@med.uni-goettingen.de\"><strong>Pastor.Ebel@med.uni-goettingen.de <\/strong><\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erntedankfest, 1. Oktober 2006 Predigt zu 1. Timotheus 4, 4-5, verfa\u00dft von Wolfgang Ebel (Hinweis: die Predigt ist f\u00fcr einen Gottesdienst in der Klinik geschrieben worden) Liebe Gemeinde ! Heute wird in den Gemeinden unserer Region Erntedank gefeiert. Die Arbeit von Menschen bringt etwas ein. 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