{"id":11362,"date":"2021-02-07T19:48:56","date_gmt":"2021-02-07T19:48:56","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11362"},"modified":"2023-02-09T11:29:07","modified_gmt":"2023-02-09T10:29:07","slug":"1-timotheus-4-1-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-timotheus-4-1-5\/","title":{"rendered":"1. Timotheus 4, 1-5"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Erntedankfest, 1. Oktober 2006<br \/>\nPredigt zu 1. Timotheus 4, 1-5, verfa\u00dft von J\u00fcrgen Weber<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p><em>Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet. (1.Tim 1,1-5)<\/p>\n<p><\/em>Liebe Gemeinde,<br \/>\nDankbarkeit ist die Erinnerung des Herzens. Auf einem Plakat in einem Schaukasten habe ich diesen Satz einmal gelesen, und er hat mich nachdenklich gemacht.<br \/>\nDankbarkeit ist die Erinnerung des Herzens.<\/p>\n<p>Alles Wesentliche in meinem Leben habe ich empfangen, so war auf verschiedenen Zetteln in diesem Schaukasten zu lesen: Vor mir gibt es Menschen, die ich nicht gemacht habe, die mir aber sehr wohl ihre Sch\u00e4tze und Ruinen hinterlassen haben, die dazu beigetragen haben, dass ich zu dem geworden bin, der ich heute bin. Der Kirchenraum, in dem ich mich heute morgen aufhalte, ich habe ihn nicht gebaut. Das Brot, das ich heute morgen gegessen habe, ich habe es nicht selbst gebacken; habe den Weizen nicht ges\u00e4t und nicht geerntet. Die Tee- oder Kaffeepflanze nicht gepflegt, ihre Bl\u00e4tter nicht geerntet.<br \/>\nAlle F\u00fcrsorge und Liebe, von der ich lebe, habe ich nicht gemacht. Die Tatsache, dass ich \u00fcberhaupt lebensf\u00e4hig bin, verdanke ich nicht mir selber.<br \/>\nIch bin in eine Welt hinein geboren, die ich nicht selber geschaffen habe, und in einen Zusammenhang hineingestellt, den ich nicht nur mit meiner eigenen Kraft hergestellt habe, aber ich lebe in diesem Zusammenhang und zugleich von ihm. Sich in diesen Lebensstrom hineingenommen zu f\u00fchlen, kann mit dem Gef\u00fchl der Dankbarkeit einhergehen.<\/p>\n<p>Danken kommt von Denken, so sagt das Herkunftsw\u00f6rterbuch. Danken, das ist in Ge-danken halten, gerade auch mit dem Herzen. Dankbarkeit ist die Erinnerung des Herzens.<br \/>\nNun gibt es viele Menschen, Gesch\u00f6pfe, Dinge, so m\u00f6chte ich vermuten, denen im Laufe unseres Lebens unser Dank gilt. An einem Tag wie heute, am Erntedankfest, da kommt mir zun\u00e4chst einmal der Dank f\u00fcr die Ernte in den Sinn, die in diesem Jahr etwas weniger \u00fcppig in unserem Land ausfiel als sonst, aber immer noch reichlich genug.<br \/>\nAber ich denke auch an all die Menschen und Ereignisse, f\u00fcr die ich im R\u00fcckblick auf mein Leben dankbar bin. Und selbst diese Menschen und Dinge wiederum, denen wir uns verdanken, leben nicht aus sich selber. Auch sie sind ins Dasein gerufen von Gott, der uns geschaffen hat und will, dass wir leben.<\/p>\n<p>K\u00e4the Kollwitz, die gro\u00dfe Malerin zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Berlin, schreibt Weihnachten 1915 nach dem Tod ihres Sohnes in ihr Tagebuch eine alte j\u00fcdische Weisheit: \u201eDer Mensch kommt zur Welt mit geballten F\u00e4usten als spr\u00e4che er: Die ganze Welt ist mein. Der Mensch entfernt sich aber aus ihr mit offenen H\u00e4nden, als wollte er sagen: Sehet, nichts nehme ich mit.\u201c<br \/>\nUnd es stimmt ja tats\u00e4chlich. S\u00e4uglinge kommen oft mit ihrer kleinen, quasi geballten Faust auf die Welt. Und Sterbenden l\u00f6st sich die verkrampfte oder feste Hand und \u00f6ffnet sich.<br \/>\nZwischen der geballten Faust und der gel\u00f6sten, ge\u00f6ffneten Hand liegt eine ganze Weltgeschichte. Es ist ein Weg auf dem wir immer wieder lernen, so meine ich, dass wir nichts festhalten k\u00f6nnen, sondern Empfangende sind.<\/p>\n<p>Was mich pers\u00f6nlich betrifft, so wei\u00df ich nicht, wann ich ein bewu\u00dft dankender Mensch wurde. Aber ich merke, wie ich im Laufe der Jahre vieles sehr viel mehr zu sch\u00e4tzen lerne, genie\u00dfe und dankbar daf\u00fcr bin. Die Eindr\u00fccke einer zur\u00fcckliegenden Reise, die Sch\u00f6nheit einer Landschaft, ein gutes Essen, das unverwechselbare Gesicht eines Menschen, die W\u00e4rme der Haut, eine Musik, die Strahlen der Sonne an einem Herbsttag wie heute, ein Kirchenraum wie dieser\u2026\u2026<br \/>\nDas Danken kann zu einer Lebenshaltung werden und zu einer grundlegenden Wesens\u00e4u\u00dferung unseres Glaubens. Alles was ich habe, habe ich von einem anderen, so wie es Paulus zum Ausdruck bringt, wenn er sagt:<\/p>\n<p><em>Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet.(1.Tim 4,4f)<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Dankbarkeit, die Erinnerung des Herzens, das in Ge-danken halten dessen, was einem an Gutem widerfahren ist. Diese Dankbarkeit l\u00e4sst einen nicht bei sich verharren. Der dankbare Mensch will weitergeben.<br \/>\nWer hinter den Gaben den Sch\u00f6pfer erblickt und dankbar hinter seinem eigenen Leben den Sch\u00f6pfer alles Sein, der sp\u00fcrt: Das Leben geht auch durch mich hindurch zu anderen. Ich bin ein Teil allen Lebens und trage selber zu einer wahrhaftigen Lebendigkeit bei.<br \/>\nWenn man uns fragt, so hat der Theologe Eugen Drewermann einmal gesagt, was es bisher war mit unserem Dasein, was wir getan haben und wof\u00fcr wir gewesen sind, werden wir gewisslich aufz\u00e4hlen m\u00fcssen, wo wir versagt haben aus Schw\u00e4che, Feigheit, Unwissenheit, Bequemlichkeit und wohinter wir h\u00e4ufig auch zur\u00fcckgeblieben sind.<br \/>\nKein Zweifel. Und oft genug macht uns dies beim Blick auf unser bisheriges Leben auch zu schaffen. Wir werden aber sicherlich auch antworten k\u00f6nnen, wo es uns gelingt, etwas von dem weiterzugeben, was wir ohne unser Zutun dankbar erfahren haben. Wo es uns gelingt, andere zu ermutigen; wo es uns gelingt ein St\u00fcck unserer Lebensfreude und unserer Dankbarkeit weiterzugeben.<br \/>\nWo denn w\u00e4ren wir, wenn wir nicht immer wieder auf Menschen gesto\u00dfen w\u00e4ren, die f\u00fcr uns zu einem Abglanz Gottes wurden. Wo denn w\u00e4ren wir, wenn wir nicht hin und wieder, wie wir dann sagen, Gl\u00fcck gehabt h\u00e4tten, wo der Pr\u00fcfer gn\u00e4diger war, als wir es eigentlich verdient h\u00e4tten; wo jemand Ja zu uns sagte, obwohl wir noch nicht einmal JA zu uns selber sagen konnten; wenn wir nicht Liebe erfahren h\u00e4tten, ohne dass es hierf\u00fcr irgendeinen bestimmten Grund gab, einfach so.<br \/>\nDaran, dass wir immer wieder auf Menschen gesto\u00dfen sind, die f\u00fcr uns zu einem Abglanz Gottes wurden, m\u00f6chte ich uns an diesem Erntedankfest erinnern und uns ermutigen etwas von dem uns Widerfahrenen weiterzugeben und so selber zu einem Abglanz dessen zu werden, der uns erst ins Leben gerufen hat.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfr. Dr. J\u00fcrgen Weber<br \/>\nJohanneskirche I<br \/>\nGutenbergstr. 16<br \/>\n70176 Stuttgart<br \/>\nTel 0711\/628019<br \/>\n<a href=\"mailto:dr-jweber@web.de\">dr-jweber@web.de<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Gebet<\/strong> (von Theophil Askani aus: Denn Du h\u00e4ltst mich bei meiner rechten Hand, S. 48):<\/p>\n<p>Alles Leben kommt aus Deiner Hand, Herr,<br \/>\ndie raschen Tage und die stillen,<br \/>\ndas Lachen und das Weinen,<br \/>\nunsere Zweifel und unsere Zuversicht,<br \/>\nes ist alles vor deinen Augen,<br \/>\nund es lebt von dem Atem deiner G\u00fcte.<\/p>\n<p>Herr, es ist alle Zeit<br \/>\nwie ein anvertrautes Land.<br \/>\nWieviel vers\u00e4umen wir daran,<br \/>\nund wieviel kann werden und wachsen<br \/>\nauf einem Land,<br \/>\n\u00fcber das die Sonne deines Erbarmens geht.<\/p>\n<p>L\u00f6se uns aus dem Schatten der Schuld,<br \/>\nbewahre uns vor dem Leichtsinn der Gedankenlosen<br \/>\nund vor dem Unsinn vieler Sorgen.<br \/>\nSchenke uns die Zuversicht<br \/>\nund das fr\u00f6hliche, getroste Herz derer,<br \/>\ndie dir vertrauen.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erntedankfest, 1. 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