{"id":11375,"date":"2021-02-07T19:49:00","date_gmt":"2021-02-07T19:49:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11375"},"modified":"2023-02-07T09:43:20","modified_gmt":"2023-02-07T08:43:20","slug":"jesaja-49-1-6-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-49-1-6-6\/","title":{"rendered":"Jesaja 49, 1-6"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">17. Sonntag nach Trinitatis, 8. Oktober 2006<br \/>\nPredigt zu Jesaja 49, 1-6, verfa\u00dft von Anne T\u00f6pfer <\/span><\/b><\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Das Ergebnis z\u00e4hlt!<br \/>\nDas ist in unserem Leben h\u00e4ufig so. In der Wirtschaft ist der Gewinn entscheidend. Das will der Unternehmer und die Aktieninhaber haben genau deshalb investiert.<br \/>\nErgebnis- und Gewinnorientierung z\u00e4hlen jedoch nicht nur dort \u2026 Kundengewinnung, W\u00e4hlerstimmen, Vereinsmitglieder, Konzert- und Theaterbesucher und Kircheneintritte.<br \/>\nWie viele k\u00f6nnen wir gewinnen? Erreichen wir unsere Ziele? Haben wir Erfolg?<br \/>\nDas sind Fragen, die die Konzepte bestimmen und nach denen Werbung gestaltet wird.<br \/>\nWir wollen ja schlie\u00dflich Erfolg haben. Unsere Anstrengungen sollen Fr\u00fcchte tragen und zwar nicht nur im eigenen Garten \u2026<br \/>\nZielorientiert wird geplant, organisiert und durchgef\u00fchrt.<br \/>\nSei es im Beruf, auch hier in Kenia, wo nicht so schnell Ergebnisse zu sehen sind \u2026 sei es in der Entwicklungszusammenarbeit, in der Ausbildung und in der Verbesserung der medizinischen Versorgung, der Aufkl\u00e4rung und der Reduzierung von HIV\/Aids, der Bek\u00e4mpfung von Malaria, der Verbesserung der Wohnsituationen der vielen Slumbewohner, der Katastrophenhilfe und wohl auch in vielen anderen Bereichen, in denen sie t\u00e4tig sind.<\/p>\n<p>Auch bei Kirchen hier und in Europa hat die Ergebnisorientierung zugenommen. Schwindende Mitgliederzahlen in Europa, Kirchenm\u00fcdigkeit und \u00dcberalterung und fehlendes Geld haben in Europa dazu beigetragen, dass neue Konzepte entwickelt werden. Gemeindeaufbau, zielgruppenorientierte oder integrative Arbeit, Kontaktpflege, Management Kurse f\u00fcr Kirchenleitende und Pastoren. Ziel oder Ergebnis hier: Mitgliedergewinnung und Belebung der kirchlichen Arbeit.<br \/>\nIm kenianischen Umfeld gewinne ich den Eindruck, dass es diese Probleme hier nicht in demselben Ma\u00dfe gibt. Viele Gottesdienste sind voll. Die Menschen f\u00fchlen sich angezogen. Sie suchen etwas und zwar in den Kirchen, so verschieden sie auch sind. Und das mit dem fehlenden Geld in Kirchen gilt hier lange nicht bei allen Gemeinden. Manche wachsen, bl\u00fchen und gedeihen. Menschen werden angezogen, weil sie sich vom Glauben auch gef\u00fcllte Taschen erwarten, gewisserma\u00dfen als Belohnung f\u00fcr ihren richtigen Glauben. Die Ergebnisorientierung ist bei so manchen fest verankert. Und es gibt sie ja, die Vorzeigebeispiele, bei denen es geklappt hat \u2026 und so werden weitere angezogen.<\/p>\n<p>So wie ich davon rede, kann ich nicht verheimlichen, dass ich solcher Ergebnisorientierung kritisch gegen\u00fcber stehe.<br \/>\nIch glaube, dass es so einfach mit unserem Glauben und unserem Leben nicht ist und auch nicht mit unserem Gott.<br \/>\nGewiss w\u00fcnsche ich mir, dass mein Glaube und meine Arbeit Fr\u00fcchte tragen. Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn ich nicht das Gef\u00fchl haben m\u00fcsste: Es ist alles umsonst, sondern: Auch ich kann und du kannst etwas dazu beitragen, dass Menschen von diesem Gott angesprochen werden, sich aufgehoben f\u00fchlen, einen Sinn in ihrem Leben sehen \u2013 wer kann diesen Wunsch schon ganz von der Hand weisen, wenn wir doch daran festhalten wollen, dass dieser Glaube gut ist, dass Gott es gut mit uns meint?<br \/>\nAber das ist uns nicht immer geschenkt.<\/p>\n<p>Sollen wir uns davon jetzt entmutigen lassen? Wohl kaum, denn es gibt gen\u00fcgend Beispiele, nicht nur biblische Beispiele, die uns tr\u00f6sten \u2013 auch oder gerade in der Erfolglosigkeit ohne diese selbst zu einem Lebensziel werden zu lassen. Ein Beispiel ist unser heutiger Predigttext <em>(wenn noch nicht zu Beginn der Predigt verlesen, so kann der Predigttext hier vorgelesen werden oder besser von anderer Stimme vorlesen lassen)<\/em><\/p>\n<p><strong>\u201eH\u00f6rt mir zu \u2026\u201c<\/strong> Da redet einer, dem alles andere als Erfolg beschieden ist. Da redet einer zu Menschen, die immer noch mitten in einer Niederlage leben m\u00fcssen. Die ersten H\u00f6rer sind eine Gruppe von Menschen aus dem Volk Israel. Sie haben alles hinter sich lassen m\u00fcssen. Fern ihrer Heimat leben sie in einem fremden Land, in Babylon. Das ist das Ergebnis des Siegs der Anderen. Der Tempel, ihre spirituelle Heimat, ist \u2013 im wahrsten Sinne des Wortes \u2013 am Boden zerst\u00f6rt. Sie hadern \u2026 mit sich und mit Gott. Und dieser schickt ihnen jemanden. Im zweiten Teil des Buches Jesaja h\u00f6ren wir von ihm, dem Knecht Gottes. Unser heutiger Predigttext ist sein zweites Lied.<\/p>\n<p>Dieser Knecht Gottes konfrontiert die Israeliten mit einem anderen Gottesbild. Nicht in ihrem Sinne ergebnisorientiert, sondern tr\u00f6stend und rettend ist Gott auch in der Erfolglosigkeit. Er redet von Hoffnung und verspricht neues Leben. Er wirkt behutsam und im Stillen und nicht als Marktschreier f\u00fcr das beste Produkt, was es vermeintlich zu erwerben gilt. Und selbst leise und behutsam wie sein Knecht, sein Bote daher kommt, hat dieser keinen Erfolg. So tr\u00f6stlich wie seine Worte f\u00fcr die Niedergeschlagenen h\u00e4tten sein m\u00fcssen, sie h\u00f6ren nicht, sie wollen nicht, sie halten fest an ihren Vorstellungen.<\/p>\n<p>Und so steht auch der Knecht Gottes da, erfolglos! \u201eIch aber dachte, ich arbeitete vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unn\u00fctz, \u2026\u201c Aus die Maus \u2026 alles umsonst. Wozu sollen wir uns dann eigentlich anstrengen? Was n\u00fctzt das denn?<\/p>\n<p>Aber Gott bleibt dran! Nicht dass das Ergebnis nicht z\u00e4hlt, aber es z\u00e4hlt anders als bei uns. Er misst nicht in Zahlen, seien es Menschen oder Geld. Vor\u00fcbergehende Vergeblichkeit hier l\u00e4sst ihn weiterdenken und weiterblicken. \u201eEs ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, die St\u00e4mme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten Israels wiederzubringen, sondern ich habe dich auch zum Licht der V\u00f6lker gemacht, dass du seist mein Heil bis an die Enden der Erde.\u201c Gott will mehr! Und das wohlwissend, dass das Ziel f\u00fcr uns nicht erreichbar ist. Aber er l\u00e4sst nicht locker und mutet seinem Knecht und uns zu, dass auch wir uns nicht entmutigen lassen. Er m\u00f6chte alle Menschen erreichen \u2026 neben seinem bleibenden Volk Israel auch uns aus den anderen V\u00f6lkern. Aber er schl\u00e4gt einen anderen Weg ein, als den, den wir nur zu gut kennen, auf dem immer wieder Entmutigung und Vergeblichkeit vorprogrammiert sind, so sehr uns auch andere etwas anderes vermitteln wollen. Diese durchaus schmerzliche und zutiefst menschliche Erfahrung hat er auch selbst machen m\u00fcssen \u2013 von daher wei\u00df er sehr wohl, was er von uns erwartet. Immer wieder hat er sich auf den Weg gemacht zu uns, hat Boten geschickt, um Zeugnis abzulegen von ihm \u2026 ist selbst Mensch geworden, einer von uns, und nach menschlichen Ma\u00dfst\u00e4ben gescheitert. Am Kreuz landete er, wie ein Verbrecher.<\/p>\n<p>Und doch wirkt er bis heute. Er hat uns zusammengebracht hier heute Morgen. Und Millionen anderer Menschen rund um die Erde ebenso. Sein Erfolg ist anders, als der, den wir uns so oft w\u00fcnschen. Er r\u00fcckt uns auf die Pelle und f\u00fcllt nicht unser Portemonnaie und unser Bankkonto. Er setzt sich in unseren Herzen fest und wirkt da weit erfolgreicher als das viele Erfolge in unserem Leben k\u00f6nnten, so sch\u00f6n wie sie sind, aber auch so verg\u00e4nglich wie sie sind. Die Vergeblichkeit wird oftmals bleiben, dies soll uns jedoch nicht verstummen lassen. Denn: Wes das Herz voll ist, des geht der Mund \u00fcber. Reden wir davon und geben wir in Gottes H\u00e4nde, sein Werk zu vollenden. Ein guter Lehrmeister daf\u00fcr ist der Knecht Gottes aus dem Buch des Propheten Jesaja und Jesus Christus und auch viele in seiner Nachfolge.<br \/>\nAMEN<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\">Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache Kenia\/<br \/>\nGerman Speaking Evangelical Lutheran Congregation in Kenya<br \/>\nAnne T\u00f6pfer<br \/>\nP.O.Box 14723<br \/>\nNairobi<br \/>\n00800<br \/>\nKenya<br \/>\nFon: +254 20 444 2022<br \/>\nMobil: +254 734 38 33 57<br \/>\n<a title=\"mailto:kirchenairobi@iconnect.co.ke\" href=\"mailto:kirchenairobi@iconnect.co.ke\">kirchenairobi@iconnect.co.ke<\/a> <\/span><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17. Sonntag nach Trinitatis, 8. Oktober 2006 Predigt zu Jesaja 49, 1-6, verfa\u00dft von Anne T\u00f6pfer Liebe Gemeinde! Das Ergebnis z\u00e4hlt! Das ist in unserem Leben h\u00e4ufig so. In der Wirtschaft ist der Gewinn entscheidend. 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