{"id":11379,"date":"2021-02-07T19:49:07","date_gmt":"2021-02-07T19:49:07","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11379"},"modified":"2023-02-03T08:59:42","modified_gmt":"2023-02-03T07:59:42","slug":"jesaja-49-1-6-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-49-1-6-4\/","title":{"rendered":"Jesaja 49, 1-6"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><strong>Predigt zu Jesaja 49, 1-6<\/strong><\/h3>\n<h3><strong>verfasst von Klaus Schwarzw\u00e4ller<\/strong><\/h3>\n<hr \/>\n<p><em>1\u00a0H\u00f6rt mir zu, ihr Inseln, und ihr V\u00f6lker in der Ferne, merkt auf! Der HERR hat mich berufen von Mutterleibe an; er hat meines Namens gedacht, als ich noch im Scho\u00df der Mutter war. 2\u00a0Er hat meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht, mit dem Schatten seiner Hand hat er mich bedeckt. Er hat mich zum spitzen Pfeil gemacht und mich in seinem K\u00f6cher verwahrt. 3\u00a0Und er sprach zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, durch den ich mich verherrlichen will. 4\u00a0Ich aber dachte, ich arbeitete vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unn\u00fctz. Doch mein Recht ist bei dem HERRN und mein Lohn bei meinem Gott. 5\u00a0Und nun spricht der HERR, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht bereitet hat, dass ich Jakob zu ihm zur\u00fcckbringen soll und Israel zu ihm gesammelt werde \u2013 und ich bin vor dem HERRN wert geachtet und mein Gott ist meine St\u00e4rke \u2013, 6\u00a0er spricht: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, die St\u00e4mme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten Israels wiederzubringen, sondern ich habe dich auch zum Licht der V\u00f6lker gemacht, dass mein Heil reiche bis an die Enden der Erde.[1]<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">(Lutherbibel 2017)<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Der Text zwingt zu einer kleinen Vorbemerkung; denn er enth\u00e4lt eine Schwierigkeit: Der Gottesknecht wird hier als \u201eIsrael\u201c angesprochen. Zugleich aber wird er an \u201eJakob\u201c gesandt \u2013 und \u201eJakob\u201c meint \u201eIsrael\u201c. Ich will jetzt unsere Zeit nicht damit vertun, da\u00df ich auch nur einen Blick werfe in die Urflut der Erkl\u00e4rungen, Hypothesen, Auslegungen etc. Ich schlie\u00dfe mich den Forschern an, nach denen der Gottesknecht nicht nur zu Israel gesandt wird, sondern in Gottes Augen auch f\u00fcr Israel steht, sozusagen im Vorgriff auf das zum Gehorsam zur\u00fcckfindende, auf das vollendete Israel.<\/p>\n<p>Doch nun zum Text selbst. Er beginnt mit einem Aufruf an \u201e<em>die Inseln<\/em>\u201c. Damit sind die fernsten L\u00e4nder gemeint. Also es ist ein Aufruf \u2013 so w\u00fcrden wir sagen \u2013 \u201eAn alle!\u201c Das Gesagte betrifft \u201ealle\u201c und geht \u201ealle\u201c an. Was? Nun ehe das ausgesprochen werden kann, f\u00fchlt sich der Rufer verpflichtet, sich vorzustellen und zu legitimieren, da\u00df er das Recht hat, eine Botschaft \u201ean alle\u201c zu verk\u00fcnden. Ich kann mir\u2019s nicht verkneifen, hier kurz zu verweilen: Wer sperrt in unserer Welt nicht alles den Schnabel auf und verlangt Geh\u00f6r, ohne eine Legitimation vorzuweisen. Da\u00df ich \u2013 <em>ICH<\/em> \u2013 hier auftrete und etwas absondere, ist das etwa nicht genug? Und so werden wir vollgedr\u00f6hnt mit Worten und Phrasen und Gerede, da\u00df es uns zu den Ohren wieder herauskommt. Ich brauche nur das Stichwort \u201eGesundheitsreform\u201c zu nennen&#8230; Man kann ja immerhin die Frage aufwerfen, wie<em>wenig<\/em> Prozent des \u00f6ffentlichen Geschreis es wert ist, da\u00df man\u2019s \u00fcberhaupt zur Kenntnis nehme. Doch ich will uns nicht aufhalten.<\/p>\n<p>Die Vorstellung des Rufers hier ist ausf\u00fchrlich, ja geradezu umst\u00e4ndlich. Er ist sich sicher: Gott hat ihn bereits vor seiner Geburt erw\u00e4hlt \u2013 eine Aussage, auf der wir kauen. Denn wer oder was steht f\u00fcr sie? Und uns f\u00e4llt ein, wer alles in Geschichte und Gegenwart sich als von Gott Erw\u00e4hlten f\u00fchlte oder ausgab, und siehe: Das Blut flo\u00df in Str\u00f6men! Wir sind in dieser Hinsicht skeptisch, ja geradezu allergisch. Nur, das ist ja klar: Eine amtliche Bescheinigung mit Unterschrift und Siegel kann es hier nat\u00fcrlich nicht geben. Der Sprecher mu\u00df sich anders ausweisen. Wie?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst durch seine Sprache. Er phrast nicht daher, sondert nicht dumme Worte ab wie nahezu alle, die sich als Erw\u00e4hlte f\u00fchlen und anpreisen. Seine Sprache ist zudem durch und durch poetisch. Das merken wir selbst in der \u00dcbersetzung, etwa an den wundervollen Bildern: \u201e<em>Er hat meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht&#8230;<\/em>\u201c \u2013 nur als Anmerkung: Welcher unserer Politiker k\u00f6nnte das sagen, ohne entweder Gel\u00e4chter oder Verachtung auszul\u00f6sen? \u201e<em>Mit dem Schatten seiner Hand hat er mich bedeckt<\/em>\u201c, will sagen: von Gottes wegen war er bisher verborgen, ein Niemand, ein Namenloser. Auch der n\u00e4chste Satz ein eindrucksvolles Bild: \u201e<em>Er hat mich zu einem spitzen Pfeil gemacht&#8230;<\/em>\u201c \u2013 ach ja, Leute, die <em>stumpfe<\/em> Pfeile sind und daher h\u00e4\u00dfliche Verletzungen verursachen, oder auch Giftpfeile, deren blo\u00dfes Auftreten l\u00e4hmt, jedenfalls bei Menschen, mit denen man zu tun haben m\u00f6chte; derartige Menschen kennen wir im \u00f6ffentlichen Leben zur Gen\u00fcge, so da\u00df es schwer f\u00e4llt, hier <em>keine<\/em> Namen zu nennen. \u201e<em>&#8230;und mich in seinem K\u00f6cher verwahrt.<\/em>\u201c Von Gottes wegen blieb er nicht nur bisher verborgen, sondern wurde er ebendadurch scharf gehalten. Begreifen wir? Wer etwas zu sagen hat, wirklich zu sagen, der redet nicht einfach darauflos. Wer das tut, hat entweder nichts zu sagen, oder aber er macht das, was er zu sagen hat, durch sein unbedachtes Gequassel zu Wortschrott.<\/p>\n<p>Ich trete einen Schritt zur\u00fcck: Wer das alles von sich sagt, sagen <em>kann<\/em>, der verdient alle Aufmerksamkeit. Denn er hebt sich deutlich von allen ab, die da meinen etwas zu sagen zu haben \u2013 ob zu Recht oder Unrecht stehe dahin. Wer in dieser Weise gleichsam aus dem Nichts hervortritt, sagt durch seine Sprache wie auch durch den Inhalt viel \u00fcber sich selbst. Er sagt so viel \u00fcber sich selbst, da\u00df man beim Nachdenken und Vergleichen um den Schlu\u00df nicht herumkommt: Leute wie der Sprecher sind selten, sind <em>sehr<\/em> selten. Es d\u00fcrfte lohnen, ihm zuzuh\u00f6ren.<\/p>\n<p>\u201e<em>Und Gott sprach zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, durch den ich mich verherrlichen will.<\/em>\u201c Hier also die eingangs erw\u00e4hnte Schwierigkeit \u2013 doch Sie werden\u2019s ja auch jetzt beim H\u00f6ren sofort entdeckt haben. Erkennbar kommt der Sprecher jetzt zur Sache. Er stellt sich zwar immer noch vor \u2013 nein, mit einem einfachen \u201eSchulze\u201c oder meinethalben auch \u201eDr.\u201c oder \u201eProfessor\u201c oder \u201eMinister Schulze\u201c; auf diese Weise ist es nicht getan, jedenfalls da nicht, wo einer im Namen Gottes auftritt, der etwas zu sagen hat, das \u201ean alle\u201c gerichtet ist. Doch seine Selbstvorstellung nimmt nun sozusagen eine Kurve, n\u00e4mlich von sich weg: Es geht nicht um mich. Es geht um Gott, um Gott und seine Ehre. Ach ja, Gottes Ehre \u2013 sie st\u00f6\u00dft uns eklig auf: Wieviele M\u00f6rder und Massenm\u00f6rder, die sich selbst und andere in den Tod bombten, haben nicht zuvor gerufen \u201eAllahu akbar\u201c, \u201eGott ist gro\u00df\u201c! Dieses unterschiedslose Dahinmorden von Menschen zur Ehre Gottes&#8230; Den Satz mu\u00df ich nicht zuende f\u00fchren. Doch denkt man dar\u00fcber nach, dann stellt sich die Frage: Worin liegt, worin besteht Gottes Ehre? Gottes Ehre \u2013 worum geht es da? H\u00f6ren wir zun\u00e4chst weiter hin:<\/p>\n<p>\u201e<em>Ich aber dachte, ich arbeite vergeblich und verzehre meine Kraft umsonst und unn\u00fctz&#8230;<\/em>\u201c Der Sprecher ist deutlich kein landeskirchlicher Schlaumeier, der sich von der Roland Berger Unternehmensberatung die Flausen austreiben lie\u00dfen, wir d\u00fcrften\u2019s uns leisten, unsere Kr\u00e4fte umsonst und unn\u00fctz zu verschlei\u00dfen! Er ist wie heute die vielen Pastoren und kirchlichen Mitarbeiter, die ihre Kr\u00e4fte verschwenden und keine Resonanz ernten, \u201e<em>&#8230;wiewohl mein Recht beim Herrn und mein Lohn bei meinem Gott ist.<\/em>\u201c Wenn wir einst, nach dem Ende der Welt, erfahren, warum Gott so viel Leid und Leiden zugelassen hat, dann bin ich vor allem gespannt darauf, endlich zu erfahren, warum, warum Gott die Seinen immer und immer und immer wieder hat ins Leere laufen lassen, so da\u00df sie seufzten: \u201eIch aber dachte, ich arbeite vergeblich und verzehre meine Kraft umsonst und unn\u00fctz&#8230;\u201c Und da war niemand, niemand, der es sah, der es merkte \u2013<\/p>\n<p>\u201e<em>Und nun spricht der Herr, der mich von Mutterleib zu seinem Knecht bereitet hat&#8230;<\/em>\u201c Es war eine lange Selbstvorstellung. Sie war anders, als wir sie gewohnt sind: Denn bitte, wer geht schon damit hausieren, da\u00df er umsonst geackert hat und unn\u00fctz sich ins Zeug legte? Wer kann es sich \u00fcberhaupt leisten, ohne Zwang zu erkl\u00e4ren: Ich habe bisher nichts erreicht? \u00dcber den geht man hinweg. Und da\u00df man \u00fcber ihn hinwegsehe, das leitet nun der uns unbekannte Gottesknecht selber ein: Er verweist von sich selber weg, vielmehr hin auf Gott. Dabei ist das wichtigste Wort ein kleines, das man leicht \u00fcberh\u00f6rt, n\u00e4mlich \u201enun\u201c: \u201e<em>Nun spricht der Herr&#8230;<\/em>\u201c Was vorher war, wird damit beiseitegeschoben; was sein kann, k\u00f6nnte, ist dar\u00fcber ohne Interesse: \u201eNun\u201c! Nun spricht Gott \u2013 und jeder wei\u00df aus der Lebenserfahrung heraus: Ein solches Nun, ein Nun von Menschen bereits, kann man verpassen, und das ist, wie wenn man Zug oder Flugzeug verpa\u00dft hat. Wenn etwas dran ist, dann mu\u00df man sich darauf einstellen, oder es geht vor\u00fcber, und dann ist\u2019s vorbei. Das \u201eNun\u201c Gottes zumal, es er\u00f6ffnet etwas Neues, eine neue Situation und damit wohl auch neue M\u00f6glichkeiten. Wenn wir\u2019s verpassen, dann kriegen wir\u2019s nicht mehr eingeholt.<\/p>\n<p>Wenn es aber sich so verh\u00e4lt, dann mu\u00df es einem doch auch gesagt werden. Richtig, und das geschieht hier: \u201e<em>Und nun spricht der Herr, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht bereitet hat&#8230;<\/em>\u201c Jetzt verbinden sich feierliche, ausf\u00fchrliche Selbstvorstellung und Gott, der durch diesen seinen Knecht wirken will. Denn er hat ihn zu seinem Knecht bereitet, \u201e<em>&#8230;da\u00df ich Jakob zu ihm zur\u00fcckbringen soll und Israel zu ihm gesammelt werde&#8230;<\/em>\u201c Nein, das ist nicht irgendwer oder irgendeiner, dem es aufgetragen, dem es auferlegt ist, das in die Verbannung gef\u00fchrte Volk zu erl\u00f6sen. Kommt er auch <em>wie<\/em> aus dem Nichts, so ist er doch in Wahrheit mitnichten ein Nichts, sondern schon vor seiner Geburt hierzu von Gott ausersehen. Nun, \u201enun\u201c, da hat er seinen Einsatz. Ein ebenso wunderbarer wie schwieriger Einsatz, beides; die Vorgeschichte beweist es. Doch jetzt gilt \u201enun\u201c: Nun spricht Gott. Damit ist die Zeit seines Knechtes gekommen und mit ihr f\u00fcr das Volk eine neue Zeit eingel\u00e4utet. Nun ist die Zeit der Wende, die Zeit des Sammelns, die Zeit des Verbindens.<\/p>\n<p>Indem der Gottesknecht sie nicht nur ansagt, sondern auch bereiten und vollziehen soll, \u2013 ach ja, welcher Mensch h\u00e4tte dazu Macht und Verm\u00f6gen, wer die schier \u00fcbermenschliche Kraft, das auf den Weg zu bringen? So vergewissert sich der Knecht nun, da er das Entscheidende ausspricht, noch einmal: \u201e<em>Darum bin ich vor dem Herrn wert geachtet, und mein Gott ist meine St\u00e4rke.<\/em>\u201c Damit wird deutlich: Er soll\u2019s vollbringen; dazu ist er bereitet und von Gott ausger\u00fcstet. Doch indem er das realisiert, kann er nicht anders, als auf Gott zu verweisen. Gerade als der, dem Ungeheures aufgetragen ist, mu\u00df er einfach, indem er es verk\u00fcndigt, auf Gott verweisen. Denken Sie etwa an unsere Politiker: Anders als diese lobt Gottesknecht gerade nicht sich selbst selbst, f\u00fcgt er nicht an, was alles er Gro\u00dfes vollbringen wird. Sondern wo die \u00f6ffentlichen Schreih\u00e4lse sich selber Beifall klatschen und die von ihnen herrlich gebaute Zukunft im voraus preisen \u2013 und daraufhin durch die Talkshows tingeln \u2013 , da weist dieser Gottesknecht von sich weg hin auf Gott. Doch da ist kein blutiges \u201eAllahu akbar\u201c, sondern da geht es um die Absichten und Pl\u00e4ne dieses Gottes:<\/p>\n<p>\u201e<em>Er spricht: Es ist zu wenig, da\u00df Du mein Knecht bist, die St\u00e4mme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten Israels wiederzubringen&#8230;<\/em>\u201c Wer das sagt, sagen kann, der plappert entweder, oder er ist gr\u00f6\u00dfenwahnsinnig, oder aber er ist tats\u00e4chlich der, der zu sein er behauptet. Wer soll das entscheiden? Hier lugt etwas vom Geheimnis der Bibel hervor: Objektiv (was immer das Wort meint) beweisen oder unwiderleglich dartun l\u00e4\u00dft sich das nicht. Am Schreibtisch bleibt es offen und zweifelhaft. Uns wird zugemutet, da\u00df wir uns darauf einlassen \u2013 ja, auf die Gefahr hin, auf Geplapper oder auf einen gr\u00f6\u00dfenwahnsinnigen Scharlatan hereinzufallen. Doch wenn wir unsere f\u00fcnf Sinne beisammen haben, dann ist uns deutlich: Nach allem bisher Gesagten ist es h\u00f6chst unwahrscheinlich, da\u00df ein blo\u00dfer Schwadroneur oder Aufschneider so redet. Der hier auftritt, der \u2013 nein, ich will hier keinen Beweis versuchen. Statt dessen lade ich Sie ein. Ich lade Sie dazu ein, sich in den Urkunden der Religionen und V\u00f6lker umzusehen und das, was hier der Gottesknecht sagt, mit anderem zu vergleichen: Wo ist in Sprache, Zungenschlag und Inhalt und in der Verbindung von alledem auch nur Vergleichbares zu finden? Und dazu: Wo erklingt bei alledem etwas, was zugleich unsere Herzen ber\u00fchrt und uns \u00fcber uns selbst hinausf\u00fchrt?<\/p>\n<p>Es ist, so h\u00f6rten wir, Gott zu wenig, da\u00df er seinem Knecht die Riesenaufgabe stellt, die Zerstreuten wiederzubringen und Israel aufzurichten, d.h. es wieder als Volk lebensf\u00e4hig zu machen. \u201e<em>&#8230;sondern ich habe dich auch zum Licht der Heiden gemacht, da\u00df du seist mein Heil bis an die Enden der Erde.<\/em>\u201c Hier freilich verschwimmen die S\u00e4tze ins Unausme\u00dfliche, ins Unabsehbare. Wer k\u00f6nnte das von sich sagen, selber von sich sagen? Und nat\u00fcrlich dr\u00e4ngt sich die Frage auf: Wer war der Mann, der so etwas auszusprechen wagte, der entweder die Chuzpe oder die Vollmacht hatte, das von sich zu sagen?<\/p>\n<p>Hier sind wir an der Grenze des Alten Testaments angelangt. Hier ist unversehens ein Bericht von \u2013 scheinbar \u2013 einem lebenden Menschen umgeschlagen in Prophetie, in das Voraussagen von etwas Zuk\u00fcnftigen, von Zuk\u00fcnftigen, das sozusagen aus dem Alten Testament herausragt und eine neue, andere Dimension er\u00f6ffnet. Wer aber k\u00f6nnte damit gemeint sein?<\/p>\n<p>Die ersten Christen, die aus dem Alten Testament lebten als ihrer Bibel, haben das Neue, das mit Christus erschien, wieder und immer wieder im Licht des Alten Testaments wahrgenommen und umgekehrt das Alte Testament im Lichte des Neuen gelesen; beides. F\u00fcr sie war es je l\u00e4nger desto eindeutiger: Ja, es ist Jesus Christus, auf den das pa\u00dft, f\u00fcr den das gilt, der tats\u00e4chlich das erf\u00fcllt, was hier gesagt ist. Und je mehr sie sich auf diesen zun\u00e4chst f\u00fcr sie selber abenteuerlichen Gedanken einlie\u00dfen, desto klarer und eindeutiger war er f\u00fcr sie.<\/p>\n<p>Und jetzt h\u00e4tte ich Lust, Sie noch einmal einzuladen, diesmal dazu, die vier Evangelien nacheinander zu lesen und daraufhin erneut die sechs Verse unseres Textes; einfach nur zu lesen. Eines jedenfalls w\u00fcrde dar\u00fcber deutlich: Ungeheuer und unausme\u00dflich sind die Dimensionen von Gottes Handeln. Ungeheuer und unausme\u00dflich die, die das Alte Testament aufrei\u00dft. Und ungeheuer und unausme\u00dflich zumal, die dieser merkw\u00fcrdige Mann aus Nazareth verk\u00f6rpert, der am Kreuz starb und dessen Name gleichwohl, nein deswegen \u00fcber alle Namen geht: Jesus Christus.<\/p>\n<p>Und was ist nach alledem Gottes Ehre, um die es hier geht? Statt es in Begriffen zu sagen, weise ich dahin, wo es anschaulich, wo es sichtbar ist: auf den Gekreuzigten und Auferstandenen. Wer ihm nachfolgt, wer seine Worte bewahrt und seine Taten aufnimmt, der ehrt Gott.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Prof. Dr. Klaus Schwarzw\u00e4ller<br \/>\n<a href=\"mailto:hweissenfeldt@foni.net\">hweissenfeldt@foni.net<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Jesaja 49, 1-6 verfasst von Klaus Schwarzw\u00e4ller 1\u00a0H\u00f6rt mir zu, ihr Inseln, und ihr V\u00f6lker in der Ferne, merkt auf! 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