{"id":11386,"date":"2021-02-07T19:48:53","date_gmt":"2021-02-07T19:48:53","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11386"},"modified":"2023-02-28T17:46:56","modified_gmt":"2023-02-28T16:46:56","slug":"jakobus-2-1-13-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jakobus-2-1-13-2\/","title":{"rendered":"Jakobus 2, 1-13"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">18. Sonntag nach Trinitatis, 15. Oktober 2006<br \/>\nPredigt zu Jakobus 2, 1-13, verfa\u00dft von Michael Nitzke<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p><em>Jak 2<strong>,<\/strong> 1 Liebe Br\u00fcder, haltet den Glauben an Jesus Christus, unsern Herrn der Herrlichkeit, frei von allem Ansehen der Person. 2 Denn wenn in eure Versammlung ein Mann k\u00e4me mit einem goldenen Ring und in herrlicher Kleidung, es k\u00e4me aber auch ein Armer in unsauberer Kleidung, 3 und ihr s\u00e4het auf den, der herrlich gekleidet ist, und spr\u00e4chet zu ihm: Setze du dich hierher auf den guten Platz!, und spr\u00e4chet zu dem Armen: Stell du dich dorthin!, oder: Setze dich unten zu meinen F\u00fc\u00dfen!, 4 ist&#8217;s recht, dass ihr solche Unterschiede bei euch macht und urteilt mit b\u00f6sen Gedanken? <\/em><br \/>\n<em>5 H\u00f6rt zu, meine lieben Br\u00fcder! Hat nicht Gott erw\u00e4hlt die Armen in der Welt, die im Glauben reich sind und Erben des Reichs, das er verhei\u00dfen hat denen, die ihn lieb haben? <\/em><br \/>\n<em>6 Ihr aber habt dem Armen Unehre angetan. Sind es nicht die Reichen, die Gewalt gegen euch \u00fcben und euch vor Gericht ziehen? 7 Verl\u00e4stern sie nicht den guten Namen, der \u00fcber euch genannt ist? 8 Wenn ihr das k\u00f6nigliche Gesetz erf\u00fcllt nach der Schrift (3.Mose 19,18): \u00bbLiebe deinen N\u00e4chsten wie dich selbst\u00ab, so tut ihr recht; 9 wenn ihr aber die Person anseht, tut ihr S\u00fcnde und werdet \u00fcberf\u00fchrt vom Gesetz als \u00dcbertreter. <\/em><br \/>\n<em>10 Denn wenn jemand das ganze Gesetz h\u00e4lt und s\u00fcndigt gegen ein einziges Gebot, der ist am ganzen Gesetz schuldig. <\/em><br \/>\n<em>11 Denn der gesagt hat (2.Mose 20,13-14): \u00bbDu sollst nicht ehebrechen\u00ab, der hat auch gesagt: \u00bbDu sollst nicht t\u00f6ten.\u00ab Wenn du nun nicht die Ehe brichst, t\u00f6test aber, bist du ein \u00dcbertreter des Gesetzes. <\/em><br \/>\n<em>12 Redet so und handelt so wie Leute, die durchs Gesetz der Freiheit gerichtet werden sollen. <\/em><br \/>\n<em>13 Denn es wird ein unbarmherziges Gericht \u00fcber den ergehen, der nicht Barmherzigkeit getan hat; Barmherzigkeit aber triumphiert \u00fcber das Gericht.<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>viele von uns, die in die Kirche zum Gottesdienst gehen, haben so etwas wie einen Stammplatz. Der eine steuert auf der rechten Seite die mittleren Reihen an, die andere m\u00f6chte lieber hinten links sitzen. Meist ist der gew\u00fcnschte Platz auch noch frei, denn nur am heiligen Abend und zur Konfirmation ist so richtiges Gedr\u00e4nge in unserer Kirche. Vorne in den ersten Reihen ist oft alles frei. Warum eigentlich? \u201eFr\u00fcher sa\u00dfen hier die Konfirmanden,\u201c sagen alteingesessene Gemeindeglieder, \u201eaber die d\u00fcrfen ja heutzutage auch schon sitzen, wo sie wollen.\u201c \u201eGanz vorne bekomme ich einen steifen Hals, wenn ich dem Prediger in die Augen sehen will\u201c, lautet die landl\u00e4ufige Begr\u00fcndung f\u00fcr einen Platz in den hinteren Reihen. Und nur unter der Hand, h\u00f6rt man eine ganz andere Begr\u00fcndung daf\u00fcr, warum die hinteren Pl\u00e4tze so beliebt sind. \u201eDa kann ich sehen, wer sonst noch so alles da ist, da kriege ich besser mit, wer mit wem kommt, ob er das Glaubensbekenntnis mit spricht oder nicht, ob er beim Abendmahl dieses mal hingeht, oder schon wieder sitzen bleibt.\u201c<\/p>\n<p>Wo sind eigentlich die besten Pl\u00e4tze in der Kirche? Vorne oder hinten? Im Theater oder im Kino ist das klar. Im Kino sitzt man lieber hinten, damit man den Film in seiner ganzen Breite sieht, im Theater dagegen sitzt man lieber vorne, damit man den Schauspielern in die Augen sehen kann, und auch besser versteht, was sie sagen. Beim Variet\u00e9 sollte man lieber in der Mitte sitzen, dann sieht man noch gut, und ist vor der Gefahr gesch\u00fctzt, dass man vom Clown oder vom Zauberer ins Geschen einbezogen wird.<\/p>\n<p>All die guten Pl\u00e4tze haben eines gemeinsam, es sind die teuren Pl\u00e4tze. Um die Karten muss man sich rechtzeitig bem\u00fchen, und man l\u00e4sst sich den Spa\u00df auch gerne etwas kosten, denn man g\u00f6nnt sich ja sonst nichts.<\/p>\n<p>Nun, wie ist das mit den guten Pl\u00e4tzen in der Kirche? \u201eFreie Platzwahl\u201c, w\u00fcrde auf der Eintrittskarte stehen, wenn wir denn welche ausgeben m\u00fcssten, und: \u201eRechtzeitiges Erscheinen sichert die besten Pl\u00e4tze\u201c. Nun diese Art von Platzvergabe ist nicht bei allen Theaterbesuchern beleibt. Man verliert viel Zeit, und muss sich dann noch mit Leuten in der Schlange herumschlagen, die sich nicht an die Spielregeln halten. Und dann steht man noch vor der Qual der Wahl, wo setze ich mich denn hin, und wo ist wirklich der beste Platz. Und wenn ich meine, ihn gefunden zu haben, hat sicher gerade schon einer die Lehne des Stuhls ergriffen und meint dadurch \u00e4ltere Rechte auf diesen Platz zu haben. Lasse ich mich auf einen Streit ein, ist der ganze Abend verdorben, gebe ich nach, habe ich ein Erfolgserlebnis weniger. Also, da lobe ich mir doch eine ordentliche Regelung \u00fcber den Eintrittspreis, jeder bekommt das, was er sich leisten kann, ist doch gerecht oder?<\/p>\n<p>F\u00fcr Theaterkarten mag das eine akzeptable L\u00f6sung sein, aber wie ist das mit den Pl\u00e4tzen in der Kirche? Mit der freien Platzwahl gab es schon zu Zeiten des Neuen Testamentes Probleme, wie wir aus dem Jakobusbrief erfahren. Damals wie heute gab es gute und weniger gute Pl\u00e4tze. Zu den letzteren geh\u00f6rten nat\u00fcrlich die Stehpl\u00e4tze, die ja heute in der Kirche eher selten sind, und nat\u00fcrlich die Rasierpl\u00e4tze, <strong><em>\u201edort zu meinem F\u00fc\u00dfen\u201c<\/em><\/strong> wo man den Kopf so weit recken muss, dass der Nacken schmerzt. In der Gemeinde, an die Jakobus schreibt, m\u00fcssen wohl doch weihnachtliche Verh\u00e4ltnisse geherrscht haben, denn die Pl\u00e4tze waren begehrt, so dass man in Versuchung kam, sie nach sozialem Status zu verteilen. Und da keine Eintrittskarten verkauft wurden, entschied der soziale Status, den man damals wie heute an der Kleidung erkennt. \u201eKleider machen Leute\u201c, so war das schon immer, und wer gut gekleidet ist, dem \u00f6ffnen sich in der Welt T\u00fcr und Tor, der bekommt oft den besten Platz angeboten. Vielleicht erhofft man sich dadurch etwas, eine gr\u00f6\u00dfere Gabe im Klingelbeutel oder ein gr\u00f6\u00dfere Anziehungskraft der Gemeinde.<\/p>\n<p>Nun mag jemand einwenden, dass die Etikette in unseren Gemeinden doch nicht mehr so ausgepr\u00e4gt ist. Legere Kleidung ist doch heutzutage \u00fcblich, und auch der Generaldirektor kann sonntags, wo er doch nicht \u00fcber Wohl und Wehe des Unternehmens entscheiden muss, es etwas lockerer angehen. Aber was ist, wenn jemand ganz aus dem Rahmen f\u00e4llt? Was ist, wenn man jemandem ansieht, dass die Kleidung aus der Altkleidersammlung kommt, und auch mal wieder eine W\u00e4sche n\u00f6tig h\u00e4tte? Was ist, wenn die Leute, f\u00fcr die wir zwar gewohnt sind zu sammeln, wenn der Klingelbeutel herumgeht, uns pl\u00f6tzlich die besten Pl\u00e4tze wegnehmen? Man w\u00fcrde sicher die Nase r\u00fcmpfen, und das nicht nur wegen der \u00fcberf\u00e4lligen W\u00e4sche.<\/p>\n<p>Wie reagiert die Gemeindeleitung? Schicken wir diese nicht erwarteten G\u00e4ste auf die schlechteren Pl\u00e4tze? Dann h\u00e4tten alle das Elend vor Augen, und der sonnt\u00e4gliche Frieden w\u00e4re gest\u00f6rt. Oder k\u00e4me gar jemand auf die Idee, so jemandem einen gr\u00f6\u00dferen Schein in die Hand zu dr\u00fccken, mit der festen Erwartung, dass der sonderbare Gast heute auf den Gottesdienstbesuch verzichtet?<\/p>\n<p>Wir stehen nicht oft unter dem Druck, hier eine Entscheidung treffen zu m\u00fcssen, weil wir nicht oft in diese Situation geraten. Kirche ist eine Angelegenheit f\u00fcr den Mittelstand, sagt man heute. Generaldirektor und Stattstreicher stehen nicht oft in der Gefahr gerade hier aufeinander zu treffen. So braucht man noch nicht einmal unausgesprochene Regeln anzuwenden, um sich aus dem Weg zugehen, weil man eh Abstand zueinander h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Aber wie gehen wir denn in unserem sonstigen Leben als Christen und Glieder einer Gemeinde mit der Frage um, wie sich die verschiedenen sozialen Schichten begegnen?<\/p>\n<p>\u201eKleider machen Leute\u201c. Schon die Kinder in der Schule lernen schnell, dass sie mit bestimmten Etiketten auf der Kleidung schneller Freunde finden, als wenn die Mutter bei jedem Sonderangebot zugreift. Statusdenken wird hier fr\u00fch ge\u00fcbt, doch was Kinder oft nicht lernen ist R\u00fccksichtnahme und Gelassenheit, so wird der mit dem falschen Label auf der Jeans schnell ausgelacht und ausgegrenzt. Die Folge ist ein gesteigerter Konsumzwang, gerade bei den Leuten, die es nicht so dicke haben.<\/p>\n<p>Wer das von Jugend auf lernen musste, bei dem setzt es sich fort in alle Bereiche des Lebens. Und auch in der Kirche kann man sich dann oft nicht von einem Handeln freisprechen, dass solcherma\u00dfen von dem Gedanken \u201eKleider machen Leute\u201c gepr\u00e4gt ist.<\/p>\n<p>Doch Gott erw\u00e4hlt die Armen. So h\u00f6ren wir. Genau sagt Jakobus: <strong><em>\u201eHat nicht Gott erw\u00e4hlt die Armen in der Welt, die im Glauben reich sind und Erben des Reichs, das er verhei\u00dfen hat denen, die ihn lieb haben?\u201c <\/em><\/strong>(2,5)<\/p>\n<p>Jakobus spielt hier mit den Begriffen reich und arm. Und er stellt die materiell Reichen den spirituell Reichen gegen\u00fcber. Das hei\u00dft nun nicht unbedingt, dass das un\u00fcberbr\u00fcckbare Gegens\u00e4tze sind. Einem materiell Reichen, muss es nicht automatisch an Glauben mangeln. Und einer, der nichts auf der Tasche, hat muss nicht allein deshalb ein Vorbild im Glauben sein.<\/p>\n<p>Aber wichtig zu erkennen ist, dass das Materielle eben nicht auf das Spirituelle schlie\u00dfen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Und das ist ganz wichtig zu beachten, gerade in der heutigen Zeit. M\u00f6gen die Probleme des Jakobus auch nicht unbedingt unsere sein, in den Kirchenb\u00e4nken ist in der Regel sicher genug Platz f\u00fcr alle Besucher, aber wir haben heute andere Probleme, die wir l\u00f6sen m\u00fcssen, und da m\u00fcssen wir aufpassen, dass wir nicht die gleichen Fehler machen wie damals.<\/p>\n<p>Auch wir sind in der Gefahr, die Reichen zu hofieren, und die Armen zu vergessen.<\/p>\n<p>In unserer Kirche wurde noch nie so viel \u00fcber Geld gesprochen, wie in dieser Zeit. Die kirchlichen Gelder schwinden, und das in einem Tempo, das wir vor ein paar Jahren noch nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten h\u00e4tten. Dabei sind die viel gescholtenen Kirchenaustritte gar nicht mal das gr\u00f6\u00dfte Problem. Immer weniger Leute sind in steuerpflichtigen Arbeitsverh\u00e4ltnissen, immer weniger Geld wird verdient, von dem man Steuern und somit auch Kirchensteuern zahlen k\u00f6nnte, immer weniger Nachwuchs w\u00e4chst heran, der als Kirchenmitglied \u00fcberhaupt in Frage k\u00e4me. Immer gr\u00f6\u00dfere Aufgaben hat sich die Kirche in den guten Zeiten aufgeb\u00fcrdet, von denen sie sich jetzt nur schwer trennen kann. Geb\u00e4ude m\u00fcssen aufgegeben werden, Personal wird bei den Gemeindeverb\u00e4nden abgebaut. Alles kein Ruhmesblatt f\u00fcr eine Gemeinschaft, die einmal das Aush\u00e4ngeschild der sozialen Bewegung war. Und wenn Jakobus schreibt, dass die Reichen Gewalt gegen uns aus\u00fcben, dann m\u00fcssen wir sehen, dass wir nun auch als eigentlich reiche Institutionen wahrgenommen werden, die den armen Mitarbeitern ihre Existenzgrundlage nehmen. Wir in der Kirche, die wir gestern noch vor Werkstoren f\u00fcr den Erhalt von Arbeitspl\u00e4tzen demonstrierten, m\u00fcssen uns heute selbst den Vorwurf gefallen lassen, als Jobvernichter dazustehen. So schnell \u00e4ndern sich die Vorzeichen!<\/p>\n<p>Wer in der Kirche heute etwas werden will, muss wissen, wie er an das Geld anderer Leute kommt. \u201eFundraising\u201c hei\u00dft das Zauberwort. Damit ist das Erschlie\u00dfen von Geldquellen gemeint. Wenn die Kirchensteuer nicht mehr so \u00fcppig flie\u00dft, dann m\u00fcssen andere Quellen zum Sprudeln gebracht werden. Und so lernen wir heute, wie man Spendenbriefe abfasst, und in welchen Zeitabst\u00e4nden man sie welcher Zielgruppe schickt. Wir werden motiviert die Menschen dazu zu bringen sich mit Spenden einen Namen zu machen. Was Jesus einmal dazu gesagt hat, wird oft vergessen: <em>Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen lassen, wie es die Heuchler tun \u2026 3 Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut (Mt6,2) <\/em><\/p>\n<p>Und die Geschichte vom Scherflein der Witwe, die mit ihren zwei Pfennigen zwar alles gibt, was sie hat, wird nur noch selten erw\u00e4hnt, denn ihre Gabe wird zu sehr mit einem anderen Sinnbild in Verbindung gebracht. Angesichts der desolaten Lage der Kirche erschiene ihre Gabe heute manchem wie der Tropfen auf dem hei\u00dfen Stein.<\/p>\n<p>Das zeigt aber, dass wir heute in der Gefahr stehen, dass wir einen \u00e4hnlichen Fehler begehen, wie die Gemeinde an die Jakobus schreibt. Wir schielen nur nach den Verm\u00f6genden, und h\u00f6ren nur auf klingenden M\u00fcnze, oder besser den knisternden Schein. Wenn wir nur in diese Richtung gehen, k\u00f6nnen wir schnell vom Pfad der Tugend abweichen. Der Zweck heiligt n\u00e4mlich nicht die Mittel, denn der Weg ist das Ziel. Auf dem Weg zum Ziel, ein gottgef\u00e4lliges Leben zu f\u00fchren, muss ich n\u00e4mlich die Mittel anwenden, die zum Ziel passen.<\/p>\n<p>Dem Jakobus wird ja immer vorgeworfen, dass er zu gesetzlich sei, und seine Gedanken eigentlich nicht in einen reformatorisch verstandenen Umgang mit dem Gesetz passen, denn Gott handle ja an uns danach ob wir von Herzen glauben, und nicht ob wir alle Gesetze minuti\u00f6s erf\u00fcllen. Doch Jakobus will hier nicht eine falsche Gesetzlichkeit predigen. F\u00fcr ihn sind alle Gesetze gleich viel wert. Ich kann mir nicht eines heraussuchen, und ein anderes ignorieren. Er schreibt: <strong><em>10 Denn wenn jemand das ganze Gesetz h\u00e4lt und s\u00fcndigt gegen ein einziges Gebot, der ist am ganzen Gesetz schuldig.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Wenn man fr\u00fcher eher das Soziale betonte aber in anderen moralischen Fragen eher liberal war, dann war das falsch. Genauso falsch ist es aber heute Moralit\u00e4t an den Tag zu legen, aber die soziale Verantwortung zu ignorieren. Das Gesetz Gottes gibt es nicht als Probierpackung, aus der ich mir das jeweils Schmackhafteste heraussuchen kann. Das Gesetz Gottes ist ein unteilbare Einheit.<\/p>\n<p>Doch Jakobus haut hier Pfl\u00f6cke ein, die man ihm als eingefleischter Protestant zun\u00e4chst gar nicht zutraut. Er schreibt:<\/p>\n<p><strong><em> 12 Redet so und handelt so wie Leute, die durchs Gesetz der Freiheit gerichtet werden sollen.<br \/>\n<\/em><\/strong><strong><em>13 Denn es wird ein unbarmherziges Gericht \u00fcber den ergehen, der nicht Barmherzigkeit getan hat; Barmherzigkeit aber triumphiert \u00fcber das Gericht. <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Das g\u00f6ttliche Gesetz ist f\u00fcr ihn ein St\u00fcck Freiheit. Und wenn ich von dieser Freiheit profitiere, dann ist es selbst verst\u00e4ndlich, dass ich diese Freiheit auch anderen zukommen lasse. Das ist nicht nur eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, sondern auch eine Barmherzigkeit, also ein St\u00fcck Humanit\u00e4t, ein St\u00fcck Menschenliebe. Und diese Barmherzigkeit <strong><em>triumphiert <\/em><\/strong>\u00fcber das Gericht. Die Humanit\u00e4t, die ich anderen zukommen lie\u00df, steht mir zu Seite, wenn \u00fcber mein Verhalten Recht gesprochen wird. Die von mir get\u00e4tigte N\u00e4chstenliebe ist mein Anwalt, wenn \u00fcber meine anderen Taten zu Gericht gegangen wird.<\/p>\n<p>Doch eine richtige Barmherzigkeit ist die, die um ihrer selbst willen getan wird, nicht nur damit ich Entlastungszeugen f\u00fcr meinen pers\u00f6nlichen Fall habe. Barmherzigkeit und Humanit\u00e4t, \u00fcbe ich um meiner Mitmenschen willen, und da kann es keinen Unterschied geben, ob einer das richtige Etikett am \u00c4rmel tr\u00e4gt, oder wie hoch sein Kontostand ist. Liebe kennt keine Grenzen, und Liebe darf vor allen Dingen keine sozialen Grenzen kennen.<\/p>\n<p>Also, liebe Schwestern und <strong><em>\u201eLiebe Br\u00fcder, haltet den Glauben an Jesus Christus, unsern Herrn der Herrlichkeit, frei von allem Ansehen der Person.\u201c<\/em> (Jak 2,<\/strong>1) Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"left\"><strong> Pfarrer Michael Nitzke, Ev. Kirchengemeinde Kirchh\u00f6rde<br \/>\nDahmsfeldstr. 44, 44229 Dortmund<br \/>\nTel.: 0231 \/ 737157<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.kirchhoer.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.kirchhoer.de<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.nitzke.de\/pfarrer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.nitzke.de\/pfarrer<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>18. Sonntag nach Trinitatis, 15. 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