{"id":11409,"date":"2021-02-07T19:48:58","date_gmt":"2021-02-07T19:48:58","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11409"},"modified":"2023-02-08T11:43:15","modified_gmt":"2023-02-08T10:43:15","slug":"1-korinther-7-29-31-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-7-29-31-4\/","title":{"rendered":"1. Korinther 7, 29-31"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">20. Sonntag nach Trinitatis, 29. Oktober 2006<br \/>\nPredigt zu 1. Korinther 7, 29-31, verfa\u00dft von Juraj B\u00e1ndy (Slowakei) <\/span><\/b><\/h3>\n<p>Wir alle leben in einer konkreten Zeit. Wir alle wissen, dass die Zeit an Sekunden, Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte gemessen wird. Wir alle beobachten, wie die Zeit l\u00e4uft, aber wenn wir definieren m\u00fcssten, was die Zeit ist, h\u00e4tten wir Schwierigkeiten. Sch\u00f6pfen wir Trost daraus, dass mit der Definition der Zeit auch die Physiker und die Philosophen gewaltige Probleme haben.<\/p>\n<p>Ohne dar\u00fcber nachzudenken, ob es wahr ist, pflegen wir zu sagen: Ich habe keine Zeit. Zeit ist Geld. Die Zeit ist unerbittlich. Die Zeit heilt alle Wunden. Die Zeiten \u00e4ndern sich. Wir leben in schwierigen Zeiten.<\/p>\n<p>Auch in dem eben geh\u00f6rten Abschnitt aus der Heiligen Schrift haben wir eine Aussage \u00fcber die Zeit geh\u00f6rt. Der Apostel Paulus schreibt: \u201eDas sage ich aber, liebe Br\u00fcder: Die Zeit ist kurz\u201c (V. 29). In welchem Zusammenhang hat er es geschrieben?<\/p>\n<p>Der Apostel war \u00fcberzeugt, dass die Zeit der Wiederkunft Christi sehr nahe ist und er selbst sie noch erlebt. Er ist aus dieser \u00dcberzeugung ausgegangen, als er den Christen in Korinth Ratschl\u00e4ge f\u00fcr ihre allt\u00e4gliche Probleme gegeben hat. In diesem Zusammenhang schrieb er: \u201eDie Zeit ist kurz.\u201c Er schrieb ihnen, dass sie wenig Zeit daf\u00fcr haben, ihr Leben gottgef\u00e4llig umzugestalten und dass sie nur wenig Zeit in dieser Welt bis zur Wiederkunft Christi auszuhalten sollen.<\/p>\n<p>Wir wissen, dass der Apostel sich \u00fcber die baldige Wiederkunft Christi geirrt hat. Niemand weiss von dem Tage seines Kommens, \u201esondern allein der Vater\u201c (Mt 24, 36). Obwohl das Datum des Kommens Christi unbekannt ist, seine Wiederkunft ist sicher. Darum sollen wir darauf immer vorbereitet sein. Weil wir nicht wissen, ob Herr Jesus bald oder nach einer langen Zeit die Lebendigen und die Toten richten kommt, sollen wir nie sagen, dass wir noch genug Zeit mit den Sachen Gottes zu k\u00fcmmerrn haben.<\/p>\n<p>Abgesehen davon, wann Christus in seiner Herrlichkeit kommt, unsere Zeit hier auf der Erde kurz ist und sein Ende nicht in unserer Macht steht. Jetzt, wenn der Festtag der Allerseelen vor der T\u00fcr steht, nehmen wir wieder wahr, dass die Zeit kurz ist. Der Apostel dr\u00fcckt es mit dem Wort <em>synestalmenos<\/em> aus, was wortw\u00f6rtlich gedr\u00fcckt oder zusammengedr\u00fcckt bedeutet. Unsere Zeit ist unter dem Druck. Mit der Schachterminologie ausgedr\u00fcckt: wir sind unter Zeitdruck.<\/p>\n<p>Der Apostel schreibt nicht nur dar\u00fcber, dass die Zeit kurz ist, sondern auch dar\u00fcber, dass \u201edas Wesen dieser Welt vergeht\u201c (V. 31). Paulus schreibt \u00fcber das <em>schema <\/em>der Welt, \u00fcber die Art und Weise, wie die Welt geordnet wird. Er konnte an die Ver\u00e4nderungen denken, die sich in seiner Epoche abspielten. Er konnte aber auch den Verfall meinen, besonders den geistlichen und moralischen Verfall, den er beobachtete. Die Gestaltung der Welt rund um sich hat er als etwas ver\u00e4nderliches und vergehendes (<em>paragei<\/em>) betrachtet. Die Christen in Korinth sollten wissen, dass sie die L\u00f6sung auf die Fragen., die sie an den Apostel gestellt haben \u2013 ob sie heiraten sollen, ob die Sklaven sich freikaufen sollen, ob die Beschneidigung n\u00f6tig ist \u2013 auf dem Hintergrund suchen sollen, dass \u201edas Wesen dieser Welt vergeht\u201c.<\/p>\n<p>Warun hat der Apostel den Christen in Korinth betont, dass die Zeit kurz ist und dass \u201edas Wesen dieser Welt vergeht\u201c? Er hat das aus zwei Gr\u00fcnden getan. Er wollte, damit die Christen in Korinth \u201eohne Sorge\u201c (V. 32) seien und damit sie \u201estetig und unverhindert dem Herrn dienen\u201c k\u00f6nnten (V. 35). Auch wenn wir in einer anderen Zeit als der Apostel Paulus und die Christen in Korinth leben, auch uns soll die Verg\u00e4nglichkeit dieser Welt dazu stimulieren,<\/p>\n<p>1. damit wir ohne Sorge seien und<br \/>\n2. damit wir stetig dem Herrn dienen.<\/p>\n<p>Ad 1. Wir k\u00f6nnen auf die Verg\u00e4nglichkeit dieser Welt verschiedenartig reagieren. Wir k\u00f6nnen der Verzweiflung verfallen. Wir k\u00f6nnen quasi gleichg\u00fcltig bleiben. Wir k\u00f6nnen schnell die Vergn\u00fcgen dieser Welt nach der Parole carpe diem geniesen. Der Apostel gibt uns aber einen anderen Rat. Er ratet uns, damit wir ohne \u00fcberfl\u00fcssige Sorgen w\u00e4ren. Er macht uns darauf aufmerksam, dass die vorl\u00e4ufige Sachen nicht unsere Aufmerksamkeit von dem ablenken, was dauernd ist. Er f\u00fchrt auch f\u00fcnf Beispiele an, wie den Abstand von den weltlichen Verbindungen und Sachen wir halten sollen. Er nennet die Ehe, die Trauer, die Freude, die Beziehung zum Verm\u00f6gen und die Beziehung zur Welt.<\/p>\n<p>Den Eheleuten gibt Paulus diesen Rat: \u201eFortan m\u00fcssen auch, die da Frauen haben, sein, als h\u00e4tten sie keine\u201c (V. 29). Verbietet der Apostel die Ehe? Ist er gegen die Sexualit\u00e4t? Lockt er zur Vernachl\u00e4ssigung des Famileinlebens? Wenn er das t\u00e4te, w\u00e4re er gegen alles, was das Alte Testament und Her Jesus \u00fcber die Ehe sagte. Der Apostel will nur betotnen, dass die Ehe eine irdiche, diessetige Institution ist. Es wird keine Ehe in der Ewigkeit geben (Mt 22, 33 \u2013 34). Es ist merkw\u00fcrdig, aber auch ein gesegnetes B\u00fcndniss wie die Ehe unumstritten ist, kann den Menschen von dem Herrn ablenken, wenn wir es nicht in Zusammenhang mit unserem ewigen Ziel stellen.<\/p>\n<p>Die zweite Gruppe, die der Apostel anspricht, sind die weinenden. Paulus schreibt ihnen: \u201eFortan m\u00fcssen auch&#8230;die da weinen&#8230;sein&#8230;als weinten sie nicht.\u201c Es ist ein grosser Trost f\u00fcr alle, die trauern. Jede Trauer in dieser Welt wird ein Ende haben, weil in der Eewigkeit \u00d6noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird meht sein\u201c (Ofb 21, 4). Wenn du, lieber Bruder und liebe Schwester, trauerst, sollst du wissen, dass diene Taruer nur verg\u00e4nglich ist,weil Gott uns in die ewige Freude erwartet.<\/p>\n<p>Der Apostel h\u00e4lt es f\u00fcr wichtig, auch die anzusprechen, die Freude haben. Er schreibt ihnen: \u201eFortan m\u00fcssen auch&#8230;die sich freuen&#8230;sein&#8230;als freuten sie nicht\u201c (V, 30). Nicht nur die Trauer, sondern auch die Freude ist auf dieser Erde verg\u00e4nglich. Wenn du, lieber Bruder und liebe Schwester einen Grund f\u00fcr die Freude hast, du sollst wissen, dass das Reich Gotttes nicht die Fortsetzung der irdischen Freude ist, sondern \u201eFreude in dem heiligen Geist\u201c (R 14, 17).<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr diejenige hat der Apostel eine Unterweisung, die ihr Verm\u00f6gen durch einen Kauf vergr\u00f6ssert haben.Er schreibt ihnen: \u201eFortan m\u00fcssen auch&#8230;die da kaufen&#8230;sein&#8230;als bes\u00e4sen sie es nicht\u201c (V, 30). Wenn wir solche innere Freiheit zum Verm\u00f6gen haben, wenn wir solchen Abstand haben, dann bereuen wir es nicht, dass wirr aus der Welt \u201enichts hinausbringen\u201c (1Tim 6, 7).<\/p>\n<p>Zum Schluss spricht Paulus umfassend von dem Gebrauch von allem, was die Welt bietet, als gebrauchten wir es nicht (V. 31). Wir sollen also von nichts sagen, dass wir ohne es nicht leben k\u00f6nnen, sei es irgendwas. Nur eine solche innnere Freiheit und ein gewisser Abstand von den weltlichen Dingen (f\u00fcnfmal<em> h\u00f3s m\u00e9<\/em> ! ) erm\u00f6glicht, damit wir nicht besorgt seien und damit \u201edie Sorge der Welt und der Betrug des Reichtums\u201c (Mt 13, 22) die Sehnsucht nach dem ewigen Leben ersticken.<\/p>\n<p>Ad 2. Die Ratschl\u00e4ge und Ermahnungen, die der Apostel gibt, k\u00f6nnen uns als unangenehme Begrenzungen und Verbote erscheinen. Er selbst war dessen bewusst und deswegen f\u00fcgt er hinzu: \u201eSolches aber sage ich zu eurem eigenen Nutzen; nicht dass ich euch einen Strick um den Hals werfe, sondern dazu, dass es fein zugehe und ihr stetig und unverhindert dem Herrn dienen k\u00f6nnt.\u201c (V. 35). Darum geht es also: um das Ausharren bei dem Hernn, um das Erreichen des Zieles. Seien wir beharrlich! Die Beharrlichkeit ist n\u00f6tig nicht nur beim Studium, nicht nur beim Sport, sondern auch f\u00fcr den Glauben. Wenn wir beharren werden wir unser Leben gewinnen (L 21, 19).<\/p>\n<p>Im heutigen Predigttext haben wir die Mahnung des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth geh\u00f6rt, dass die Zeit kurz ist und dass das Wesen dieser Welt vergeht. Auch wenn wir in einer anderen Zeit als der Apostel Paulus und die Christen in Korinth leben, auch uns soll die Verg\u00e4nglichkeit dieser Welt dazu stimulieren, damit wir ohne Sorge seien, damit wir innere Freiheit und n\u00f6tigen Abstand von den weltlichen Dingen haben und damit wir stetig dem Herrn dienen, weil wer \u201ebeharret bis ans Ende, der wird selig\u201c (Mk 13, 13). Amen.<\/p>\n<p><strong>Prof. Juraj B\u00e1ndy, Comenius-Universit\u00e4t Bratislava<br \/>\n<a href=\"mailto:juraj.bandy@fevth.uniba.sk\">juraj.bandy@fevth.uniba.sk<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>20. Sonntag nach Trinitatis, 29. Oktober 2006 Predigt zu 1. Korinther 7, 29-31, verfa\u00dft von Juraj B\u00e1ndy (Slowakei) Wir alle leben in einer konkreten Zeit. Wir alle wissen, dass die Zeit an Sekunden, Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte gemessen wird. Wir alle beobachten, wie die Zeit l\u00e4uft, aber wenn wir definieren [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":15855,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[42,541,1,727,157,853,114,1223,668,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-11409","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-1-korinther","category-20-so-n-trinitatis","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-juraj-bandy","category-kapitel-07-chapter-07-1-korinther","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11409","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11409"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11409\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16761,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11409\/revisions\/16761"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15855"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11409"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11409"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11409"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=11409"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=11409"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=11409"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=11409"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}