{"id":11418,"date":"2021-02-07T19:49:07","date_gmt":"2021-02-07T19:49:07","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11418"},"modified":"2023-02-02T14:25:43","modified_gmt":"2023-02-02T13:25:43","slug":"galater-5-1-6-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/galater-5-1-6-2\/","title":{"rendered":"Galater 5, 1-6"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Gedenktag der Reformation, 31. Oktober 2006<br \/>\nPredigt zu Galater 5, 1-6, verfa\u00dft von Gerda Altpeter <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>1. Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Steht nun fest, damit ihr nicht wieder festgehalten werdet unter dem Joch der Sklaverei.<br \/>\n2. Seht, ich Paulus, sage euch, dass, wenn ihr euch beschneiden lasst, dann n\u00fctzt euch Christus nichts.<br \/>\n3. Ich bezeuge deswegen, dass alle Menschen, die sich beschneiden lassen, schuldig sind, das ganze Gesetz zu halten.<br \/>\n4. Ihr entfernt euch von Christus (macht ihn unwirksam); diejenigen, die sich selbst durch das Gesetz gerecht machen. Aus der Gnade fallt ihr heraus.<br \/>\n5. Denn wir erwarten durch den Geist aus dem Glauben die erhoffte Gerechtigkeit.<br \/>\n6. Denn in Christus Jesus vermag weder die Beschneidung noch die Vorhaut etwas; sondern der Glaube erweist sich durch die Liebe wirksam.<\/p>\n<p>Einmal lass mich noch der Freiheit h\u00f6chstes Lebensgut geniessen.<br \/>\nEinmal lass den Strom des Gl\u00fcckes noch an mir vor\u00fcberfliessen.<br \/>\nLass mich frei und offen handeln wie die vielen tausend andern.<br \/>\nLass mich in die weite Ferne unbeschwert wie einsten wandern.<\/p>\n<p>Dieses Gedicht schrieb mein Vater im Dezember 1944 aus dem Aussenlager des KZ Dora, in dem er gefangengehalten wurde. Die grosse Sehnsucht nach der verlorenen Freiheit, nach Heimat und Gl\u00fcck, spricht daraus. Er wollte wieder \u00fcber sich selbst verf\u00fcgen, wollte laufen, wohin er wollte, essen, was er wollte, mit den Menschen zusammen sein, die er liebte.<br \/>\nSteckt diese Sehnsucht nicht in uns allen?<br \/>\nFreiheit &#8211; das ist das, was Menschen brauchen.<br \/>\nFreiheit.<br \/>\nAber welche Freiheit brauchen wir?<\/p>\n<p>Schon Paulus hat darum gerungen, was Freiheit bedeutet. Er hat sie gefunden, als er Jesus vor Damaskus begegnete. Er war blind gewesen, das merkte er. Er hatte um das Gesetz geeifert, hatte mehr getan, als sonst vorgeschrieben war. Das Gesetz Gottes war ihm Sinn und Ziel seines Lebens &#8211; darum bem\u00fchte er sich &#8211; das wollte er erf\u00fcllen &#8211; das sollte ihm Freiheit bringen. Darum half er, die Christen vor Gericht zu bringen, und sie ihrer Freiheit zu berauben. Solch ein finsterer Eifer &#8211; brachte ihm das die Freiheit? &#8211; Nein, das brachte nur Hass und Grausamkeit &#8211; Blindheit.<\/p>\n<p>Er musste sich f\u00fchren lassen. Er wurde sehend, als er begriff, wer Jesus war und was er den Menschen brachte. In ihm fand er Freiheit vom Gesetz &#8211; und damit Freiheit f\u00fcr Gott &#8211; Freiheit f\u00fcr den Glauben und die Liebe. Das Gesetz als moralisches Sollen zeigt nur, dass wir Menschen nicht dazu f\u00e4hig sind, die Ordnungen Gottes zu erf\u00fcllen. Das Gesetz bringt die Menschen unter das Joch einer Sklaerei, aus dem sie sich nicht befreien k\u00f6nnen.<br \/>\nZur Freiheit hat uns Christus befreit &#8211; aus Gnade.<br \/>\nDa kommt es nicht darauf an, ob wir gehen k\u00f6nnen, wohin wir wollen.<br \/>\nDa kommt es nicht darauf an, ob wir frei und offen handeln k\u00f6nnen.<br \/>\nDas Gl\u00fcck liegt woanders.<\/p>\n<p>Dazu m\u00f6chte ich Ihnen eine kleine Geschichte von Lisa und Hanna erz\u00e4hlen.<br \/>\nLisa hat nach Abschluss ihres Studiums eine gute Stellung in einem fernen Ort gefunden. Sie ist froh darum, denn es ist schwer, eine gut bezahlte Arbeit zu bekommen. Nach einem Monat f\u00e4hrt sie zu Besuch nach Hause. Zuerst begegnet sie ihrer Mutter, dann ihrer Freundin Hanna. Sie reden miteinander wie sie es immer getan haben. Aber Hanna merkt, dass irgendetwas mit Lisa nicht stimmt. Sie fragt zuerst nach ihrer Arbeit. Lisa strahlt auf. Die Mitarbeiterinnen haben sie freundlich aufgenommen und ihr alles geduldig erkl\u00e4rt. Sie hat Spass an ihrer Aufgabe.<br \/>\n&#8222;Das ist es also nicht,&#8220; denkt Hanna.<br \/>\nLisa berichtet weiter, dass eine Mitarbeiterin sie eingef\u00fchrt hat in eine christliche Akadamikerinnengruppe. Sie treffen sich regelm\u00e4ssig und diskutieren \u00fcber dieses und jenes. Beim letztenmal ging es um Freiheit und Sklaverei. Sie haben sich die K\u00f6pfe heiss geredet.<br \/>\nIn unserer Gesellschaft gilt als wichtigster Wert der &#8222;Cash&#8220;, das Geld, der Mammon. Die Firmen werden danach bewertet, wieviel sie erarbeiten k\u00f6nnen. In den B\u00fcros sieht es nicht anders aus. Selbst in der Kirche werden die Kollekten als wichtiges Indiz f\u00fcr Wirksamkeit angesehen. &#8222;Geld regiert die Welt!&#8220; Und wo bleiben die Menschen? Wo bleibt Gott?<br \/>\nSie haben von dem Elend geredet, das in vielen Teilen der Welt herrscht, vom Sudan, Indonesien, Pakistan, Afghanistan&#8230; Die Menschen k\u00f6nnen sich nicht vertragen und bereiten einander die H\u00f6lle.<br \/>\nDa braucht es Hilfe, viel Hilfe!<br \/>\nSie haben von den Hilfswerken geredet, von Patenschaften, die Abhilfe schaffen. Sie haben Adressen ausgetauscht. Sie haben alle erkl\u00e4rt, dass sie helfen wollen.<br \/>\nLisa hat eine Patenschaft unterschrieben und gleich bezahlt. Sie hat soviel \u00fcbernommen, dass es f\u00fcr sie nur noch notd\u00fcrftig reicht. Sie hat sich froh und frei gef\u00fchlt. Sie konnte helfen, sie war jemand!<br \/>\nAber als sie nachhause kam, hat ihre Mutter erz\u00e4hlt, dass sie inzwischen krank gewesen ist. Die Behandlung hat ihre Ersparnisse aufgebraucht. Der Arzt hat ihr zu einer Kur geraten, aber die Krankenkasse \u00fcbernimmt davon nur einen kleinen Teil. Sie bittet ihre Tochter, die ja nun soviel verdient, ihr in diesem Fall beizustehen.<br \/>\nWas soll, was kann Lisa nun tun? Sie hat sich doch f\u00fcr eine Patenschaft verpflichtet. Wie soll sie da der Mutter helfen?<br \/>\nJetzt begreift Hanna, was bei Lisa los ist. Sie steckt in einer Zwickm\u00fchle. Alle Welt denkt nat\u00fcrlich, dass sie ihrer Mutter helfen wird. Diese Selbstverst\u00e4ndlichkeit bringt ihr keine besondere Anerkennung. Lisa aber braucht eine besondere Anerkennung. Sie war bis jetzt immer finanziell abh\u00e4ngig von ihren Eltern, zuletzt von ihrer Mutter., als der Vater gestorben war.<br \/>\nWie stolz und froh war sie doch, als sie die Patenschaft \u00fcbernehmen konnte. Was soll sie jetzt tun?<br \/>\nHanna formuliert vorsichtig: &#8222;Der Mammon kann bei zu wenig und bei zuviel wirksam werden. Bei viel bewirkt er Stolz, bei wenig Neid und Minderwertigkeitsgef\u00fchl. So oder so bringt er uns weg von Gott. Ich will Dir keinen Rat geben, wahrscheinlich weisst Du sowiewo, was Du tun musst.<\/p>\n<p>Gott nimmt uns an in seiner Liebe aus Gnade. Lass seine Gnade wirken. Paulus sagt:&#8220;Denn wir erwarten durch den Geist aus dem Glauben die erhoffte Gerechtigkeit.&#8220; Jesus hat f\u00fcr uns gehandelt. Wir brauchen seine Gnade nur anzunehmen. Wenn Du sp\u00fcrst, dass du durch Gnade gerecht wirst, dann weisst Du auch, was du tun musst.&#8220;<br \/>\nZur Freiheit hat uns Christus befreit &#8211; aus Gnade.<\/p>\n<p>Immer wieder fallen Christen zur\u00fcck in das Gesetz. Wir haben heute den Reformationstag. Denken wir an Luther. Als er im Kloster war, hat er alles getan, was er nur konnte, umd durch sein Tun gerecht zu werden und Gott nahe zu kommen. Er hat sich selbst geschlagen. Er hat sich den Schlaf und das Essen verwehrt. Er hat die niedrigsten Arbeiten verrichtet. Es hat alles nichts gen\u00fctzt. Er f\u00fchlte sich nur schlechter, schuldiger, fern von Gott.<\/p>\n<p>Dann hat er den R\u00f6merbrief gelesen, vielleicht auch den Galaterbrief. Da hat er erkannt, dass es nicht auf sein Tun ankommt, sondern auf Gottes Erbarmen. Pl\u00f6tzlich war er frei, frei von Schuld und S\u00fcnde. Er atmete auf und wollte, dass auch andere Menschen frei werden. Er schrieb seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg. In einer wissenschaftliche Diskussion sollte sich seine Erkenntnis bew\u00e4hren. So entstand die Reformation in Deutschland und dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<p>Denken wir an unsere Zeit.<br \/>\nIch kenne Menschen, die so handeln wie Lisa. Sie verschenken alles Geld, das sie in die Finger bekommen. Die Empf\u00e4nger verehren sie. Sie sind gross. Alle Welt achtet sie. Ja, so sollten doch Christen handeln! Ob sie sich das Himmelreich erkaufen k\u00f6nnen? Ihre Angeh\u00f6rigen wissen kaum, wie sie satt werden sollen, aber das interesiert die Selbstgerechten nicht.<\/p>\n<p>Wir Christen fallen immer wieder zur\u00fcck in das Gesetz. Es ist schwer, sich auf die Gnade Jesu zu verlassen. Es ist leichter, selber etwas zu tun. Wir Menschen handeln eben gerne selber und haben M\u00fche, ein Geschenk anzunehmen.<\/p>\n<p>Mir geht es so wie vielen andern. Wenn ich ein Geschenk empfange, dann \u00fcberlege ich sofort, wie ich etwas Entsprechendes zur\u00fcckschenken kann.<\/p>\n<p>Einfach etwas annehmen ist schwer. Es geh\u00f6rt eine grosse innere Freiheit dazu.<br \/>\nWir wollen alle gerne frei sein, aber zu welcher Freiheit? Die Freiheit, zu der uns Christus befreit, besteht in der F\u00e4higkeit, seine Gnade anzunehmen und weiterzugeben.<br \/>\nZur Freiheit hat uns Christus befreit &#8211; aus Gnade.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Gerda Altpeter<br \/>\n<a href=\"mailto:gerda.altpeter@bluewin.ch\">gerda.altpeter@bluewin.ch <\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gedenktag der Reformation, 31. Oktober 2006 Predigt zu Galater 5, 1-6, verfa\u00dft von Gerda Altpeter 1. Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Steht nun fest, damit ihr nicht wieder festgehalten werdet unter dem Joch der Sklaverei. 2. Seht, ich Paulus, sage euch, dass, wenn ihr euch beschneiden lasst, dann n\u00fctzt euch Christus nichts. 3. Ich [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":13518,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[44,1,727,120,853,114,121,584,3,109,125],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-11418","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-galater","category-aktuelle","category-archiv","category-bes_gelegenheiten","category-bibel","category-deut","category-festtage","category-kapitel-05-chapter-05-galater","category-nt","category-predigten","category-reformationsfest"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11418","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11418"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11418\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16343,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11418\/revisions\/16343"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13518"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11418"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11418"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11418"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=11418"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=11418"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=11418"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=11418"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}