{"id":11428,"date":"2021-02-07T19:48:56","date_gmt":"2021-02-07T19:48:56","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11428"},"modified":"2023-02-09T11:55:32","modified_gmt":"2023-02-09T10:55:32","slug":"matthaeus-513-16-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-513-16-3\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 5,13-16"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">21. Sonntag nach Trinitatis, 5. November 2006<br \/>\n(in D\u00e4nemark: Allerheiligen)<br \/>\nPredigt zu Matth\u00e4us 5,13-16, verfa\u00dft von Lars Ole Gjesing (D\u00e4nemark)<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Hier an Allerheiligen haben wir immer Teile der starken Einleitung zur Bergpredigt Jesu gelesen. Es sind keine ganz leichten Worte, aber sie sind es wert, dass man sich in sie vertieft, denn sie enthalten tiefe Gedanken \u00fcber das Leben und den Tod. Und sie sind wohl nicht zuletzt der Grund, weshalb wir in dieses Haus kommen.<br \/>\nDas Problem ist, dass ein himmelschreiender Unterschied besteht zwischen dem, was die J\u00fcnger sind, wenn man sie sich so betrachtet, und dem, was sie nach diesen Worten sind. Um sie geht es doch. Sie werden das Salz der Erde und das Licht der Welt genannt. Obgleich das Einzige, was man ihnen ansehen kann, dies ist, dass sei eine kleine Schar unbekannter, armer M\u00e4nner aus einer Gegend am Rande der Welt sind. Nichts an ihnen f\u00e4llt auf. Aber was sie genannt werden \u2013 das Salz der Erde und das Licht der Welt \u2013 kann nicht flotter und gr\u00f6\u00dfer sein. Wenn man wirklich die Gr\u00f6\u00dfe der Bezeichnungen begreifen will, dann betrachtet man am besten die Gegens\u00e4tze dieser Worte. Eine Erde ohne Salz ist ein Boden, der vergeht. Es ist das Bild vom Salz als Konservierungsmittel, das hier benutzt ist. Die J\u00fcnger werden zu der Salzlake ernannt, die verhindert, dass Speisen verderben und zugrunde gehen. Die J\u00fcnger werden dazu ernannt, diejenigen zu sein, die die Erde daran hindern, mit all ihrem Leben unterzugehen.<br \/>\nGanz entsprechend ist es mit dem Licht. Die Finsternis, die uns in die Flucht schl\u00e4gt, ist die Finsternis der Welt, wiederum ein Bild des Vergessens und der Zerst\u00f6rung, die diese unansehnliche Schar verhindert.<br \/>\nUnd wir d\u00fcrfen doch wohl die Frage stellen, wie das vor sich gehen soll. Und sollen wir selbst darauf antworten, d.h. sollen wir einen erfahrenen, wahrheitsliebenden Menschen unserer Zeit antworten lassen, dann wird die Antwort sein, dass sich das leider nicht machen l\u00e4sst. Es l\u00e4sst sich nicht machen, die Welt und die Menschheit vor demUntergang zu bewahren, denn alles versinkt in Finsternis, alles vergeht. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Wie kann jemand \u00fcberhaupt darauf kommen, so etwas zu sagen, zuerst, dass es Licht und Bewahrung gibt, und dann, dass es sie bei diesen M\u00e4nnern gibt?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst m\u00fcssen wir sagen, dass dasjenige, wovon die Worte sprechen, das Wichtigste von allem ist. Es geht um die Frage, ob man untergeht und in Finsternis versinkt oder ob man lebt und existiert. Es ist auch die ber\u00fchmte Frage des Hamlet, der den Sch\u00e4del in der Hand h\u00e4lt: Sein oder Nichtsein \u2013 das ist hier die Frage. Wenn alle Kleinigkeiten und Verdrie\u00dflichkeiten des Alltags beiseite geschoben werden, dann ist es die einzige wesentliche Frage in der Welt \u2013 das einzige Gegensatzpaar, das es letztlich wert ist, sich damit zu befassen, der Gegensatz zwischen Leben und Tod.<br \/>\nDar\u00fcber, so glaube ich, k\u00f6nnen wir unter uns, die wir hier zu Allerheiligen versammelt sind, nicht uneins sein. Aber es ist nicht nur unsere private Meinung, dass dies das Wesentlichste sein soll. Es ist auch die Auffassung der Bibel. Von der ersten bis zur letzten Seite handelt sie von nichts Anderem als Leben und Tod. Und sie tut das wohlgemerkt auf eine \u00e4u\u00dferst realistische Art und Weise. Es gibt keine einzige Seite, keine einzige Erz\u00e4hlung, keinen einzigen Verfasser in der Bibel, der nicht w\u00fcsste, dass das Lebendige zugrunde geht.<br \/>\n\u201eEs ist alles ganz eitel, sagte der Prediger,<br \/>\nes ist alles ganz eitel, es ist alles ganz eitel.\u201c<br \/>\n\u201eAlles Fleisch ist Gras,<br \/>\nalle seine G\u00fcte wie die Blume auf dem Felde,\u201c sagte Jesaja.<br \/>\nDas sind nur zwei Beispiele aus dem Alten Testament von Leuten, die gesehen haben, dass das Dasein ein Abgrund ist. Der Realismus liegt offen zu Tage. Sie wagen sowohl zu sehen, worum es geht, als auch, es auszusprechen.<\/p>\n<p>Vielleicht wagen die alten Israeliten es so deutlich zu sehen und zu sagen, weil sie auch noch etwas mehr wissen.<br \/>\nSie wissen, dass es dennoch eine Welt gibt. Jedenfalls w\u00e4re es schwierig zu leugnen, dass die Welt faktisch existiert, dass Menschen faktisch leben. Obwohl es ein v\u00f6llig unwahrscheinlicher Gedanke ist, dass \u00fcberhaupt irgend etwas existieren sollte. Wenn man diese Tatsache erst einmal entdeckt hat, dann ist es schwer, dar\u00fcber hinaus zu kommen. Dann muss man immer wieder mit der gr\u00f6\u00dften Verwunderung und der gr\u00f6\u00dften Dankbarkeit darauf zur\u00fcckkommen. Denn es ist so wenig einleuchtend, zutiefst merkw\u00fcrdig, dass es eine Welt gibt und nicht nur nichts, so dass man niemals damit fertig wird, sich zu wundern.<br \/>\nWenn die Bibel dieser Tatsache nach-denken soll \u2013 wie es auf den allerersten Seiten im Alten Testament geschieht \u2013 dann wird anerkannt, dass der Untergang das Wahrscheinlichste ist. Die Welt beginnt mit dem Meer, in dem man nur ertrinken kann. Und das Leben der Welt und der Pflanzen, der Tiere und der Menschen ist Ausdruck eines Aufruhrs, eines Widerstandes, eines Willens, der in nichts zum Vorschein kommt, und der von der ersten Seite der Bibel an Gott genannt wird. Und Blatt f\u00fcr Blatt wird dann im Rest des Buches erz\u00e4hlt von den vielen anderen merkw\u00fcrdigen Dingen, die es faktisch in der Welt gibt und die selbst nicht mit dem Untergang verwandt sind, sondern ganz andere Seiten zeigen. Es sind sehr verschiedene Dinge. Es ist z.B. das Wissen des Menschen um Gut und B\u00f6se. Wie kann so etwas die Bedeutung haben, die es tats\u00e4chlich hat, wenn alles vergeht und in Vergessenheit ger\u00e4t? Dann m\u00fcsste doch alles gleich g\u00fcltig sein, weil nichts g\u00fcltig w\u00e4re. Aber so ist es eben gerade nicht. Etwas ist gut. Und etwas ist b\u00f6se. Und das Gewissen des Menschen wei\u00df, was gut und was b\u00f6se ist.<br \/>\nEs gibt viele andere merkw\u00fcrdige Dinge: die Sch\u00f6nheit der Natur, der fundamental gute Charakter des menschlichen Lebens, das Streben des Menschen nach Wahrheit. Da ist die Liebe, die manchmal einen Menschen dazu bringen kann, seine eigenen Tod nicht so wichtig zu nehmen. Es ist all dies, das in den Erz\u00e4hlungen der Bibel immer wieder untersucht und betrachtet wird. All dies, das so nachdr\u00fccklich der Vorstellung widerspricht, alles sei letzten Endes Finsternis und Vergessen.<br \/>\nDiese ganze Mannigfaltigkeit von Erfahrungen des Menschseins auf Erden fasste Jesus zusammen. Die Macht, die die Welt aufrecht erh\u00e4lt, die dem Menschen Geist und Gewissen und Lebenswillen verleiht, die den Tagen ihre G\u00fcte und der Erde ihre Sch\u00f6nheit gibt, sagt er, ist die Liebe Gottes. Es ist kein Realismus, dem Tod das letzte Wort zu lassen, sondern es ist Resignation.<br \/>\nDie Macht, die uns die Erde, das Leben und Mitmenschen gegeben hat, hat sowohl Macht als auch Liebe, um die Finsternis zu zerstreuen und der Verg\u00e4nglichkeit zu widerstehen.<\/p>\n<p>So verlaufen die Erz\u00e4hlungen der Bibel und ihre Gedichte, ihr Nachdenken und ihre Verk\u00fcndigung von Leben und Tod.<br \/>\nAber Gott bewahre \u2013 das alles sind ja nur Worte. Nichts hat sich daran ge\u00e4ndert, dass Menschen faktisch sterben und dass wir einander verlieren.<br \/>\n\u201eNur Worte\u201c, ja, aber was bewirken nicht diese Worte! Sie bewirken Dankbarkeit, F\u00fcrsorge, Barmherzigkeit und Liebe und Hoffnung, so dass die Gleichg\u00fcltigkeit des Todes keinen Raum erh\u00e4lt, ohne Einspruch zu herrschen, so dass wir das Leben lieben und so auch trauern k\u00f6nnen. Die Worte k\u00f6nnen kurz gesagt die Macht und das alleinige Recht des Todes brechen.<br \/>\nWer diese Worte tr\u00e4gt, ist Salz f\u00fcr die Erde und Licht in der Welt, bis sich die Macht der Liebe von Angesicht zu Angesicht sehen l\u00e4sst. Amen,<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastor Lars Ole Gjesing<br \/>\nS\u00f8ndergade 43<br \/>\nDK-5970 \u00c6r\u00f8sk\u00f8bing<br \/>\nTel.: +45 62 52 11 72<br \/>\nE-mail: <a href=\"mailto:logj@km.dk\">logj@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong> \u00dcbersetzung aus dem D\u00e4nischen: Dietrich Harbsmeier <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>21. Sonntag nach Trinitatis, 5. 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