{"id":11446,"date":"2021-02-07T19:48:53","date_gmt":"2021-02-07T19:48:53","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11446"},"modified":"2023-02-28T17:56:00","modified_gmt":"2023-02-28T16:56:00","slug":"offenbarung-2-8-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/offenbarung-2-8-11\/","title":{"rendered":"Offenbarung 2, 8-11"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres (Volkstrauertag), 19. November 2006<br \/>\nPredigt zur Offenbarung 2, 8-11, verfa\u00dft von Christian-Erdmann Schott<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Predigttext ist das zweite von sieben Sendschreiben des Sehers Johannes, gerichtet an die Gemeinde in Smyrna. Smyrna war eine gro\u00dfe reiche Stadt, 56 km s\u00fcdlich von Ephesus, die zur R\u00f6merzeit zur Provinz Asia geh\u00f6rte, darum auch von den Christenverfolgungen betroffen war, die unter dem Kaiser Domitian (81-96) durchgef\u00fchrt wurden. Man nimmt an, dass die Verfolgung, von der hier die Rede ist, um das Jahr 95 stattgefunden hat. Ich lese Offb. 2,8-11:<\/p>\n<p><em>Dem Engel der Gemeinde in Smyrna schreibe:<br \/>\n<\/em><em>Das sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden:<br \/>\n<\/em><em>Ich kenne deine Bedr\u00e4ngnis und deine Armut \u2013 du bist aber reich \u2013<br \/>\n<\/em><em>Und die L\u00e4sterung von denen, die sagen, sie seien Juden, und sind`s nicht, sondern sind die Synagoge des Satans.<br \/>\n<\/em><em>F\u00fcrchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst! Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gef\u00e4ngnis werfen, damit ihr versucht werdet, und ihr werdet in Bedr\u00e4ngnis sein zehn Tage.<br \/>\n<\/em><em>Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.<br \/>\n<\/em><em>Wer Ohren hat, der h\u00f6re, was der Geist den Gemeinden sagt!<br \/>\n<\/em><em>Wer \u00fcberwindet, dem soll kein Leid geschehen von dem zweiten Tod. <\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, das Interesse am Volkstrauertag nimmt erkennbar ab. In den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg war die Beteiligung der Bev\u00f6lkerung an den Feiern zu diesem Tag gr\u00f6\u00dfer und die Trauer \u00fcber erlittene Verluste, etwa durch den Tod von Angeh\u00f6rigen, durch Vertreibungen oder unmittelbare Kriegsfolgen, insgesamt intensiver und sp\u00fcrbarer. Trotzdem bleibt der Volkstrauertag wichtig \u2013 f\u00fcr die Erhaltung der Menschlichkeit in unserem Volk.<\/p>\n<p>Wir neigen alle dazu, die Nachrichten \u00fcber die gegenw\u00e4rtig laufenden Kriege, das t\u00e4glich stattfindende Unrecht, die Brutalit\u00e4t gegen\u00fcber Kindern, wehrlosen Frauen, gegen\u00fcber der Zivilbev\u00f6lkerung in den Krisengebieten oder die blutigen Attentate mit Hunderten von Toten und Verletzten nicht an uns herankommen zu lassen, zu verdr\u00e4ngen, abzuspalten. Dahinter steckt nicht unbedingt b\u00f6ser Wille, sondern h\u00e4ufig das Empfinden, dass uns die Wahrnehmung von Leid und Unrecht \u00fcberfordert. Es ist eine Art Selbstschutz, der uns zu dieser Gleichg\u00fcltigkeit veranlasst.<\/p>\n<p>So verst\u00e4ndlich und verbreitet diese Einstellung auch ist, so gef\u00e4hrlich ist sie auch; nicht nur im Blick auf das Mitgef\u00fchl mit den Opfern, sondern fast mehr noch im Blick auf uns selbst. Wir werden hart, unempfindlich gegen das Leid und die Schmerzen anderer, mitleidlos. Wir verlieren ein wichtiges St\u00fcck unserer Menschlichkeit.<\/p>\n<p>Damit das nicht geschieht, ist es wichtig, dass wenigstens einmal im Jahr, eben am Volkstrauertag, das benannt wird, was wir so gern verdr\u00e4ngen. Damit zeigen wir, dass wir uns mit dieser unnormalen Normalit\u00e4t nicht abfinden, dass wir uns nicht in ihr einrichten und zur Tagesordnung \u00fcbergehen, sondern die Leiden der Opfer f\u00fcr nicht hinnehmbar, nicht in Ordnung, auf keinen Fall als gerecht ansehen.<\/p>\n<p>In diesem Sinn hat die Trauer am Volkstrauertag nicht in erster Linie den Charakter des Abschiedes von den Toten wie der Totensonntag, sondern des (wenn auch ohnm\u00e4chtigen) Protestes gegen Unrecht und Gewalt und das dadurch verursachte Leid.<\/p>\n<p>Der Ma\u00dfstab, an den wir uns dabei halten, ist die gute Absicht, mit der Gott diese Welt geschaffen hat. Er wollte und will, dass wir untereinander und mit Gott in Frieden und Freude leben und nicht in gegenseitiger Angst. Jesus Christus hat diese Absicht und diesen Anspruch Gottes bekr\u00e4ftigt. Seine Gegner konnten ihm darin nicht folgen und haben ihn in Verteidigung der Anormalit\u00e4t, die sie f\u00fcr Gottgewollt hielten, gekreuzigt. Aber er hat an der guten Absicht und am Recht des Anspruches Gottes nie gezweifelt, ihn sterbend noch hochgehalten und uns die Hoffnung auf den Sieg Gottes am Ende der Zeit hinterlassen.<\/p>\n<p>Diesen Glauben durch Worte und Taten zu bezeugen, ist sein Verm\u00e4chtnis an die christliche Gemeinde in dieser Welt, gegen diese Welt, f\u00fcr diese Welt. Es gilt zu allen Zeiten und an allen Orten bis zur Wiederkunft des Herrn.<\/p>\n<p>Mit dieser Ausrichtung steht die Christenheit an der Schnittstelle, wo die Absicht und der Anspruch Gottes und die Selbstgen\u00fcgsamkeit der Welt aufeinanderprallen. Es ist ein Platz, der in der geraden Verl\u00e4ngerung des Kreuzes liegt, ein zu allen Zeiten gef\u00e4hrlicher Platz; ein Platz, der seinem Wesen nach durch \u201eTr\u00fcbsal\u201c gekennzeichnet ist.<\/p>\n<p>Es hat immer Menschen gegeben, die die Absicht und den Anspruch Gottes im Glauben anerkannt und angenommen haben. Aber es gab und gibt immer auch den Widerstand dagegen &#8211; in der harten, grausamen Art durch Christenverfolger von Herodes \u00fcber die r\u00f6mischen Kaiser vom Schlage eines Caligula, Nero, Domitian bis zu den gro\u00dfen Diktatoren des 20. Jahrhunderts Hitler, Stalin, Mao. Es gibt diesen Widerstand aber auch in der eher weichen Art durch die Verbreitung von Gedankenlosigkeit, einschl\u00e4fernder Gleichg\u00fcltigkeit, Ausgrenzung, L\u00e4cherlichmachen der Christen und ihrer Botschaft.<\/p>\n<p>Die Reaktionen in den Gemeinden, die Geschichte zeigt es, waren unterschiedlich. Es hat treues Zusammenstehen und tapferes Festhalten am Bekenntnis gegeben. Es hat aber auch Unsicherheit, Angst, Resignation, Anpassung, Verrat gegeben. Das Sendschreiben an die Christen in Smyrna will der Gemeinde Mut machen zur Treue im Bekenntnis. Die Art, wie das geschieht, ist grundlegend und st\u00e4rkend auch f\u00fcr andere Gemeinden, auch f\u00fcr unsere Zeit. Entscheidend sind diese drei Punkte:<\/p>\n<p>1. \u201eIch kenne deine Bedr\u00e4ngnis\u2026\u201c Dieses Wort des erh\u00f6hten Christus ist ein gro\u00dfer Trost. Wir sind nicht einsam auf einen vergessenen Posten gestellt. Der Herr wei\u00df um uns. Und wenn wir Verd\u00e4chtigungen oder \u00fcbler Nachrede ausgesetzt sind, so wei\u00df er, dass es gelogen ist. Darum gilt f\u00fcr uns: K\u00fcmmert euch nicht darum. Stellt die falschen Behauptungen richtig. Verteidigt euch. Aber gr\u00e4mt euch nicht. Bei Gott seid Ihr im Recht. Er wei\u00df es und das allein z\u00e4hlt.<\/p>\n<p>2. \u201eF\u00fcrchte dich nicht\u201c. Ausgrenzung, Spott oder gar Verfolgung bis zum Martyrium sollten eure Seelen nicht erreichen und euern Glauben nicht zersetzen. Nicht Ihr m\u00fcsst euch f\u00fcrchten \u2013 sie f\u00fcrchten sich vor euch. Ihr seid frei und in Gott geborgen. Darum f\u00fcrchtet sie nicht. Sie haben schon verloren, auch wenn sie sich noch so gro\u00dfartig aufspielen. Letztlich haben sie keine Zukunft. Denn die Zukunft geh\u00f6rt Gott.<\/p>\n<p>3. \u201eSei getreu bis in den Tod\u2026\u201c Die Macht Jesu Christi reicht \u00fcber dieses Leben hinaus. Er will uns bei sich haben und mit uns das ewige Leben teilen. Darum habt Hoffnung! Haltet durch! Gebt nicht auf! Ihr steht auf der Seite, der die Zukunft geh\u00f6rt. Wer die Angst \u00fcberwindet, hat die Welt \u00fcberwunden. Die Mittel der Welt greifen dann nicht mehr. Denn der Kern aller Angst ist die Angst vor dem Tod. Wer diese Angst (im Glauben) \u00fcberwindet, ist gerettet. Der Tod kann ihm nichts mehr anhaben.<\/p>\n<p>Es ist eine gute Tradition, den Volkstrauertag zu einem Gang auf den Friedhof zu nutzen. Dort k\u00f6nnen Sie in den Kr\u00e4nzen, die an den Gr\u00e4bern, aber auch an Gedenkst\u00e4tten bei solchen \u00f6ffentlichen Gedenktagen niedergelegt werden, eine sp\u00e4te Nachwirkung der St\u00e4rkung des Glaubens durch den Herrn der Kirche sehen. Denn damals, in den Zeiten der Verfolgungen der fr\u00fchen Kirche, haben die Christen ihren Gestorbenen, ob sie nun M\u00e4rtyrer waren oder nicht, ob sie M\u00e4nner waren oder Frauen, Freie oder Sklaven, Lorbeerkr\u00e4nze auf das Haupt gelegt. Diese Auszeichnung haben sie von den Olympischen Spielen \u00fcbernommen. Sie ehrten ihre Verstorbenen in Liebe und Achtung als Menschen, die den Lauf durch die Welt als Sieger beendet haben.<\/p>\n<p>Weil der Lorbeer in Deutschland nicht sehr h\u00e4ufig vorkommt, haben unsere christlichen Vorfahren diesen Brauch abgewandelt und den Toten Kr\u00e4nze aus Fichte oder Tanne beigelegt. Diese Sitte hat sich bis heute gehalten, auch wenn die meisten Menschen nicht mehr wissen, woher sie eigentlich kommt. Sie legt auf ihre Weise Zeugnis ab von der Kraft des Glaubens, der dem Herrn vertraut, am Bekenntnis festh\u00e4lt, die Toten ehrt, der Opfer von Hass und Gewalt in W\u00fcrde gedenkt und &#8211; vor den Feinden nicht kapituliert. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrer em. Dr. Christian-Erdmann Schott<br \/>\nElsa-Braendstroem-Str. 21<br \/>\nD-55124 Mainz-Gonsenheim<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:ce.schott@surfeu.de\">ce.schott@surfeu.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres (Volkstrauertag), 19. November 2006 Predigt zur Offenbarung 2, 8-11, verfa\u00dft von Christian-Erdmann Schott Predigttext ist das zweite von sieben Sendschreiben des Sehers Johannes, gerichtet an die Gemeinde in Smyrna. 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