{"id":11457,"date":"2021-02-07T19:49:00","date_gmt":"2021-02-07T19:49:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11457"},"modified":"2023-02-07T13:27:37","modified_gmt":"2023-02-07T12:27:37","slug":"johannes-3-14-22-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-3-14-22-2\/","title":{"rendered":"Johannes 3, 14-22"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Bu\u00df- und Bettag &#8211; 22.11.2006<br \/>\nPredigt zur Offenbarung des Johannes 3, 14-22, verfa\u00dft von Rudolf Rengstorf <\/span><\/b><\/h3>\n<p><em>Dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: <\/em><br \/>\n<em>Das sagt, der Amen hei\u00dft, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Sch\u00f6pfung Gottes: Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach, dass du kalt oder warm w\u00e4rest! Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.<\/em><br \/>\n<em>Du sprichst: Ich bin reich und habe genug und brauche nichts! und weisst nicht, dass du elend und j\u00e4mmerlich bist, arm, blind und blo\u00df. <\/em><br \/>\n<em>Ich dir, dass du Gold von mir kaufst, das im Feuer gel\u00e4utert ist, damit reich werdest, und wei\u00dfe Kleider, damit du sie anziehst und die Schande deiner Bl\u00f6\u00dfe nicht offenbar werde, und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du sehen m\u00f6gest. \u2018<\/em><br \/>\n<em>Welche ich lieb habe, die weise ich zurecht und z\u00fcchtige ich. So sei nun eifrig und tue Bu\u00dfe! Siehe, ichs vor der T\u00fcr und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme h\u00f6ren wird und die T\u00fcr auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl ihm halten und er mit mir.<\/em><br \/>\n<em>Wer \u00fcberwindet, dem will ich geben mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich \u00fcberwunden habe und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinen Thron.<\/em><br \/>\n<em>Wer 0hren hat, der h\u00f6re, was der Geist den Gemeinden sagt!<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>\u201eHei\u00df oder kalt, ja oder nein &#8211; lauwarm d\u00fcrfen wir niemals sein!\u201c &#8211; so haben wir als Pfadfinder gesungen. Und auch wenn ich nach Jahrzehnten gelernt habe, dass das nicht geht mit dem Kopf durch die Wand, dass ich nicht darum herumkomme, Kompromisse zu suchen zwischen dem, was ich mit hei\u00dfem Herzen will, und den kalten Fakten und Gegebenheiten &#8211; bis dahin, dass ich in meinem jetzigen Amt geradezu verpflichtet bin, zu vermitteln, zu beschwichtigen, zu temperieren und die Kunst der vorsichtigen und behutsamen Rede zu \u00fcben und damit so manchen Hei\u00dfsporn zu entt\u00e4uschen: lau und lasch, Softie oder Weichei m\u00f6chte ich dennoch nicht sein. Und ich bin sicher, Ihnen geht es nicht anders.<\/p>\n<p>Und eine solche Kirche wollen wir nat\u00fcrlich auch nicht. Genau so wenig \u00fcbrigens wie die Gemeinde im kleinasiatischen Laodicea im ausgehenden ersten Jahrhundert nach Christus. An die ist dieses Schreiben aus der Offenbarung des Johannes ja gerichtet. Das einzige, was bei uns lauwarm ist, h\u00e4tten die damals gesagt, sind die Heilquellen, die in der uns gegen\u00fcberliegenden Stadt Hierapolis hei\u00df aus dem Boden schie\u00dfen und bei uns nur noch lauwarm ankommen. Wer die hier trinkt, dem wird in der Tat spei\u00fcbel. Aber sonst sind wir eine Stadt und eine Kirche zum Vorzeigen. Es geht uns nicht nur gut, wir wissen auch, dass Wohlstand verpflichtet. So haben wir uns, als wir vor einigen Jahren von einem verheerenden Erdbeben getroffen wurden, nicht in Selbstmitleid ge\u00fcbt, haben nicht nach allen Seiten hin die H\u00e4nde aufgehalten. Tatkr\u00e4ftig haben wir angefasst, haben statt Zusch\u00fcsse in Anspruch zu nehmen, unsere stillen Reserven investiert und aus eigener Kraft alles wieder aufgebaut &#8211; sch\u00f6ner als je zuvor. Unsere Textilindustrie boomt, und unsere pharmazeutischen Erzeugnisse, besonders unsere Augensalbe, ist in der ganzen Welt bekannt.<\/p>\n<p>Und uns, der christlichen Gemeinde, ist es binnen weniger Jahrzehnte gelungen, nicht nur Fu\u00df zu fassen, sondern ein geachteter Bestandteil dieser Stadt zu werden. Und wenn wir die Leute fragen, was sie von uns halten und von uns erwarten, bekommen wir zu h\u00f6ren: Gut macht ihr eure Sache. Ihr passt hierher. Ihr kommt an bei den Leuten. Der Glaube an den lebendigen Gott ist doch ganz etwas anderes als die peinliche Selbstverg\u00f6tzung des Kaisers. In euern Gottesdiensten ist was los. Die Atmosph\u00e4re unter euch ist einladend und befreiend. Und dass ihr auch f\u00fcr die Armen und die Kranken was \u00fcbrig habt, bringt euch viele Sympathien auch bei den Leuten, die keine religi\u00f6se Antenne haben.<\/p>\n<p>Womit in aller Welt &#8211; so haben die Christen in Laodicea damals gewiss gefragt &#8211; womit haben wir das verdient, dass uns vorgeworfen wird, wir seien lauwarm und Christus werde im Blick auf uns genauso \u00fcbel wie uns, wenn wir das lauwarme Wasser aus Hierapolis trinken. Der Grund f\u00fcr diesen Vorwurf springt nicht ins Auge, wird erst beim zweiten Hinsehen deutlich. Denn es geht nicht darum, dass die Gemeinde nicht genug getan, zu wenig Engagement gezeigt h\u00e4tte, die Amtstr\u00e4ger zu tr\u00e4ge und einfallslos und die Gemeindeglieder zu passiv, zu sehr der Erwartungshaltung verhaftet gewesen w\u00e4ren. Im Gegenteil, es geht darum, dass die Gemeinde in Laodicea pr\u00e4chtig zurechtkommt &#8211; so pr\u00e4chtig, dass sie ihren Herrn dabei drau\u00dfen vor gelassen hat. Es geht darum, dass die Gemeinde drinnen ist, drinnen in der Stadt, etabliert und profiliert, drinnen in ihren gut besuchten Gottesdiensten und vielbeachteten Aktionen und Projekten &#8211; und Christus drau\u00dfen ist. Das widert ihn an, dass sie ihn im Munde f\u00fchren, ihn aber nicht brauchen und im Ernst auch nicht mit ihm rechnen. Denn ihre Rechen- und Wertma\u00dfst\u00e4be nehmen sie von dem, was sie selbst f\u00fcr richtig halten und womit sie bei den Leuten ankommen. Eine christliche Gemeinde ohne Christus, &#8211; das &#8211; so steht es hier in aller Deutlichkeit &#8211; findet Christus zum Kotzen.<\/p>\n<p>Nun, von Selbstgef\u00e4lligkeit sind wir heute aber doch weit entfernt. Wir sagen ja nicht wie die Gemeinde in Laodicea, die meinte, bei ihnen sei alles in Ordnung und sie brauchten nichts. Nein, uns ist bewusst, dass mit unserem Christentum kein Staat zu machen ist und wir ein eher j\u00e4mmerliches Bild abgeben. Wir \u00fcben Selbstkritik, indem wir fragen: Was machen wir als Kirche falsch? Mit dieser Frage hat unser Kirchenwagen auf dem Marktplatz in Stade gestanden. Wir haben die Menschen aufgefordert: Gebt es uns, sagt, was ihr an der Kirche auszusetzen habt. H\u00e4mmert es in gut lutherischer Art an die Kirchent\u00fcr, die wir euch gleich mitlieferten.<\/p>\n<p>Aber haben wir vergessen, dass Luthers ber\u00fchmte Thesen nicht aus dem bestanden, was die Menschen an der Kirche auszusetzen hatten. Allein darum ist es ihm gegangen, Christus in seiner Kirche wieder Herr sein zu lassen und umzukehren zu ihm. Sind wir demgegen\u00fcber mit unserer Kritikoffenheit, unserer Bu\u00dffertigkeit nicht bei uns und unseren Kritikern geblieben? Und haben Christus drau\u00dfen vorgelassen? M\u00fcsste man von Christen nicht erwarten, dass sie die Frage nach dem, was sie falsch machen, zuerst an ihren Herrn selber richten. An einen Herrn, der uns nicht mit Forderungen ins Haus f\u00e4llt, sondern der uns etwas zu bieten hat, n\u00e4mlich:<\/p>\n<ul>\n<li>das Gold der Wertsch\u00e4tzung Gottes f\u00fcr die, die nichts zu bieten haben und denen mit Geld oder guten Taten auch nicht zu helfen ist, sondern nur ein Gott, der die am Leben Verzweifelnden h\u00f6rt und auch im Tode da ist<\/li>\n<li>das wei\u00dfe Kleid dessen, der neu anfangen darf, auch wenn er oder sie schon alt ist, weil Gott sie und ihn haben will trotz aller Macken und Unansehnlichkeiten<\/li>\n<li>die Augensalbe des Blickes, der die Welt im Lichte Gottes sieht und das Gro\u00dfe auch als gro\u00df erkennt und das Kleine als klein.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Vielleicht kommt das ja doch alles bei uns vor, h\u00fcten wir uns vor vorschnellen Urteilen! Vielleicht steht das ja sogar im Zentrum unserer Gottesdienste, im Zentrum von Unterricht und Seelsorge. Dennoch sollte es uns zu denken geben, dass in einer Zeit, die noch ganz nah dran war an Jesus und den Aposteln, in einer Zeit, in der Christen unter Druck standen und mit Verfolgung rechnen mussten, wo die Sache mit dem Glauben also ungleich verbindlicher war,- dass es in einer solchen Zeit notwendig erschien, einer Gemeinde mit aller H\u00e4rte zu sagen: Christus ist gar nicht unter euch, m\u00f6gt ihr seinen Namen auch noch so sehr im Munde f\u00fchren. Christus steht drau\u00dfen vor der T\u00fcr und klopft an. Nicht um beim Eintreten seiner Wut und seiner Entt\u00e4uschung freien Lauf zu lassen, sondern um bei euch zu sein, mit euch zu reden und mit euch zu essen und zu trinken.<\/p>\n<p>In Laodicea hat man mit Sicherheit die Eucharistie bzw das Abendmahl gefeiert, Und dennoch musste die Gemeinde sich von Christus sagen lassen: Bei euren Feiern stehe ich, den ihr mit eurer Liturgie und euren dogmatisch richtigen Formeln und geheiligten \u00c4mtern fest unter euch zu haben glaubt, da stehe ich drau\u00dfen vor der T\u00fcr und warte drauf, dass ihr mich hereinlasst.<\/p>\n<p>K\u00f6nnen wir heute sicher sein, dass er auf das Herrenmahl mit uns nicht auch vor der T\u00fcr wartet? Er schenke uns Ohren, die ihn h\u00f6ren, und Herzen, die ihn haben wollen. Amen.<\/p>\n<p><strong>Superintendent Rudolf Rengstorf<br \/>\nWilhadikirchhof 11<br \/>\n21682 Stade<br \/>\ne-mail: <a href=\"mailto:Rudolf.Rengstorf@evlka.de\">Rudolf.Rengstorf@evlka.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bu\u00df- und Bettag &#8211; 22.11.2006 Predigt zur Offenbarung des Johannes 3, 14-22, verfa\u00dft von Rudolf Rengstorf Dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Das sagt, der Amen hei\u00dft, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Sch\u00f6pfung Gottes: Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. 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