{"id":11461,"date":"2021-02-07T19:48:54","date_gmt":"2021-02-07T19:48:54","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11461"},"modified":"2023-02-24T21:29:14","modified_gmt":"2023-02-24T20:29:14","slug":"jesaja-65-17-25-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-65-17-25-2\/","title":{"rendered":"Jesaja 65, 17-25"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><b><span style=\"color: #000099;\">Letzter Sonntag des Kirchenjahres, Ewigkeitssonntag, 26. November 2006<br \/>\nPredigt zu Jesaja 65, 17-25, verfa\u00dft von Hans Martin M\u00fcller <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p align=\"center\"><strong>Gottes Antwort<\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">I<\/p>\n<p>Bevor am n\u00e4chsten Sonntag mit dem ersten Advent ein neues Jahr der Kirche beginnt, halten wir heute inne und besinnen uns noch einmal auf das nun hinter uns liegende Jahr. Der letzte Sonntag des Kirchenjahres ist so immer auch ein Tag des R\u00fcckblicks gewesen. An solchen Tagen denken wir besonders an die Toten, die im vergangenen Jahr von uns gegangen sind. In vielen Gemeinden werden ihre Namen verlesen und damit noch einmal in Erinnerung gerufen, welchen Verlust die Familien, die Freunde und die christliche Gemeinde mit ihrem Dahinscheiden erlitten hat. So wurde dieser Tag zum \u201eTotensonntag\u201c &#8211; die Vergangenheit bestimmt damit unseren Blick. Und mit diesem Blick in die Vergangenheit stellt sich uns auch die ernste Frage: Was ist aus ihnen geworden, die uns verlassen haben? Und was wird aus uns, wenn die Zahl unserer Tage abgelaufen ist? Die Verg\u00e4nglichkeit des Lebens beherrscht unsere Stimmung und beschwert unser Gem\u00fct. Hoffnung und Dank kommt dann nur schwer auf gegen das Gewicht der Vergangenheit und den Schmerz \u00fcber den Verlust.<\/p>\n<p>Anders als wir heute blickt der Prophet nicht zur\u00fcck, sondern voraus in die Zukunft, wenn die Stimme Gottes aus ihm spricht: \u201e<em>Siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, da\u00df man der vorigen nicht mehr gedenkt und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird.\u201c <\/em>Mit dem neuen Himmel und der neuen Erde ist das Alte vergangen, da\u00df man seiner nicht gedenkt und da\u00df das Vergangene nicht mehr unsere Herzen beschweren soll. Wir sollen vielmehr uns freuen und fr\u00f6hlich sein \u00fcber das, was auf uns zukommt: \u201e<em>Freuet euch und seid fr\u00f6hlich immerdar \u00fcber das, was ich schaffe<\/em>.\u201c Freuen sollen wir uns, weil Gott selbst sich freut \u00fcber sein Volk, wenn das Weinen und das Klagen aufh\u00f6rt: \u201e<em>Ich will fr\u00f6hlich sein<\/em>\u201c, spricht der Herr, \u201e<em>\u00fcber Jerusalem und mich freuen \u00fcber mein Volk und man soll nicht mehr h\u00f6ren die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Gott freut sich \u00fcber uns, wenn das Weinen und das Klagen aufh\u00f6rt, das wir immer wieder anstimmen, wenn wir das Leid bedenken, das hinter uns liegt. &#8211; \u201eNa, Opa Tietjen, wie geht es denn?\u201c fragte ein Pfarrer einen alten Bauern, den er zum Geburtstag besuchte. \u201eOch, Herr Pastor, man kann nicht genug klagen\u201c war die Antwort. Nicht nur Opa Tietjen hat so gesprochen. \u00dcberall wird heute davon geredet, da\u00df wir Weltmeister im Jammern sind, und auch in der Kirche werden wir oft genug aufgefordert, die Klage und die Tr\u00e4nen nicht zu unterdr\u00fccken, sondern mit den Klagepsalmen all unser Leid vor Gott auszusch\u00fctten. Es ist ja wahr &#8211; die Freude kann man niemanden anbefehlen. \u201eWes das Herz voll ist, des geht der Mund \u00fcber\u201c, sagt Jesus (Mt. 12, 34). Wenn unser Herz voll Trauer und Hoffnungslosigkeit ist, dann ist uns nicht nach Freudenges\u00e4ngen zumute und es w\u00e4re nicht ehrlich, Gott dann Fr\u00f6hlichkeit vorzuspielen.<\/p>\n<p>Aber an einem Tag wie heute, wo wir innehalten und auf das vergangene Jahr zur\u00fcckblicken, m\u00fcssen wir auch bedenken, was uns durch den Mund des Propheten gesagt wird: Da\u00df Gott sich nicht freut \u00fcber unser Klagen und Weinen, sondern da\u00df er sich freut \u00fcber unsere Freude &#8211; die Freude \u00fcber das, was er schaffen will &#8211; den neuen Himmel und die neue Erde. Sie werden uns das Alte, das Vergangene vergessen lassen, da\u00df es unser Herz nicht mehr beschweren kann. Er will es schaffen und dar\u00fcber sollen wir uns freuen. \u201eDenn die fr\u00fcheren \u00c4ngste sind vergessen und vor meinen Augen entschwunden,\u201c ruft er uns zu. (Jes. 65, 16 b).<\/p>\n<p>Und so schaut der Prophet nicht zur\u00fcck, sondern nach vorn auf das, was vor ihm liegt. Was hinter ihm und hinter seinem Volk liegt, will er vergessen: Die Flucht und Vertreibung aus Jerusalem und dem gelobten Land, die Bedr\u00fcckung in der Gefangenschaft \u201ean den Wasserfl\u00fcssen Babylons\u201c, die Heimkehr in ein verw\u00fcstetes und darnieder liegendes Land. All das will er vergessen. Denn es soll nun alles anders werden: \u201e<em>Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erf\u00fcllen, sondern als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt<\/em>.\u201c Ein langes und erf\u00fclltes Leben wird uns verhei\u00dfen, ein Leben an dem wir uns lange erfreuen und auf das wir zufrieden zur\u00fcckblicken k\u00f6nnen. \u201e<em>Sie werden H\u00e4user bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und ihre Fr\u00fcchte essen. Sie sollen nicht bauen, was ein anderer bewohne, und nicht pflanzen<\/em>, <em>was ein anderer esse. Denn die Tage meines Volkes werden sein wie die Tage eines Baumes und ihrer H\u00e4nde Werk werden meine Auserw\u00e4hlten genie\u00dfen<\/em>.\u201c Das, was uns noch heute als Lebensziel so wichtig ist, sieht der Prophet vor seinen Augen in der Zukunft aufsteigen: Sicherheit und Frieden. Was ich erarbeitet habe, wird mir bleiben, kein anderer wird es mir wegnehmen; was ich gepflanzt habe, werde ich auch ernten und genie\u00dfen d\u00fcrfen. \u201e<em>Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder f\u00fcr einen fr\u00fchen Tod zeugen, denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des Herrn, und ihre Nachkommen sind bei ihnen.<\/em>\u201c Nicht allein f\u00fcr die H\u00f6rer des Prophetenwortes gilt die Verhei\u00dfung von Sicherheit und Frieden; nein, auch ihre Kinder werden daran teilhaben und nicht vor ihnen weggerafft werden durch einen fr\u00fchen Tod. Im Kreise ihrer Nachkommen werden sie leben und gemeinsam mit ihnen die Frucht ihrer Arbeit genie\u00dfen. Und wenn Furcht \u00fcber sie kommt, ob der Segen Gottes auch anhalten werde, so hat der Herr sie schon geh\u00f6rt: \u201e<em>Ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich h\u00f6ren<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Es ist das Bild des Paradieses, das dem Propheten hier vor Augen steht: \u201e<em>Wolf und Schaf sollen beieinander weiden; der L\u00f6we wird Stroh fressen wie das Rind und die Schlange mu\u00df Erde fressen. Sie werden weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der Herr.\u201c \u201e<\/em>Welch Schauspiel &#8211; aber ach, ein Schauspiel nur.\u201c Ein sch\u00f6nes Bild &#8211; aber doch nur ein Bild. Ein Bild, dessen Einzelz\u00fcge alle aus unserer Lebenserfahrung stammen, wie wir sie in der Vergangenheit angesammelt haben &#8211; nur ist alles umgekehrt. Seltsam, da\u00df wir uns die verhei\u00dfene Zukunft nur als Kehrbild der Vergangenheit vorstellen k\u00f6nnen. All das, was wir an Leid und Not aus der Vergangenheit kennen &#8211; da\u00df Kinder sterben, da\u00df Alte vereinsamen, da\u00df unsere Arbeit von anderen ausgebeutet wird und da\u00df zusammenbricht, was wir gebaut haben, da\u00df in der Natur Gefahren auf uns lauern, da\u00df unser Gebet nicht erh\u00f6rt worden ist &#8211; all das kehrt sich in den Augen des Propheten um in sein Gegenteil. Ist es da ein Wunder, da\u00df wir mi\u00dftrauisch werden? Hat damit nicht doch die Vergangenheit \u00fcber die Zukunft gesiegt? Werden damit nicht alle Zweifel wach: Wozu das Ganze? Warum hat Gott nicht gleich die Welt so eingerichtet, wie er sie am Ende haben will? Kann man denn all diesen Bildern trauen? Ich erinnere mich, wie ich als Vikar versucht habe, das himmlische Jerusalem, die Gottesstadt mit den Bildern der Offenbarung Johannis in all seinem Glanz der goldenen Gassen und perlengeschm\u00fcckten Toren vor Augen zu stellen. Nach dem Gottesdienst sagte die Hausdame des Predigerseminars ganz traurig zu mir: \u201eUnd ich habe mir das Himmelreich doch immer als einen gro\u00dfen Garten vorgestellt\u201c. So geht es, wenn wir die Bilder unserer Vorstellungswelt f\u00fcr die Wirklichkeit nehmen und uns Gott als den gro\u00dfen Wunscherf\u00fcller der Menschen denken. Mi\u00dftrauen und Zweifel siegen \u00fcber Hoffnung und Zuversicht.<\/p>\n<p>Darum haben wir inzwischen begonnen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Sch\u00f6pfung wurden zur menschlichen Aufgabe erkl\u00e4rt, sie \u201eherzustellen\u201c zu Sinn und Ziel <em>unseres<\/em> Bem\u00fchens. Und die radikaleren Geister gaben die Losung aus: \u201eHilf dir selbst, dann hilft dir Gott\u201c. Die ganze Menschheit als eine \u00fcberdimensionierte Selbsthilfegruppe. Was Wunder, da\u00df den meisten dabei Gott mehr und mehr aus den Augen ger\u00e4t.<\/p>\n<p align=\"center\">II<\/p>\n<p>Zweifel und Unglaube gegen\u00fcber Gottes Verhei\u00dfung sind nicht nur Zeichen unserer, der modernen Zeiten. Schon Jesus mu\u00dfte sich den Spott der Sadduz\u00e4er anh\u00f6ren, die nicht an die Ewigkeit zu glauben vermochten. Sie hielten ihm die Geschichte jener Frau vor, die die Ehefrau von sieben Br\u00fcdern gewesen war, die sie nach dem j\u00fcdischen Gesetz nach dem Tode des jeweils \u00e4lteren Bruders geheiratet hatten. \u201eWessen Frau wird sie nun im Himmelreich sein?\u201c fragten die Sadduz\u00e4er, um Jesu Verk\u00fcndigung des kommenden Gottesreiches ad absurdum zu f\u00fchren. Jesus weist sie kurz zurecht: \u201eIhr irrt, weil ihr weder die Schrift kennt noch die Kraft Gottes. Denn in der Auferstehung werden sie weder heiraten noch sich heiraten lassen, sondern sie sind wie die Engel im Himmel.\u201c (Mt. 22, 29f.)<\/p>\n<p>Die Zukunft, die Gott uns bereitet hat, l\u00e4\u00dft sich nicht nach irdischen Ma\u00dfst\u00e4ben messen. Unsere menschliche Vorstellungskraft mu\u00df versagen, wenn wir die Kraft Gottes beschreiben wollen. Wir k\u00f6nnen uns kein Bild davon machen, weil sie weder dem Abbild noch dem Gegenbild irdischer Verh\u00e4ltnisse entspricht. Paul Gerhardt singt davon in seinem Morgenlied, in der er die g\u00fcldne Sonne preist und das menschliche Auge, das schauen darf, \u201ewas Gott gebauet zu seinen Ehren und uns zu lehren, wie sein Verm\u00f6gen sei m\u00e4chtig und gro\u00df, und wo die Frommen dann sollen hinkommen, wenn sie in Frieden von hinnen geschieden aus dieser Erden verg\u00e4nglichem Scho\u00df.\u201c Die Sch\u00f6nheit der Welt gibt uns einen Hinweis auf das, was Gott uns zugedacht hat. Aber mehr als ein Hinweis ist es nicht. Und so f\u00e4hrt der Dichter fort: \u201eAlles in allem mu\u00df brechen und fallen. Himmel und Erden die m\u00fcssen das werden, was sie vor ihrer Erschaffung gewest. Alles vergehet, Gott aber stehet ohn alles Wanken; seine Gedanken, sein Wort und Wille hat ewigen Grund. Sein Heil und Gnaden, die nehmen nicht Schaden, heilen im Herzen die t\u00f6dlichen Schmerzen, halten und zeitlich und ewig gesund.\u201c<\/p>\n<p>Auf diesen ewigen Grund richtet sich unser Glaube. Ihm gegen\u00fcber ist auch alles Gute und Sch\u00f6ne, was wir hier auf Erden erleben und erfahren d\u00fcrfen und was wir uns in den k\u00fchnsten Tr\u00e4umen ausdenken k\u00f6nnen, nur ein schwaches Abbild. \u201eAlles Verg\u00e4ngliche ist nur ein Gleichnis.\u201c Mehr nicht. Sobald ein solches Gleichnis vor unserm Auge erscheint, steht auch das Gegenbild unserer Lebenserfahrung da: die t\u00f6dlichen Schmerzen, die eine unerbittliche Natur und die grausame K\u00e4lte fehlgeleiteter Menschlichkeit uns zuf\u00fcgen. Und deshalb m\u00fcssen wir uns h\u00fcten, das Bild &#8211; und sei es das Gegenbild &#8211; f\u00fcr die Wirklichkeit Gottes zu nehmen. Ein gro\u00dfer Theologe unserer Zeit hatte darum von der \u201eNacht der Bildlosigkeit\u201c gesprochen, die sich \u00fcber uns gesenkt habe. \u201eGott wohnt in einem Lichte, da niemand zukommen kann.\u201c (1. Tim. 6, 16) Es liegt eine f\u00fcr uns alle un\u00fcberwindliche Grenze zwischen Zeit und Ewigkeit &#8211; diese Grenze ist der Tod. So sprechen der Totensonntag und der Ewigkeitssonntag dieselbe Sprache. Da\u00df wir diese Grenze mit ihrer Un\u00fcberwindlichkeit in unserer Zeit deutlicher sp\u00fcren als viele Geschlechter vor uns, mu\u00df uns die Augen \u00f6ffnen f\u00fcr all die Halbheiten und falschen Tr\u00f6stungen, mit denen die Menschen immer wieder das Bewu\u00dftsein dieser Grenze zu verdr\u00e4ngen gesucht haben. \u201eDer Rest ist Schweigen\u201c &#8211; weiter als Hamlet kommen wir nicht.<\/p>\n<p>Wirklich nicht? \u201eDas ewige Schweigen dieser unendlichen R\u00e4ume \u00e4ngstigt mich\u201c, hat Blaise Pascal angesichts des gestirnten Himmels ausgerufen, der einem Immanuel Kant Ehrfurcht eingefl\u00f6\u00dft hatte. So wohltuend die Stille in unserer lauten Welt auf uns wirkt, ewiges Schweigen halten wir nicht aus. Etwas ruft in uns und wartet auf Antwort. Dieses Etwas ist die Sehnsucht, die sich in uns nach der Ewigkeit ausstreckt. Als vor dem Liederdichter das Bild Jerusalems, der hochgebauten Stadt auftaucht, da wei\u00df er: es ist nur ein Bild. Aber ein Bild, an dem seine Sehnsucht sich festmachen darf. \u201eMein sehnlich Herz so gro\u00df Verlangen hat und ist nicht mehr bei mir. Weit \u00fcber Berg und Tale, weit \u00fcber blaches Feld schwingt es sich \u00fcber alle und eilt aus dieser Welt.\u201c (EG 150, 1). Ist Weltflucht das einzige, was uns tr\u00f6sten kann in der bildlosen Nacht des Schweigens? Nein, aber wir m\u00fcssen wissen, da\u00df ohne ein \u201eDar\u00fcber hinaus\u201c, da\u00df ohne diese Sehnsucht nach der Ewigkeit all unser Tun und Lassen hier auf Erden trostlos und vergeblich ist. Ohne diese Sehnsucht nach der Ewigkeit bleibt uns hier auf der Erde nichts als die Devise \u201eLasset uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot.\u201c (1. Kor. 15, 32). Lebt nicht unsere ganze Gesellschaft auch heute danach? Und was ist die Frucht davon &#8211; was kommt dabei heraus? Der Tod, antwortet der Apostel kurz und b\u00fcndig. (R\u00f6m 6, 21). Wir k\u00f6nnen wohl eine Weile die Augen davor verschlie\u00dfen, aber irgendwann holt die Erkenntnis uns ein: Wenn die Sehnsucht nach der Ewigkeit in uns erstirbt, verliert unser Leben, unser Tun und Lassen seinen Sinn. Diese Sehnsucht ist es, die uns in dieser Welt h\u00e4lt und uns unsere t\u00e4gliche Arbeit tun l\u00e4\u00dft und uns die Hoffnung gibt, da\u00df sie nicht vergeblich ist im Herrn.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen diese Sehnsucht auch Heimweh nennen, Heimweh nach der ewigen Heimat. Diese Heimat ist gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig, wie wir heute sagen. Sie ist es darum, weil alle Bilder, die wir und unsere Vorv\u00e4ter sich von ihr gemacht haben, hinf\u00e4llig geworden sind. Ganz neu m\u00fcssen wir uns an diese Ewigkeit herantasten, ohne sie hier erreichen zu k\u00f6nnen: \u201eO Ewigkeit so sch\u00f6ne, mein Herz an dich gew\u00f6hne. Mein Heim ist nicht in dieser Zeit.\u201c (EG 481, 5) Aber das Heimweh sagt uns nicht, da\u00df wir auch nach Hause kommen. Darum ruft die Sehnsucht unseres Herzens nach einer Antwort, darum halten wir ewiges Schweigen nicht aus.<\/p>\n<p>\u201e<em>Ehe sie rufen, will ich antworten<\/em>\u201c, l\u00e4\u00dft Gott seinen Propheten wissen. Unser Vater im Himmel hat sich nicht in Schweigen geh\u00fcllt. Noch ehe wir zu rufen wagten, hat er zu uns gesprochen in seinem Sohn. Er hat in seinen Erdentagen unser Leben geteilt und ist den bitteren Weg der Ungewi\u00dfheit an das Kreuz gegangen, um uns gewi\u00df zu machen. Darum wollen wir aufh\u00f6ren zu schreien und zu klagen und stille werden und hinh\u00f6ren auf das, was er uns sagt: \u201eIch lebe und ihr sollt auch leben.\u201c Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong> Prof. Dr. Hans Martin M\u00fcller<br \/>\n<a href=\"mailto:muellerhm@gmx.de\">muellerhm@gmx.de <\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzter Sonntag des Kirchenjahres, Ewigkeitssonntag, 26. 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