{"id":11463,"date":"2021-02-07T19:49:07","date_gmt":"2021-02-07T19:49:07","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11463"},"modified":"2023-02-02T22:09:07","modified_gmt":"2023-02-02T21:09:07","slug":"jesaja-65-17-24","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-65-17-24\/","title":{"rendered":"Jesaja 65, 17-24"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Letzter Sonntag des Kirchenjahres, Ewigkeitssonntag, 26. November 2006<br \/>\nPredigt zu Jesaja 65, 17-24, verfa\u00dft von Michael Rambow<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Die Infusionskan\u00fcle ist mit Pflaster am Fu\u00df fixiert. Ein blasses Gesicht. Ein M\u00e4dchen in einem Krankenhausbett \u00fcber Schl\u00e4uche in Mund und Nase verbunden mit Apparaten, die Leben versprechen und Verhei\u00dfenes doch nicht einl\u00f6sen k\u00f6nnen. Am Ende eine Tote in rote T\u00fccher eingeh\u00fcllt in einem Sarg. Die Farben der Liebe als Letztes.<br \/>\nElisa Nissa Dietrich hat das Sterben ihrer Schwester fotografiert. Mit diesen unmittelbaren, vorsichtigen und trotzdem nahen Bildern gewann die 20-J\u00e4hrige in ihrer Altersgruppe den Deutschen Jugendfotopreis 2006.<br \/>\nAngesichts des Endes muss man eine Antwort finden: \u201eWas kommt nun?\u201c<\/p>\n<p>Im Buch des Propheten Jesaja im Alten Testament hei\u00dft es:<br \/>\n<em>\u201eDenn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird.<\/em><br \/>\n<em>Freuet euch und seid fr\u00f6hlich immerdar \u00fcber das, was ich schaffe&#8230;Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erf\u00fcllen, sondern als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt, und wer die hundert Jahre nicht erreicht, gilt als verflucht&#8230;Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder f\u00fcr einen fr\u00fchen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des HERRN, und ihre Nachkommen sind bei ihnen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Sind wir heutzutage nicht ziemlich nahe dran an dieser ewig getr\u00e4umten sch\u00f6nen neuen Welt? Therapeutisches Klonen verhei\u00dft, dass mancher fr\u00fche Tod k\u00fcnftig vermieden werden wird. Die Chancen steigen, dass die nat\u00fcrlichen Grenzen weiter hinaus geschoben werden. Die durchschnittliche Lebenserwartung in unseren Breiten geht mittlerweile an die 80 Jahre.<br \/>\nTrotzdem zeigt jeder Tod fr\u00fcher oder sp\u00e4ter die Grenzen und weckt Fragen, was dagegen h\u00e4tte getan werden k\u00f6nnen. Der Tod kann ein schlechtes Gewissen machen. Dieses Leben ist nicht wie es sein sollte.<\/p>\n<p>Hermann Schreiber gibt davon ein anr\u00fchrendes Zeugnis. Der Hamburger Journalist und fr\u00fchere GEO-Chefredakteur beschreibt ungesch\u00f6nt und sehr pers\u00f6nlich Reue und Schuldgef\u00fchle angesichts des Sterbens der alten Mutter. \u201eDas gute Ende\u201c nennt er sein Buch \u201eWider die Vergesslichkeit des Todes\u201c. Vor dem Ende z\u00e4hlen keine Entschuldigung und keine Leistung. Das Schlimmste ist, dass wir uns damit nicht auseinander setzen sagt Hermann Schreiber.<br \/>\nAber der Tod holt jeden ein. Pl\u00f6tzlich anl\u00e4sslich der Beerdigung des Kollegen, der Nachbarin, der eigenen Schwester muss man sich Rechenschaft geben. Was f\u00fcllt meine Lebenszeit? Worauf gr\u00fcndet sich mein Zutrauen, dass ich heute wie gestern und morgen wie heute aufstehe die Termine im Kalender selbstverst\u00e4ndlich wahrnehme? Wird alles sinnlos, wenn es fr\u00fcher oder sp\u00e4ter im Tod endet? Die t\u00e4gliche Arbeit, schreiben, lesen, m\u00fchen \u2013 alles vergeblich? Macht der Tod die Liebe \u00fcberfl\u00fcssig? Irgendwann ist jedes Leben wie ein abgeschnittenes Band. Bis hierher und nicht weiter ist die Todesbilanz. Sie krampft das Herz zusammen. Sie verschleiert den Blick mit Tr\u00e4nen. Sie raubt nachts den Schlaf im einsamen Bett. Sie macht sinnvolles Handeln am Tag schwer. Angesichts des Endes sind die Verhei\u00dfung und der Traum von einem neuen Himmel und einer neuen Erde schwer vorstellbar.<\/p>\n<p>Der Glaube hat sich mit den so genannten Realit\u00e4ten nie abgefunden. &#8222;Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaf\u00adfen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen soll.&#8220; Jesaja tr\u00e4umt von einer vollkommen anderen neuen Welt. Als Knabe gilt, wer hundertj\u00e4hrig stirbt. Kein Weinen. Keine Ratlosigkeit. Kein vergebliches, zu fr\u00fch abgebrochenes Leben.<br \/>\nUnter diesem neuen Himmel auf dieser neuen Erde muss es eine Lust und wie im Paradies sein zu leben. Gottes \u00dcberschuss an Verhei\u00dfungen n\u00e4hrt Lebenshoffnung. Wo der Tod mit H\u00e4nden zu greifen ist setzt der Glaube Hoffnungsbilder dagegen. Es wird alles noch ganz anders sein. Sei getrost. Glaube wagt das K\u00fchnste. Die Hoffnungsbilder des Glaubens r\u00e4umen das Sterben nicht weg. Sie helfen auszuhalten, was einem immer wieder begegnet: Der b\u00f6se Tod wenn die alte Frau im Heim und die junge Schwester nach r\u00e4tselhafter Krankheit sterben.<br \/>\nSolche bitteren Erfahrungen mit Hoffnungsbildern aus dem \u00dcberschuss der Verhei\u00dfungen Gottes auff\u00fcllen lassen. Das ist die Ungeheuerlichkeit des Glaubens. Mich erwartet neues Leben. Nicht aus unseren Erfahrungen f\u00fcllt sich diese Hoffnung. Der Glaube begr\u00fcndet Hoffnung nicht aus dem eigenen Handeln oder W\u00fcnschen. Der Mensch braucht Erl\u00f6sung. Gott kann und will noch ganz anders auf unsere Lebenserfahrungen, auf die Schuldgef\u00fchle die unerledigten Unvollkommenheiten, auf die Rechenexempel nach denen sich erf\u00fclltes Leben darstellt antworten. Dieser \u00dcberschuss an Verhei\u00dfungen hilft, das Leben zu gestalten.<br \/>\nSolange wir hier sind, hat der \u00dcberschuss an Verhei\u00dfungen Gottes fragmentarischen Charakter. Beziehungen bleiben gef\u00e4hrdet. Handeln kann sinnlos erscheinen. Schmerz tut weiterhin weh. Verluste machen immer traurig. Hoffnung kann nur gelebt werden, wenn sie sich dem ausliefert, der vom Tod nicht betroffen ist. Gott ist jenseits unserer Hoffnungslosigkeiten. Er gibt gewisserma\u00dfen die Br\u00fccke, wenn wir an den eigenen Grenzen angekommen sind.<\/p>\n<p>Suchen wir nicht nach dieser Br\u00fccke, die uns hin\u00fcber hilft zu anderen Einsichten und Antworten auf die Fragen? Suchen wir nicht nach dem Land, wo Schmerz gestillt, Trauer getr\u00f6stet werden und neue R\u00e4ume sich \u00f6ffnen angesichts von Trost- und Sinnlosigkeit?<br \/>\n&#8222;Freut euch und seid fr\u00f6h\u00adlich \u00fcber das, was ich schaffe&#8220; (V. 18a) lautet die gute Nachricht dieses Tages. Die Verhei\u00dfungen Gottes, die Jesaja weitergibt, treffen uns im\u00admer in leidvoller Zeit. Je nachdem werden sie uns n\u00e4her oder ferner, leichter glaubhaft oder zweifelhafter klingen. Aber es bleiben verhei\u00dfungsvolle Hoffnungsbilder. Wir brauchen sie um zu leben.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Michael Rambow<br \/>\nAm Domplatz 8<br \/>\n21220 Seevetal-Ramelsloh<br \/>\nTelefon 04185\/ 2229<br \/>\neMail: <a href=\"mailto:ev.luth.kirche.ramelsloh@freenet.de\"> ev.luth.kirche.ramelsloh@freenet.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzter Sonntag des Kirchenjahres, Ewigkeitssonntag, 26. November 2006 Predigt zu Jesaja 65, 17-24, verfa\u00dft von Michael Rambow Die Infusionskan\u00fcle ist mit Pflaster am Fu\u00df fixiert. Ein blasses Gesicht. Ein M\u00e4dchen in einem Krankenhausbett \u00fcber Schl\u00e4uche in Mund und Nase verbunden mit Apparaten, die Leben versprechen und Verhei\u00dfenes doch nicht einl\u00f6sen k\u00f6nnen. Am Ende eine Tote [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":7998,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22,1,2,727,853,114,811,349,930,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-11463","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-jesaja","category-aktuelle","category-at","category-archiv","category-bibel","category-deut","category-kapitel-65-chapter-65","category-kasus","category-letzter-so-des-kirchenjahres","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11463","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11463"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11463\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16361,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11463\/revisions\/16361"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7998"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11463"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11463"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11463"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=11463"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=11463"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=11463"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=11463"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}