{"id":11466,"date":"2021-02-07T19:49:00","date_gmt":"2021-02-07T19:49:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11466"},"modified":"2023-02-07T14:23:01","modified_gmt":"2023-02-07T13:23:01","slug":"matthaeus-11-25-30-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-11-25-30-5\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 11, 25-30"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Letzter Sonntag des Kirchenjahres, Ewigkeitssonntag, 26. November 2006<br \/>\nPredigt zu Matth\u00e4us 11, 25-30, verfa\u00dft von Hanne Sander (D\u00e4nemark) <\/span><\/b><\/h3>\n<p>(Text der d\u00e4nischen Perikopenordnung)<\/p>\n<p>Die Trinitatiszeit ist heute zuende mit dem letzten Sonntag des Kirchenjahres. Die Zeit, die im Juni begonnen hat, hat auch mit Worten aus dem Matth\u00e4usevangelium begonnen, n\u00e4mlich mit den Worten, mit denen Jesus die J\u00fcnger in die Welt schickt, wenn sie \u201dalle V\u00f6lker zu seinen J\u00fcngern machen sollen, indem sie sie taufen und sie lehren: \u2019Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.\u2019\u201d<\/p>\n<p>Und jetzt endet das Kirchenjahr mit einem \u00e4hnlichen Wort:<br \/>\n\u201dAlles hat mein Vater mir \u00fcbergeben, \u2013 er, der der Herr des Himmels und der Erde ist.\u201d<\/p>\n<p>Die Worte klangen so machtvoll \u2013 damals im Sommer \u2013 und sie entsprachen in gewisser Weise der Lebensstimmung dieser Jahreszeit, als die Tage hell und lang waren und wir glaubten, so viel bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite finde ich, dass sich im Evangelientext des heutigen Tages eine andere Lebensstimmung bemerkbar macht. Gewiss ist von Macht und Willen und Vollmacht die Rede, aber sie ist von anderer Art \u2013 nicht so hochsommerlich \u2013 nicht so sicher.<\/p>\n<p>Das m\u00f6gen nun blo\u00dfe Gef\u00fchle und willk\u00fcrlicher Vergleich sein, aber die Macht bleibt, jetzt aber deutlich erkennbar problematisiert.<\/p>\n<p>Warum preist Jesus Gott darum, dass er den Weisen und Klugen etwas verborgen hat, was er den Unm\u00fcndigen offenbart hat?<br \/>\nUnd was ist es, das er verborgen hat?<\/p>\n<p>Paulus diskutiert es seinerseits hin und her mit der Gemeinde in Korinth, und in dem Brief des Paulus, den wir aus dieser Korrespondenz noch heute besitzen, wird deutlicher, was da Ansto\u00df erregt, was am Christentum so unverst\u00e4ndlich ist, sobald die \u00dcberlegungen und Diskussionen von Macht handeln und um die Frage gehen, wer Macht \u00fcber was besitzt.<\/p>\n<p>Es gelingt Paulus, sich gegen\u00fcber der Gemeinde in Korinth so zu formulieren, dass kein Zweifel bestehen kann:<br \/>\n\u201eDenn ich hielt es f\u00fcr richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten.\u201c<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Paulus sagt direkt, dass das Christentum, das er predigt, und der Gott, den er verk\u00fcndet, weder ein besseres Leben noch L\u00f6sung von Problemen versprechen. Paulus zeichnet nicht das Bild von Gott, das zu zeichnen wir gelegentlich versucht sein k\u00f6nnen, n\u00e4mlich von einem Gott, der alles in Ordnung bringen k\u00f6nnen soll, Kriege verhindern, Krankheit und Tod abwehren, Willk\u00fcrlichkeit und Ungerechtigkeit erkl\u00e4ren k\u00f6nnen soll, als ob wir meinten, dass es genau dies sei, wozu man einen Gott habe.<\/p>\n<p>Nein, \u201eich hielt es f\u00fcr richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten\u201c, schreibt Paulus entschlossen, wohl wissend, wie problematisch es ist.<\/p>\n<p>Denn im selben Brief schreibt Paulus nahezu dasselbe, was Matth\u00e4us als Worte Jesu referiert: \u201eDenn was t\u00f6richt ist vor der Welt, das hat Gott erw\u00e4hlt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erw\u00e4hlt, damit er zuschanden mache, was stark ist; und das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erw\u00e4hlt, das, was nichts ist, damit er zunichte mache, was etwas ist, damit sich kein Mensch vor Gott r\u00fchme.\u201c<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, zwei Dinge im selben Atemzug zu sagen \u2013 aber zwei Dinge, die miteinander zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Jesus Christus nur als den Gekreuzigten predigen zu wollen ist dasselbe, wof\u00fcr Jesus Gott preist, dass er es den Weisen und Klugen verberge und den Unm\u00fcndigen offenbare, n\u00e4mlich von Gott zu reden und Gott in Christus zu sehen \u2013 nicht als den Allm\u00e4chtigen und deshalb im Verh\u00e4ltnis zu unseren Erfahrungen Fernen \u2013 sondern als den Mitleidenden und Gegenw\u00e4rtigen.<\/p>\n<p>Das Christentum und der Glaube an Christus befreien uns ja nicht von unseren menschlichen Lebensbedingungen, wo es auch Ungl\u00fcck und Trauer und Zweifel gibt. Die Wirklichkeit ist ja nicht so, dass wir davon befreit w\u00e4ren, Lasten zu tragen, sondern die Predigt \u00fcber Jesus als den Gekreuzigten ist eine Zusage der N\u00e4he, wir wissen, dass wir die Lasten nicht allein tragen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir. Das hei\u00dft auch: seht der Wirklichkeit in die Augen, macht euch nichts vor, denn auch wenn es nicht immer Hochsommer ist, sondern auf alle m\u00f6glichen Weisen Herbst und Winter in unserem Leben kommen, so soll es euch nicht den Glauben nehmen. Gott ist nicht nur in dem hohen Licht, in den Tagen, wenn sie hell und klar sind, sondern Gott ist auch bei uns, wenn das Licht abnimmt und die Tage k\u00fcrzer werden, wenn wir nicht mehr so klar sehen k\u00f6nnen, ja, wenn wir nahe daran sind, aufzugeben, weil wir die Finsternis und Furcht nicht begreifen, die in uns sein k\u00f6nnen wie ein Herbststurm, der alles zerrei\u00dft.<\/p>\n<p>Was an diesem letzten Sonntag im Kirchenjahr wichtig sein kann zu h\u00f6ren und was der Evangelientext sagt, ist dies, dass die gute Sommerstimmung richtig war; die hohen Zeiten sind wirklich, aber wir brauchen nicht darum herumzul\u00fcgen, dass wir die Sommerstimmung nicht haben festhalten k\u00f6nnen. Wir haben entgegengesetzte und widersprechende Erfahrungen gemacht Die Tage wurden dunkler und k\u00e4lter. Aber die Verhei\u00dfung der N\u00e4he gilt nach wie vor: ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.<\/p>\n<p>Deshalb k\u00f6nnen wir singen: \u201eHerr Christus, dir zu Ehren schlie\u00dfen wir unser Kirchenjahr, trostvoll soll unser Abschied sein.\u201c<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p><strong>Pastor Hanne Sander<br \/>\nPrins Valdemarsvej 62<br \/>\nDK-2820 Gentofte<br \/>\nTel.: +45 39 65 52 72<br \/>\ne-mail: <a href=\"mailto:sa@km.dk\">sa@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00dcbersetzung aus dem D\u00e4nischen: Dietrich Harbsmeier<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzter Sonntag des Kirchenjahres, Ewigkeitssonntag, 26. November 2006 Predigt zu Matth\u00e4us 11, 25-30, verfa\u00dft von Hanne Sander (D\u00e4nemark) (Text der d\u00e4nischen Perikopenordnung) Die Trinitatiszeit ist heute zuende mit dem letzten Sonntag des Kirchenjahres. 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