{"id":11467,"date":"2021-02-07T19:49:03","date_gmt":"2021-02-07T19:49:03","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11467"},"modified":"2023-02-05T20:49:35","modified_gmt":"2023-02-05T19:49:35","slug":"jesaja-65-17-25","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-65-17-25\/","title":{"rendered":"Jesaja 65, 17-25"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Letzter Sonntag des Kirchenjahres, Ewigkeitssonntag, 26. November 2006<br \/>\nPredigt zu Jesaja 65, 17-25, verfa\u00dft von Johannes Boenecke<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Bevor am n\u00e4chsten Sonntag mit dem ersten Advent ein neues Kirchenjahr beginnt, denken wir heute noch einmal zur\u00fcck auf die hinter uns liegende Zeit. In besonderer Weise denken wir an die Verstorbenen, die im vergangenen Jahr von uns gegangen sind. In vielen Gemeinden werden, wie bei uns, ihre Namen verlesen. Viele Familien gehen heute \u00fcber den Friedhof, ein Weg, der uns die Verg\u00e4nglichkeit allen Lebens so schmerzlich bewusst werden l\u00e4sst. jeder Grabstein erinnert uns an eine Lebensgeschichte, die nicht selten viel zu fr\u00fch abriss. Es gibt so viel Leid auf dieser Welt, deren Wunden die Zeit nicht so einfach heilen kann. Oft bleiben Fragen zur\u00fcck, f\u00fcr die man auch nach Jahren noch nach einer Antwort sucht.<\/p>\n<p>Wo Liebe ist, das ist auch Trauer. Es f\u00e4llt so schwer, den Weg allein weiterzugehen, den man so oft und gern gemeinsam ging! Welchen Trost kann es da geben? Der Name des heutigen Sonntags, Ewigkeitssonntag, zeigt uns eine neue Perspektive. Dazu werden uns die Worte unseres Herrn im Buch des Propheten Jesaja als trostreiches Bild gesagt :<\/p>\n<p><em>17 Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. <\/em><br \/>\n<em>18 Freuet euch und seid fr\u00f6hlich immerdar \u00fcber das, was ich schaffe. Denn siehe, ich will Jerusalem zur Wonne machen und sein Volk zur Freude, <\/em><br \/>\n<em>19 und ich will fr\u00f6hlich sein \u00fcber Jerusalem und mich freuen \u00fcber mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr h\u00f6ren die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. <\/em><br \/>\n<em>20 Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erf\u00fcllen, sondern als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt, und wer die hundert Jahre nicht erreicht, gilt als verflucht. <\/em><br \/>\n<em>21 Sie werden H\u00e4user bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und ihre Fr\u00fcchte essen. <\/em><br \/>\n<em>22 Sie sollen nicht bauen, was ein anderer bewohne, und nicht pflanzen, was ein anderer esse. Denn die Tage meines Volks werden sein wie die Tage eines Baumes, und ihrer H\u00e4nde Werk werden meine Auserw\u00e4hlten genie\u00dfen. <\/em><br \/>\n<em>23 Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder f\u00fcr einen fr\u00fchen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des HERRN, und ihre Nachkommen sind bei ihnen. <\/em><br \/>\n<em>24 Und es soll geschehen: Ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich h\u00f6ren. <\/em><br \/>\n<em>25 Wolf und Schaf sollen beieinander weiden; der L\u00f6we wird Stroh fressen wie das Rind, aber die Schlange muss Erde fressen. Sie werden weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der HERR.<\/em><\/p>\n<p>In diesem Bild gehen T\u00fcren auf. Da scheint es keine Grenze mehr zu geben zwischen Leben und Tod. Niemand wird mehr weinen, trauern oder klagen. Ein neuer Himmel und eine neue Erde werden entstehen. Eine Welt wird entstehen, in der Eltern nicht mehr \u00fcber den Verlust ihres Kindes trauern brauchen, denn als Knabe gilt, wer im Alter von 100 Jahren stirbt. Das klingt wie ein Traum von ewiger Jugend.<\/p>\n<p>Kinder fragen uns manchmal ganz direkt, wie es wohl im Himmel sein mag. Sie machen sich ihre Gedanken. Und manchmal haben sie viel klarere Vorstellungen vom Himmel, als wir Gro\u00dfen. Sie k\u00f6nnen sagen; \u201eDie Oma oder der Opa sind doch gar nicht tot. Die leben doch jetzt bei Gott!\u201c Wir selbst tun uns oft sehr schwer damit, den Himmel zu erkl\u00e4ren. Was soll man da sagen?<\/p>\n<p>Jesaja zeigt uns solch ein Bild \u2013 voller leben und Fr\u00f6hlichkeit. Die Welt, die er beschreibt, ist eine Welt voller Frieden. Auch Tiere gibt es in dieser Welt. Doch keiner f\u00fcgt dem anderen auch nur irgendein Leid zu, denn selbst der L\u00f6we wird Stroh fressen wie das Rind. Wird so der Himmel aussehen?<\/p>\n<p>Gott wird einmal einen neuen Himmel und eine neue Erde erschaffen, sagt Jesaja. Und er beschreibt dabei eine Welt, die wie der Himmel auf Erden ist. Doch diese Welt ist noch nicht Gottes Ewigkeit. Sie beschreibt kein grenzenloses Leben. In dieser Welt gibt es den Tod noch: \u201eAls Knabe gilt, wer im Alter von 100 Jahren stirbt.\u201c, spricht der Herr.<\/p>\n<p>Gott verhei\u00dft unserer Erde eine Zukunft \u2013 eine Verhei\u00dfung, die uns gerade heute besonders n\u00f6tig erscheint, nicht nur weil Pole und Gletscher schmelzen. Wir brauchen eine Perspektive f\u00fcr das Leben auf dieser Erde angesichts der Bilder vom erneuten Amoklauf eines Sch\u00fclers an einer unserer Schulen. Polizei und Einsatzkr\u00e4fte haben Schlimmeres verhindert, weil sie darauf eingerichtet und geschult waren. Wie k\u00f6nnen wir in solch dunklen Tagen etwas von dem Licht der Perspektive erahnen, dass uns im Jesajabuch \u00fcberliefert wurde:<\/p>\n<p>Es wird eine Zukunft geben, in der es kein Leid mehr geben wird. Niemand wird mehr seinen Mitmenschen verletzen \u2013 weder mit Worten, noch mit Taten. Niemand braucht mehr Angst zu haben. Sorge wird ein Fremdwort sein. Man wird keine Sorgen mehr kennen.<\/p>\n<p>Diese Worte, die Gott uns vor so langer Zeit durch seinen Propheten verk\u00fcndet hat, erscheinen uns heute so unerreichbar fern. Wir machen in unserem Leben entgegengesetzte Erfahrungen. Jeder kennt Sorgen und auch Leid. Und wir brauchen nicht mal Schreckensmeldungen, um zu erkennen, wie grausam doch Menschen miteinander umgehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Sorgen bereiten uns Krankheiten, die kein Mensch heilen kann. Und so manches Kreuz am Stra\u00dfenrand erinnert uns an Menschen, die keine Schuld an dem Verkehrsunfall trugen, bei dem sie ihr Leben verloren. Wie viel Leid entsteht auf unserer Welt durch Leichtsinn und Fahrl\u00e4ssigkeit! Eine Welt ohne Leid. Das klingt f\u00fcr traumhaft und erscheint uns genauso unvorstellbar.<\/p>\n<p>Je mehr wir vom Leben erfahren, desto \u00f6fter fragen wir: Hat unsere Welt denn \u00fcberhaupt eine Zukunft? Ich kann mir auch keine Welt vorstellen, in der ein Raubtier auf seine Beutez\u00fcge verzichtet und statt dessen von Stroh lebt.<\/p>\n<p>Aber k\u00f6nnte einer von uns sagen, was bei Gott einmal m\u00f6glich sein wird? M\u00f6glicherweise zeigt uns Gott gerade deshalb so unvorstellbare Bilder, damit wir doch erkennen: Da, wo Gottes Reich beginnt, da wird viel mehr m\u00f6glich sein, als wir denken und ahnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In Jesus Christus hat Gott uns doch gezeigt, wie grenzenlos seine Kraft und seine M\u00f6glichkeiten sind. Unheilbar Kranke wurden durch Jesus gesund. Tote rief er ins Leben zur\u00fcck. Menschen, deren Geist schwer krank war, wurden geheilt. Das war schon ein teil der Erf\u00fcllung aus der Verhei\u00dfung des Propheten.<\/p>\n<p>Doch wenn Gottes J\u00fcngster Tag beginnt, wird alles Leid in Freude verwandelt werden. Gott wird alle Tr\u00e4nen abwischen, h\u00f6rten wir aus der Offenbarung des Johannes. Wenn Gott den Himmel und die Erde erneuert, wird es keinen Grund mehr zur Trauer geben. F\u00fcr de, der Gott vertraut, ist der Tod die Br\u00fccke, die zum bleibenden Leben in der Herrlichkeit unseres himmlischen Vaters f\u00fchrt. Dieses Leben wird frei sein von der Last der Schatten. Es ist ein Leben im Licht, f\u00fcr das es keine Grenze gibt.<\/p>\n<p>Wer Gott vertraut, darf sich heute wie morgen und alle Zeit in der Liebe unseres Herrn geborgen wissen. Die Strahlen dieser Liebe unseres Gottes erreichen aber auch heute schon unser Leben. Wo diese Strahlen unsere Erde ber\u00fchren, da wird das Dunkel dieser Welt ein wenig heller. Da wird bei uns Glauben geweckt, wo kurz zuvor uns noch die Verzweiflung gequ\u00e4lt hat.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich l\u00e4sst Gott uns ganz deutlich wissen: Das Grab, das wir sehen, ist nicht das Ende, sondern es ist der \u00dcbergang zum bleibenden Leben: \u201eIch lebe, und ihr sollt auch leben!\u201c, sagt uns unser auferstandener Herr. Durch seine Auferstehung hat er uns die Zuversicht geschenkt, in der neuen Welt unseres Gottes leben zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. Freut euch und seid fr\u00f6hlich \u00fcber das, was ich schaffe, spricht Gott.<\/p>\n<p>Gottes Zukunft weist \u00fcber das Leid dieser Erde hinaus. Seine Tore stehen f\u00fcr uns offen. Sein Land ist hell und weit. Seine Liebe zu uns ist so grenzenlos, dass er f\u00fcr jeden von uns eine Zukunft verhei\u00dft. In dieser Liebe d\u00fcrfen wir uns im Leben wie im Sterben in seiner Hand geborgen wissen. Sie tr\u00e4gt uns wie ein starker Arm und umh\u00fcllt uns wie ein w\u00e4rmendes Licht. Es ist das Licht, das von Gott ausgeht.<\/p>\n<p>Gott will, dass wir einmal in diesem Licht leben d\u00fcrfen, frei von Schatten oder gar Dunkelheit, frei von Leid, Trauer und Schmerz. Wen Gott in seiner G\u00fcte zu sich ruft, der wird schon heute befreit vom Dunkel dieser Welt und darf in seinem Licht leben.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p class=\"Stil1\"><strong>Johannes Boenecke<\/strong><br \/>\n<strong><a href=\"mailto:boenecke1@compuserve.de\">boenecke1@compuserve.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzter Sonntag des Kirchenjahres, Ewigkeitssonntag, 26. 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