{"id":11487,"date":"2021-02-07T19:49:08","date_gmt":"2021-02-07T19:49:08","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11487"},"modified":"2023-01-31T11:22:40","modified_gmt":"2023-01-31T10:22:40","slug":"meditation-ueber-den-brief-dietrich-bonhoeffers-vom-21-8-1944","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/meditation-ueber-den-brief-dietrich-bonhoeffers-vom-21-8-1944\/","title":{"rendered":"Meditation \u00fcber den Brief Dietrich Bonhoeffers vom 21.8.1944"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Meditationen \u00fcber Texte von Dietrich Bonhoeffer &#8211; 2006<br \/>\nMeditation \u00fcber den Brief Dietrich Bonhoeffers vom 21.8.1944 (WE 265-266)<br \/>\nMargrethe \u00d8ster Barfoed, Annelise S\u00f8ndengaard, Steen Tygesen (D\u00e4nemark) <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p><strong>Christi Leiden<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Im Gef\u00e4ngnis, in einer Zelle, im Jahr 1944, sitzt ein Mann und schreibt.<br \/>\nEr schreibt aus seiner Gef\u00e4ngniszelle an seinen Freund, der weit weg ist.<br \/>\nIsoliert von denen, die er liebt \u2013 getrennt durch Berge und Krieg.<br \/>\nEr schreibt aus seinem Glauben heraus.<br \/>\nDer Gefangene schreibt zum Trost f\u00fcr seinen einsamen und ausgesetzten Freund.<br \/>\nEr will ihn tr\u00f6sten; er schreibt sich selbst zum Trost.<br \/>\nDen Trost gibt es.<br \/>\n\u201eGewiss ist, dass im Leiden unsere Freude, im Sterben unser Leben verborgen ist.<br \/>\nAlles, was wir mit Recht von Gott erwarten, erbitten d\u00fcrfen, ist in Jesus Christus zu finden.\u201d<br \/>\nDas schreibt er.<br \/>\nEr bewegt sich zur Mitte hin. Dort, in der Mitte, ist das Kreuz.<br \/>\n\u201eGewiss ist, dass wir immer in der N\u00e4he und unter der Gegenwart Gottes leben d\u00fcrfen.\u201c<br \/>\nDas schreibt er.<br \/>\nIn der Mitte ist der Tod.<br \/>\nZwischen Himmel und Erde.<br \/>\nAn einem Strick, auf einem Baum.<\/p>\n<p>Der Strick ist gef\u00fchllos. Der Strick sieht nichts. H\u00f6rt nichts.<\/p>\n<p>100 Jahre fr\u00fcher, in sibirischer K\u00e4lte, sitzt ein Mann, eingesperrt in einer Gef\u00e4ngniszelle.<br \/>\nEr schreibt. An seine Geliebten, in weiter Ferne.<br \/>\nEr sehnt sich.<br \/>\nSehnt sich nach Glauben, und er schreibt sich zum Glauben.<\/p>\n<p>\u201eIch glaube, dass es nichts Sch\u00f6neres gibt, nichts Tieferes, nichts so Anziehendes, nichts so Wahres, so Mutiges und so Vollkommenes wie Jesus Christus.<br \/>\n&#8230; wenn mir jemand den Beweis br\u00e4chte, dass die Wahrheit \u00fcber unser Leben nicht in Christus ist, und wenn festgestellt werden sollte, dass die Wahrheit sich wirklich anderswo befindet als bei ihm, dann w\u00fcrde ich dennoch Christus w\u00e4hlen anstelle der Wahrheit.\u201c<br \/>\nDas schreibt er.<br \/>\nDen Glauben gibt es.<\/p>\n<p>Das Wort heftet sich an das Papier.<br \/>\nDas Papier ist stumm. Sibirisch wei\u00df, gef\u00fchllos, blind.<br \/>\nDas Wort heftet sich an das Papir. Das das Wort weitertr\u00e4gt, bis hin zu uns. Das Wort sieht, das Wort h\u00f6rt, das Wort spricht \u2013 zu dir \u2013 und mir.<\/p>\n<p>Hier in unserem geschlossenen Raum.<\/p>\n<p>Europa wurde mit Gr\u00e4bern gef\u00fcllt.<br \/>\nDie Erde war schwer und satt. Von Tod.<br \/>\nEs war nicht genug.<br \/>\nSelbst die Luft wurde mit Gr\u00e4bern gef\u00fcllt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Dietrich in seiner Zelle schrieb, f\u00fcllte sich die Luft.<br \/>\nDie unz\u00e4hligen und uners\u00e4ttlichen Schornsteine sandten Millionen von Toten in die Luft zu ihren Gr\u00e4bern.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Fjodor aus Sibirien schrieb, erschoss man die russischen Rebellen.<\/p>\n<p>Jedoch: \u201eAlles, was wir mit Recht von Gott erwarten, erbitten d\u00fcrfen, ist in Jesus Christus zu finden, denn das Leben ist verborgen im Sterben.\u201d<br \/>\n\u201eDas Leben ist verborgen<br \/>\nim Sterben.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas ist gewiss.\u201c<\/p>\n<p>Gewiss.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastorin Margrethe \u00d8ster Barfoed (E-mail: <a href=\"mailto:moeb@km.dk\">moeb@km.dk<\/a>)<br \/>\nPastorin Annelise S\u00f8ndengaard (E-mail: <a href=\"mailto:sondengaard@vip.cybercity.dk\">sondengaard@vip.cybercity.dk<\/a>)<br \/>\nPropst Steen Tygesen (E-mail: <a href=\"mailto:sty@km.dk\">sty@km.dk<\/a>)<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meditationen \u00fcber Texte von Dietrich Bonhoeffer &#8211; 2006 Meditation \u00fcber den Brief Dietrich Bonhoeffers vom 21.8.1944 (WE 265-266) Margrethe \u00d8ster Barfoed, Annelise S\u00f8ndengaard, Steen Tygesen (D\u00e4nemark) Christi Leiden Im Gef\u00e4ngnis, in einer Zelle, im Jahr 1944, sitzt ein Mann und schreibt. 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