{"id":11493,"date":"2021-02-07T19:48:53","date_gmt":"2021-02-07T19:48:53","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11493"},"modified":"2023-03-10T11:47:42","modified_gmt":"2023-03-10T10:47:42","slug":"meditation-ueber-dietrich-bonhoeffers-gedicht-christen-und-heiden-we-246f","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/meditation-ueber-dietrich-bonhoeffers-gedicht-christen-und-heiden-we-246f\/","title":{"rendered":"Meditation \u00fcber Dietrich Bonhoeffers Gedicht: \u201eChristen und Heiden\u201c (WE 246f.)"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Meditationen \u00fcber Texte von Dietrich Bonhoeffer &#8211; 2006<br \/>\nMeditation \u00fcber <strong>Dietrich Bonhoeffers Gedicht: \u201eChristen und Heiden\u201c (WE 246f.)<\/strong><br \/>\nKnud Ove Mandrup, Troels Laursen, Hans Jacob Hansen (D\u00e4nemark) <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Lesung: Ps. 22.<\/p>\n<p>Menschen kommen zu Gott in ihrer Not,<br \/>\nflehen um Hilfe, bitten um Gl\u00fcck und Brot,<br \/>\num Errettung aus Krankheit und Tod.<br \/>\nSo tun sie alle, alle, Christen und Heiden.<\/p>\n<p>Es gibt im Menschen ein unmittelbares Bed\u00fcrfnis, die h\u00f6heren M\u00e4chte um Hilfe anzurufen. Der Schrei aus der Kehle des Menschen lautet \u00fcberall auf der Welt, wenn die Not kommt. Ungl\u00fcck, Hunger, Krankheit, Schuld und Tod bringen den Menschen an den Rand des Abgrundes. Und aus der Tiefe sp\u00e4ht der Mensch nach dem Leben. Aus der Hoffnungslosigkeit und Ohnmacht ruft er um Hilfe. Aus der Tiefe l\u00e4sst er Blick, Gedanken und Gebet zum Himmel streben. Nur, wer st\u00e4rker ist, kann den \u00fcberwinden, der stark ist. Nur Gott kann helfen, ja, den verwundeten Menschen aus dem Elend heben. Der Mensch hat Gott n\u00f6tig, wenn die Not gro\u00df ist; er denkt: Es muss eine \u00fcberirdische Macht geben, die das B\u00f6se bew\u00e4ltigt. Wer kann das? Gott vermag es!<\/p>\n<p>Der Mensch sucht also einen Gott, der \u00fcber die Not und das Elend der Welt erhaben ist, in der Hoffnung, selbst aus der Not gef\u00fchrt zu werden, erl\u00f6st von Leid, Unheil und Niederlagen dieser Welt. Das Gebet um ein w\u00fcrdiges und heiles Leben ist somit ein Gebet um ein Leben, erhaben \u00fcber all das, was das Leben eng und schwer macht. Ein vollkommenes Leben ist ein Leben, das unserer irdischen Wirklichkeit entr\u00fcckt ist. Und der Mensch glaubt, dass der Gott, der diesen Traum erf\u00fcllen kann, \u00fcber alles Elend und alle Not erhaben sein muss.<\/p>\n<p>Das tun Menschen, Christen wie Heiden. Aber wo ist Gott zu finden, und finden sie ihn dort, wo sie glauben, dass ER zu finden ist?<\/p>\n<p>Menschen gehen zu Gott in Seiner Not,<br \/>\nfinden ihn arm, geschm\u00e4ht, ohne Obdach und Brot,<br \/>\nsehn ihn verschlungen von S\u00fcnde, Schwachheit und Tod.<br \/>\nChristen stehen bei Gott in Seinen Leiden.<\/p>\n<p>Wo ist Gott zu finden, und finden wir ihn dort, wo wir glauben, dass er zu finden ist?<\/p>\n<p>Es ist ein fast undenkbarer Gedanke, dass Menschen Gott beistehen k\u00f6nnten. Und doch gibt es entscheidende Augenblicke, in denen es scheinen m\u00f6chte, als ob Gott es sei, der Hilfe n\u00f6tig habe. Als der Schrei von dem notleidenden Mann am Kreuz ert\u00f6nte: \u201eMein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?\u201c, war die Antwort nur Schweigen. Und ich frage, ob der Schrei des notleidenden Menschen an einen notleidenden Gott gerichtet ist, der nichts mehr zu sagen hat? Oder an einen Gott, der durch sein Schweigen die Rufe des Menschen zum Menschen selbst zur\u00fcckkehren l\u00e4sst?<\/p>\n<p>\u201eIch will antworten,\u201c sagte Karen Blixen. Ihr Motto war ein Kampfruf gegen das blinde Schicksal, ein Wille, gegen ein unbegreifliches Schweigen Einspruch zu erheben. Aber wenn das Schweigen daher r\u00fchrt, dass Gott in Not ist, was ist dann die Antwort von Seiten des Christen, der \u201ebei Gott in Seinen Leiden steht\u201c?<\/p>\n<p>Vielleicht die \u00fcberraschendste Antwort der Weltgeschichte: \u201eWahrlich, dieser Mann ist Gottes Sohn gewesen.\u201c Gesprochen von einem Menschen ohne Voraussetzungen, einem Heiden. Der r\u00f6mische Offizier, der am Kreuz stand und Jesus sterben sah, gab eine Antwort. Und mit seiner Antwort war er der erste christliche Mensch auf Erden. Er hat den Gedanken hervorgebracht, Gott in jedem leidenden Menschen zu sehen, der erste Christ, der \u201ebei Gott in Seinen Leiden steht\u201c. Gott teilt sein Leiden mit uns.<\/p>\n<p>Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not,<br \/>\ns\u00e4ttigt den Leib und die Seele mit Seinem Brot,<br \/>\nstirbt f\u00fcr Christen und Heiden den Kreuzestod,<br \/>\nund vergibt ihnen beiden.<\/p>\n<p>Der Mensch sucht nach Gott, \u2013 in einer ewigen Sehnsucht nach dem Heilen und Ungebrochenen. Allerw\u00e4rts sucht der Mensch Gott. Jenseits der Sterne und in der Tiefe des Meeres. Allerw\u00e4rts. Aber wir suchen vergeblich.<\/p>\n<p>Gott kommt zu uns \u2013 vielleicht sogar genau dort, wo wir die gr\u00f6\u00dften Schwierigkeiten haben, ihn zu entdecken, dort, wo ER in Leid, in Not kommt. Wir brauchen nicht nach ihm zu suchen. Er ist hier. Mitten in unserer Welt. Mitten in der Not und dem Elend aller Welt.<\/p>\n<p>Die Wahrheit zu finden ist heil zu werden. Gottes Vergebung heilt das Gebrochene. Er gibt etwas dazu. Er legt etwas dazu. Zu dem, was ist. Die Wunden, die Narben sind noch immer da \u2013 Menschen schreien ihre Verzweiflung und Not heraus, aber Gott legt sein eigenes Leben dar\u00fcber, so dass es nicht mehr gesehen werden kann. Die Schuld wird \u00fcbersehen, so dass der Schuldige gesehen werden kann. Das Kreuz mitten in der Welt erschafft den heilen Menschen neu, der jetzt wieder eingesetzt ist, als ein freier Mensch zu leben, mit dem Mut, sich hinaus zu wenden gegen die Welt hin. Gottes Tod mitten in der Welt stellt den Menschen wieder mitten in die Welt.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastor Knud Ove Mandrup (E-mail: <a href=\"mailto:kom@km.dk\">kom@km.dk<\/a>)<br \/>\nPastor Troels Laursen, (E-mail: <a href=\"mailto:tla@km.dk\">tla@km.dk<\/a>)<br \/>\nPastor Hans Jacob Hansen (E-mail: <a href=\"mailto:hjh@km@dk\">hjh@km@dk<\/a>)<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meditationen \u00fcber Texte von Dietrich Bonhoeffer &#8211; 2006 Meditation \u00fcber Dietrich Bonhoeffers Gedicht: \u201eChristen und Heiden\u201c (WE 246f.) Knud Ove Mandrup, Troels Laursen, Hans Jacob Hansen (D\u00e4nemark) Lesung: Ps. 22. Menschen kommen zu Gott in ihrer Not, flehen um Hilfe, bitten um Gl\u00fcck und Brot, um Errettung aus Krankheit und Tod. 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