{"id":11504,"date":"2021-02-07T19:49:02","date_gmt":"2021-02-07T19:49:02","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11504"},"modified":"2023-03-19T20:35:23","modified_gmt":"2023-03-19T19:35:23","slug":"josua-1-5b-konfirmation-2006","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/josua-1-5b-konfirmation-2006\/","title":{"rendered":"Josua 1, 5b \u2013 Konfirmation 2006"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Konfirmation 2006<br \/>\nPredigt \u00fcber Josua 1, 5b, verfasst von Petra Savvidis<\/span><\/b><\/h3>\n<p><strong>Vorbemerkung:<\/strong> Als Lesung im Konfirmationsgottesdienst Josua 1, 1-6.9. Darin die Jahreslosung Jos 1,5b. In der Predigt wird die Geschichte von Josua und dem Einzug in das gelobte Land weiter erz\u00e4hlt. Das Bild daf\u00fcr ist der Fluss, der durchquert wird (Jos 3) und die Steine, die aufgerichtet werden zur Erinnerung und zur Vergewisserung (Jos 4). Die Konfirmandinnen und Konfirmanden hatten ihre Bibelverse auf Kieselsteine geschrieben. Diese wurden auf ein blaues Tuch gelegt, das den Fluss zeigt. Bei uns waren \u201eder Fluss\u201c und die Steine zumindest f\u00fcr die Konfirmandinnen und Konfirmanden gut sichtbar. Zus\u00e4tzlich war auf dem Liedzettel ein Bild vom Fluss mit Steinen zu sehen. So viele Steine wie zu konfirmierende Jugendliche. Sie hatten ihre Konfirmationsspr\u00fcche ganz \u00fcberwiegend selbst ausgesucht. In dieser Gruppe gab es mehrere Jugendliche, die schwere Verluste erlebt hatten.<\/p>\n<p><strong>Schritte wagen \u2013 getragen im Fluss des Lebens<\/strong><\/p>\n<p><strong>Josua 1, 5b: Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen. (Jahreslosung 2006)<\/strong><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde! Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden!<\/p>\n<p>Sie haben einen gemeinsamen Weg hinter sich \u2013 sie sind miteinander unterwegs gewesen und haben ein Ziel vor Augen gehabt \u2013 wie ein Versprechen: \u201eAm Ende des langen Weges, der manchmal auch m\u00fchsam sein kann und unbequem, da wartet der Tag, an dem ihr den Lohn f\u00fcr eure M\u00fche bekommt, da wartet Freiheit, weites Land, eure Tr\u00e4ume erf\u00fcllen sich, ihr kommt an, ihr erreicht euer Ziel.\u201c<\/p>\n<p>Der lange Weg des Gottesvolks aus \u00c4gypten durch die W\u00fcste hin in das gelobte Land \u2013 wir haben davon eben geh\u00f6rt in der Lesung \u2013 dieser lange, m\u00fchsame Weg \u00e4hnelt den Wegen, die wir heute manchmal gehen auf der Suche nach einem guten Ziel. Auch der kirchliche Unterricht ist so ein Weg, der heute ans Ziel kommt. Letztlich sind wir ein ganzes Leben lang unterwegs. Und es ist nicht immer klar, dass wir die Ziele erreichen, die wir uns gesteckt haben, oder dass all die Tr\u00e4ume und W\u00fcnsche, die wir haben, verwirklicht werden.<\/p>\n<p>Damals hatte das Volk Gottes ein klares Ziel vor Augen. Das gelobte Land sollte es sein. Auf dem Weg dorthin hatte Moses sie lange gef\u00fchrt. Nach seinem Tod \u00fcbernahm Josua diese Aufgabe.<\/p>\n<p>Er tat das nicht gern. \u201eBin ich wirklich gut genug? Kann ich das? Kann ich die Menschen \u00fcberzeugen? Werden sie mir folgen?\u201c Er war voller Selbstzweifel. So wie eigentlich jeder Mensch, der vor einer wirklich gro\u00dfen Aufgabe steht. Nur die Selbstgerechten und Besserwisser kennen solche Zweifel nicht. F\u00fcr alle anderen bedeutet eine gro\u00dfe Herausforderung auch immer, dass ein Scheitern m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Josua zweifelt und z\u00f6gert. Und da spricht Gott zu ihm diesen Satz, der so verhei\u00dfungsvoll ist und Mut macht. \u201eSei getrost und unverzagt. Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.\u201c<\/p>\n<p>Wenn eine schwierige Aufgabe auf uns wartet, dann ist es tats\u00e4chlich wichtig, ob wir allein davor stehen oder ob wir uns darauf verlassen k\u00f6nnen, dass uns jemand zur Seite steht.<\/p>\n<p>F\u00fcr Josua war dieser Satz Gottes entscheidend. Er wagte es. Er ging den entscheidenden Schritt und wurde zur Leitfigur f\u00fcr das Volk Gottes, das unterwegs war zum gelobten Land.<\/p>\n<p>\u201eSei getrost und unverzagt. Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.\u201c<\/p>\n<p>Die Geschichte von Josua geht weiter und erz\u00e4hlt davon, wie Gott dieses Versprechen wahr gemacht hat und wie das Volk Israel ins gelobte Land kam. (Ich habe diese Geschichte extra ausgesucht f\u00fcr die Konfirmandinnen und Konfirmanden heute. Ich glaube, sie kann euch viel vom Leben erz\u00e4hlen und vom Glauben.)<\/p>\n<p>Das Volk Israel stand am Fluss Jordan, der die Grenze bildete zwischen W\u00fcste und gelobtem Land. Sie mussten \u00fcber den Fluss kommen, irgendwie hindurch gehen. Er trennte sie von ihrem Ziel. Und da geschah noch einmal dieses Wunder, das sie schon in \u00c4gypten, am Roten Meer erlebt hatten. Sie konnten hindurch gehen durch das Wasser. Mit sicherem Schritt und trockenen F\u00fc\u00dfen. Gott hat das Wasser wieder geteilt, zu beiden Seiten an den Ufern bildet es eine Wand, fast wie ein Schutzwall. So k\u00f6nnen alle hindurch gehen, ohne sich die F\u00fc\u00dfe nass zu machen. Als ob sie getragen w\u00fcrden von unsichtbaren H\u00e4nden, als ob sie auf unsichtbare Steine treten w\u00fcrden. Das kam ihnen wunderbar vor. Sie verstanden es nicht, aber sie begriffen wohl, dass Gott seine Hand im Spiel gehabt hatte.<\/p>\n<p>Aus Dankbarkeit und zur Erinnerung daran errichteten sie ein Denkmal aus Steinen. Sie wollten sichtbar machen, dass Gottes Kraft tr\u00e4gt und den Schritt sicher macht und fest.<\/p>\n<p>12 Steine f\u00fcr die 12 St\u00e4mme Israels sammelten sie im Fluss und richteten sie auf als Denkmal. Um sich selbst und sp\u00e4ter auch ihre Kinder daran zu erinnern, dass Gott geholfen hat. Und auch, um sich zu vergewissern, dass sie weiter ihren Weg mit Gott gehen wollten.<\/p>\n<p>Eine wunderbare Geschichte. Gerade f\u00fcr heute, finde ich. Sie beginnt mit dem Versprechen Gottes: \u201eIch lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.\u201c Und sie endet mit dem dankbaren Blick zur\u00fcck und dem mutigen Blick voraus.<\/p>\n<p>Auf dem Titelblatt des Programms f\u00fcr diesen Gottesdienst sehen wir einen Fluss \u2013 Fluss des Lebens k\u00f6nnen wir ihn nennen. Und wir sehen auch Steine. Die liegen am Flussufer, einige auch im Wasser, ein Stein liegt mittendrin. Wenn wir sie z\u00e4hlen, sind es nicht 12 wie damals, 12 Steine f\u00fcr die 12 St\u00e4mme Israels. Bei uns sind es heute 17 Steine f\u00fcr 17 Konfirmandinnen und Konfirmanden.<\/p>\n<p>Die Geschichte von Josua hat mit euch zu tun und mit eurem Leben. Vor euch liegt das gelobte Land, das ganze Leben, die Zukunft, die Freiheit. Ob ihr alles erreicht, was ihr euch vornehmt, wei\u00dft ich nicht. Manches bleibt vielleicht ein Traum. Aber es w\u00e4re schon sch\u00f6n, wenn ihr immer sp\u00fcrt, dass ihr auf dem richtigen Weg seid, dass die Richtung stimmt, dass ihr euch auf das Ziel freut. Vertraut euch diesem Fluss des Lebens an, lasst euch treiben und mitrei\u00dfen. In guten Zeiten kann das Leben ein munter pl\u00e4tschernder Fluss sein. Oft allerdings (das wissen die Erwachsenen ganz gut) d\u00fcmpelt der Alltag auch tr\u00e4ge dahin. Beides geh\u00f6rt dazu. Und manche von euch haben schon erlebt, dass das Leben bedroht und bedrohlich ist, wenn es zum wilden Wasser wird, mit sich rei\u00dft, was wir gern behalten h\u00e4tten und den Boden unten den F\u00fc\u00dfen wegzieht.<\/p>\n<p>Was tr\u00e4gt dann? Was h\u00e4lt uns fest? Was gibt uns Hoffnung und Perspektive? Wo sind die Steine, mit denen wir trockenen Fu\u00dfes und sicher durch den Strom unseres Lebens gehen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>17 Steine f\u00fcr 17 Jugendliche, die konfirmiert werden.<\/p>\n<p>Hier vorn, nicht f\u00fcr alle, aber f\u00fcr euch als die wichtigsten Personen sichtbar, flie\u00dft ein Fluss. Blaues Wasser. In den hinein sind Steine gelegt, f\u00fcr jeden Jugendlichen einer. Es sind die Kieselsteine, die ihr selbst beschriftet habt mit eurem Konfirmationsspruch.<\/p>\n<p>Ihr habt die Bibelverse weitgehend selbst ausgesucht. Sie erz\u00e4hlen vom Vertrauen auf Gott, von der Hoffnung und der Liebe, die st\u00e4rker sind als alles andere. Sie erz\u00e4hlen von der Kraft des Guten und der Wahrheit, vom Segen und vom Schutz Gottes und davon, dass Gott unsere Angst kennt und sie \u00fcberwinden will. Von der Freude reden sie und vom Trost, der bei Gott ist.<\/p>\n<p>All diese Konfirmationsspr\u00fcche, alle diese Steine sollen euch versprechen, dass Gott begleitet, dass er da ist, dass er hilft, dass er Halt gibt, dass auf ihn Verlass ist, gerade dann, wenn das Leben zum rei\u00dfenden Strom wird.<\/p>\n<p>In den Evangelien wird einmal erz\u00e4hlt, dass Jesus \u00fcber das Wasser ging, am See Genezareth, ein Wunder war das. In einem Witz dar\u00fcber wird gefragt: \u201eWenn Jesus das konnte, warum konnte sein bester J\u00fcnger, warum konnte Petrus das nicht auch?\u201c Und die Antwort: \u201eEr wusste nicht, wo die Steine liegen.\u201c Dieser Witz ist pfiffig. Und er hat einen ernsten Kern.<\/p>\n<p>Ich glaube nicht, dass Jesus wirklich Steine brauchte, um \u00fcber das Wasser zu gehen. Ich bin aber \u00fcberzeugt, dass wir alle, das jeder und jede von uns, Steine brauchen.<\/p>\n<p>Wir brauchen Halt, um mit festem Schritt durch den Fluss des Lebens zu gehen. Wir brauchen Zuverl\u00e4ssigkeit, gerade heute, in unserer event-und fun-Gesellschaft, wir brauchen Verl\u00e4sslichkeit und Verbindlichkeit. Wir brauchen lauter Steine, die uns auf Schritt und Tritt gewiss machen und Vertrauen geben. Sonst gehen wir unter.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche euch, dass ihr nicht untergeht. Ich habe gern mit euch gearbeitet. Ihr ward eine engagierte Konfirmandengruppe. Und ich bin gewiss, dass ihr neugierig genug seid, um dem Leben und dem Glauben auf der Spur zu bleiben. Ich w\u00fcnsche euch, dass ihr Vertrauen habt ins Leben und Vertrauen in Gott. Dass ihr euch dem Fluss des Lebens anvertraut und es auskostet. Dass ihr aber auch aufmerksam bleibt und verantwortlich lebt, f\u00fcr andere und f\u00fcr euch selbst.<\/p>\n<p>Rennt nicht jedem Trend hinterher, unsere Zeit ist so schnelllebig, fragt euch lieber: Wo sind meine Steine? Was gibt mir Halt? Was tr\u00e4gt mich? Was l\u00e4sst mich mit sicherem Schritt durchs Leben gehen? Guckt nicht nur auf die kleinen funkelnden und glitzernden Steine, sie schm\u00fccken nur, sie tragen nicht. Guckt auf die gro\u00dfen, unscheinbaren Steine, die k\u00f6nnen tragen. Vertrauen ins Leben und Vertrauen in Gott, das sind die dicksten Steine im Fluss des Lebens.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche euch, dass eure F\u00fc\u00dfe diese Steine immer finden, wenn sie Halt suchen.<\/p>\n<p>Heute werdet ihr konfirmiert und bekr\u00e4ftigt, dass ihr euer Leben mit Gott leben wollt. Ihr sagt Ja zu eurer Taufe und best\u00e4tigt, dass ihr Christenmenschen seid. Bei Gott habt ihr l\u00e4ngst einen Stein im Brett. Er hat l\u00e4ngst Ja gesagt zu euch. Jedem und jeder einzelnen gilt seine Zusage: Sei getrost und unverzagt \u2013 ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.<\/p>\n<p>Und sein Friede, der h\u00f6her ist als alles, was wir begreifen, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.<\/p>\n<p><strong>Pfarrerin Dr. Petra Savvidis, 59514 Welver-Schwefe<br \/>\n<a href=\"mailto:savvidisp@hotmail.com\">savvidisp@hotmail.com<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konfirmation 2006 Predigt \u00fcber Josua 1, 5b, verfasst von Petra Savvidis Vorbemerkung: Als Lesung im Konfirmationsgottesdienst Josua 1, 1-6.9. Darin die Jahreslosung Jos 1,5b. In der Predigt wird die Geschichte von Josua und dem Einzug in das gelobte Land weiter erz\u00e4hlt. 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