{"id":11507,"date":"2021-02-07T19:49:01","date_gmt":"2021-02-07T19:49:01","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11507"},"modified":"2023-02-06T13:11:54","modified_gmt":"2023-02-06T12:11:54","slug":"ein-feste-burg-eg-362-ach-bleib-mit-deiner-gnade-eg-347","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/ein-feste-burg-eg-362-ach-bleib-mit-deiner-gnade-eg-347\/","title":{"rendered":"Ein feste Burg EG 362 \/ Ach bleib mit deiner Gnade EG 347"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Passionszeit 2006<br \/>\nTheologische und kirchenmusikalische Anregungen zu Passionsliedern<br \/>\nAlexander V\u00f6lker und Thomas Schmidt<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p><strong>Zum 1. Sonntag der Passionszeit (5. M\u00e4rz 2006)<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ein feste Burg EG 362<\/strong><\/p>\n<p>Ein Gewinn bringendes Experiment, ohne Risiko \u2013 es kommt nur auf den Versuch an! Angenommen, drei, vier oder f\u00fcnf singefreudige Menschen aus der Gemeinde oder Chormitglieder w\u00fcrden im Gottesdienst am 5. M\u00e4rz die Originalmelodie dieses Liedes unbegleitet singen, wie sie unser Gesangbuch an erster Stelle bringt, die Gemeinde w\u00fcrde sogar dazu aufstehen und die Strophe (bestenfalls einstimmig orgelbegleitet) auf dieselbe Weise nachsingen, \u2013 f\u00fcr einen Augenblick w\u00fcrden alle im Raum die bekannte, rhythmisch egalisierte, aus- und eingefahrene vergr\u00f6berte Melodie vergessen, die mit ihrem so marschartig stampfenden Bekennermut daherkommt; ein ganz neues H\u00f6ren auf den hohen, den h\u00f6chsten Ton dieser Melodie setzte ein (\u201eda die heiligen Wohnungen des H\u00f6chsten sind\u201c, Ps 46,5)! Die Frische, Sch\u00f6nheit und der k\u00fchne Schwung des Trostlieds von Martin Luther w\u00fcrden auf einmal h\u00f6rbar; auch wie <em>der altb\u00f6se Feind<\/em> von unten her andr\u00e4ngend sich bemerkbar macht, <em>wie ernst er es meint<\/em>, sich in unserem Leben an die Stelle Gottes setzen zu wollen, wie die Melodie der Zeilen 7 und 8 hin- und herwogend den Kampf spiegelt, der l\u00e4ngst entschieden ist: <em>das macht, er ist gericht\u2019<\/em>. So kann man bereits am ersten Sonntag der Passionszeit mit der Schlusszeile (welche die Z. 2\/4 wieder aufnimmt) singen, was das Osterfest mit dem von Gott durch Christus vollbrachten Sieg feiert (1. Kor 15,57): <em>Ein W\u00f6rtlein kann ihn f\u00e4llen<\/em> (Eine Lutherpredigt zu Joh 18,6 von 1528 deutet das \u201aW\u00f6rtlein\u2019 auf den F\u00fcnf-Buchstaben-Namen J-e-s-u-s).<\/p>\n<p>Das Lied, mutma\u00dflich in den f\u00fcr Luther schwierigen und notvollen Jahren 1526 bis 1528 (Sterben eines Kindes, lebensbedrohende Krankheiten, Tod einiger Freunde) entstanden, kennt eine kontrastreiche Strophenfolge (1 mit 3: \u201eM\u00e4chte und Gewalten\u201c des B\u00f6sen; 2 mit 4: <em>der rechte Mann &#8230;, bei uns wohl auf dem Plan<\/em>) und bilanziert jeweils durch die (ungereimte) Schlusszeile den Erkenntnisfortschritt (von <em>auf Erd ist nicht seinsgleichen <\/em>bis <em>das Reich muss uns doch bleiben<\/em>).<\/p>\n<p>Von der mitrei\u00dfend frei schwingenden Singweise her k\u00f6nnte sein Kernsatz <em>Er hilft uns frei aus aller Not<\/em> (Kopfzeile der Melodie!) auch ein Lobpreis des Paulus sein. Bei seinen Mitchristen in Korinth als Apostel Jesu und Diener Gottes alles andere als unumstritten (2. Kor 6,1-10), kennzeichnet er seine Lage dreifach: zun\u00e4chst mit zehnfacher Leidensplage (von \u201egro\u00dfer Geduld\u201c bis \u201ein Fasten\u201c; 4b-5), danach in einer Lebenshaltung, wie sie Gottes Geist schenkt (6-7), am treffendsten letztlich durch die Reihung von Paradoxen (\u201ein Ehre und Schande\u201c bis \u201eals die nichts haben, und doch alles haben\u201c; 8-10). So etwa kann sich die Christusf\u00f6rmigkeit eines Dienstes im Glauben sprachlich ausdr\u00fccken, wenn nicht erweisen. Dieselbe \u201eRadikalit\u00e4t\u201c zeigt das Lied mit der rhetorischen Frage (Str. 2, 5ff.) und seiner k\u00fchnen Identifikation von <em>Jesus Christ, der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott &#8230; <\/em><\/p>\n<p>Das Aufgreifen einer (beliebigen) Liedzeile aus Ein feste Burg \u2013 nachdem alle so gesungen haben, wie oben vorgeschlagen \u2013 f\u00fchrt mitten hinein in den Predigttext und in die Glaubensnot und Glaubenszuversicht unserer Gegenwart.<\/p>\n<p align=\"center\"><em>oder <\/em><\/p>\n<p><strong>Ach bleib mit deiner Gnade EG 347<\/strong><\/p>\n<p>Als \u201eHauptlied\u201c f\u00fcr diesen Sonntag und seinen Predigttext kann auch das bekannte Gebetslied des frommen Pastors und Theologieprofessors Josua Stegmann (1588-1632; Stadthagen\/Rinteln, 30j\u00e4hriger Krieg!) gew\u00e4hlt werden. Freilich spiegelt es die Glaubens-Paradoxa von 2. Kor 6,1ff. nicht so pr\u00e4zise wie das Lutherlied; bei seiner Melodie ist auch die allf\u00e4llige Assoziation der Gemeinde an das Sterbelied <em>Christus, der ist mein Leben<\/em> (EG 516) mit zu bedenken.<\/p>\n<p>Die Bitte der Emmausj\u00fcnger <em>bleib &#8230; bei uns <\/em>(Lk 24,19), mit der leicht wehleidig anmutenden Interjektion <em>Ach<\/em> eingeleitet, konkretisiert Stegmann in der ersten Strophenzeile durch bestimmte Heilsg\u00fcter (<em>Gnade, Wort, Glanz, Segen, Schutz, Treue<\/em>); eine diesen sechs Bitten zugeordnete Pr\u00e4dikation des Angerufenen (von <em>Herr Jesu Christ <\/em>bis <em>mein Herr und Gott<\/em>) folgt; immer bildet das <em>bei uns <\/em>die Br\u00fccke von der ersten zur zweiten Zeile. Der jeweils zweite Strophenteil l\u00e4sst die \u00c4ngste und Bef\u00fcrchtungen der Glaubenden erkennen (ungerade Str.-Zahl: <em>List des b\u00f6sen Feindes, <\/em>1,4: 5,3f.; <em>wir irren, <\/em>3,4; <em>b\u00f6se Welt<\/em>, 5,4), die mit den erbetenen Wohltaten (gerade Str.-Zahl: <em>G\u00fct und Heil<\/em>, 2,4; <em>Gnad und alls Verm\u00f6gen<\/em>, 4,3f.; <em>Best\u00e4ndigkeit<\/em>, 6,3) abwechseln. Diese Anordnung zeigt: Einerseits setzt das Gebetslied (<em>hilf uns aus aller Not<\/em>, 6,4) alle Hoffnung auf Gott und Jesus Christus, andererseits entl\u00e4sst es die Glaubenden nicht aus ihrer Verantwortlichkeit.<\/p>\n<p>Es sind sehr verschiedene Ausf\u00fchrungswege denkbar: etwa ein einf\u00fchrender Kurzkommentar zum Lied, das dann \u201ain einem Zug\u2019 durchgesungen wird; oder die Zuordnung unterschiedlicher Strophen zu Stichworten\/Passagen des Predigttextes, illustriert durch einen nichtbiblischen, aktuellen Kurztext je Strophe, o.\u00e4.<\/p>\n<p><strong>-&gt; <a href=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/archiv-8\/1Sonntag_A362EinfesteBurg.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EG 362<\/a> \/ <a href=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/archiv-8\/1Sonntag_B347AchbleibmitdeinerGnade.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EG 347<\/a> <\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Alexander V\u00f6lker<br \/>\n<a href=\"mailto:asvoelker@teleos-web.de\">asvoelker@teleos-web.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Passionszeit 2006 Theologische und kirchenmusikalische Anregungen zu Passionsliedern Alexander V\u00f6lker und Thomas Schmidt Zum 1. 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