{"id":11509,"date":"2021-02-07T19:48:59","date_gmt":"2021-02-07T19:48:59","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11509"},"modified":"2023-02-07T17:25:21","modified_gmt":"2023-02-07T16:25:21","slug":"wenn-meine-suend-mich-kraenken-eg-82-du-schoener-lebensbaum-des-paradieses-eg-96","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wenn-meine-suend-mich-kraenken-eg-82-du-schoener-lebensbaum-des-paradieses-eg-96\/","title":{"rendered":"Wenn meine S\u00fcnd\u2019 mich kr\u00e4nken EG 82 \/ Du sch\u00f6ner Lebensbaum des Paradieses EG 96"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Passionszeit 2006<br \/>\nTheologische und kirchenmusikalische Anregungen zu Passionsliedern<br \/>\nAlexander V\u00f6lker und Thomas Schmidt<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p><strong>Zum 3. Sonntag der Passionszeit (19. M\u00e4rz 2006)<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wenn meine S\u00fcnd\u2019 mich kr\u00e4nken EG 82<\/strong><\/p>\n<p>Bei einem Lied geben zuweilen die in ihm gebrauchten \u201eT\u00e4tigkeitsw\u00f6rter\u201c einen direkten Aufschluss \u00fcber den singenden Menschen, vergleichbar bestimmten, wiederkehrenden Melodieformeln, die seine Singweise pr\u00e4gen. Die Folge von <em>S\u00fcnd\u2019 mich kr\u00e4nken <\/em>(1,1), <em>wohl bedenken<\/em> (1,3), <em>wenn man\u2019s betrachtet recht<\/em> (2,2) \u00fcber <em>was kann mir &#8230; schaden?<\/em> (3,1), <em>nicht mehr &#8230; f\u00fcrchten <\/em>(3,6) bis <em>sag ich dir &#8230; Lob und Dank <\/em>(4,1ff.) \u2013 diese Abfolge l\u00e4sst den <em>Gnaden<\/em>stand (3,3) des durch Jesu Leiden und Sterben gerechtfertigten S\u00fcnders erkennen. Dabei werden Passion, Leiden und Sterben des Herrn \u201esummarisch\u201c kommemoriert: Sind Einzelstationen genannt (<em>Kreuz<\/em>, 1,6; <em>sich martern lassen<\/em>, 2,3; <em>Herr-Knecht-<\/em>Wechsel, 2,4; <em>Not und Angstgeschrei<\/em>, 4,5; <em>Wunden<\/em>, 8,1), ist immer das Ganze der Passion gemeint.<\/p>\n<p>Unter den im zweiten Liedteil (ab Str. 5) anzutreffenden \u201eT\u00e4tigkeiten\u201c \u2013 vieles ist ja ohnehin gel\u00e4ufigen Sprachmustern \u00fcberlieferter Fr\u00f6mmigkeit entnommen \u2013 f\u00e4llt die Bitte auf <em>dass mir nie komme aus dem Sinn, wie viel es dich gekostet &#8230; <\/em>(5,5ff.). Eine solche Wendung (stammt sie vom Liedautor oder -bearbeiter Justus Gesenius selbst?) mag den hohen Grad geistlicher Aneignung gerade traditionell-formelhafter Glaubenssprache vergangener Zeiten anzeigen.<\/p>\n<p>Bezieht der Predigttext (1. Petr 1,[13-17] 18-21) den fakultativen ersten Abschnitt mit ein, k\u00f6nnte es reizvoll sein, dessen Erwartung und Anspruch an die Christen \u2013 \u201eheilig\u201c zu sein (1,15ff.) \u2013 mit den \u201eT\u00e4tigkeiten\u201c, die die Strophen 5 bis 8 zur Sprache bringen, zu \u201esynchronisieren\u201c: <em>zu meiden die s\u00fcndliche Begier <\/em>(5,3f.) korrespondiert 1,14. Dieses Heiligsein begegnet im Lied nicht w\u00f6rtlich (vgl. 5,1), der Sache nach eher in unterschiedlicher Brechung: von <em>geduldig tragen<\/em> (6,3) \u00fcber das <em>folgen <\/em>(6,6f.), <em>dienen<\/em> (7,4) bis zum <em>des versichern mich<\/em> (8,4) und <em>trau<\/em> (8,5). Dass <em>lieben <\/em>(7,3; 7,7) sich auf <em>\u00fcben <\/em>(7,1) reimen kann, g\u00e4be allein schon Stoff f\u00fcr eine ganze Liedpredigt!<\/p>\n<p>Umgekehrt entspricht 1.\u00a0Petr 1,18-21 mit seiner so grunds\u00e4tzlichen Aussage den Strophen 1 bis 4 (das Stichwort <em>erl\u00f6set <\/em>begegnet im Lied 5,7; Luthers \u201eSermon von der Betrachtung des heiligen Leidens Christi\u201c betont das \u201asacramentum\u2019 und das \u201aexemplum\u2019). Doch keine der Folgestrophen vers\u00e4umt es, sich f\u00fcr die Konkretionen des Alltags der Christen auf Jesu <em>Exempel <\/em>(6,6) zu berufen und zu gr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Die auf eine Kirchentonart zur\u00fcckgehende Melodie erschlie\u00dft sich nicht beim ersten H\u00f6ren. Zwei Melodieformeln helfen zum \u201eLernen\u201c und \u201eBehalten\u201c: die Figur eines Sekund-, danach eines Terzschritts nach unten (Z. 1 \u2013<em>ne S\u00fcnd\u2019 mich<\/em>; Z. 2 <em>Herr Jesu Christ<\/em>, vgl. Z. 5, 6 und 7); sodann ein Terzschritt aufw\u00e4rts auf immer gleicher H\u00f6he (b-d\u2019) (Z. 2, 4, 6, 7). Beide geben dem Lied, das von Anfang bis Ende ein einziges Gebet ist, etwas \u201eschwebend Auffangendes\u201c. (Das zu erleben lohnt auch hier unbegleitetes Vor- und Nachsingen.)<\/p>\n<p align=\"center\"><em>oder <\/em><\/p>\n<p><strong>Du sch\u00f6ner Lebensbaum des Paradieses EG 96<\/strong><\/p>\n<p>Lieder aus der \u00d6kumene bereichern das Singen und Glauben der Gemeinde, lassen gewohnte Glaubensvorstellungen\/Fr\u00f6mmigkeitsformen in einem anderen Licht erscheinen, auch neu verstehen. Mit Vilmos Gy\u00f6ngy\u00f6si hat Dieter Trautwein aus dem alten ungarischen Passionslied, von dem nur das <em>Lebensbaum<\/em>-Motiv (Offb 22,2; 1,1) erhalten ist, ein Gebet zu Jesus (1,2; 3,1) geformt, das mit seiner klaren Ineinssetzung von <em>Gotteslamm<\/em>, <em>Retter <\/em>(auch 6,2), <em>Befreier <\/em>vor allem zwei Anliegen erkennen l\u00e4sst: Neben der Einzigartigkeit des stellvertretenden Leidens (<em>Du bist der wahre &#8230;<\/em>, 1,3) ist es die unaufl\u00f6sliche schuldhafte Verflochtenheit der Menschen mit diesem Geschick (besonders Str. 2, aber auch 1,3f.; 6,2f.), die der \u00dcbertragung am Herzen liegt. Beides liefert den Grund f\u00fcr die zentrale Bitte <em>wandle uns von Grund auf <\/em>(3,1) \u2013 eine eher ungew\u00f6hnliche Ausdrucksweise f\u00fcr die neu zu schaffende Existenz der Christen, die sich im <em>gern vergeben <\/em>(3,2 bis 4,1; nach Mt 5,44; R\u00f6m 12,14) erweisen soll. Die Wendung <em>nach deinem Vorbild <\/em>(4,2) l\u00e4sst annehmen, dass der \u201aSch\u00e4cher am Kreuz\u2019 das biblische Bild der Strophen 3 und 4 (Stichwort <em>Paradies<\/em>, 1,1) ist; auch das <em>in deine H\u00e4nde <\/em>(5,2) weist direkt auf Lk 23,46 hin. Schlie\u00dflich verdient das <em>Frieden<\/em>-Motiv (4,4; 6,3) Erw\u00e4hnung.<\/p>\n<p>Das Lied mit seinem zuweilen \u201aprosahaften\u2019 Sprachduktus (<em>musstest du bezahlen<\/em>, 2,3; <em>sich selbst verfehlten<\/em>, 3,4; <em>Retter der verlornen Menschheit<\/em>, 6,2) verzichtet auf Reim und verbindet drei Langzeilen pro Strophe mit einem knappen Abspann; die Strophen 2 bis 4 sollten eigentlich nicht auseinander gerissen werden. Es zeigt da und dort Konvergenzen zum Predigttext (etwa zum \u201eHeilig\u201c-Sein, 1,15ff., zum \u201eteuren Blut eines Lammes\u201c, 1,19, zum \u201edie ihr durch ihn glaubt\u201c, 1,21). Unterst\u00fctzt wird dies durch eine unspektakul\u00e4re Melodie, die sich bis auf Z. 3 im Rahmen von f\u00fcnf T\u00f6nen bewegt, wie der Quintsprung im Abspann beweist.<\/p>\n<p>&#8211;<strong>&gt; <a href=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/archiv-8\/3Sonntag_A82WennmeineSuend.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EG 82<\/a> \/ <a href=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/archiv-8\/3Sonntag_B96DuschoenerLebensbaum.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EG 96 <\/a><\/strong>(mit freundlicher Genehmigung des B\u00e4renreiter-Verlags, Kassel)<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Alexander V\u00f6lker<br \/>\n<a href=\"mailto:asvoelker@teleos-web.de\">asvoelker@teleos-web.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Passionszeit 2006 Theologische und kirchenmusikalische Anregungen zu Passionsliedern Alexander V\u00f6lker und Thomas Schmidt Zum 3. Sonntag der Passionszeit (19. 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