{"id":11510,"date":"2021-02-07T19:49:03","date_gmt":"2021-02-07T19:49:03","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11510"},"modified":"2023-02-05T21:57:02","modified_gmt":"2023-02-05T20:57:02","slug":"korn-das-in-die-erde-eg-98-jesu-meine-freude-eg-396","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/korn-das-in-die-erde-eg-98-jesu-meine-freude-eg-396\/","title":{"rendered":"Korn, das in die Erde EG 98 \/ Jesu, meine Freude EG 396"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Passionszeit 2006<br \/>\nTheologische und kirchenmusikalische Anregungen zu Passionsliedern<br \/>\nAlexander V\u00f6lker und Thomas Schmidt<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p><strong>Zum 4. Sonntag der Passionszeit (26. M\u00e4rz 2006)<\/strong><\/p>\n<p><strong>Korn, das in die Erde EG 98 <\/strong><\/p>\n<p>\u201eNo\u00ebl nouvelet\u201c (15. Jh.), Now the green blade rises, <em>Korn, das in die Erde\u2026 <\/em>\u2013 ein europ\u00e4isches Passions- und Osterlied mit franz\u00f6sischem Ursprung und in der franz\u00f6sischen Tradition lebendig (ein virtuoses Orgelwerk von Marcel Dupr\u00e9 [1886-1971] hat den Refrain zum Thema), mit einer \u00f6sterlich-englischen Zwischenstation, bis J\u00fcrgen Henkys 1976\/78 daraus meisterhaft ein ganz und gar meditatives Lied formte, das, in den Gemeinden in der fr\u00fcheren DDR zuerst gesungen, sich im deutschen Sprachraum l\u00e4ngst \u00fcberzeugend durchgesetzt hat. Seine St\u00e4rke liegt in der knappen, strengen, assoziativ arbeitenden Sprache, die in Andeutungen weite Dimensionen aufscheinen l\u00e4sst: die von <em>Tod <\/em>und <em>Grab <\/em>(1,1; 1,3; 2,2; 2,3) wie die des <em>Lebens <\/em>(1,2; 1,3; 3,3).<\/p>\n<p>Beherrschend ist das Bildwort vom Weizen-<em>Korn <\/em>(Joh 12,24), das im <em>Keim <\/em>(1,2) und <em>in Gestr\u00fcpp und Dorn <\/em>(3,2) gewisserma\u00dfen den \u201eErdboden\u201c des Ganzen abgibt (zu Beginn kontrastieren <em>Korn-Erde-Tod<\/em> sinnreich zur Trias <em>Keim-Acker-Morgen<\/em>). Immer tr\u00e4gt die dritte Zeile jeder Strophe, auch melodisch-rhythmisch retardierend und \u201ain Gegenbewegung\u2019 konzipiert, den weiterf\u00fchrenden Hauptgedanken: Strophe 1 die Hoffnung auf Leben, <em>l\u00e4ngst erstorben<\/em>; Strophe 2 die Unwiderruflichkeit des Todes Jesu, Strophe 3, dies verst\u00e4rkend (<em>Im Gestein verloren \/ unser Herz gefangen<\/em>), wird aus der <em>Nacht <\/em>durch <em>Gottes Liebe <\/em>am <em>dritten Tag<\/em> (Credo) neues Leben. Der mittleren Strophe kommt durch den Namen <em>Jesus<\/em> und <em>Gottes Liebe<\/em>, die der gleich bleibende Refrain aufnimmt, die Funktion des Kerns, ja Schl\u00fcssels f\u00fcr das Lied zu: <em>brach die Welt den Stab.<\/em> Doch ist diese Redeweise noch gebr\u00e4uchlich, auf Anhieb wirklich verst\u00e4ndlich?<\/p>\n<p>Der Predigttext-Schluss \u201eDenn Christus ist mein Leben &#8230;\u201c (Phil 1,21) bietet wohl den besten Ansatzpunkt daf\u00fcr, der aus Anfechtung (1,15ff.) wie auch aus Gewissheit (19f.) erwachsenen Argumentation des Apostels das spannungsreiche Passions- und Osterlied <em>Korn, das in die Erde <\/em>an die Seite zu stellen, das sein endzeitliches Sich-Ausstrecken nach einem Leben in <em>Gottes Liebe <\/em>durch die Erfahrung von Tod und Grab (\u201ewie ich sehnlich warte und hoffe\u201c, 1,20a) mit keiner Zeile verleugnen kann. Festzuhalten bleibt, dass unser Lied nicht irgendeiner \u201eLiebe im Sinne Jesu\u201c das Wort redet, die alles erkl\u00e4ren und alles rechtfertigen will. So wie es unl\u00f6sbar mit der Christusgeschichte verbunden ist, bringt auch Paulus die \u201aChristusf\u00f6rmigkeit\u2019 seiner Gefangenschaft, seines Lebens und Sterbens zum Ausdruck. Der \u00f6sterliche Voraus-Klang im Predigttext (\u201eich werde mich auch weiterhin freuen\u201c, 1,18c) und im Lied soll an diesem Passionssonntag un\u00fcberh\u00f6rbar sein.<\/p>\n<p align=\"center\"><em>oder <\/em><\/p>\n<p><strong>Jesu, meine Freude EG 396<\/strong><\/p>\n<p>\u201eIm Auge des Hurrikans\u201c: <em>Tobe, Welt, und springe; ich steh hier und singe in gar sichrer Ruh \u2013 <\/em>eine solche Herausforderung und Konfrontation aus Strophe 3 kommt am ehesten dem nahe, was Paulus seinen Mitchristen in Philippi zu sagen hat. Um der Sehnsucht (Phil 1,20) nach dem Geliebten (<em>Br\u00e4utigam, au\u00dfer dir &#8230; nichts Liebers, Erg\u00f6tzen, Lust<\/em>), nach Jesus (1), Ausdruck zu geben, w\u00e4hlt die Barockpoesie Johann Francks als literarische Form die Liebeserkl\u00e4rung, eine Art geistlicher \u201aParodie\u2019 von \u201eFlora, meine Freude\u201c (mit gleichem Strophen-Schema; Simon Dach und andere Liederdichter hatten um 1650 \u00c4hnliches in ihrem \u201eAlbum\u201c).<\/p>\n<p>Was Lieder von heute oft vermissen lassen, realisiert <em>Jesu, meine Freude <\/em>vollauf: Die Bekenntniszusage zu ihm (Str.1 und 6) kann es nur <em>mit<\/em> einer klaren Absage geben, einem \u201eNein\u201c an <em>Feinde, Satan, Welt, S\u00fcnd\u2019 und H\u00f6lle, Drachen, Todesrachen, Erd und Abgrund, Sch\u00e4tze, Ehren, Stolz und Pracht, Lasterleben,<\/em> \u2013 und dies geschieht mit zunehmender Intensit\u00e4t und Sch\u00e4rfe (2: <em>Lass &#8230; ob gleich<\/em>; 3: <em>Trotz &#8230; muss; <\/em>4: <em>Weg<\/em> &#8230; <em>soll mich nicht<\/em>; 5, jetzt ironisch: <em>Gute Nacht &#8230;<\/em>; 6: <em>Weicht<\/em>). Doch ist, was das Lied \u00fcber mindestens vier seiner Strophen hinweg vollzieht, heute wirklich ohne weiteres, ohne Vorbehalt nachvollziehbar? Manchem wird solches \u201eGlaubenstheater\u201c mit Satans- und H\u00f6llenspektakel als f\u00fcr Menschen des 21. Jahrhunderts unzumutbar erscheinen, ungeachtet der ber\u00fchmten, vielfach aufgef\u00fchrten Motette Johann Sebastian Bachs (BWV 227) und der zum Lied so reichen Vokal- und Instrumentalmusik.<\/p>\n<p>Zeichenhaft bildet die Melodie Johann Cr\u00fcgers etwas ab von dem Kampf, dem Niederringen, von Christussieg und Christusverherrlichung (durchdachter Halbe-Viertel-Wechsel; Aufschwung zum Spitzenton, der auch im Abgesang erscheint; Spiel mit Tonarten u.a.). Es ist dem Prediger wie dem Musiker aufgetragen, dies auch der Gemeinde nahe zu bringen. Die Passion Jesu erscheint (wie im Predigttext) nur implizit (<em>Gottes Lamm<\/em>); um so pr\u00e4senter ist das <em>ob ich viel muss leiden <\/em>derer, die hier singen.<\/p>\n<p><strong>-&gt;<a href=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/archiv-8\/4Sonntag_A98KorndasindieErde.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> EG 98<\/a> \/ <a href=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/archiv-8\/4Sonntag_B396JesumeineFreude.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EG 396\u00a0<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Alexander V\u00f6lker<br \/>\n<a href=\"mailto:asvoelker@teleos-web.de\">asvoelker@teleos-web.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Passionszeit 2006 Theologische und kirchenmusikalische Anregungen zu Passionsliedern Alexander V\u00f6lker und Thomas Schmidt Zum 4. Sonntag der Passionszeit (26. M\u00e4rz 2006) Korn, das in die Erde EG 98 \u201eNo\u00ebl nouvelet\u201c (15. 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