{"id":11546,"date":"2021-02-07T19:49:01","date_gmt":"2021-02-07T19:49:01","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11546"},"modified":"2023-02-06T13:23:40","modified_gmt":"2023-02-06T12:23:40","slug":"jeremia-23-16-29-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jeremia-23-16-29-4\/","title":{"rendered":"Jeremia 23, 16-29"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Predigtreihe in der Evangelischen Schlosskirche der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universit\u00e4t zu Bonn zum Thema &#8222;Weltmeisterschaft&#8220;, 2006<br \/>\n1. Sonntag nach Trinitatis<\/span><\/b><b><span style=\"color: #000099;\">, Jeremia 23, 16-29<br \/>\nBirgit R\u00f6\u00dfle \u2013 Julia-Rebecca Riedel \u2013 Steffen Riesenberg<\/span><\/b><\/h3>\n<p><strong>BEGR\u00dcSSUNG <\/strong><\/p>\n<p>Italien gegen die USA \u2013 haben Sie das Spiel gesehen gestern Abend? F\u00fcr die, die es verpasst haben \u2013 hier noch kurz das Ergebnis: Es ist 1:1 ausgegangen. Es ist Fu\u00dfball-WM in Deutschland und unter diesem Motto \u2013 genauer gesagt unter dem Motto \u00bbWeltmeisterschaft\u00ab steht ja auch die Predigtreihe in diesem Sommersemester.<\/p>\n<p>Und so ist es nicht nur der 1. Sonntag nach dem Italienspiel, sondern vor allem der 1. Sonntag nach Trinitatis.<\/p>\n<p>Lassen Sie uns also heute Vormittag \u00fcber Gott nachdenken \u2013 diesen ganz anderen Welt-Meister.<\/p>\n<p>Seien Sie und Ihr alle herzlich Willkommen zum Gottesdienst in der Schlosskirche. Es ist mittlerweile \u00fcblich geworden \u2013 und das ist eine sch\u00f6ne \u00dcblichkeit \u2013 dass einmal im Semester der Gottesdienst im Adolf-Clarenbach-Haus vorbereitet wird. Wir haben uns viele Gedanken gemacht um, wie es in der Ank\u00fcndigung so sch\u00f6n hei\u00dft, \u00bbdie Wucht des Wortes\u00ab.<\/p>\n<p>Dabei folgen wir der Liturgie der Schlosskirche, wie Sie es kennen. Das ein oder andere wird allerdings eine andere Gestalt als sonst annehmen. Damit Sie alles gut wieder finden k\u00f6nnen und vor allem laut mitsingen haben wir die Liturgie und die Lieder im Liedblatt abgedruckt.<\/p>\n<p>Die Predigt h\u00e4lt heute Studieninspektorin Birgit R\u00f6ssle, im Vorbereitungsteam haben Julia-Rebecca Riedel, Theresa Demski, Markus Spreckelsen und Thilo Ohrndorf mitgedacht und mitgeschrieben. Zum Eingang wollen wir das erste Lied singen: \u00bbEin feste Burg ist unser Gott.\u00ab<\/p>\n<p><strong>SPRECHMOTETTE<\/strong> (nach Psalm 34, Vers 2-11)<br \/>\nA Ich will den Herrn loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.<br \/>\nB Ich will den Herrn loben allezeit!<br \/>\nC Loben will ich den Herrn allezeit!<br \/>\nD Allezeit will ich den Herrn loben!<br \/>\nA\/B\/C\/D Ich will loben allezeit!<br \/>\nD in Ewigkeit<br \/>\nA den Herrn<br \/>\nB den Herrn<br \/>\nC den Herrn<br \/>\nD den Herrn<br \/>\nA Meine Seele soll sich r\u00fchmen des Herrn, dass es die Elenden h\u00f6ren und sich freuen.<br \/>\nB H\u00f6ret und freuet Euch!<br \/>\nA und abermals<br \/>\nC H\u00f6ret und freuet Euch!<br \/>\nA und abermals<br \/>\nD H\u00f6ret und freuet Euch!<br \/>\nA\/B\/C\/D Preiset<br \/>\nA mit mir den Herrn und lasst uns miteinander seinen Namen erh\u00f6hen!<br \/>\nB Lasst uns miteinander!<br \/>\nA\/B singend seinen Namen erh\u00f6hen!<br \/>\nC Lasst uns miteinander!<br \/>\nA\/B\/C lobend seinen Namen erh\u00f6hen!<br \/>\nD Lasst uns miteinander!<br \/>\nA\/B\/C\/D dankend seinen Namen erh\u00f6hen!<br \/>\nA Als ich den Herrn suchte, antwortete er mir und errettet mich aus aller meiner Furcht. Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden. Als einer im Elend rief, h\u00f6rte der Herr und half ihm aus allen seinen N\u00f6ten. Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die ihn f\u00fcrchten, und hilft ihnen heraus.<br \/>\nB suchen<br \/>\nC antworten<br \/>\nB f\u00fcrchten<br \/>\nC retten<br \/>\nA\/D Sehet, wie herrlich der Herr ist!<br \/>\nB\/C Wir sehen die Herrlichkeit des Herrn!<br \/>\nA\/B\/C\/D Sie bleibt in Ewigkeit!<br \/>\nB Der Herr,<br \/>\nB\/C\/D er rettet mich aus meiner Furcht<br \/>\nB Der Herr,<br \/>\nB\/C\/D er hilft mir aus der Not<br \/>\nB Der Herr,<br \/>\nB\/C\/D er sendet seinen Engel<br \/>\nA Schmecket und sehet<br \/>\nB wie freundlich der Herr ist<br \/>\nC Wohl dem<br \/>\nD der auf ihn trauet<br \/>\nA\/B\/C\/D Die Herrlichkeit des Herrn bleibt in Ewigkeit!<br \/>\nA\/B\/C\/D F\u00fcrchtet den Herrn, ihr seine Heiligen!<br \/>\nA F\u00fcrchtet den Herrn<br \/>\nB Ihr seine Heiligen<br \/>\nC F\u00fcrchtet den Herrn<br \/>\nD Ihr seine Heiligen<br \/>\nB in Ewigkeit<br \/>\nA Ich will den Herrn loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.<br \/>\nB Ich will den Herrn loben allezeit!<br \/>\nC Loben will ich den Herrn allezeit!<br \/>\nD Allezeit will ich den Herrn loben!<br \/>\nA\/B\/C\/D Ich will loben allezeit!<br \/>\nD in Ewigkeit<br \/>\nA den Herrn<br \/>\nB den Herrn<br \/>\nC den Herrn<br \/>\nD den Herrn<br \/>\nA\/B\/C\/D Amen<\/p>\n<p><strong> S\u00dcNDENBEKENNTNIS <\/strong><\/p>\n<p>Ach Gott, was ist aus mir geworden? Bitter bin ich. Verbittert eher. Denn: du schickst mich los mit einem Auftrag, den ich nicht wollte. Hab ich etwa geschrien: \u201ehier bin ich?\u201c Hab ich etwa gesagt: \u201eich will den Untergang ank\u00fcndigen?\u201c Ganz bestimmt nicht. Normal hab ich gelebt, meine Nachbarn mochten mich, hab meine Arbeit gut gemacht, naja, fast immer eben. Und jetzt? Allein bin ich. Fast keiner will mehr in meiner N\u00e4he sein. \u201eSturmkr\u00e4he\u201c nennen mich manche: \u201emit ihm kommt das Unheil\u201c. Und was ist das auch f\u00fcr eine Botschaft, Herr? Ich soll sagen, dass meine Leute sich einfach ergeben sollen, einfach mit als Gefangene nach Babel mitgehen. Ich soll allen aufz\u00e4hlen, wie sie sich dieses Los verdient haben.<\/p>\n<p>Herr, das ist ein gnadenloser Auftrag. Ich glaube dir ja und verbreite dein Wort auf allen Stra\u00dfen und Marktpl\u00e4tzen. Aber wer soll mir denn bei der Botschaft zuh\u00f6ren? Ich w\u00fcrde doch auch lieber auf die Tempelpropheten h\u00f6ren, die sagen: \u201etut dies und jenes und dann wird alles wieder gut\u201c. Ich hab kein Rezept. Eine Ank\u00fcndigung, die Schmach und Verlust der Selbst\u00e4ndigkeit, Verlust der Heimat und alles, was uns vertraut ist, ank\u00fcndigt. Und das soll der kleinere Preis sein, denn so bleiben wir wenigstens am Leben, sagst du. Herr, es ist aber ein sehr hoher Preis und macht so viel Angst, wer soll mir denn da zuh\u00f6ren und glauben? Wer soll freiwillig diesen angeblich kleineren Preis zahlen?<\/p>\n<p>Ich mache den Leuten Angst. Ich f\u00fchre ihnen schlimmste Bilder vor Augen von Flucht, von Sklaverei, von Gemetzel und Tod.<br \/>\nKein Wunder alle behandeln mich wie die Pest. Einsam bin ich. Einsam.<\/p>\n<p>Du hast gesagt, du machst mich zur ehernen S\u00e4ule, damit ich es durchstehe. Aber ich f\u00fchle mich nicht ehern, Gott. Im Gegenteil: der Spott, die Wut, die Schl\u00e4ge, &#8211; all das trifft mich. Ich f\u00fchle mich wie eine S\u00e4ule, die umgeworfen wird, ja, schon auf dem Boden liegt.<\/p>\n<p>Ist schon gut. Ich mache ja weiter. Irgendjemand muss die Menschen ja warnen, damit nicht wirklich alle umkommen werden. Du sagst: entweder gehen alle freiwillig ins Exil oder ganz Jerusalem wird zerst\u00f6rt werden und alle werden sterben.<br \/>\nNur: warum ich?<br \/>\n\u201eAusrei\u00dfen und abbrechen\u201c das ist mein Auftrag.<\/p>\n<p>Herr, halte dich an dein Wort. Mein Auftrag ist so schwer. Ich kann es nur ertragen, wenn ich wei\u00df, dass es unumg\u00e4nglich ist. Wandelst du dich pl\u00f6tzlich und alles wird auch so wieder gut, dann h\u00e4ttest du mir dies alles ersparen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und warum Gott, bewegst du nur mich und nicht die andern? Mich wirfst du in diesen furchtbaren Auftrag hinein. Warum bewegst du die andern nicht, dass sie einsehen, dass du allein Gott bist und von ihnen als Umkehr diese Sklaverei verlangst? Dein Wort ist m\u00e4chtig \u2013 bewege also damit nicht nur mich, sondern ganz Israel!<\/p>\n<p>Bitter bin ich. Hilf mir.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><strong> GNADENZUSPRUCH <\/strong><\/p>\n<p>Gottes Wort ist das Wort, das uns trifft. Es ist kein Traum, den wir tr\u00e4umen, \u00bbMir hat getr\u00e4umt, mir hat getr\u00e4umt, mir hat getr\u00e4umt!\u00ab und vielleicht schon beim Aufwachen nicht mehr wissen, was wir getr\u00e4umt haben. Es ist kein Traum, der uns des Nachts schwitzen l\u00e4sst und des Tags nur ans Nachdenken bringt, als ob wir entscheiden k\u00f6nnen, was wir mit unserem Traum anfangen. Es ist kein Traum, kein Gespinst des Unterbewussten, kein Verarbeiten von Dingen, die wir erlebt haben.<\/p>\n<p>Gottes Wort ist das eine Wort, dass durch unser Leben hindurch, durch all unser uns selbst Verbergen und Verschlie\u00dfen, durch all unser Verstecken hindurch uns direkt trifft. Ein Wort, das uns nicht die Wahl l\u00e4sst, ob wir uns danach richten oder nicht, ein Wort, das uns aufrichtet, wenn wir da nieder liegen. Wir tr\u00e4umen ja nicht, aufgerichtet zu werden, sondern wir werden wirklich aufgerichtet, wir stehen auf, ganz von allein. Ein Wort, dass uns nicht die Wahl l\u00e4sst, ob wir die Welt ver\u00e4ndern wollen, ein Wort, das uns schiebt und dr\u00e4ngt, zieht und schubst hinein in diese Ver\u00e4nderung. Es ist ein Wort, dem wir uns nicht entziehen k\u00f6nnen, wenn er uns damit ruft.<\/p>\n<p>Kein Wort, dass man sich erz\u00e4hlt, um sich zu beeindrucken, sondern ein Wort, das so unmittelbar wirkt, wie nur Gott, von dem das Wort kommt, wirken kann: Direkt in unserem Leben.<\/p>\n<p>Gottes Wort k\u00f6nnen wir uns auch nicht verf\u00fcgbar machen: Wir k\u00f6nnen nicht wissen, was es sagen wird, und wir werden es nie durchdringen und verstehen k\u00f6nnen: Wir k\u00f6nnen es nicht hin und her biegen, so, wie es gerade in unsere Situation bei den Menschen passt. Gottes Wort ist Gott selbst.<\/p>\n<p>Gottes Wort, das uns ruft, das uns tr\u00f6stet, es ist nicht schwer zu erkennen: Wir f\u00fchlen es ja doch, ob es nur eine Menschenstimme ist, die da ruft, oder ob es Gott selbst ist, der uns ruft. Oft sind wir zu bequem, Gottes Wort \u00fcber die staubige, steinige Stra\u00dfe zu folgen, das stimmt. Oft genug freuen wir uns, das zu h\u00f6ren, was wir h\u00f6ren wollten und wollen, weil es so bequem ist. Gottes Wege sind nicht bequem: Die Arche Noah, der Turm von Babel, das Haus der Sklaverei in \u00c4gypten, der Zug durchs Schilfmeer\u2026 Nein, Gottes Wege sind nicht bequem.<\/p>\n<p>Gottes Wort wurde Fleisch, und es lebte unter uns, und wahrhaftig: Es starb am Kreuz, es ging den schwersten aller Wege, den nach Jerusalem, den zu den Hohepriestern, den auf den \u00d6lberg. Es wurde begraben unter der Erde. Und doch: Gottes Wort starb nicht f\u00fcr immer. Es lebt, er lebt.<\/p>\n<p>Deshalb wissen wir und f\u00fchlen wir, dass seine Wege sicher sind! Dass seine Wege f\u00fchren, bis zum Ziel, dass sie nicht im Tod enden, im Schicksal, im Verbergen, Verschlie\u00dfen und Verstecken, auch, wenn wir wadenhoch durch den Schlamm waten, die Sonne uns Haut und Haare versengt und wir nahe davor sind aufzugeben. Wir wissen, dass es doch keine Alternative zu seinem Weg gibt, keine Alternative zu seinem Wort, als ihm zu folgen.<\/p>\n<p>Ihm folgen, fr\u00fcher oder sp\u00e4ter, heute oder morgen, jetzt oder bald \u2013 aber auf Dauer bleibt nur das eine, weil einzig sein Wort das Wort ist, dass wie ein Hammer die Felsen unserer Last zerschmettern kann, weil sein einzig sein Wort das Wort ist, dass uns Leben l\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>PREDIGT<\/strong><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nsie kennen nun die Gem\u00fctsverfassung von Jeremia: einsam, mutlos, wie umgeworfen, auch fordernd gegen\u00fcber Gott. Sie haben in der Gnadenzusage geh\u00f6rt, wie Gottes Wort uns trifft: dass wir keine Wahl haben, uns es oft unbequem ist, wir aber doch ihm folgen sollen.<\/p>\n<p>H\u00f6ren Sie jetzt den Predigttext hierzu, Jer. 23, 16 \u2013 29.<\/p>\n<p>Ich habe sofort ein Bild vor meinem inneren Auge: Da steht einer vor eine gr\u00f6\u00dferen Menschenansammlung und predigt: engagiert, vollkommen \u00fcberzeugt von den eigenen Worten, mit Leib und Seele. Eigentlich steht er gar nicht, nein, alles an seinem K\u00f6rper ist in Bewegung, er tritt nach vorne, springt zur\u00fcck, er hebt die Arme, erhebt die Stimme&#8230; Er will sie erreichen, die Menschen um ihn herum, er will, dass sie ihm zuh\u00f6ren, denn er ist \u00fcberzeugt, dass das, was er zu sagen hat, lebenswichtig f\u00fcr sie ist. Denn eigentlich &#8211; das ist f\u00fcr ihn ganz klar- spricht nicht er. Wer spricht, ist kein geringerer als Gott selbst, und das durch ihn.<\/p>\n<p>Er, Jeremia, ist Prophet Gottes. Eine Aufgabe, die Jeremia nicht haben wollte, gegen die er sich aber nicht wehren konnte.<\/p>\n<p>Aber es h\u00f6rt kaum jemand zu. Jeremia erlebt Spott, an den Pranger muss er, Folter erlebt er, sogar aus einer Schlammgrube wird er erst im letzten Moment gerettet. Dort wollten sie ihn samt seiner Worte ertrinken lassen.<\/p>\n<p>Die Worte w\u00fcrden dennoch bleiben. Nur Jeremia w\u00e4re ertrunken.<br \/>\n\u201eDie Wucht des Wortes\u201c &#8211; so wird im Programm unser Predigttext betitelt. Eine Wucht, die Jeremia ganz ergreift, ihm keine Gegenwehr m\u00f6glich macht, Worte, die ihn bewegen, ihn dazu bringen, sich selbst in Gefahr zu bringen und eine der unbeliebtesten Personen zu werden. So sehr treffen ihn Gottes Worte.<\/p>\n<p>Warum aber bewegen sie nun nicht auch die andern in Jerusalem? Die Wucht des Wortes trifft sie nicht.<\/p>\n<p>Um der Antwort n\u00e4her zu kommen, stelle ich mir und Ihnen die Frage:<br \/>\nWas bewegt mich? Was bewegt Sie? Von was lassen wir uns treffen?<br \/>\nUnd die Frage an die Predigerinnen und Prediger: Warum ist es so schwer, so von Umkehr zu reden und zu predigen, damit es trifft?<\/p>\n<p>Der Inhalt ist sicher bei Jeremia ein Grund. In seinem Klagelied im S\u00fcndenbekenntnis haben Sie es schon geh\u00f6rt: er ist zum \u201eAusrei\u00dfen und Abbrechen\u201c berufen. Er soll verk\u00fcndigen, dass alle sich freiwillig ergeben und mit ins Exil nach Babel gehen. Tut das Volk dies nicht, dann wird ganz Jerusalem mit Krieg \u00fcberzogen und fallen. Zerst\u00f6rung und Tod. Dem zu entkommen, sollen die Menschen in Jerusalem sich Babel ergeben.<br \/>\nDoch wer will das schon? Diese Botschaft macht Angst. Alles verlassen, was man sich aufgebaut hat, sich Babel ergeben und ab jetzt nicht mehr als freie Menschen, sondern als Sklaven leben \u2013 und das freiwillig?<br \/>\nGottes Auftrag verlangt sehr viel Weitsicht von den Menschen. Sie m\u00fcssen die drohende Gefahr erkennen, richtig einsch\u00e4tzen und danach handeln. Trotz aller Angst, aller Wehmut sollen sie sich Babel ergeben.<\/p>\n<p>Ein solcher Auftrag muss f\u00fcr Jeremia schwierig sein. Er verschweigt nicht die drohende Gefahr, sondern spricht sie offen aus. Ich denke, es wird immer schwer sein, solche Botschaften zu Geh\u00f6r zu bringen \u2013 egal in welcher Zeit.<\/p>\n<p>Jeremia musste es dennoch versuchen. Und \u00fcberall auf der Welt sind auch heute Prophetinnen und Propheten unterwegs, die Weitsicht einfordern und fr\u00fchzeitiges Handeln anmahnen &#8211; auch wenn es schmerzt und \u00e4ngstigt.<br \/>\nEs gibt Situationen, da gibt es kein \u201emach weiter so\u201c, \u201ees wird schon gut gehen\u201c.<br \/>\nDann benennen Menschen die zukunftsweisende Handlung: \u201emacht euch jetzt auf den Weg. Verlasst noch heute eurer Land \u2013 sonst kann es zu sp\u00e4t sein.\u201c<\/p>\n<p>Jeremia versucht noch mehr: er sagt nicht nur, welcher Weg der mit Zukunft ist, sondern er versucht auch die schwere Aufgabe, das Geschehen von seinem Glauben her zu deuten. Er stellt sich der &#8222;Warum?&#8220;-Frage. Aus seinem Glauben heraus beantwortet er sie damit, dass das Volk Israel einen Weg der Umkehr vor sich hat. Und dieser lange Weg f\u00fchrt \u00fcber das Exil. Ziel ist, wieder mit ganzem Herzen Gott zu lieben.<\/p>\n<p>Das ist eine Aussage, die Jeremia nur aus seinem Glauben heraus machen kann.<br \/>\nDas kennen wir auch: manche Wege, die wie eine Verbannung und ein Wandern ins Exil auf uns wirken, k\u00f6nnen wir manchmal selbst deuten als einen Weg, der Zukunft gebracht hat. Ein Weg, der uns wieder Gott n\u00e4her gebracht hat. Oft k\u00f6nnen wir das erst hinterher sagen.<\/p>\n<p>Nach durchstandenen Krisen erleben wir \u00f6fters, dass wir uns durch sie ver\u00e4ndert haben. Eine schwere Krankheit hat uns vielleicht dazu gebracht, unseren Lebensstil zu \u00e4ndern, der Tod eines lieben Menschen mag uns dazu gef\u00fchrt haben, der Pflege von Beziehungen mehr Beachtung beizumessen als zuvor.<\/p>\n<p>Wenn ich also frage, warum Jeremias Worte nicht seine Zuh\u00f6rerschaft erreicht hat, dann ist das nicht generell zu beantworten. Wir haben keine Verf\u00fcgungsmacht \u00fcber das Wirken des Heiligen Geistes, der die Ohren und Herzen \u00f6ffnet.<br \/>\nFrage ich Sie nach dem Gottesdienst: was hat Sie heute ber\u00fchrt und getroffen? Dann kann das eine Zeile aus einem Lied gewesen sein oder der aaronitische Segen am Ende. So sehr wir uns M\u00fche geben, das Wort Gottes genau so weiterzugeben, damit es erreicht \u2013 es h\u00e4ngt auch hier an Gottes Wirken, ob es gelingt.<\/p>\n<p>Auch wenn es nicht in unserer Hand liegt, so sollen Sie und ich doch nach der richtigen Form suchen, wie wir am ehesten Geh\u00f6r finden.<br \/>\nEin Werbetexter mag Jeremia einen besonders griffigen Text geben zur Unterst\u00fctzung.<br \/>\nWenn Jeremia mich fragt, w\u00fcrde ich ihm den Tipp geben: erz\u00e4hl nicht nur von Gottes Wort, sondern sag auch, was du denkst, was du f\u00fchlst, dass du wei\u00dft, was du andern zumutest. Jeremia wirkt auf mich so stark, so \u00fcberzeugt, so ohne Zweifel. Das schreckt mich ab, l\u00e4sst mich zweifeln, \u00e4ngstigt mich. Wenn er andern zumutet, einen sehr schweren Schritt zu gehen, dann ist es gut, auch davon zu erz\u00e4hlen, wie schwer es ihm selbst f\u00e4llt. Andere sehen das nicht sofort und m\u00fcssen es gesagt bekommen. Vielleicht h\u00e4tte dann manch einer wenigstens aufgehorcht: \u201eaha, zu diesen Dingen war Jeremia bereit, dann \u00fcberlege ich mir auch, zu was ich bereit bin&#8230;\u201c<\/p>\n<p>Mein Wunschdenken geht noch weiter: h\u00e4tte Jeremia vielleicht deutlicher auch seinen Schmerz ausdr\u00fccken k\u00f6nnen, vielleicht h\u00e4tte auch er Mitgef\u00fchl erhalten. Vielleicht nicht gleich Nachfolger. Aber doch Verst\u00e4ndnis. Denn seine Einsamkeit r\u00fchrt mich.<br \/>\nVielleicht ist es wegen dieser Einsamkeit, dass er in seinen Reden sehr verbittert wirkt. Meine \u00dcberzeugung ist es, dass seine Verbitterung sich darin Ausdruck verschafft, wenn er nicht f\u00fcr eine Umkehr wirbt, sondern das Leid als Gottes Ziel auslegt.<br \/>\nDas ist mit meinem Gottesbild nicht vereinbar.<br \/>\nVielleicht hat der arme Jeremia leider Gott in seiner eigenen Not so erfahren. Schade.<\/p>\n<p>Gottes Wort trifft \u2013 es trifft mit Wucht und Macht.<br \/>\nWas wir daf\u00fcr tun k\u00f6nnen, dass es trifft: lasst uns das auch tun.<br \/>\nIm Vertrauen auf den Heiligen Geist bin ich sicher, dass Gott uns anspricht und wir es sp\u00fcren, wenn er es ist.<br \/>\nLassen Sie uns werben f\u00fcr Gottes Wort, denn Gott ist ein werbender Gott. Ein Gott, der auch entt\u00e4uscht und zornig ist, wie man es eben in entt\u00e4uschenden Liebesbeziehungen ist. Doch Ziel bleibt die gute Beziehung, die uns gut tut und zum Leben dient.<\/p>\n<p>Noch einmal den Schluss des Gnadenzuspruches:<\/p>\n<p>Deshalb wissen wir und f\u00fchlen wir, dass seine Wege sicher sind! Dass seine Wege f\u00fchren, bis zum Ziel, dass sie nicht im Tod enden, im Schicksal, im Verbergen, Verschlie\u00dfen und Verstecken, auch, wenn wir wadenhoch durch den Schlamm waten, die Sonne uns Haut und Haare versengt und wir nahe davor sind aufzugeben. Wir wissen, dass es doch keine Alternative zu seinem Weg gibt, keine Alternative zu seinem Wort, als ihm zu folgen.<br \/>\nIhm folgen, fr\u00fcher oder sp\u00e4ter, heute oder morgen, jetzt oder bald \u2013 aber auf Dauer bleibt nur das eine, weil einzig sein Wort das Wort ist, dass wie ein Hammer die Felsen unserer Last zerschmettern kann, weil sein einzig sein Wort das Wort ist, dass uns Leben l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>F\u00dcRBITTEN<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gemeinsam wollen wir beten<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Herr, dank sei Dir, das Du uns heute hier zusammen gef\u00fchrt hast. Dass Du Dir Zeit nimmst, Zeit f\u00fcr unsere Sorgen, f\u00fcr unsere Freuden, f\u00fcr unser Klagen und f\u00fcr unser Danken, mit dem wir vor Dich treten. Dir vertrauen wir uns an, wissen, dass wir bei Dir aufgehoben sind. Du bereitest Deine H\u00e4nde \u00fcber uns aus, wie das Himmelszelt. Du bettest uns auf Deinem Scho\u00df, gleichsam der Erde. Du l\u00e4sst uns Deine Gnade und Barmherzigkeit sp\u00fcren, zeigst uns, dass wir nicht alleine sind. Du kennst uns, gibst uns Mut und Kraft, f\u00fchrst uns durch die Widrigkeiten des Lebens. Wir danken Dir f\u00fcr Deine Gnade. Amen<\/p>\n<p>F\u00fcrbittengebet<\/p>\n<p>Herr, oft sind wir entt\u00e4uscht und verbittert, weil unser Wort nicht geh\u00f6rt wird \u2013 weil Dein Wort nicht geh\u00f6rt wird. Auf der stetigen Suche nach zutraulichen Worten \u00fcberh\u00f6ren wir doch oft das Wesentliche. Herr, Du hast uns einen Mund zum reden und Ohren zum h\u00f6ren gegeben, jetzt \u00f6ffne unsere Herzen, verstocke sich nicht l\u00e4nger, f\u00fcr Dein Wort.<\/p>\n<p>Lass Dein Wort uns treffen mit aller Wucht und aller Macht.<br \/>\nHerr, wir bitten Dich, erbarme Dich unser.<\/p>\n<p>Oft sind wir verzagt, trauen uns nicht \u00fcber unseren Glauben zu sprechen, trauen uns nicht, von Dir zu sprechen. Da sind Zweifel, immer findet sich jemand, der augenscheinlich fester im Glauben steht, der augenscheinlich n\u00e4her bei Dir ist.<\/p>\n<p>Herr, gib uns die Kraft die Zweifel beiseite zu wischen.<br \/>\nHerr, gib uns die Kraft f\u00fcr Dein Wort zu werben.<br \/>\nHerr, wir bitten Dich, erbarme Dich unser.<\/p>\n<p>Das, was wir nicht in Worte fassen k\u00f6nnen, die dem Treiben unserer Herzen gerecht werden, wollen wir in das Gebet legen, das Jesus Christus uns gelehrt hat<\/p>\n<p><strong>Birgit R\u00f6\u00dfle \u2013 Julia-Rebecca Riedel \u2013 Steffen Riesenberg<br \/>\n<a href=\"mailto:steffenriesenberg@gmx.net\"> steffenriesenberg@gmx.net<\/a> &#8211; <a href=\"mailto:Studieninspektorin@gmx.de\">Studieninspektorin@gmx.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtreihe in der Evangelischen Schlosskirche der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universit\u00e4t zu Bonn zum Thema &#8222;Weltmeisterschaft&#8220;, 2006 1. Sonntag nach Trinitatis, Jeremia 23, 16-29 Birgit R\u00f6\u00dfle \u2013 Julia-Rebecca Riedel \u2013 Steffen Riesenberg BEGR\u00dcSSUNG Italien gegen die USA \u2013 haben Sie das Spiel gesehen gestern Abend? F\u00fcr die, die es verpasst haben \u2013 hier noch kurz das Ergebnis: Es [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":16599,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[402,1,727,120,114,349,109,1116,126,1166],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-11546","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-1-so-n-trinitatis","category-aktuelle","category-archiv","category-bes_gelegenheiten","category-deut","category-kasus","category-predigten","category-predigtformen","category-predigtreihen","category-weltmeisterschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11546","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11546"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11546\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16600,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11546\/revisions\/16600"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/16599"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11546"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11546"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11546"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=11546"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=11546"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=11546"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=11546"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}