{"id":11555,"date":"2021-02-07T19:48:54","date_gmt":"2021-02-07T19:48:54","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11555"},"modified":"2023-02-24T22:31:10","modified_gmt":"2023-02-24T21:31:10","slug":"himmelfahrtskommando","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/himmelfahrtskommando\/","title":{"rendered":"\u201eHimmelfahrtskommando\u201c"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><strong>\u201eHimmelfahrtskommando\u201c, <\/strong><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><strong>Predigt zu Lukas 24, 45-49,<\/strong><br \/>\n<strong>verfasst von Eike Kohler (21.5.)<\/strong><\/h3>\n<hr \/>\n<p align=\"center\"><strong>\u201eHimmelfahrtskommando\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>\u201edie Welt zu Gast bei Freunden\u201c \u2013 unter diesem Motto bereitet sich unser Land zur Zeit darauf vor, einen gro\u00dfartigen Wettbewerb dar\u00fcber auszutragen, welches Team am besten in der Lage ist, das Runde mit Hilfe von Strategie und spielerischem K\u00f6nnen ins Eckige zu bef\u00f6rdern. Dass die Begleitung und Motivation ihres Teams nicht f\u00fcr einige der angereisten Fans zu einem Unternehmen ohne Wiederkehr wird, das k\u00f6nnen wir angesichts der bekannten Probleme mit Hooligans und besonders angesichts der j\u00fcngsten Ereignisse nur hoffen und daf\u00fcr beten, genauso wie viele in Deutschland auf einen Sieg unserer Mannschaft hoffen und vielleicht auch daf\u00fcr beten.<\/p>\n<p>Diese beiden Wagnisse hatte ich allerdings nicht im Sinn, als ich vor einigen Monaten den Begriff \u201eHimmelfahrtskommando\u201c als Titel f\u00fcr den heutigen Gottesdienst ausgesucht habe.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte Ihre Aufmerksamkeit heute auf einen anderen Wettbewerb richten, der ebenfalls den Titel \u201eWeltmeisterschaft\u201c verdient. Dieser Wettbewerb dauert allerdings nicht nur ein paar Wochen, und die Disziplin ist ebenfalls eine ganz andere \u2013 es geht nicht um Fu\u00dfball oder Basketball oder Eishockey, auch nicht um die Weltmeisterschaft im Schachspiel oder im besten Pop-Song. Es geht schlicht um \u201edie\u201c Weltmeisterschaft \u00fcberhaupt \u2013 um den Wettbewerb darin, wie wir diese Welt meistern k\u00f6nnen, wie wir mit dieser Welt am besten umgehen, wie wir unser Leben in ihr am besten gestalten k\u00f6nnen. Das ist vielleicht noch schwieriger, als die Herausforderung, besser als alle anderen das Runde ins Eckige zu treten. Besonders, weil wir diesen Wettbewerb nicht bequem zuhause vor dem Fernseher verfolgen k\u00f6nnen, auch nicht von den R\u00e4ngen der Fankurve aus \u2013 wir sind selbst dabei, mitten auf dem Spielfeld, und m\u00fcssen sehen, wie wir unser Team im Spiel halten.<\/p>\n<p>Wie kann das gehen? Der Text aus dem Lukasevangelium, den wir vorhin geh\u00f6rt haben, stellt meines Erachtens so etwas dar wie die letzten Worte des Trainers, bevor er seine Mannschaft allein auf Spielfeld ziehen l\u00e4sst. Nachdem der Auferstandene sowohl den Aposteln in Jerusalem wie auch den beiden J\u00fcngern auf dem Weg nach Emmaus begegnet ist, erscheint er abermals in der Runde der versammelten J\u00fcnger \u2013 ich vermute, es waren auch J\u00fcngerinnen dabei \u2013 und spricht mit ihnen, bevor er mit einem Segen von ihnen Abschied nimmt. Ich lese erneut die Verse 45 bis 49 aus dem Bericht des Lukas:<\/p>\n<p>45 Da \u00f6ffnete er ihnen das Verst\u00e4ndnis, so da\u00df sie die Schrift verstanden, 46 und sprach zu ihnen: So steht&#8217;s geschrieben, da\u00df Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage; 47 und da\u00df gepredigt wird in seinem Namen Bu\u00dfe zur Vergebung der S\u00fcnden unter allen V\u00f6lkern. Fangt an in Jerusalem, 48 und seid daf\u00fcr Zeugen. 49 Und siehe, ich will auf euch herabsenden, was mein Vater verhei\u00dfen hat. Ihr aber sollt in der Stadt bleiben, bis ihr ausger\u00fcstet werdet mit Kraft aus der H\u00f6he.<\/p>\n<p>Drei Themen entdecke ich in diesen Worten Jesu, auf die wir achten sollten: Wahrnehmen \u2013 Mitspielen \u2013 Durchhalten.<\/p>\n<p><strong>1. Wahrnehmen<\/strong><\/p>\n<p>Beginnen wir zun\u00e4chst mit dem Wahrnehmen. Das Wahrnehmen steht am Anfang, kommt vor aller eigenen T\u00e4tigkeit der J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger. Zun\u00e4chst geht es um das Wahrnehmen der Schrift, also von Gesetz, Propheten und Psalmen, wie es im vorausgehenden Vers hei\u00dft. Auf diese Urkunden des Willens Gottes f\u00fcr sein Volk verweist der Auferstandene die J\u00fcnger: So steht&#8217;s geschrieben! Was da steht, ist freilich nicht so unmittelbar einleuchtend, wie wir Protestanten es manchmal gerne h\u00e4tten: es braucht eine Verstehenshilfe.<\/p>\n<p>Schon auf dem Weg nach Emmaus hatte der Auferstandene den beiden J\u00fcngern ausf\u00fchrlich erkl\u00e4ren m\u00fcssen, wie die schrecklichen Ereignisse, die sie aus Jerusalem vertrieben haben, zu dem Heil passen, das Gott seinem Volk durch Moses und die Propheten verhei\u00dfen hat. Und auch in dieser gro\u00dfen Runde muss Jesus erst einmal eine Bibelarbeit ansetzen, den J\u00fcngerinnen und J\u00fcngern die Augen \u00f6ffnen f\u00fcr ein neues, anderes Verst\u00e4ndnis dessen, was ihnen allen l\u00e4ngst so vertraut schien.<\/p>\n<p>\u201eSo steht&#8217;s geschrieben\u201c \u2013 n\u00e4mlich \u201edass Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage\u201c. Dass auch Jesu Tod am Kreuz im Einklang steht mit dem Willen Gottes, ja dass gerade durch dieses schreckliche Ereignis das von Gott verhei\u00dfene Heil f\u00fcr sein Volk und die ganze Welt Wirklichkeit werden soll \u2013 das war alles andere als selbstverst\u00e4ndlich f\u00fcr die Menschen damals. Haben doch selbst heute nach 2000 Jahren Christentum viele Menschen noch gro\u00dfe Schwierigkeiten, es zu verstehen.<\/p>\n<p>Und doch gelingt es dem Auferstandenen, seine J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger zu einer neuen Sicht zu f\u00fchren. Er \u00f6ffnet ihnen die Augen f\u00fcr die Hinweise auf Leiden und Tod an vielen Stellen, an denen die Hoffnung auf den kommenden Messias und sein Friedensreich ihren Halt findet. Eine neue Wahrnehmung erm\u00f6glicht es den J\u00fcngern, an der alten Hoffnung festzuhalten, trotz allem, was passiert ist. Es ist kein Gespenst, das hier zu ihnen spricht, sondern wahrhaftig der auferstandene Messias. Der Tod am Kreuz ist nicht das Ende, sondern der Anfang von Gottes Heil f\u00fcr alle Menschen. Dies ist die erste Lektion, die sie lernen m\u00fcssen auf dem Weg zu dem Team, das bald zum global player werden soll im Wettbewerb um den wahren Gott und die beste Weise, im Einklang mit seinem Willen zu leben.<\/p>\n<p>Aber es gibt noch mehr wahrzunehmen. Jesus bleibt nicht bei der Erkl\u00e4rung der Vergangenheit stehen, er lenkt den Blick auf die Zukunft. \u201eDass gepredigt wird in seinem Namen Bu\u00dfe zur Vergebung der S\u00fcnden unter allen V\u00f6lkern\u201c, darum geht es im zweiten Teil der Bibelarbeit f\u00fcr Jesu J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger. Die Umkehr aller V\u00f6lker am Ende der Zeit von ihren b\u00f6sen Wegen zum Dienst f\u00fcr den einen, wahren Gott Israels ist eine Hoffnung, die schon im Buch des Propheten Jesaja und an manchen anderen Stellen der Schrift zu finden ist. Nun ist diese Zeit gekommen, und die J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger sollen daran mitwirken. Die V\u00f6lker sollen erfahren, was Gott von ihnen erwartet, sie sollen zur Umkehr gerufen werden, zur Abwendung von ihren b\u00f6sen Wegen und zur Hinwendung zu dem Gott, der allein Heil schenken kann: der Gott Abrahams und Isaaks, der Gott Israels.<\/p>\n<p>Zwischen dem, was Gott bereits getan hat durch Jesus und dem, was er noch tun will durch sie selbst, stehen Jesu J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger kurz vor dem Abschied von Jesus und m\u00fcssen lernen, Vergangenheit und Zukunft neu zu sehen, damit sie bereit werden f\u00fcr ihre Aufgabe in der Gegenwart \u2013 Zeugen zu sein f\u00fcr das, was Gott getan hat, und Zeugen f\u00fcr die Hoffnung auf das, was Gott noch tun will in der Zukunft. Uns geht es \u00e4hnlich heute \u2013 zwischen Ostern und Pfingsten stehen wir erneut vor der Aufgabe wahrzunehmen, was Gott bereits getan hat, und was er noch tun will \u2013 f\u00fcr uns, mit uns und durch uns. Zeugen sein k\u00f6nnen wir nur f\u00fcr das, was wir selbst wahrgenommen haben, aber damit wir Gottes Handeln wahrnehmen k\u00f6nnen, brauchen auch wir eine Verstehenshilfe, brauchen wir jemanden, der oder die uns die Augen \u00f6ffnen f\u00fcr die verborgenen Hinweise auf Gottes Heil mitten im Unheil unserer Welt. Der Glaube kommt aus dem H\u00f6ren, und so sind wir angewiesen auf Menschen, die vor uns hingeh\u00f6rt haben, und die nun an uns weitergeben, was sie wahrgenommen haben.<\/p>\n<p><strong>2. Mitspielen <\/strong><\/p>\n<p>Weitergeben, was sie wahrgenommen haben \u2013 damit sind wir beim zweiten Thema der Abschiedsrede: dem Hinweis auf die Art und Weise, wie die J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger mitspielen sollen. Anders als Matth\u00e4us in seinem sogenannten \u201eMissionsbefehl\u201c spricht Lukas nicht vom erw\u00fcnschten Ergebnis, Menschen zu J\u00fcngern zu machen, sondern legt den Fokus ganz darauf, wie die J\u00fcnger handeln sollen: sie sollen Zeugen sein. Nicht Macher, nicht diejenigen, die Gottes Werk selbst\u00e4ndig auf der Erde erledigen, wie man die Formulierung bei Matth\u00e4us verstehen k\u00f6nnte, sondern lediglich Zeugen, Menschen, die etwas wahrgenommen haben und davon sprechen. \u201eWir k\u00f6nnen&#8217;s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und geh\u00f6rt haben\u201c, so schildert Lukas in der Apostelgeschichte die Verteidigung des Petrus und des Johannes gegen\u00fcber demHohenpriester und den \u00c4ltesten, als man sie wegen ihrer Predigt zur Rede stellt.<\/p>\n<p>Diese etwas bescheidenere Perspektive des Lukas auf das Thema Mission ist vermutlich einer der Gr\u00fcnde, warum die Missionstheologie sich nach den schlechten Erfahrungen mit den kolonialistischen Formen von Mission in der Vergangenheit heute verst\u00e4rkt der Erz\u00e4hlung von den Emmaus-J\u00fcngern als Basis f\u00fcr moderne Mission zuwendet. Das n\u00e4chsten Monat in deutscher\u00dcbersetzung erscheinende Diskussionspapier des Lutherischen Weltbundes ist daf\u00fcr ein gutes Beispiel. Wie viele andere seit der Mitte des 20. Jahrhunderts geht dieses Dokument davon aus, dass Mission zum Wesen von Kirche geh\u00f6rt, aber nicht als eigenst\u00e4ndiger Auftrag, sondern als Teilhabe an der sogenannten missio dei, an Gottes Mission, als Mitwirken an Gottes Handeln zur Verwirklichung seines Reiches in dieser Welt.<\/p>\n<p>Dabei geht es nat\u00fcrlich auch darum, zu erz\u00e4hlen, was wir von Gottes Handeln durch Jesus Christus und in der Welt wahrgenommen haben. Zum Zeuge sein geh\u00f6rt der Bericht \u00fcber das Wahrgenommene unabdingbar dazu. Im Unterschied zu fr\u00fcheren Zeiten haben die Worte aber an Gewicht verloren. Gegenstand des Zeugnisses ist nicht mehr so sehr das vergangene Handeln Gottes in Jesus Christus allein, als vielmehr das Handeln Gottes in Jesus Christus als Teil des Handelns, mit dem Gott sein Reich in dieser Welt aufrichten will. In den Worten des 1. Petrusbriefes: Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert \u00fcber die Hoffnung, die in euch ist\u201c. Von dieser Hoffnung Zeugnis zu geben, braucht aber nicht nur Worte, sondern vor allem Taten.<\/p>\n<p>Wenn wir glaubw\u00fcrdig von unserer Hoffnung auf das kommende Reich Gottes reden wollen, dann muss auch unser Handeln von diesem Reich der Gerechtigkeit und des Friedens Zeugnis ablegen k\u00f6nnen, so der Tenor des Diskussionspapiers des Lutherischen Weltbundes. Daf\u00fcr werden drei gro\u00dfe Kriterien benannt: Ver\u00e4nderung, Vers\u00f6hnung und Bef\u00e4higung. Auch die Kirche ist l\u00e4ngst noch nicht vollkommen, bedarf der weiteren Ver\u00e4nderung, um ein immer deutlicherer Hinweis auf die Gerechtigkeit und den Frieden werden zu k\u00f6nnen, die Gott uns verhei\u00dfen hat. Die Vers\u00f6hnung mit Gott, die uns in Christus angeboten ist, muss auch auf die Vers\u00f6hnung mit unseren Mitmenschen ausstrahlen. Und unsere N\u00e4chstenliebe darf nicht dazu beitragen, Menschen in neue Abh\u00e4ngigkeiten zu f\u00fchren, sondern muss sie zu mehr Selbst\u00e4ndigkeit und einem aufrechten Gang bef\u00e4higen, wenn sie ein Abbild der Liebe Gottes zu uns Menschen sein will. All dies geh\u00f6rt zum Zeuge-Sein unabdingbar hinzu. Nur indem wir an Gottes befreiendem und vers\u00f6hnendem Handeln teilhaben, k\u00f6nnen wir davon glaubw\u00fcrdig Zeugnis geben. Oder wie es ein anglikanischer Bischof einmal formuliert hat: \u201eGebt Zeugnis von der Hoffnung, die in euch ist \u2013 wenn n\u00f6tig, auch mit Worten!\u201c Zeuge zu sein, bedeutet, mitzuspielen bei Gottes Mission in dieser Welt, nicht im Abseits zu stehen und zu warten bis Gott sein Reich verwirklicht hat. Eine der Gemeinsamkeiten zwischen dem Fu\u00dfball und der Weltmeisterschaft, von der wir reden, ist es, dass die Abseitsregel gnadenlos zur Anwendung kommt. Nur wer mitspielt, dessen Zeugnis wird glaubw\u00fcrdig sein, nur wer selbst die Umkehr vollzogen hat und sich von Gottes Willen leiten l\u00e4sst, kann andere dazu aufrufen \u2013 sei es mit Worten, oder durch seinen Lebensstil.<\/p>\n<p>An dieser Stelle m\u00f6chte ich gerne noch etwas konkreter werden. \u201eFangt an in Jerusalem\u201c, so lautet der Aufruf des Auferstandenen an seine J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger. Ich lese das als Hinweis, dass Mission nicht ein gro\u00dfer Akt sein muss, nicht eine herausgehobene T\u00e4tigkeit jenseits des normalen Alltags. Nein, Zeugen f\u00fcr die Hoffnung auf Gottes Reich des Friedens und der Gerechtigkeit sind wir vor allem da, wo wir ganz allt\u00e4glich leben und handeln. Dort, wo deutlich wird, dass wir uns darum bem\u00fchen, Menschen gerecht zu werden, auf Vers\u00f6hnung zwischen Menschen hinzuwirken und Menschen nicht klein zu machen, sondern als Kinder Gottes mit ihren Gaben und F\u00e4higkeiten wertzusch\u00e4tzen und zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Das gilt f\u00fcr uns als einzelne, aber auch als Institution. Hier an der Universit\u00e4t sind wir ja st\u00e4ndig damit befasst, Menschen in ihren Lern- und Entwicklungsprozessen zu f\u00f6rdern und zu unterst\u00fctzen. Dabei stehen wir immer wieder vor der Frage, ob wir den Menschen mit ihren unterschiedlichen Voraussetzungen und F\u00e4higkeiten gerecht werden mit unserem Unterricht und unseren Pr\u00fcfungen. Und nat\u00fcrlich stellt sich uns als Institution auch die Frage, ob wir mit unserem Verhalten zu wachsender Ungerechtigkeit in der Welt beitragen, wenn wir z.B. ab dem kommenden Semester Studiengeb\u00fchren von den Studierenden fordern, oder wenn wir unsere Forschungsergebnisse in Zeitschriften publizieren, die wegen ihres hohen Preises nur von wenigen Menschen gelesen werden k\u00f6nnen. Wir stehen hier vor der Herausforderung, trotz ung\u00fcnstiger Bedingungen auch denen einen Zugang zur Bildung zu erm\u00f6glichen, die mit geringen Ressourcen ausgestattet sind, sei es durch Stipendien, sei es durch die Konzeption von berufsbegleitenden Bildungsma\u00dfnahmen, sei es durch die Nutzung und F\u00f6rderung von Initiativen zur freien Ver\u00f6ffentlichung von Forschungsbeitr\u00e4gen, die derzeit weltweit im Wachsen begriffen sind.<\/p>\n<p>Nur wenn wir auch in unserem Handeln danach trachten, der Hoffnung auf Gottes Reich der Gerechtigkeit und des Friedens zu entsprechen, wird unser Zeugnis glaubw\u00fcrdig sein, werden wir zu Mitspielern in der gro\u00dfen Weltmeisterschaft um das wahre gottgem\u00e4\u00dfe Leben in dieser Welt. Dies ist die konsequente Weiterf\u00fchrung des zweiten Gedankens, den der Auferstandene nach Lukas an seine J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger vermittelt: Fangt an in Jerusalem, und seid Zeugen f\u00fcr Gottes Handeln in dieser Welt. Seid Zeugen, und werdet so Mitspieler, jede und jeder an dem Ort, an dem er oder sie steht und lebt. Alles weitere ergibt sich dann aus dem Spielgeschehen.<\/p>\n<p><strong>3. Durchhalten <\/strong><\/p>\n<p>Freilich, dieses Mitspielen ist nicht so einfach, und damit sind wir beim dritten Thema: dem Durchhalten. Wie schaffen wir es, gegen alle Widrigkeiten dem urspr\u00fcnglichen Auftrag treu zu bleiben? Was hilft uns, angesichts der Ungerechtigkeit und des Unfriedens in der Welt die Hoffnung auf Gottes Reich der Gerechtigkeit und des Friedens nicht aufzugeben?<\/p>\n<p>Auch hier macht sich die Bescheidenheit des Lukas bezahlt, weil sie uns den Blick sch\u00e4rft f\u00fcr die\u00dcberforderungen, die wir uns oft zumuten: Wir m\u00fcssen es ja nicht selbst machen. Gott gibt uns nicht einen Befehl und verschwindet dann, um irgendwann an einem fernen Ort unsere Erfolgsmeldung abzuwarten. Es bleibt Gottes Angelegenheit, sein Reich auf dieser Welt zu errichten. Wir sind nicht seine Macher, sondern seine Zeugen. Wo uns sein Wort trifft, wo wir etwas wahrnehmen von dem, was er mit uns und unter uns tun will, da packt uns die Sehnsucht, vielleicht auch die Begeisterung, und wir k\u00f6nnen fast gar nicht anders, als mitzuwirken an Gottes Werk.<\/p>\n<p>Solange das aber nicht geschieht, sollten wir nicht etwa in frommem Leistungsdruck auf eigene Faust loslegen, sondern das beherzigen, was der Auferstandene seinen J\u00fcngern ans Herz gelegt hat: Bleibt in der Stadt, bis ihr ausger\u00fcstet werdet mit der Kraft aus der H\u00f6he. Bleibt an eurem Platz, haltet Augen und Ohren offen, und wartet, bis ihr erkennt, wozu Gott euch gebrauchen will, wartet, bis das Feuer der Begeisterung in euren Herzen entflammt. Erst dann ist der richtige Zeitpunkt.<\/p>\n<p>Wir sind nicht verantwortlich f\u00fcr das Reich Gottes, wir sind nur Zeugen, Mitspieler im gro\u00dfen Prozess seiner Verwirklichung hier in dieser Welt. Wenn wir uns das immer wieder vor Augen halten, k\u00f6nnen wir auch Zeiten der Ersch\u00f6pfung und des Zweifels ertragen, weil wir wissen: wir m\u00fcssen nicht durchhalten um jeden Preis. Wir d\u00fcrfen auch schwach sein wie Elia, wir d\u00fcrfen uns wie er in der W\u00fcste unter den Busch legen und warten, bis wir neue St\u00e4rkung erhalten und uns von neuem der Ruf ereilt, das Feuer packt. Zeuge sein hei\u00dft, dass wir Augen und Ohren offen halten, aufmerksam sein sollen f\u00fcr das, was Gott unter uns tut und tun will. Was dar\u00fcber hinaus n\u00f6tig ist, das wirkt sein Geist in uns, die Kraft aus der H\u00f6he, die Gott uns verhei\u00dfen hat.<\/p>\n<p>\u201eBleibt in der Stadt, bis ihr ausger\u00fcstet werdet mit Kraft aus der H\u00f6he\u201c \u2013 das bedeutet f\u00fcr mich auch: Zieht euch nicht zur\u00fcck, bleibt in Gemeinschaft miteinander. Auch das ist eine Quelle von Kraft und Ermutigung, und in der Gemeinschaft f\u00e4llt die Wahrnehmung leichter, weil wir uns gegenseitig die Augen \u00f6ffnen k\u00f6nnen f\u00fcr das, was Gott unter uns tut. Schon Augustin hat sich den Geist als Redner vorgestellt, der uns mit Begeisterung erf\u00fcllt durch das Wort Gottes, das uns verk\u00fcndet wird. Auch wenn der Geist Gottes weht, wo er will: Wenn uns das Wort Gottes treffen soll, wenn wir uns anstecken lassen wollen vom Geist Jesu Christi, dann sollten wir uns dort aufhalten, wo sein Wort verk\u00fcndet wird, wo Menschen weitergeben, was sie von Gott wahrgenommen haben: in der Gemeinschaft der Glaubenden und Hoffenden. Das muss nicht immer eine Kirche sein, schon wo zwei oder drei zusammenkommen, hat Gott ihnen seine Gegenwart verhei\u00dfen.<\/p>\n<p>Darin also liegt die Kraft zum Durchhalten: dass wir nicht selbst alles leisten m\u00fcssen, sondern auf Gottes Geist warten d\u00fcrfen, und dass wir immer wieder Orte finden, an denen wir auf diesen Geist warten k\u00f6nnen bis er uns von neuem trifft.<\/p>\n<p><strong>4. Himmelfahrtskommando <\/strong><\/p>\n<p>Wahrnehmen, mitspielen, durchhalten \u2013 mit diesen drei Begriffen l\u00e4sst sich die Mission beschreiben, in die Gott uns hinein nehmen m\u00f6chte \u2013 seine Mission, die Aufrichtung seines Reiches in dieser Welt. Es ist keine einfache Mission, keine, die man rasch hinter sich l\u00e4sst, um sich dann neuen Aufgaben zuzuwenden. Sie ist eher das, was man im Englischen ein \u201eone-way-ticket\u201c nennt und im Deutschen mit \u201eHimmelfahrtskommando\u201c \u00fcbersetzt: eine Reise ohne Wiederkehr, ein Auftrag, der uns besch\u00e4ftigt bis zum Tod. Heute wird das nur in seltenen F\u00e4llen ein gewaltsamer Tod um unseres Auftrags willen sein \u2013 fr\u00fcher war das anders, im griechischen Begriff \u201eM\u00e4rtyrer\u201c, den wir als \u201eZeuge\u201c \u00fcbersetzen, klingt das noch nach. Heute k\u00f6nnen wir das Himmelfahrtskommando positiver sehen: Es ist nicht nur der letzte Auftrag Christi vor seiner Himmelfahrt, sondern auch ein Auftrag, der uns alle dem Himmel ein St\u00fcck n\u00e4her bringen soll, indem wir dazu beitragen, dass der Himmel auch auf der Erde Wirklichkeit wird. \u201eEr wurde Mensch, damit wir verg\u00f6ttlicht werden\u201c hat die Ostkirche zu dieser Einsicht formuliert. Lassen wir uns begeistern von diesem Angebot Gottes, warten wir darauf, dass auch uns die verhei\u00dfene Kraft aus der H\u00f6he erfasst und hineinzieht in ein Leben zur Ehre Gottes \u2013 damit wir Weltmeister werden, Meisterinnen und Meister darin, in dieser Welt so zu leben, wie es Gottes Willen entspricht.<\/p>\n<p>Gott sei Dank daf\u00fcr, dass er uns diese M\u00f6glichkeit schenkt! Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Eike Kohler<br \/>\nWiss. Assistent f\u00fcr Praktische Theologie<br \/>\nan der Evang.-Theol. Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Bonn<br \/>\n<a href=\"mailto:eikekohler@uni-bonn.de\">eikekohler@uni-bonn.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eHimmelfahrtskommando\u201c, Predigt zu Lukas 24, 45-49, verfasst von Eike Kohler (21.5.) \u201eHimmelfahrtskommando\u201c Liebe Gemeinde, \u201edie Welt zu Gast bei Freunden\u201c \u2013 unter diesem Motto bereitet sich unser Land zur Zeit darauf vor, einen gro\u00dfartigen Wettbewerb dar\u00fcber auszutragen, welches Team am besten in der Lage ist, das Runde mit Hilfe von Strategie und spielerischem K\u00f6nnen ins [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":17156,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[38,1,727,157,120,853,1156,114,1309,319,3,109,126,1166],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-11555","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-lukas","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bes_gelegenheiten","category-bibel","category-bibel-und-sport","category-deut","category-eike-kohler","category-kapitel-24-chapter-24","category-nt","category-predigten","category-predigtreihen","category-weltmeisterschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11555","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11555"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11555\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17159,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11555\/revisions\/17159"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17156"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11555"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11555"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11555"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=11555"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=11555"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=11555"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=11555"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}