{"id":11559,"date":"2021-02-07T19:49:09","date_gmt":"2021-02-07T19:49:09","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11559"},"modified":"2023-01-31T08:34:21","modified_gmt":"2023-01-31T07:34:21","slug":"1-korinther-9-24-27-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-9-24-27-4\/","title":{"rendered":"1. Korinther 9, 24-27"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Bibel und Sport<br \/>\nPredigten aus Anla\u00df der Fu\u00dfballweltmeisterschaft 2006<br \/>\nPredigt \u00fcber 1. Korinther 9, 24-27, verfasst von Erika Godel <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>\u201eMein Lebenslauf ist Lieb und Lust<br \/>\nund lauter Liederklang.<br \/>\nEin frischer Mut in heitrer Brust<br \/>\nmacht frohen Lebensgang.\u201c<\/p>\n<p>So sangen Studenten nach der 1848er Revolution in Deutschland und Johann Strauss hat dieses Lied sp\u00e4ter schwungvoll vertont. Der Text, liebe Geschwister, stammt nat\u00fcrlich nicht von Paulus. So etwas hat der Apostel nat\u00fcrlich nicht an die Gemeinde in Korinth geschrieben, aber vielleicht gemeint, als er \u2013 der sich an anderer Stelle als kr\u00e4nkelnder, von Kopfschmerzen geplagter Mann charakterisiert -, sich \u00fcberraschend mit einem Sportler verglich und Askese als eine wichtige sportliche Haltung propagierte f\u00fcr alle, die nicht nur k\u00e4mpfen sondern auch siegen wollen. Also auch f\u00fcr alle Christen.<\/p>\n<p>Was Paulus \u00fcber die Parallelen zwischen Sportlern und Christen erz\u00e4hlt, ist in sich nicht logisch, und kluge Exegeten haben den Nachweis l\u00e4ngst erbracht, dass der Vergleich, den Paulus mit seinem Bild vom sportlichen Wettkampf versucht, hinkt. Vielleicht kannte er sich mit Sport doch weniger gut aus als er meinte, oder das Urteil trifft zu, \u201edass die St\u00e4rke der paulinischen Rhetorik nicht auf dem Gebiet der Gleichnisbildung und \u2013anwendung liegt\u201c (Lietzmann).<\/p>\n<p>Bei sportlichen Wettk\u00e4mpfen gibt es am Ende nur einen Sieger. Das stimmt. \u00dcbertr\u00e4gt man dieses Bild und erkl\u00e4rt, wie Paulus, Christen zu L\u00e4ufern und ihr (Glaubens-)Leben zum Wettkampf, bei dem es nur einen Sieger oder eine Siegerin geben kann, dann bliebe uns allen nur die bange Frage: \u201eWerde ich die Siegerin sein, die den Preis, den Siegerkranz bekommt\u201c? Die Frage erinnert fatal an die J\u00fcngerfrage: \u201eHerr, bin ich es?\u201c (Mtth 26,22). Bekanntlich dreht es sich bei dieser klassischen Frage um Unverst\u00e4ndnis, mangelndes Durchhalteverm\u00f6gen, am Ende um Verrat. Zuerst um den Verrat der Person Jesu und damit auch seiner Ideen und Ziele. Wie sch\u00f6n ist es doch, manchmal sagen zu k\u00f6nnen: \u201eIch bin es nicht! Ich bin es nicht gewesen! Ich bin nicht mitgelaufen!\u201c<\/p>\n<p>Ungeachtet der Unstimmigkeit des paulinischen Bildes wird es immer wieder gerne zitiert in Zusammenh\u00e4ngen, in denen es irgendwie um Kirche und Sport geht. Und so wird es auch bei der bevorstehenden Fu\u00dfballweltmeisterschaft bestimmt zu h\u00f6ren sein. Vielleicht als Trostwort f\u00fcr die Spieler und alle ihre Fans, die im Viertelfinale oder im Halbfinale ausscheiden oder f\u00fcr die, die im Endspiel unterliegen werden? \u201eIhr wisst doch, dass alle, die sich f\u00fcr die Weltmeisterschaft qualifiziert haben, gute Fu\u00dfballspier sind. Es kann aber nur ein Team gewinnen. Wichtig ist, dass ihr gek\u00e4mpft habt. Und: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Es gibt noch ganz andere Meisterschaften und Troph\u00e4en im Leben zu gewinnen, nicht nur im Sport.\u201c<\/p>\n<p>Getr\u00f6stet zu werden, tut gut. Aber Trost allein macht noch nicht gl\u00fccklich. Aber darum geht es doch im Leben: um Gl\u00fccklichsein. Darum ging es auch Paulus. Seine Vorstellung von gl\u00fccklichem Leben ist vor allem die Erlangung der zielgerichteten Freiheit eines Christenmenschen zu Lebzeiten. Mit Luther hei\u00dft das: keinem Herrn untertan, aber jedermanns Knecht zu sein. Sich von Nichts und Niemanden abh\u00e4ngig machen, aber jedem Menschen zugewandt sein.<\/p>\n<p>Paulus hat f\u00fcr sich erkannt, dass die Freiheit eines Gotteskindes in der Nachfolge Christi nur durch eigenes Wollen und auf eigene Kosten zu erwerben ist. Nicht ein f\u00fcr allemal, ersondern immer wieder. Es ist ein st\u00e4ndiger Kampf! Nicht etwa, weil das Leben im allgemeinen ein Kampf ist. Diese Weltsicht vertraten zu Paulus Zeiten die Philosophen, nicht die Christen. Spezifische Kampfsituationen entstehen nach biblischem Verst\u00e4ndnis, weil das Fleisch schwach ist, auch wenn der Geist willig ist (Matth 26,41). Paulus wusste aus eigener Erfahrung: \u201e Das Gute, was ich will, tue ich nicht, aber das B\u00f6se, das ich nicht will, das tue ich\u201c (Rm 7,19). Deshalb sch\u00e4rft er den Korinthern ein, dass man sich immer wieder nach bestem Wissen und Gewissen so entscheiden und verhalten muss, dass alles Tun erkennbar dem Ziel dient, Jesus nachfolgen und Gott gefallen zu wollen. Das klingt nicht nur schwierig, sondern das ist es auch. Schwierig und anstrengend dazu. Geistig, seelisch und k\u00f6rperlich.<\/p>\n<p>Also ist es doch nichts mit \u201emein Lebenslauf ist Lieb und Lust?\u201c<\/p>\n<p>Ist Lebens- und \u00dcberlebenskampf angesagt? St\u00e4ndiges sich Messen, Benchmarking, Qualit\u00e4tssicherung und Konkurrenz? Wenigstens permanenter nicht nachlassender Einsatz und Engagement \u2013 notfalls bis zum Umfallen? Weil nur die Harten in den Garten kommen, auch in den Paradiesgarten? Paulus wei\u00df das eigentlich besser: \u201e Meine (Gottes) Kraft ist in den Schwachen m\u00e4chtig\u201c(2. Kor 12,9). Das hei\u00dft nichts anderes, als dass es im Kern im Verh\u00e4ltnis Gott Mensch gerade nicht um die Anstrengungen von uns Menschen geht. Im Kern geht es darum, dass die Kraft Gottes in uns und durch uns wirkt. Es kommt gerade nicht auf meine Anstrengungen und meinen Erfolg an, sondern darauf, dass ich mich in meiner Schwachheit Gott zur Verf\u00fcgung stelle. Dann kann und wird er durch mich wirken. Das hei\u00dft nicht, dass wir nichts tun k\u00f6nnen und sollen. Gott will uns ja gebrauchen. Das zuzulassen kostet Kraft. Um die aufzubringen, musste sich Paulus so sehr anstrengen. Er wei\u00df: Gnade macht nicht passiv \u2013 oder um im Bild zu bleiben \u2013 sie zwingt nicht zu unsportlichem Verhalten, zur Tr\u00e4gheit des K\u00f6rpers und des Geistes. Im Gegenteil: Wer wei\u00df und glaubt, dass die Gnade auf uns wartet, dass wir in Christi Reich unter ihm leben und ihm dienen werden in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit, wie es im Katechismus hei\u00dft, der wird sich anstrengen, dorthin zu kommen. Denn das ist das Ziel. Das steht Paulus vor Augen. Auf das hin will er uns aus- und aufrichten.<\/p>\n<p>Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,<br \/>\ndie sich \u00fcber die Dinge ziehn.<br \/>\nIch werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,<br \/>\naber versuchen will ich ihn.<br \/>\n(Rainer Maria Rilke)<\/p>\n<p>Unsportliche haben bei Gott die gleichen Chancen wie Siegertypen. Ob gl\u00fccklich oder ungl\u00fccklich, ob erfolgreich oder arbeitslos, ob begabt oder ungeschickt, ob gutwillig oder boshaft, ob schuldig oder neurotisch, ob lebenslustig oder sauert\u00f6pfisch \u2013 Gott ist hemmungslos in uns verliebt. Er wartet auf uns.<\/p>\n<p>Und die Wartezeit, die jedem und jeder von uns zur Verf\u00fcgung steht, die k\u00f6nnen wir n\u00fctzen; durchaus auch so, wie es biblische Weisheit empfiehlt: \u201eIss dein Brot mit Freuden, trink deinen Wein mit gutem Mut; denn dies dein Tun hat Gott schon l\u00e4ngst gefallen. Lass deine Kleider immer wei\u00df sein und lass deinem Haupte Salbe nicht mangeln. Genie\u00dfe das Leben mit deinem Weibe, das du lieb hast, solange du das eitle Leben hast, das dir Gott unter der Sonne gegeben hat; denn das ist dein Teil am Leben und bei deiner M\u00fche, mit der du dich m\u00fchst unter der Sonne. Alles, was dir vor die H\u00e4nde kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu (Pr 9, 7-10).<\/p>\n<p>Unseren je eigenen Lebenslauf so zu gestalten, dass er von Liebe und Freude gepr\u00e4gt ist, bleibt anstrengend, jeden Tag neu. Wer anstrebt, selig zu werden, darf M\u00fchen nicht scheuen. Das wollte uns Paulus wohl sagen. Wir haben die Wahl. Ergreifen wir sie: Stimmen sie ein in das folgende Lied:<\/p>\n<p>\u201eSuch, wer da will, ein ander Ziel, die Seligkeit zu finden, mein Herz allein bedacht soll sein, auf Christus sich zu gr\u00fcnden. Sein Wort sind wahr, sein Werk sind klar, sein heilger Mund hat Kraft und Grund, all Feind zu \u00fcberwinden:\u201c (EG 346).<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Erika Godel<br \/>\nOlympische Str. 10<br \/>\n14052 Berlin<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bibel und Sport Predigten aus Anla\u00df der Fu\u00dfballweltmeisterschaft 2006 Predigt \u00fcber 1. Korinther 9, 24-27, verfasst von Erika Godel \u201eMein Lebenslauf ist Lieb und Lust und lauter Liederklang. Ein frischer Mut in heitrer Brust macht frohen Lebensgang.\u201c So sangen Studenten nach der 1848er Revolution in Deutschland und Johann Strauss hat dieses Lied sp\u00e4ter schwungvoll vertont. 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