{"id":11562,"date":"2006-12-07T19:48:47","date_gmt":"2006-12-07T18:48:47","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11562"},"modified":"2025-04-08T15:22:49","modified_gmt":"2025-04-08T13:22:49","slug":"lukas-1-68-79-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-1-68-79-2\/","title":{"rendered":"Lukas 1, 68-79"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">1. Sonntag im Advent | 3. Dezember 2006 | Lukas 1,68-79 | Christine Hubka |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Vorbemerkung:<br \/>\nAn einem Sonntag im Advent wird in der Evangelischen Pauluskirche in Wien ein Gottesdienst gefeiert, der das Anliegen der Bewegung \u201eWorld Wide Candlelighting\u201c aufnimmt, in dem der zu fr\u00fch geborenen oder fr\u00fch verstorbenen Kinder gedacht wird. Dieses Anliegen wird, da es sich um einen Gemeindegottesdienst handelt und nicht um einen Kasualgottesdienst, um das Thema Kinder insgesamt erweitert.<\/p>\n<p>Wir alle wissen, dass eine Schwangerschaft<br \/>\ndas Leben der Frau ver\u00e4ndert.<br \/>\nDie Bibel wei\u00df und erz\u00e4hlt auch<br \/>\nvon den Ver\u00e4nderungen im Leben der V\u00e4ter:<\/p>\n<p>Ein Mann erf\u00e4hrt,<br \/>\ndass die Frau, mit der er lebt, schwanger ist.<br \/>\nDas ver\u00e4ndert nicht nur sein Leben.<br \/>\nEs ver\u00e4ndert ihn.<br \/>\nEr, der Wortgewandte,<br \/>\ner, der es gewohnt ist,<br \/>\nzu gro\u00dfen Volksmengen zu sprechen,<br \/>\nverstummt<br \/>\nw\u00e4hrend der Schwangerschaft seiner Frau.<\/p>\n<p>Nach der Geburt des Sohnes<br \/>\nfindet der Vater wieder Worte:<\/p>\n<p><em>Gelobt sei der Herr, der Gott Israels!<br \/>\nDenn er hat besucht und erl\u00f6st sein Volk<br \/>\nund hat uns aufgerichtet eine Macht des Heils<br \/>\nim Hause seines Dieners David<br \/>\n&#8211; wie er vorzeiten geredet hat<br \/>\ndurch den Mund seiner heiligen Propheten -,<br \/>\ndass er uns errettete von unsern Feinden<br \/>\nund aus der Hand aller, die uns hassen,<br \/>\nund Barmherzigkeit erzeigte unsern V\u00e4tern<br \/>\nund ged\u00e4chte an seinen heiligen Bund<br \/>\nund an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham,<br \/>\nuns zu geben,<br \/>\ndass wir, erl\u00f6st aus der Hand unsrer Feinde,<br \/>\nihm dienten ohne Furcht unser Leben lang<br \/>\nin Heiligkeit und Gerechtigkeit<br \/>\nvor seinen Augen.<br \/>\nUnd du, Kindlein, wirst ein Prophet des H\u00f6chsten hei\u00dfen.<br \/>\nDenn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest<br \/>\nund Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk<br \/>\nin der Vergebung ihrer S\u00fcnden,<br \/>\ndurch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes,<br \/>\ndurch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der H\u00f6he,<br \/>\ndamit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes,<br \/>\nund richte unsere F\u00fc\u00dfe auf den Weg des Friedens.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend in seiner Frau das Kind w\u00e4chst,<br \/>\nsind in dem Vater<br \/>\nBilder voller Hoffnung gewachsen.<br \/>\nWas f\u00fcr unglaublich hohe Erwartungen<br \/>\nan ein Kind.<\/p>\n<p><em>Du, Kindlein, wirst ein Prophet des H\u00f6chsten hei\u00dfen.<br \/>\nDenn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest<br \/>\nund Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk<br \/>\nin der Vergebung ihrer S\u00fcnden, \u2026<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Johannes hei\u00dft der Knabe \u2013<br \/>\nEr ist ein Wunschkind.<br \/>\nSein Name bedeutet:<br \/>\nGott ist gn\u00e4dig. Gott neigt sich dir zu.<\/p>\n<p>Wunschkind sein kann eine Last werden,<br \/>\nwenn die Erwartungen so hoch sind.<br \/>\nWas ist, wenn das Kind,<br \/>\ndie Tochter, der Sohn, der Stammhalter<br \/>\ndiese Erwartungen nicht erf\u00fcllt?<\/p>\n<p>Johannes wird ein Unangepasster.<br \/>\nEr verkracht sich mit den wichtigsten Leuten.<br \/>\nEr macht sich den m\u00e4chtigsten Mann im Land<br \/>\nzum Feind.<br \/>\nAm Ende stirbt er im Kerker.<br \/>\nEin Justizmord ist es<br \/>\nnach einer Party im Haus des K\u00f6nigs.<\/p>\n<p>So hat sich das sein Vater wohl nicht vorgestellt,<br \/>\nals er gesagt hat:<br \/>\n<em>Du, Kindlein, wirst ein Prophet des H\u00f6chsten hei\u00dfen.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Aber:<br \/>\nJohannes hei\u00dft:<br \/>\nGott ist gn\u00e4dig. Gott neigt sich dir zu,<br \/>\nWenn sich auch die mit den hohen Erwartungen<br \/>\nvon dir abwenden.<\/p>\n<p>Gott ist gn\u00e4dig \u2013<br \/>\nGott neigt sich zu den Kindern,<br \/>\ndie unsere Erwartungen nicht erf\u00fcllen.<br \/>\nUnd weil er ihnen dabei nahe kommt,<br \/>\nsieht Gott das, was kostbar ist in diesem Leben,<br \/>\ndas andere als verpfuschtes Leben abtun.<\/p>\n<p>Gott neigt sich zu den Kindern,<br \/>\ndie andere Wege gehen, als ihre Eltern vorgeben.<br \/>\nUnd er begleitet sie auch dort,<br \/>\nwo keiner sonst mehr mitgehen will.<\/p>\n<p>Gleich neben den Hoffnungsbildern aber<br \/>\nlauern Bilder voller Angst,<br \/>\nwenn ein Kind erwartet wird.:<br \/>\nWenn der Vater, die Mutter<br \/>\ngerade <em>in Finsternis und Schatten des Todes sitzen,<br \/>\n<\/em>kriechen aus dieser Finsternis die Fragen heraus:<\/p>\n<p>Wo wird Platz sein f\u00fcr das Kind,<br \/>\nund wie ist dieser Platz beschaffen,<br \/>\nwenn das Kind<br \/>\nmit einer Behinderung geboren wird?<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen wir Eltern, Vater, Mutter,<br \/>\nnoch zus\u00e4tzlich Verantwortung \u00fcbernehmen<br \/>\nf\u00fcr ein Kind,<br \/>\nwenn wir unser eigenes Leben<br \/>\ngerade eben nur mit M\u00fche bew\u00e4ltigen?<\/p>\n<p>Fragen,<br \/>\ndie \u2013 anders als viele anderen Fragen \u2013<br \/>\nselten ausgesprochen<br \/>\nund noch seltener besprochen werden.<\/p>\n<p>Weil Eltern auf diese Fragen keine Antwort finden,<br \/>\ndie Licht in diese Finsternis<br \/>\nund die Schatten des Todes bringen k\u00f6nnte,<br \/>\nhaben sie nicht den Mut,<br \/>\nihr Kind auf die Welt kommen zu lassen.<\/p>\n<p>Aber Johannes hei\u00dft:<br \/>\nGott ist gn\u00e4dig.<br \/>\nGott neigt sich zu den Eltern,<br \/>\ndie ihrem Kind nicht Eltern sein k\u00f6nnen,<br \/>\nund sieht die Traurigkeit und die Angst,<br \/>\nwenn andere von Rabeneltern reden.<\/p>\n<p>Johannes hei\u00dft:<br \/>\nGott ist gn\u00e4dig.<br \/>\nGott neigt sich zu den Familien,<br \/>\ndie um ein Kind weinen,<br \/>\ndas viel zu fr\u00fch geboren wurde,<br \/>\num leben zu k\u00f6nnen.<br \/>\nAuch wenn rund um diese Eltern<br \/>\ndie Achseln gezuckt werden,<br \/>\nund so schnell davon die Rede ist,<br \/>\ndass man ja noch weitere Kinder haben kann.<\/p>\n<p>Und dort, wo Kinder nach kurzer Lebenszeit<br \/>\nihre Eltern an der leeren Wiege zur\u00fccklassen,<br \/>\nauch dort neigt Gott sich ganz nahe hin,<br \/>\num die Tr\u00e4nen zu z\u00e4hlen.<br \/>\nLange nachdem rund um diese Familien<br \/>\ndas sogenannte normale Leben weiter geht,<br \/>\ngibt es Tr\u00e4nen.<br \/>\nUnd Gott bleibt da, bis die letzte geweint ist.<br \/>\nJohannes hei\u00dft:<br \/>\nGott ist gn\u00e4dig.<\/p>\n<p>Darum brauchen wir auf unseren evangelischen Friedh\u00f6fen Orte,<br \/>\ndie zu fr\u00fch geborenen Kindern<br \/>\nund fr\u00fch verstorbenen Kindern gewidmet sind.<br \/>\nOrte, wo es zu sp\u00fcren ist f\u00fcr die,<br \/>\ndie um diese Kinder trauern,<br \/>\ndass Gott sich denen zuneigt,<br \/>\ndie um diese Kinder klagen.<\/p>\n<p>Orte, wo nicht gefragt wird nach den Ursachen,<br \/>\nwo das Leid und die Tr\u00e4nen aufgehoben sind,<br \/>\nund die Verhei\u00dfung strahlt:<br \/>\nGott wird deinem Kind Mutter und Vater sein,<br \/>\nweil du es nicht sein kannst.<\/p>\n<p>Der Vater des Johannes sagt:<\/p>\n<p><em>Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes,<br \/>\nwird uns besuchen das aufgehende Licht aus der H\u00f6he,<br \/>\ndamit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Wir aber wissen mehr als er.<em><br \/>\n<\/em>Wir wissen:<br \/>\nNicht nur auf Besuch ist er gekommen.<br \/>\nSondern er ist gekommen und geblieben.<br \/>\nDenn Johannes hei\u00dft:<br \/>\nGott ist gn\u00e4dig. Er neigt sich uns zu.<\/p>\n<p>Und daf\u00fcr sei Lob und Preis in Ewigkeit.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Christine Hubka, Wien<br \/>\n<a href=\"mailto:christine.hubka@gmx.at\">christine.hubka@gmx.at <\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Sonntag im Advent | 3. Dezember 2006 | Lukas 1,68-79 | Christine Hubka | Vorbemerkung: An einem Sonntag im Advent wird in der Evangelischen Pauluskirche in Wien ein Gottesdienst gefeiert, der das Anliegen der Bewegung \u201eWorld Wide Candlelighting\u201c aufnimmt, in dem der zu fr\u00fch geborenen oder fr\u00fch verstorbenen Kinder gedacht wird. 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